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Review: Silent Hill f

Mit Silent Hill f gehen Konamis Bemühungen, ihr goldenes Zeitalter wieder aufleben zu lassen, in die nächste Runde. Nach den kürzlich erschienenen Remakes zu Silent Hill 2 und Metal Gear Solid 3: Snake Eater erwartet uns hier endlich ein vollwertiger neuer Eintrag in eine der wichtigsten Franchises der japanischen Spieleschmiede. Kein leichtes Unterfangen – immerhin waren die Silent Hill-Spiele seit 2003 weder kritisch noch kommerziell erfolgreich. Nach Silent Hill Downpour befand sich das Franchise zwölf Jahre lang im Limbo. Das Silent Hill 2-Remake, eine Neuauflage eines der gefeiertsten Horrorspiele aller Zeiten, konnte diesem Fluch letztes Jahr zwar entkommen, aber mit f wird erstmals seit Langem ein komplett neues Konzept in der Welt des psychologischen Horrors aufgezogen… kann das gut gehen?

Hinako beschreibt sich selbst als ein Mädchen ohne jegliche besonderen Qualitäten. Sie lebt in einer normalen japanischen Stadt, geht auf eine normale Schule und hat eine reguläre Anzahl an Freundinnen. All das ändert sich, als ein mysteriöser Nebel über ihre geliebte Heimatstadt hinwegrollt und tödliche Spinnenlilien überall wachsen lässt. Die Einwohner sind spurlos verschwunden und werden durch groteske Perversionen des Lebens ersetzt. Hinakos ruhiger Alltag wandelt sich in einen Albtraum.

Eine neblige Stadt, gruselige Monster und ein Rohr in der Hand – das ist so weit alles Standard-Silent Hill-Kost. Was Silent Hill f jedoch schnell im Franchise herausstechen lässt, ist das Setting: eine kleine japanische Provinz in den 1960er-Jahren. Nicht nur ist die Fülle an kulturellen Details eine große Freude zum Erkunden, die einen realistischen Blick auf Japan abseits von stereotypischen Legenden und Klischees bietet, sondern auch der Aufbau von Ebisugaoka liefert eine willkommene Abwechslung im Horrorgenre. Die verwinkelten Gassen machen Begegnungen mit Monstern besonders tückisch, und Kämpfe fühlen sich oft notgedrungen und wie ein letzter Ausweg an. Ausweichen und Schleichen stehen an erster Stelle. Wenn dann plötzlich eine Vielzahl an Monstern ums Eck zu hören ist – vertont mit spektakulärem Audio-Design – strömt bereits der Angstschweiß, ohne die Kreaturen erst sehen zu müssen. Die labyrinthartige Auslage der Stadt in Kombination mit dem berühmten Silent Hill Nebel sorgt auch dafür, dass ihr eurem Orientierungssinn nie ganz trauen könnt. Zum visuellen Repertoire des Franchises gesellen sich außerdem blutrote Lilien die durch die ganze Stadt hindurch wachsen. Diese verleihen Silent Hill: f einen distinktiven und bezaubernden Stil welcher durch eine geheimnisvolle „Schattenwelt“ nur noch interessanter wird. All das schafft eine beklemmende, hochspannende Atmosphäre, die dank verschiedener Systeme trotzdem durchgehend unterhaltsam bleibt.

Kämpfe in Horrorspielen sind ein zweischneidiges Schwert. Entweder werden sie absichtlich klobig und frustrierend entworfen, um Spieler besonders verletzlich fühlen zu lassen – siehe Silent Hill 1 und 2 – oder sie gehen in die andere Richtung, um Kämpfe unterhaltsamer zu gestalten, wobei jedoch der Horror-Aspekt wiederum verloren geht – siehe das Silent Hill-Franchise nach dem dritten Ableger. Das Kampfsystem von Silent Hill f bewegt sich auf einem schmalen Grat zwischen den beiden Ansätzen. Hinako ist fragil und schleicht sich am Anfang des Spiels lieber an Gegnern vorbei, als sie direkt anzugreifen. Wenn es jedoch unweigerlich dazu kommt, sich einer der wundervoll grotesken Kreaturen zu stellen, müsst ihr euch nicht mit frustrierend langsamen Manövern herumschlagen. Unsere Protagonistin kann geschickt ausweichen und mit gut platzierten Gegenangriffen steht sie nicht ganz wehrlos da. Wichtig sind hierbei Ressourcenmanagement und Timing: Weicht ihr ziellos aus, verliert Hinako schnell die Puste, womit ihr der Monsterschar ausgeliefert seid. Schlagt ihr aber einfach drauflos, leert sich eure Lebensleiste rapide, ohne dass ihr Gelegenheit habt, euch zu heilen. Auch der Zustand eurer Waffen und der eures Verstandes müssen hierbei beachtet werden. Ihr könnt euren Verstand nämlich „opfern“, um einen langsamen, verheerenden Angriff zu riskieren – in den richtigen Situationen sehr nützlich, aber wenn das Timing nicht passt, birgt dieses Manöver das Risiko, euer Ende zu werden. Es ist ein solider Balanceakt, den Silent Hill f mit seinen Kämpfen geht, um das Horrorspiel spannend zu halten, ohne in Eintönigkeit abzugleiten.

