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Review: Ruffy and the Riverside

SWAP ’til You Drop!

Das deutsche Indie‑Studio Zockrates Laboratories will mit Ruffy and the Riverside das goldene N64‑Zeitalter der 3D‑Plattformer wiederaufleben lassen – und verpasst seinem Bärenhelden gleich einen revolutionären Pinselstrich: die SWAP‑Mechanik. Wir haben Wasserfälle zu Kletterwänden gebügelt, Lava vereist und im Heuballen‑Drift Highscores gejagt. Doch wie viel Substanz steckt wirklich hinter dem Retro‑Charme?

Jump ’n’ Flip

Ruffy rennt, springt, schwebt und kopiert Oberflächen mit einer magischen Farbrolle. Ein Knopfdruck saugt Texturen auf, ein zweiter klatscht sie auf neue Objekte. So wird aus gähnender Tiefe ein spontan gefrorener See oder aus braven Holzkisten feurig‑gefährliches Magma – ein grandioser Aha‑Moment, der vor allem in der ersten Spielhälfte begeistert.

Doch je weiter man ins Abenteuer vordringt, desto häufiger recyceln die Entwickler ihre eigenen Tricks: In Welt 6 wirken manche Rätsel wie Variationen bereits bekannter Copy-&-Paste‑Ideen, und nicht selten spürt man, dass dem genialen Konzept eine Handvoll zusätzlicher Texturen für mehr Abwechslung gut getan hätte. Hinzu kommt, dass einige Checkpoints weit auseinanderliegen; wer kurz vor Schluss patzt, muss schon mal größere Puzzleblöcke wiederholen. Immerhin: NPC‑Tipps (gegen In‑Game‑Währung) und großzügige Herzcontainer verhindern größeren Frust.

Die Hubwelt Riverside mit ihren acht Portalen spielt sich angenehm non‑linear; dennoch zwingt das Spiel zum gelegentlichen Backtracking, weil erst später freigeschaltete Farbrollen‑Upgrades alte Hindernisse öff­nen. Wer das Metroidvania‑Prinzip liebt, freut sich über den Komfort einer Schnellreise zwischen Weltportalen – wer nicht, empfindet die Hin‑und‑Her‑Laufwege bisweilen als Streckung der Spielzeit.

Storytime mit Schmunzelfaktor

Ein mies gelaunter Würfelroboter namens Groll will das Weltenherz zerstören, weshalb Ruffy sechs übergroße Buchstaben des „RIVERSIDE“-Schriftzugs einsammeln muss – ein selbstironischer MacGuffin, den das Spiel munter persifliert. Die Figuren punkten mit trockenem Humor, nur leider nimmt sich der Einstieg etwas zu viel Zeit: Rund 15 Minuten Textbox‑Dialoge und Zwischensequenzen bremsen den Spielfluss, bevor man endlich frei losspringen darf. Mangels Sprachausgabe müssen Spieler die Wortflut selbst lesen; hier hätte eine optionale Vertonung Tempo und Immersion gesteigert.

Comic‑Look & Nostalgie‑Glow

Handgezeichnete 2D‑Sprites treffen auf bunte 3D‑Kulissen: der Markerstrich‑Stil verleiht Ruffy sofort Wiedererkennungswert. Gleichzeitig offenbart sich die technische Kehrseite: In allen Switch‑Versionen verschwindet die Ferne gerne im dichten Nebel, und Pop‑ins lassen Felsen oder Palmen spontan aus dem Boden wachsen. Auf leistungsstärkeren Systemen ist die Sichtweite höher, doch sogar auf der Switch 2 treten beim Zonenübergang kurze Stotterer auf – in unserem Test spürbar, aber nicht spielzerstörend .

Der Soundtrack aus 90er‑Hip‑Hop‑Beats und Lo‑Fi‑Grooves passt zum Cartoon‑Look, doch echte Ohrwürmer bleiben aus. Vor allem längere Passagen in stillen Höhlen oder Eiswelten lassen das Fehlen zusätzlicher Musikthemen hören.

Framerate‑Fieber

Ruffy läuft auf PC, PS5 und Xbox Series konstant mit 60 FPS; PC‑User können je nach Hardware noch höher schrauben. Besonders erfreulich: Auf dem Steam Deck hielt das Spiel in unserem Test im Handheld‑Modus flüssige 60 FPS bei 720p und mittleren Details – inklusive problemloser Steuerung per integrierten Sticks und Touchpad. Auf Xbox One wird das Geschehen auf 30 FPS gedeckelt, dafür weitgehend stabil. Die Original‑Switch hält ihre Ziel‑30 FPS meist, bricht aber in Effektszenen (etwa Heuballen‑Rennen) kurz ein. Die Switch 2 profitiert deutlich von der stärkeren Nvidia‑Hardware: Im Docked‑Modus erreicht das Spiel in unserem Test 60 FPS bei 1440p‑Ausgabe und fällt nur in Arealwechseln minimal ab; im Handheld‑Modus sind es solide 60 FPS bei nativen 1080p. Allerdings bleiben die Draw‑Distance‑Nebel und Asset‑Pop‑ins bestehen, weil es sich weiterhin um dieselbe Software‑Version handelt .

Technische Schnitzer wie hängen bleibende Kollisionsboxen an Leitern oder unsichtbare Levelgrenzen betreffen alle Plattformen gleichermaßen. Abstürze oder Speicherfehler traten während unseres Tests jedoch nicht auf.

Für wen bellt Ruffy?

Ruffy and the Riverside ist ein Feel‑Good‑Abenteuer für 3D‑Plattformer‑Fans, Familien und Nostalgiker. Die Hauptstory ist in gut 10 Stunden erledigt; Vollendungswillige verlängern den Aufenthalt dank Sammelobjekten und Time‑Trials problemlos auf 20 Stunden. Gegen Ende schleichen sich zwar leichte Längen ein, doch die SWAP‑Experimente halten die Motivation hoch.

Fazit:

Wertung: - 8

8

Retro‑Magie trifft Realität

Ruffy and the Riverside begeistert mit einer frischen Kernidee und viel Herzblut, stolpert jedoch über altbekannte 3D‑Plattformer‑Probleme wie Kamerazickereien und Content‑Recycling. Dank der Switch‑2‑Power läuft das Abenteuer nun endlich in 60 FPS auf einem Nintendo‑Handheld, ohne jedoch alle Nebel‑ und Pop‑in‑Sorgen abzuwerfen. Wer über diese Schönheitsfehler und einen träge erzählten Einstieg hinwegsieht, erhält ein farbenfrohes Nostalgie‑Paket voller Kreativität und guter Laune – ein Pflichtkauf für Genre‑Fans und eine wohlwollende Empfehlung für neugierige Neueinsteiger.

Genre: Jump´n Run Adventure
Entwickler: Zockrates Laboratories UG
Erscheint: 26.6.2024
System: PC, PS5, Xbox One/Series, Nintendo Switch
Preis: ca. 20 Euro 

 

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