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Review: The Last Ninja Collection + Bonus Games

Sieben Retro Klassiker, ein Haufen Chipmusik und der eine Sprung, der uns noch immer das Selbstvertrauen klaut

Manchmal reicht ein einziger Bildschirm, um einen ganzen Jahrzehnte Ordner im Kopf zu öffnen. Ein isometrischer Innenhof, ein paar Pixelbüsche, ein Ninja mit dem Blick eines Menschen, der schon beim Ladebildschirm weiss, dass gleich wieder alles schiefgeht. The Last Ninja war Ende der 80er nicht einfach nur ein weiteres Actionspiel auf dem Commodore 64. Es war ein kleiner Techniktrick, ein Stilstatement und für viele der Moment, in dem plötzlich klar wurde, wie weit man 8 Bit Grafik, Animation und vor allem Musik treiben konnte.

Jetzt ist die Reihe als The Last Ninja Collection + Bonus Games zurück. Kein Remake, keine Neuinterpretation, sondern eine bewusst originale Zeitkapsel. Die Sammlung packt die komplette Last Ninja Reihe zusammen und ergänzt sie um drei weitere Klassiker aus dem Umfeld von System 3. Wir haben die PC Version auf einem aktuellen Spiele PC sowie unterwegs am Steam Deck gespielt und getestet. Und ja, der berühmte Sprung wartet noch immer dort, wo wir ihn in Erinnerung hatten.

Die Collection ist im Kern ein komfortables Archiv. Ihr wählt Spiel und Version, startet direkt los und bekommt möglichst authentische Emulation statt moderner Glättung. Das bedeutet auch: Die Spiele wirken so, wie sie damals wirkten. Mit all ihren Stärken, ihren Eigenheiten und ihrer manchmal fast schon frechen Vorstellung davon, was ein fairer Sprung ist. Praktisch ist, dass ihr jederzeit speichern könnt, was die Spiele nicht automatisch einfacher macht, aber zumindest den Frust etwas besser dosiert.

Getestet wurde die PC Version via Steam auf einem aktuellen Spiele PC und auf dem Steam Deck. Technisch gab es dabei keine Ausfälle. Die grösste Hürde ist nicht die Performance, sondern eure Geduld, euer Orientierungssinn und euer Verhältnis zu isometrischer Steuerung. Am Desktop spielt sich das mit Gamepad am entspanntesten. Am Steam Deck hat uns der D Pad Ansatz besser gefallen als ein zu sensibler Analogstick, weil diagonale Schritte in diesen Spielen echte Überzeugungsarbeit verlangen. Mit gutem Mapping und etwas Eingewöhnung klappt das, aber ihr merkt sofort, warum diese Spiele damals Tastatur und Joystick Veteranen hervorgebracht haben.

Die Sammlung umfasst sieben Spiele. Wichtig: Es sind nicht nur die bekannten C64 Versionen dabei, sondern je nach Titel auch Fassungen für Amiga und ZX Spectrum. Das macht das Paket besonders spannend, weil man nicht nur Nostalgie konsumiert, sondern auch vergleichen kann, wie stark sich Look, Sound und teilweise sogar das Spielgefühl zwischen den Plattformen unterscheiden.

The Last Ninja

Der Startpunkt der Legende. Isometrische Perspektive, ein Ninja namens Armakuni und ein Spiel, das Action, Rätsel und Erkundung in einen Topf wirft, lange bevor jemand dafür das Wort Action Adventure inflationär verwendet hat. Heute wirkt das Kampfsystem simpel, fast schon schematisch. Der Reiz kommt aus dem Leveldesign, aus dem Rhythmus zwischen vorsichtigem Vorantasten, Fallen umkurven, Items finden und dem ständigen Gefühl, dass man eigentlich noch nicht verstanden hat, was das Spiel gerade von einem will.

Last Ninja 2

Der Kultteil für viele. Der Sprung von feudalem Ninja Drama nach New York ist auch heute noch herrlich absurd und genau deshalb so charmant. Ihr bewegt euch weiter isometrisch durch Screens, sammelt Ausrüstung, prüft Wege und kämpft euch durch Gegner, die oft weniger euer grösstes Problem sind als das Umfeld. Ja, man kann hier auf sehr demütigende Art sterben. Der Teil ist gleichzeitig zugänglicher und fieser. Zugänglicher, weil er mehr Schwung hat. Fieser, weil er euch gern mal in Situationen bringt, in denen ihr nach zwei Minuten merkt, dass ihr vor fünf Screens etwas vergessen habt.

