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Review: Zack Snyder’s Justice League

Die Corona-Pandemie hat in den vergangenen 12 Monaten zu weniger Superhelden-Blockbuster-Action geführt. Der „Snyder Cut“ von Justice League tritt nun an, um das zu ändern. Vier Stunden (!) lang kämpfen Batman, Superman, Wonder Woman, Cyborg, Aquaman und der Flash gegen das Böse. Für Regisseur Zack Snyder war es ein weiter Weg bis zu diesem Punkt. Er musste 2017 aufgrund einer Tragödie in der Familie seinen Posten abgeben, Avengers-Regisseur Joss Whedon übernahm und krempelte das Projekt um. Der Streifen wurde auf zwei Stunden gekürzt, jede Menge unpassende Witze eingefügt. Getrieben von fanatischen Fans gestattete Warner Bros. Snyder nun, seine Vision für den Streaming-Dienst HBO Max (im deutschsprachigen Raum bei Sky) doch noch umzusetzen.

Gleich vorweg: Die Handlung ist im Kern bekannt. Zack Snyder’s Justice League dreht sich wie bereits die Fassung von 2017 um die Zeit nach dem Ableben von Superman (siehe – oder auch nicht – Batman v Superman: Dawn of Justice von 2016). Natürlich bahnt sich eine neue Bedrohung an, die die Abwesenheit des Kryptoniers nutzen möchte, unsere Welt zu vernichten. Doch das Böse, verkörpert durch den mächtigen Steppenwolf, hat nicht mit den verbleibenden Helden gerechnet – Batman und Wonder Woman. Das ungleiche Pärchen die Gefahr und stellt nun ein Team zusammen, das den Kampf gegen Steppenwolf aufnehmen soll.

Die Story mag zwar bekannt sein, hat aber viele neue Nuancen und Facetten – sowie einen neuen Hauptcharakter. Cyborg (Ray Fisher) ist das Herz des Films, immer im Zentrum des Geschehens und hat einen massiven Einfluss auf die Handlung. Whedon hatte vor einigen Jahren fast alle seiner Szenen geschnitten oder geändert. Und auch Flash kann jetzt so richtig strahlen. Statt ein Versager ohne Kampferfahrung zu sein, gibt ihm Zack Snyder einen wahrlich heroischen Moment im großen Kampf gegen Steppenwolf. Dieser wiederum hat ein coole Redesign bekommen und hat tatsächlich nachvollziehbare Beweggründe für sein Handeln – nämlich seinen Meister Darkseid zu beeindrucken. Der große Schurke hat ebenfalls einen Auftritt – bei Whedon blieb es damals bei einer beiläufigen Erwähnung.

Die größte Stärke des Films ist seine Besetzung. Gal Gadot ist perfekt als Wonder Woman, Henry Cavill gibt einen überzeugenden Superman und Ben Affleck als alternder Batman begeistert auch jene Fans, die sich ursprünglich über diese Casting-Entscheidung das Maul zerrissen hatten. Neben ihnen brillieren Jason Momoa, Ray Fisher und Ezra Miller.

Der Snyder Cut muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dass er sich zu ernst nimmt. Der Film ist gespickt mit ernsten Menschen (und Supermenschen), die ernste Dialoge führen. Whedons Witze waren damals zwar zu viel, das andere Extrem ist aber nicht weniger mühsam. Noch dazu verliert sich Snyder in Nebensächlichkeiten, die den Film einfach nur ausdehnen, statt ihn besser zu machen. Viel zu viele Zeitlupen und überflüssige Szenen blasen das Endprodukt unnötig auf. Niemand brauchte eine Szene, in der Alfred Wonder Woman beibringt, wie man Tee macht. Gegen Ende fühlt man sich fast an Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs erinnert. Auch nach mehreren Epilogen kommt der Film einfach nicht zum Ende. Noch dazu sieht eine eigens neu gedrehte Sequenz zum Schluss einfach nicht gut aus – generell sehen Snyders Bilder künstlich aus. Fast wie die Zwischensequenz eines Videospiels aus den 2010er-Jahren.

Wertung

Fazit - 7

7

Vier Stunden hätte Zack Snyder's Justice League nicht lang sein müssen. Drei hätten es auch getan. Snyder verliert sich zu oft in seinem eigenen, teils sogar prätentiösen Exzess. Ohne die vielen Zeitlupen und sinnlosen Szenen wäre der Film besser gewesen. Immerhin bietet er interessante Ansätze, die in den ursprünglich geplanten Fortsetzungen erforscht worden wären. Dazu wird es nun vermutlich nicht mehr kommen. Das ist trotz aller Schwächen dann doch schade.

Kurzinformationen
Filmlänge: 242 Minuten
Land, Jahr: USA, 2021
Genre: Action
Regie: Zack Snyder

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