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Review: Unrailed! (Nintendo Switch)

Vom Gamer zum Gleistechniker in wenigen Minuten

Deadalic Entertainment aus Hamburg, bekannt für Adventures wie Deponia oder Edna bricht aus, derzeit beschäftigt mit dem angekündigten Lord of the Rings: Gollum, hat einfach mal so mit Unrailed! einen kleinen aber feinen potentiellen Couch-koop Hit rausgehaut. Erstes Feedback der Spieler war vielversprechend, somit war die Freude groß, als das Testmuster bei uns eintraf.

Bei schönem Wetter lässt es sich gut arbeiten

Prinzipiell gar nicht so schwierig…

In Unrailed! übernehmt ihr die Rolle fleissiger Gleisarbeiter*innen, deren Ziel es ist die Gleise schnell genug vor einen sich ständig bewegenden Zug zu verlegen. Sollte der Zug dann doch mal das Ende der Gleise erreichen macht es Bumm! und die Partie ist beendet. Um Gleise zu produzieren gilt es die Ressourcen Holz und Erz mit Hilfe einer Axt und einer Spitzhacke zu sammeln indem man Bäume fällt oder sich durch Gestein hackt. Die Rohstoffe werden dann auf einen Waggon des Zuges gepackt, der daraus Gleise produziert. Die Gleise werden dann wie schon erwähnt vor dem Zug verlegt. Die Steuerung funktioniert hier so einfach wie denkbar möglich, mit einem Knopf hebt man Ressourcen, Werkzeuge oder Gleise auf oder legt sie ab, mit einem zweiten Knopf kann man kurz sprinten, das fällen von Bäumen oder zerschlagen von Gestein läuft automatisch ab. Ressourcen lassen sich bis zu einem gewissen Limit stapeln, was das Einsammeln derer erleichtert. Dieses Limit kann im Laufe des Spiels auch noch erweitert werden. Ab und an droht der Zug zu überhitzen, dann holt man einfach mit einem Eimer Wasser und kühlt beziehungsweise löscht den Zug. Solange dieser brennt können einfach keine Gleise gebaut werden, auch eher suboptimal. Das war es dann eigentlich auch schon wieder, wenn da nicht noch einige Problemchen und Hürden lauern würden.

Gleisbau in der Hölle

…aber so richtig leicht dann auch wieder nicht

Immer wieder werden wir mit Hindernissen konfrontiert, sei dies nun ein Fluss oder ein Lavasee über den eine Brücke aus Holz oder Eisen gebaut werden muss, mal ist es der Zeitstress weil man nur Holz abgebaut hat und nun Eisen braucht, die Spitzhacke aber nicht mehr erreichbar ist weil man sie verlegt hat oder sie blockiert ist. Oder aber sind es die Unwegsamkeiten der verschiedenen Landschaftstypen, wie zum Beispiel die Ebenen, die Wüste oder gar die Hölle selbst. In all diesen Gegenden werdet ihr vor spezielle Herausforderungen gestellt, manchmal werden euch Ressourcen gestohlen, Wasserkübel leer getrunken, die Steuerung aufgrund von Geistern umgedreht, man findet kein Wasser zum kühlen des Zuges und vieles mehr.

Und hier kommt dann das Spiel so richtig in Fahrt. Ihr seid nämlich nicht allein vor diese Schwierigkeiten gestellt, sondern habt im Singleplayer entweder einen Bot an eure Seite gestellt, dem ihr über ein Auswahlrad genau sagen könnt was er tun soll (Ressourcen sammeln, Gleise bauen, kühlen,…), im Optimalfall spielt ihr aber mit bis zu vier Spielenden gemeinsam und koordiniert so euer Vorgehen, was auch online möglich ist, wobei man sich hier mittels spezieller Emojis Kommandos geben kann. Das kann vor allem zu Beginn ganz schön hektisch sein, aber wenn dann mal jeder weiß was zu tun ist und die Workflows sitzen, kommt man einigermaßen unbeschadet ans Ziel. Je mehr Spielende beteiligt sind, umso schneller fährt auch der Zug, was den Schwierigkeitsgrad sehr gut an die Spielerzahl anpasst.

