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Review: Scream

Ein Telefon klingelt in Woodsboro und wie immer ist das kein gutes Zeichen. Der als Ghostface bekannte Killer mit der markant gruseligen Stimme ist elf (!) Jahre nach seinem Auftritt in Scream 4 wieder zurück und geht mit frisch gewetzten Messern auf Jung und Alt los. Im Auge des Gewalt-Sturms stehen diesmal Twen Sam (Melissa Barrera) und ihre Freunde und Freundinnen, aber bald gesellt sich auch das (buchstäblich) alteingeschworene Trio Sidney Prescott (Neve Campbell), Gale Weathers (Courteney Cox) und Dewey Riley (David Arquette) aus den ersten vier Filmen dazu, um vielleicht auch noch den einen oder anderen Messerstich abzubekommen. 

Willkommen im Requel

Nach vier Scream-Filmen (unter dem 2015 verstorben Großmeister Wes Craven und dem Teenie-Stoff-Drehbuchautor schlechthin, Kevin Williamson ) und einer davon losgelösten TV-Serie, war es für die Regisseure Matt Bettinelli-Olpin sowie Tyler Gillett und die Drehbuchautoren James Vanderbilt sowie Guy Busick keine leichte Aufgabe, ein modernes, Sequel in die Kinos zu bringen, ohne den Geist der Reihe zu verlieren. Immerhin galt es einen fünften Teil zum 1996 mit dem schauerlich-stimmungsvollen Leinwand-Tod von Drew Barrymore gestarteten Teenie-Slasher-Phänomen zu kreieren und den Spagat zwischen zufriedenen Fans und frohen Newcomern hinzubekommen. Die Lösung nennt sich Requel. Ein Film, der den Inhalt einer alten Franchise neue aufgreift, ohne zu remaken oder linear fortzusetzen. Wer noch nie davon gehört hat, wird das spätestens im Film – denn auch diesmal gibt es neben der regulären Handlungsebene eine überraschend frisch wirkende Meta-Ebene, bei der uns Charaktere des Films typische Hollywood-Klischees und Handlungstropen erklären. Das hat schon in den 1990er-Jahren gut funktioniert und auch fast 30 Jahre später zündet diese unkonventionelle Erzählweise. Es ist einfach cool, wenn Leinwandfiguren wissen, dass die Geschehnisse rund um sie ablaufen wie in einem Film, und sie dadurch einen gewissen Startvorteil haben (oder der Hybris erliegen). Gepaart mit zahlreichen Anspielungen an die alten Teile oder andere Horror-Streifen der letzten Jahrzehnte, vielen Verneigungen vor Wes Craven – und sogar einem kurzen Aufblitzen von Kevin Williamsons Kult-Serie „Dawson’s Creek“ kommen Fans der Pop-Kultur der letzten Jahrzehnte voll auf ihre Kosten. 

So viele Fragen: Wer überlebt? Wer ist Ghostface?

Dieses Mal scheint kein Charakter sicher. Ein Problem in langjährigen Reihen ist, dass manche Figuren nach einiger Zeit vor dem Tod gefeit zu sein scheinen. Das ist im neuen Scream nicht der Fall. Dadurch dass neue Figuren eingeführt werden, die wie Hauptfiguren wirken, aber auch altbekannte Heldinnen und Helden daherkommen, die sich die Rolle des Protagonisten nicht nehmen lassen wollen – ist man sich nie sicher, wer sterben kann – oder wer gar hinter der verzerrten Maske von Ghostface steckt. Es könnte jeder oder jede sein. Das macht Spaß – genau wie das Spiel mit den Erwartungen der Zusehenden. Geprägt von Genre-Vertretern wird man so hinter jeder aufgemachten Tür einen Killer vermuten – und genau das wird in Scream schlau genutzt, um das Publikum ordentlich an der Nase herumzuführen. Dieses Prinzip wird an manchen Stellen durch eine gekonnt eingesetzte Musikuntermalung so auf die Spitze getrieben – das man sich wünscht, dass Ghostface doch nun endlich hinter der nächsten Ecke hervorspringt und irgendwen meuchelt, damit die innere Anspannung endlich abklingen kann. 

Geschlitzt und gewitzt

Blut fließt in Scream wieder literweise und teils wird der Messereinsatz doch explizit auf der Leinwand dargestellt. Von Torture-Porn oder Splatter-Filmen ist man aber zum Glück noch meilenweit entfernt, sodass die Leichtigkeit eines Teenie-Slasher-Thrillers über die Laufzweit von nicht zu langen 115 Minuten hinweg nicht abhandenkommt. Dafür sorgt auch der gut gewählte neue Cast, von dem einige Gesichter bekannter sein dürften als andere. Dank Akteur Jack Quaid (The Boys), Tote Mädchen lügen nicht-Star Dylan Minnette oder Jasmin Savoy Brown, die den Film-Geek Mindy verkörpert weht ein schön frischer Wind durch Woodsboro. So richtig hängen wird man bis zum Ende des Filmes jedoch an den wenigsten neuen Charakteren, dafür sind viele von ihnen einfach zu flach gezeichnet. Aber was soll’s – immerhin ist Scream kein bedeutungsschwangeres Drama, sondern will einfach mit lässigen Sprüchen und einer Menge Spannung unterhalten. Wenigstens sind die meisten wichtigeren Figuren im Film nicht ganz so dummes Messer-Futter wie in alten Teenie-Slashern. Da wird schon ein wenig mehr gekämpft, ausgewichen oder Paroli geboten, als das noch in den ersten drei, aber auch im vierten Teil der Fall war. Selbst mit einem Messer im Bauch oder Rücken, denken die wenigsten Angegriffenen im Film ans Aufgeben oder haben noch einen markigen Spruch auf Lager. Hilft ihnen zwar nicht immer, macht den Film aber sehr unterhaltsam. 

Fazit

Wertung - 8

8

Scream macht auch 2022 noch sehr viel Spaß. War Teil 4 schon deutlich besser als Teil 2 und 3, profitiert das Requel sehr davon, dass dem Liebhaber des Originals 26 Jahre nach dem ersten Film zwar noch einiges an der Franchise, aber weniger an den Original-Charakteren liegt. So dürfen auch Sidney & Co neben den Newcomern rund um Sam diesmal (der Spannung zuträglich) um ihr Leben bangen, während rundherum Genre-Tropen zitiert und aufgebrochen werden.

Kurzinformationen
Kinostart:  13.01.2022
Filmlänge: 115 Minuten
Land, Jahr: USA, 2021
Genre: Thriller
Regie:Matt Bettinelli-Olpin, Tyler Gillett

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