Hinakos Reise besteht nicht nur aus Kämpfen, sondern, wie es sich für ein Horrorspiel gehört, auch aus jeder Menge kniffliger Rätsel. Den Schwierigkeitsgrad der Puzzles könnt ihr einstellen; jedoch fanden wir die normale Schwierigkeitsstufe sehr passend. Die Lösungen der Rätsel sind nie besonders abstrus und können geknackt werden, ohne frustrierende Gedankensprünge, wie es manchmal im Horrorgenre gang und gäbe ist. Stattdessen verließen wir die meisten Puzzles mit einem zufriedenen Grinsen, da sie uns eine befriedigende Abwechslung boten.

Silent Hill 2 gilt nicht nur wegen seiner Atmosphäre als eines der besten Videospiele aller Zeiten, sondern hauptsächlich wegen seiner Geschichte. Genau dieser Punkt ist etwas, an das kein Spiel der Reihe mehr anknüpfen konnte. Mit Silent Hill f schafft es Konami jedoch wieder, die größte Stärke der Reihe hochkochen zu lassen. Hinakos Abenteuer ist ein charakternahes Erlebnis, welches ihre Ängste als junge Frau im Japan der 1960er-Jahre in den Vordergrund stellt. Jedes kleine Detail, das wir in der finsteren Stadt finden, jede Kreatur und auch die Notizen, welche Hinako niederschreibt, beleuchten diese Ängste und Sorgen und finden den Horror im Alltag, welchem sich viele Menschen jeden Tag stellen müssen. Dieser nahbare Ansatz an das Horrorgenre lässt uns besonders stark mit Hinako und ihren Freunden mitfühlen und sorgt für eine mitreißende Geschichte, welche uns noch lange beschäftigen wird. Wie in Silent Hill-Manier typisch, gibt es wieder mehrere Enden, und es zahlt sich durchaus aus, Hinakos höllische Reise immer wieder aufs Neue anzugehen. Mit jeder neuen Information, die wir finden können, wird nicht nur die spannende (und überraschend epische) Geschichte der Kleinstadt Ebisugaoka weiter beleuchtet, sondern vor allem wächst unser Verständnis für die fantastische Gruppe an Charakteren, welche im Herzen dieses wunderschönen und atemberaubenden Videospiels stehen.

Fazit:

Wertung: - 9

9

SILENT HILL f bietet alles, was wir in einem Silent Hill-Spiel sehen wollten. Die Geschichte rund um Hinako und ihre Freunde ist so berührend wie verstörend und wird uns noch lange beschäftigen. Dank dem inspirierten Monsterdesign und dem grotesken Audio-Design raste unser Puls fast durch das ganze Spielerlebnis hindurch in die Höhe, und der eine oder andere Schrei entfuhr auch unseren Lippen. Jedoch konnten wir auch nie wiederstehen tiefer in den Alptraum hinabzusteigen - hier wird kein billiger Spuk mit Schockmomenten geboten, sondern die faszinierende Studie verschiedener Charaktere und der Umgebung, welche sie prägte, durch eine einzigartige Horror-Linse. Silent Hill Fans dürfen feiern und alle Horror Fans finden hier einen perfekten Einstieg in das Franchise.

Genre: Horror
Entwickler: Konami
Erscheint: 25. September. 2025
System:  PS5, XBOX Series, Steam
Preis: ca. 69.99€

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Daniel Dorner

Ich mach Videospiele und schreib über Videospiele und rede über Videospiele - manchmal spiele ich sie sogar.

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