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Review: The End of the World: Zombie Apokalypse

Basierend auf einem spanischen Pen&Paper-Spiel namens El Fin del Mundo durchlebt man bei The End of the World, wie der Name schon verrät, das Ende der Welt. Bereits im ersten Teil, Zombie Apokalypse, kann man aus mehreren Szenarien wählen und gemeinsam mit Freunden oder Bekannten ums nackte Überleben kämpfen, wenn die Untoten erwachen. Das besondere bei The End of the World liegt am einfachen und logischen Regelsystem und an der Tatsache, dass man sich selbst im Hier und Jetzt spielt.

Harmlos beginnt der Spiele-Abend

Falsche Selbsteinschätzung?
Jeder Spieler hat drei unterschiedliche Kategorien, die wiederum jeweils in einen offensiven und eine defensiven Wert unterteilt sind. Körperliche, mentale und soziale Eigenschaften decken also alles ab, was es zu tun gibt. Der Reiz an der Apokalypse besteht unter anderem auch darin, kein unbesiegbarer, ehrenvoller Held zu sein, sondern einfach man selbst mit allen Stärken und Schwächen, die einen Menschen einzigartig machen. Beim Anlegen seines eigenen Charakters hat man insgesamt 10 Punkte realistisch unter den Eigenschaften aufzuteilen. Hat man sich selbst auf dem Papier einmal eingeschätzt, dürfen die anderen Mitspieler in einer geheimen Wahl darüber entscheiden, ob man sich unter- oder überschätzt hat. Je nach Ausgang der Wahl können so einzelne Werte erhöht oder gesenkt werden, jedoch nicht ohne ein positives oder negatives Attribut in der Kategorie zu ändern. Wer The End of The World ganz realistisch spielen will, kann auch unter dem Bereich Traumas auch körperliche, soziale, oder seelische Traumata (zb: Verletzungen, Vorurteile, Ängste)  angeben. Wem das zu viel des Guten ist, der verzichtet darauf, denn der Spaß sollte trotz düsterer Endzeit-Szenarien immer im Vordergrund stehen.

Alle Fähigkeiten in drei Kategorien

Stressiges Überleben
Stress spielt in den letzten Stunden der Menschheit eine große Rolle und wird auch bei der Zombie-Apokalypse gezählt und vermerkt. Das Durchführen von wichtigen Aktionen wird je nach Umständen simuliert. Angenommen jemand will in Anbetracht einer sich nähernden Zombie-Horde eine klemmende Türe eintreten, so überlegt man sich vor Ablegen eines Dexterity-Tests die Umstände, in denen sich der Spieler im Moment befindet. Für jedes begünstigende Element, wie zum Beispiel schwere Stiefel, körperliche Fitness oder der Mithilfe andere Spieler nimmt man einen positiven Würfel in den Pool. Für jeden nachteiligen Aspekt, wie der zeitlichen Dringlichkeit, der dieses Unterfangen angesichts der Zombies unterliegt, eines verstauchten Fußes oder der Dunkelheit, kommt eine Anzahl an negativen Würfel dazu. Um einen Test abzulegen würfelt man nun alle positiven und negativen Würfel zusammen und entfernt alle positiven und negativen Würfel gleicher Augenzahl. Übrig gebliebene positive Würfel werden dann mit dem Wert der getesteten Kategorie vergleichen, um zu sehen, ob das Eintreten der Türe funktioniert hat. Bleiben noch negative Würfel liegen, werden diese als Stress gewertet, den der Spieler durch die Ausübung der Aktion erlitten hat. Dieser erlebte Stress kann nahtlos in die Erzählung eingearbeitet werden und macht inhaltlich in fast allen Fällen Sinn. Hat man in einer Kategorie sein Maximum an ertragbaren Stress erlebt, stirbt man oder wird verrückt. Deshalb ist es für Spieler wichtig, sich zu ruhigeren Minuten, sofern diese der Game Master zulässt, mit seinem Stress zu beschäftigen und diesen in Traumas (Infektionen, leichte Verbrennung, Panikattacken) umzuwandeln, die je nach Schwere einen Tag bis mehrere Wochen brauchen, um wieder zu heilen und bis dahin negative Würfel begünstigen.

