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Review: Spider-Man Brand New Day

Neuer Tag neues Glück

Die Welt hat vergessen, wer Peter Parker ist, die „New Avengers“ sind die neuesten Helden in New York und Doomsday rückt immer näher. Das ist die Ausgangssituation des Marvel Cinematic Universe in Spider-Man: Brand New Day. Spideys neuester Film interessiert sich jedoch weniger dafür, das gesamte MCU weiterzubringen, als Peter Parkers persönliche Geschichte weiterzuentwickeln. Das ergibt einen Film, in dem unser Held weniger mit Multiversen zu kämpfen hat als damit, dass seine Freundin plötzlich eine neue Flamme hat; weniger mit intergalaktischen Bedrohungen als mit einer einzigen Gegenspielerin, welche die Straßen New Yorks durcheinanderbringt.

Peter Parker ist zurück. Oder eher: Er war nie weg. Fünf Jahre nach No Way Home ist Spidey nun ein Vollzeit-Superheld auf den Straßen New York Citys. Ohne seine Freunde und seine Tante ist Peter losgelöst von seinen Beziehungen und kann sich vollends seiner „Straßenarbeit“ widmen. Das ist eine Position, die wir so noch in keinem Spider-Man-Film erlebt haben. In seinem kleinen Apartment entwickelt Peter tagein, tagaus neue Gadgets, um sich bei seinem Superheldendasein zu unterstützen. Jegliche Gefühle wie Einsamkeit oder Depressionen werden heruntergeschluckt, während Ned (Jacob Batalon) und MJ (Zendaya) glücklich gemeinsam ihre College-Jahre verbringen. Zu Beginn des Films sehen wir Spider-Man in Höchstform: Er schwingt voller Energie durch die Straßen Manhattans, ist im direkten Austausch mit dem New York Police Department und steht auf Augenhöhe mit anderen „Straßen“-Superhelden wie etwa dem Punisher (Jon Bernthal), während er ganze kriminelle Ringe ausschaltet. Peter ist völlig in seine Heldenrolle hineingewachsen. Lange vergessen ist der Schützling Tony Starks, welcher übereifrig ins Abenteuer springt und sich immer wieder von weiseren Autoritätspersonen belehren lassen muss. Tom Holland wirkt selbstbewusster denn je in seiner Rolle und wechselt scheinbar mühelos zwischen der Melancholie dieses Peter Parkers und den scherzhaften Provokationen eines frechen aber erwachsenen Spider-Mans.

Der kriminelle Alltag in New York wird aufgebrochen, als ein Panzer durch die Innenstadt donnert und alles plattmacht, was sich ihm in den Weg stellt. Spider-Man schafft es gerade noch, diesen aufzuhalten, und stellt fest, dass sich darin eine verwirrte ältere Dame aufhält. Peter spürt eine Präsenz in ihr, welche sich fortan von Person zu Person in unmittelbarer Nähe hantelt und Spider-Man immer wieder aus den Fingern gleitet. Zusammen mit dem Damage Control Department – welches verantwortlich ist, übernatürliche Phänomene zu unterbinden – arbeitet Peter daraufhin daran, diese mysteriöse Entität ausfindig zu machen, bevor diese wertvolles – potenziell gefährliches – Material aus ihren Archiven stehlen kann. Es scheint wie ein typischer Dienstagnachmittag für Spider-Man, doch als sowohl Ned als auch MJ zurück in die Stadt ziehen und Peter sieht, wie gut sie ohne ihn zurechtkommen, ändert sich für diesen alles schlagartig. Plötzlich mutiert die Spinnen-DNA innerhalb seines Körpers und er fängt an, Spinnennetze aus seinen Handgelenken schießen zu sehen (à la RaimiSpider-Man), jeden Reiz hundertmal verstärkt wahrzunehmen, und Wutausbrüche eskalieren zu dem Punkt, dass Peter sich kaum noch unter Kontrolle halten kann. Obwohl Peter alles geopfert hat, um seine Liebsten in Sicherheit zu bringen, scheint es so, als würde ihm erneut die Kontrolle über sein Leben aus den Fingern gleiten.