Unrailed! bietet hierbei einige Spielmodi: Im Versus Modus baut ihr um die Wette und schaut wer zuerst beim nächsten Bahnhof ankommt, im Schnellen Modus spielt ihr nur einen Abschnitt bis zum nächsten Bahnhof gegen die Zeit, im Endlos Modus baut ihr solange Gleise von Bahnhof zu Bahnhof bis ihr irgendwann mal scheitert. In den Bahnhöfen könnt ihr dann für während des Spiels verdiente Schrauben Upgrades für euren Zug kaufen. Dabei handelt es sich etwa um einen größeren Tank im Kühlwagen, einer schnelleren Gleisproduktion, dem Vergrößern der Stapel, spezielle Waggone die Holz in Eisen und umgekehrt umwandeln und noch vielem mehr. Im Sandbox-Modus stellt ihr nach Lust und Laune einen Zug zusammen, in den ihr alle Waggone aus dem Endlos-Modus packen könnt und spielt so einfach drauf los.

Auch um die Wette wird gebaut

Sehr, aber nicht zu lieblich!

Was einem natürlich sofort in die Augen springt ist die Minecraft-esque Grafik, nur eben aus einer Iso-Perspektive. Die Objekte, Figuren, Landschaften sind alle sehr simpel und einfach gehalten, was aber eher förderlich ist, da im Eifer des Gleisbaus sowieso keine Zeit ist die Umgebung zu genießen und so auch nicht ablenkt.

Die Steuerung ist wie bereits erwähnt sehr, sehr, sehr simpel, dadurch auch sehr eingängig und wirklich von jedem schnell gelernt. Auch bei diesem Spiel durften sich im Haushalt befindliche absolute Nicht-Spieler an die Konsole, die aber sofort Zugang fanden und Gleise bauten, als hätten sie vorher nichts anderes gemacht.

Und vor allem im Multiplayer glänzt Unrailed!, sich Kommandos zurufen, gemeinsam entscheiden wo es lang geht, sich koordinieren, gemeinsam siegen und mit etwas Pech gemeinsam scheitern. Egal ob zwei, drei oder vier Spieler, gemeinsam macht das Spiel wirklich Laune. Etwas anders sieht es da im Einzelspieler aus. Der zur Verfügung gestellte Bot ist wirklich praktisch und sehr effizient sofern man man ihm die richtigen Aufgaben zuteilt, aber wirkliche Langzeitmotivation kam da nicht auf. Nach ein paar Testrunden verging mir dann aber doch ein wenig die Lust am Bauen und ich hätte mir die realen Mitspieler wieder an meine Seite gewünscht, da hier vor allem das wilde Durcheinander, der Stress einen Großteil des Spielspaßes bringt. Zu monoton sind dann die Abläufe und bis auf die Unterschiede durch die Landschaften tut sich am Gameplay nichts mehr. Und selbst im Koop konnte uns das Spiel nach ein paar Runden nicht mehr sehr motivieren. Irgendwann hat man alle Landschaftstypen gesehen und die verschiedenen Upgrades ausprobiert, irgendwann hat man raus wie man optimal vorgeht. Nach ein, zwei Tagen Pause hatte uns Unrailed! aber dann wieder gereizt und war gut für einen kleinen Snack zwischendurch.

Pros

+ witzige Spielidee
+ leichte Steuerung
+ Nervenkitzel

Cons

– Langzeitmotivation
– Einzelspieler nicht sehr motivierend

Fazit

Wertung - 7

7

Party-Spiel mit frischen Ideen für zwischendurch

Unrailed! mag ein kleines Spiel sein, glänzt aber durch eine witzige und toll umgesetzte Spielidee, gepaart mit sehr zugänglicher Steuerung. Die Grafik ist zwar eher zweckmäßig , hat aber doch ihren ganz eigenen Charme. Für kleine Spielesessions zwischendurch kann das Spiel Couch-Koop Liebhabern wärmstens empfohlen werden, die Langzeitmotivation, vor allem für Einzelspieler blieb bei uns jedoch aus.

Genre: Aufbau-Party-Spiel
Entwickler: Daedalic Entertainment/Indoor Astronaut
System: PS4, Xbox, Nintendo Switch, Windows PC, Linux, Mac OS
Erscheint: erschienen
Preis: ab 19,99 Euro

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