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Das Ende der Welt
Man trifft sich also zu einem Rollenspiel-Abend, bevor aus unerfindlichen Gründen die Welt aus den Rudern läuft. Bei The End of the World gelingt es vielen Rollenspiel-Neulingen zu Beginn viel besser, sich an das erzählerische Element von Pen&Paper-Spielen zu gewöhnen und zurechtzufinden. Spielen die meisten Rollenspiele doch in einem mittelalterlichen Fantasy-Setting, wo es auf Grund der mangelnden Referenzen zur Realität schwierig sein kann, sich gedanklich in einen Magier, Zwerg oder Hochelfen hineinzudenken, findet die Apokalypse in der Umgebung und unter den Voraussetzungen statt, die zum Zeitpunkt des Spielens existieren. Eine Stadtkarte und viel Fantasie sind also alles, was man zu Beginn benötigt. Wer glaubt, sich von Beginn mit geladenen Schrotflinten, Samurai-Schwertern oder Kettensägen durch die Straßen wälzen zu können, der irrt. Unter dem Bereich Equipment am Charakterblatt wird nur notiert, was man zum Zeitpunkt des Spiels in den Hosentaschen oder im Rucksack trägt. Perfekte Startbedingungen also, um sich mit Laptop, Smartphone und Deo-Spray gegen Untote zu wehren. Anhand von fünf vorgegeben Szenarien, die inhaltlich natürlich auch vermischt werden können, werden Hintergründe und der ungefähre Ablauf der Apokalypse geschildert. Jedes Szenario hat eigens vorgeschlagene Locations, Charaktere und Situationen, auf die die Spieler im Laufe ihres Überlebenskampfs treffen könnten. Außerdem besteht jedes Szenario aus einer zwei Teilen: einer Apokalypse und der Post-Apokalypse. Freunde von längeren Story-Arcs können also auch auf Wunsch längere Handlungsstränge aufbauen und müssen sich nicht mit einem One-Shot-Abenteuer begnügen. Ansonsten hat man bei The End of The World vollkommene Freiheit, was das Erlebte betrifft. Will sich die Gruppe so schnell wie möglich auf die Suche nach einem Safe-House machen, sich bewaffnen oder die Suche nach ihren Liebsten antreten? All diese Entscheidungen liegen vollkommen in den Händen der Spieler und machen jeden Überlebenskampf intensiv und authentisch.

Eine Welt – mehrere Untergänge
Wer bereits gesättigt vom Zombie-Thema ist aber dennoch nicht auf den Untergang der Welt verzichten will, sollte sich die anderen Szenarien aus The End of the World ansehen. Denn Zombie Apokalypse ist nur der Anfang einer vierteiligen Serien an Büchern, die jeweils eigene Horror-Endzeiten entwerfen. Neben Wrath of the Gods werden im Laufe des Jahres noch Alien Invasionen und eine Aufstand der Maschinen auf uns zukommen. Laut Recherche liegen dem Heidelberger Spieleverlag keine Informationen über geplante Übersetzungen ins Deutsche vor, The End of the World gibt es also nur in englischer Fassung.

Vier Möglichkeiten, wie die Welt enden wird.

Wenn ihr wissen wollt, wie sich die ersten Stunden der Zombie-Apokalypse anfühlen und wie die Spieler in meinem ersten Spiel reagiert haben, lest euch doch die Zusammenfassung der ereignisreichen ersten Stunden durch: Die ersten Stunden der Apokalypse

Review Overview

Wertung - 9

9

Traumatische Endzeit-Simulation

Einfache und logische Regeln, der Umstand, sich selbst im Hier und Jetzt in einer Ausnahmesituation spielen zu können und das Sandbox-Element von The End of the World machen das Spiels zu einer einzigartigen aber teilweise auch traumatischen Erfahrung. Wer wissen will, wie sich eine Zombie-Apokalypse anfühlt, sollte entweder ein Konzert von Andreas Gabalier besuchen oder besser seine Survival-Skills in einer authentischen Zombie-Apokalypse à la The End of the World testen.

Genre: Rollenspiel
Verlag: Fantasy Flight Games
Erscheint: Erhältlich
Preis: ca. 35 Euro

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