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Review: Returnal

Kampf, Tod, Wiedergeburt – Returnal. Mit dem PlayStation 5-exklusiven Dark-Sci-Fi-Actiontitel liefern Housemarque ihr bislang ehrgeizigstes Projekt ab und verbinden schnelles Bullet-Hell-Gameplay mit Rougelike- und Metroidvania-Elementen. Wie gut das dem finnischen Entwicklerstudio gelungen ist und warum Returnal der erste echte Next-Gen-Titel für die PlayStation 5 ist, lest ihr hier.

Im Weltall hört dich niemand schreien!

Als die Astra-Scout-Astronautin Selene einem mysteriösen und als “weißes Rauschen” bezeichneten Signal zu dem unbekannten Planeten Atropos folgt, überschlagen sich die Ereignisse. Selene muss auf dem lebensfeindlichen Planeten notlanden und nach wenigen Minuten feststellen, dass sie in einer unbarmherzigen Zeitschleife aus Kampf, Tod und Wiedergeburt gefangen ist. Um ihrem vermeintlichen Schicksal zu entkommen, muss Selene die Geheimnisse der sich ständig ändernden Alien-Welt lüften und weit über die Grenzen ihrer psychischen Belastbarkeit gehen – so viel zur Ausgangslage.

Returnal verprüht eine Menge Aliens & Prometheus-Vibes.

Triple-A-Hardcore

Eines gleich zu Beginn: Wie man von einem Bullet-Hell-Shooter von Housemarque erwarten kann, sind die Kämpfe im Spiel äußerst fordernd und jeder Fehler wird unbarmherzig bestraft. Und wäre das nicht schon genug, bewegt sich die Protagonistin ganz „roguelike“ in einer prozedural generierten Welt – mit dem Tod als ständigen Begleiter. Ein Konzept, dass viele Spieler erst einmal abschrecken dürfte. Damit ist Returnal, nach dem Demon’s Souls Remake von Bluepoint Games, Sonys zweiter PS5-Titel der sich vorrangig an Hardcoregamer richtet.

„Challenging but rewarding“ – gilt auch für die Kämpfe in Returnal.

Returnal ist also kein leichtes Spiel und verlangt einem gerade zu Beginn einiges ab. Sobald Selene das zeitliche segnet, und das passiert oft, beginnt man wieder von vorn und jeglicher Charakter-Fortschritt wird bis auf wenige Ausnahmen wieder auf null gesetzt – auch alle Sammelgegenstände und gefundenen Waffen sind fürs Erste verloren. Weshalb soll man sich das Ganze also antun?

Bekannte Zutaten, frisches Spielgefühl

Weil es unheimlich viel Spaß macht! Housemarque ist es gelungen, die pfeilschnelle Arcade-Action eines Bullet-Hell-Shooters perfekt in die Third-Person-Perspektive zu transformieren und mit den Elementen eines Metroidvanias und Roguelikes in ein funktionierendes und äußerst motivierendes Gesamtkonzept zu verbinden. Durch die prozedural generierte Spielwelt von Returnal zu steuern fühlt sich richtig gut an. Hier sitzt jeder Handgriff und sobald man die ohnehin recht eingängige Steuerung verinnerlicht hat, stellt sich ein Flow ein, von dem man so schnell nicht mehr loskommt.

Auch Stargate lässt grüßen! Durch diese Tore gelang man in den nächsten Level…

Rogue-Lite

Genau wie Hades, würden wir Returnal eher als „Rogue-Lite“ bezeichnen, da nicht der gesamte Fortschritt im Spiel verloren geht, wenn die Spielfigur stirbt. Ähnlich verhält es sich, wenn ihr den Boss eines Gebietes erledigt. Zwar beginnt ihr in Returnal nach eurem Tod wieder am Anfang, der sich in einen der Levelabschnitten befindende Zugang zur nächsten Welt, bleibt aber offen. Man muss sich also entscheiden, ob man die Fähigkeiten von Selene noch etwas auflevelt oder gleich ins nächste Gebiet reist.

…doch zuvor muss der Boss gekillt werden.

Eine Welt im Wandel

Im Wesentlichen kann man die von Housemarque als Biome bezeichneten Level als eine zufällig aneinandergereihte Ansammlung von Levelabschnitten im Metroid Prime-Stil bezeichnen. In den von Hand gefertigten Arealen, die sich noch dazu inhaltlich unterscheiden können, stößt man auf unterschiedliche Gegnerarten, Sammelgegenstände, Upgrades und Waffen sowie Plattform- und Rätselpassagen. Das sehr umfangreiche Upgradesystem motiviert und unterscheidet sich bei jedem Run.

War ich hier nicht schon mal? Die Level beeindrucken immer wieder durch ihre außerirdische Architektur.