Last Ninja 3

Die Reise wird grösser, mystischer und spürbar ambitionierter. Thematisch geht es in Richtung tibetisches Tempel Setting, spielerisch bleibt vieles vertraut, wirkt aber kompakter strukturiert. Der dritte Teil hat für uns den stärksten Abenteuer Ton. Weniger Gag, mehr Atmosphäre. Gleichzeitig merkt man, dass die Serie hier am Rand dessen kratzt, was das Grundgerüst hergibt. Wer die ersten beiden Teile mochte, bekommt hier den würdigen Abschluss, aber auch eine Portion zusätzlicher Trial and Error Pädagogik.

Ninja Remix

Das ist kein modernes Remix im Sinne einer Neuauflage, sondern eine 16 Bit Variante des ursprünglichen Spiels. Man erkennt das Original sofort, aber Präsentation und Einstieg wirken aufgeräumter und für manche auch angenehmer. Gerade im direkten Vergleich ist Ninja Remix interessant, weil man hier gut sieht, wie sich die Serie Richtung 16 Bit Zeit strecken wollte, ohne ihre DNA zu verlieren.

International Karate

Wenn ihr das Paket wegen der Ninja Teile kauft, ist das hier trotzdem ein echtes Bonus Highlight. International Karate ist der bodenständigste Prügler in der Sammlung und gleichzeitig einer, der auf Anhieb funktioniert. Ein Bildschirm, klare Regeln, schnell verstanden. Die Treffer wirken heute nicht mehr spektakulär, aber der Flow stimmt noch immer.

IK+

Der Star der Bonus Spiele. Das Drei Kämpfer Prinzip sorgt für Chaos, Timing und überraschend viel Taktik, weil man ständig abwägen muss, ob man den unmittelbaren Gegner verdrischt oder lieber den dritten Kämpfer aus dem Augenwinkel im Blick behält. Dazu kommt das kleine Ball Minispiel, das wie ein frecher Trainingsmodus wirkt, der euch innerhalb von Sekunden beweist, wie langsam eure Reflexe eigentlich geworden sind. Lokal zu zweit macht das richtig Spass, auch wenn man nach ein paar Runden plötzlich wieder so redet, als wäre man 14.

Bangkok Knights

Das Kuriosum im Paket. Technisch war das damals beeindruckend, weil die Sprites gross sind und das Spiel klar zeigen will: Wir sind hier nicht nur Karate, wir sind schon fast Show. Spielerisch ist es heute aber der schwächste Kandidat. Als historisches Artefakt spannend, als Spiel im Vergleich zu den anderen eher eine Dreingabe, die man respektvoll anspielt und dann wieder zurück zu den Ninjas oder zu IK+ hüpft.

Retro Pur!

Man muss es klar sagen: Diese Collection ist nicht nett. Sie ist nicht das Retro Paket, das euch an die Hand nimmt, euch erklärt, wohin ihr gehen sollt und dann noch ein Achievement fürs Atmen ausspuckt. Die Spiele verlangen Konzentration und manchmal auch Sturheit. Dass ihr speichern könnt, ist Gold wert, ersetzt aber kein modernes Quality of Life Gerüst. Wenn ihr aus heutiger Sicht nach Komfort sucht, werdet ihr an mehreren Stellen an die Wand laufen. Wenn ihr aber Freude daran habt, alte Design Entscheidungen nachzuvollziehen, dann fühlt sich diese Sammlung wie ein kleines Museum an, in dem man alles anfassen darf.

Fazit:

Wertung: - 7

7

The Last Ninja Collection + Bonus Games ist eine Sammlung für Leute, die Retro nicht als Deko Wort benutzen. Sie liefert sieben Spiele, die historisch wichtig sind und sich heute noch erstaunlich gut spielen lassen, wenn man sich auf ihre Regeln einlässt. Die Last Ninja Reihe zeigt weiterhin, wie clever Action, Rätsel und Atmosphäre auf 8 Bit zusammengehen können. Und die Bonus Titel, vor allem IK+, sind mehr als nur Füllmaterial. Was fehlt, sind moderne Extras, mehr Kontext Material, ein stärkeres Rundum Paket für Neulinge. Diese Collection will bewahren, nicht erklären. Für Fans ist das genau richtig. Für alle anderen ist es eine Einladung, die man bewusst annehmen muss.

Genre: Retro Action Adventure Sammlung
Entwickler: System 3 Software
Erscheint: erhältlich am PC, Q1 2026 auf PlayStation 5 und Nintendo Switch
System: PC, PlayStation 5, Nintendo Switch
Preis: ca. 30 Euro 

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