Brand New Day ist der bei weitem bestaussehendste Spider-Man-Film seit der Raimi-Trilogie. Destin Daniel Cretton (Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings) übernimmt erstmals die Regie für einen Spidey-Film und bietet Fans genau das, was sie wollen: spektakuläre Schwungeinlagen durch die Stadt, dynamische, stilistische Kämpfe und ein echtes Verständnis dafür, wie man New York City effektiv in Szene setzen kann. Bereits in Shang-Chi konnte Cretton unter Beweis stellen, dass er Action kann, und bietet uns hier einige der besten Spider-Man-Action-Setpieces, die es je gegeben hat. Der Film ist in 3D ein Spektakel und es scheint ein besonderes Augenmerk darauf gelegt worden zu sein, dieses Format möglichst effektiv zu nutzen. Nicht immer glänzen die computergenerierten Effekte, wie man es bereits aus anderen MCU-Filmen gewohnt ist, aber umso schöner ist es, wenn ein vergleichsweise verstärkter Fokus auf praktische Effekte gelegt wird.

Spider-Man: Brand New Day ist Spider-Man beinahe in Reinform. Es geht hier nicht mehr darum, Peter irgendwie einen Platz in Infinity War zu verschaffen, die Konsequenzen aus Endgame zu verarbeiten oder mit Nostalgie und verworrenen Multiversum-Crossovern die Fans ins Kino zu locken. Der neueste Marvel-Streich möchte primär eine bodenständige Spider-Man-Geschichte erzählen, mit einem Peter Parker und einem Spidey, welche nach drei Solo-Auftritten und mehreren Gastauftritten geerdet in ihrer Rolle wirken. Bei einer Länge von zweieinhalb Stunden schießt der Film dabei leider über das Ziel hinaus und möchte beinahe zwanghaft noch die Zukunft des MCU auf die Beine stellen. Der letzte Akt zieht sich noch ordentlich in die Länge, mit der Einführung eines neuen Charakters inklusive dramatischer Hintergrundgeschichte und neuen Power-ups für ebenjenen Charakter, welchen wir gerade erst kennenlernen durften. Zum Großteil erwartet euch hier jedoch ein toller Spider-Man-Film mit einigen spannenden neuen Elementen, welche wir so noch nicht in Live-Action erleben durften.

Fazit

Wertung

Spider-Man Brand New Day schafft es, einige der besten Spider-Man-Momente auf die Beine zu stellen, die wir je im Kino gesehen haben. Der Fokus auf Peter Parkers zwischenmenschliche Beziehungen anstelle überdimensionierter Science-Fiction-Plotelemente ist genau das, was dieser Peter Parker an diesem Punkt seiner Filmkarriere gebraucht hat. Tom Holland sowie Zendaya sind das Herz dieses Films, wobei die Action keinesfalls zu kurz kommt und gleich mehrere Szenen zu den besten Setpieces im ganzen MCU zählen dürfen. Nicht jeder Plotstrang erhält ein befriedigendes Ende und die massive Länge ist dann doch zu viel des Guten – vor allem, wenn dabei der Fokus auf Peters Geschichte verloren geht. Trotzdem ist Brand New Day in vielen Belangen der stärkste Realfilm Auftritt Spider-Mans seit Spider-Man 2 aus dem Jahr 2004 und nutzt dabei die Möglichkeiten des MCU durch feine Gastauftritte schön aus.

Kurzinformationen
Land, Jahr:  USA, 2026
Filmlänge: 2 Stunden 25 Minuten
Genre: Abenteuer/Action
Regie: Destin Daniel Cretton 

Daniel Dorner

Ich mach Videospiele und schreib über Videospiele und rede über Videospiele - manchmal spiele ich sie sogar.
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