Waffen & Upgradesyteme

Genial ist auch die Idee, dass manche Sammelgegenstände im Spiel mit einem Negativeffekt versehen sein können. Gleiches gilt für die auf Atropos beheimatete Parasiten, die sowohl positiv als auch negativ auf Selene wirken. So erhält Selenes Anzug beispielsweise die Fähigkeit zur Gesundheitsregeneration, dafür hinterlassen Gegner nach ihrem Ableben eine gesundheitsgefährdende Säurepfütze. Die Stärke der sehr unterschiedlichen Waffen in einem Run kann ebenfalls durch Artefakte erhöht werden, gilt aber immer nur für die nächste Waffe, die gefunden wird. Die aktuelle Waffenstärke wird von Selenes Adrenalinpegel beeinflusst. Für jeden dritten getöteten Gegner steigt ihr Andrenalinpegel eine Stufe höher und verstärkt die so Durchschlagskraft der Waffe. Erleidet Selene schaden, wird der Adrenalinpegel auf null gesetzt.

Die Story von Returnal wird auf unterschiedliche Arten erzählt.

Nicht lineares Storytelling

Als Selene das erste Mal auf Atropos landet, stolpert sie in den ersten Spielminuten über ihre eigene Leiche. Wie das möglich ist und was eigentlich dahinter steckt, ist nur eines der Geheimnisse, die es zu lüften gilt. Um die Story gelungen in das Konzept eines Roguelike einbetten zu können, hat sich Housemarque mehrerer narrativen Elemente bedient. Während Selenes Scanner nach und nach neue Details über die verschollene Alienzivilisation und deren Technologie enthüllt, findet man im Spielverlauf laufend Audiologs, die Selene selbst aufgenommen zu haben scheint und die mehr über die Gedankenwelt der Protagonistin verraten und ihrerseits die Story vorantreiben.

“Das kann nicht hier sein!”

Bei einem weiteren Narrativ haben sich die Entwickler offensichtlich von der Silent Hill-Demostudie P.T. orientiert. Denn als wäre die Dark-Sci-Fi-Stimmung von Returnal nicht schon kreepy genug, entdeckt Selene auf Atropos das Haus ihrer Kindheit, in der die Protagonistin immer wieder kryptisch-mysteriöse und gruselige Passagen in der First-Person-Ansicht absolvieren muss und die nach und nach immer mehr über die Hintergrundgeschichte der Heldin offenbart.

Nichts wie weg…

Vergeltung

Returnal ist ein Singleplayer-Spiel. Doch auch wenn Housemarque auf einen Multiplayer verzichtet hat, haben die Entwickler zwei Online-Features in das Spiel integriert. Eines davon ist ein Leaderboard, auf dem man sich in speziellen und täglichen stattfinden Herausforderungen verewigen kann. In einem festgelegten Run muss man mit vorgegebener Waffe und Perks – positive wie auch negative Effekte – das Ziel, im besten Fall die Höchstpunktzahl erreichen. Zweiteres erinnert an Spielmechaniken wie sie in Souls-Spielen oder Nioh zu finden sind. In der Spielwelt trefft ihr auch immer wieder auf Leichen, die von anderen Spielern stammen. Hier hat man die Wahl, die Überreste für einen festgelegten Betrag der wertvollsten Ressource Äther zu plündern oder den Tod des Spielers zu rächen, indem man das Monster vernichtet, das den Spieler getötet hat. Schafft man diese Herausforderung, erhält man seinerseits Äther zusätzlich zum Bergungsgut.

Die Gebiete in Returnal sind sehr abwechslungsreich gestaltet.

Mythologische Wurzeln

Die Protagonistin Selene ist laut Housemarque nicht nur griechisch-amerikanischer Abstammung, auch ihr Name findet sich in der griechischen Mythologie wieder, wo Selene, die Göttin des Mondes, mit ihrem Wagen über das Himmelszelt fährt, was natürlich hervorragend zu einer Astronautin passt. Aber auch Atropos, der Name der Alienwelt, stammt aus der griechischen Mythologie. Als älteste der drei Moiren ist es Atropos Aufgabe, den Lebensfaden, der von ihren Schwestern Klotho und Lachesis gesponnen und bemessen wurde, im Augenblick des Todes eines Menschen zu durchtrennen. Generell spiel die griechische Mythologie in Returnal eine große Rolle und spiegelt sich nicht nur in so klingenden Namen wie Phrike, Nemesis oder Hyperion wieder.

Manche Gegner verfügen über ein Schutzschild…

Immersives Actionspektakel

Schon das audiovisuell und taktil beeindruckende Intro macht dank Sonys 3D-Audiotechnik und dem klar differenzierten Feedback des DualSense deutlich, wohin die Reise geht. Wenn Selene ihre ersten Schritte auf der fremden Welt macht und man das Prasseln des Regens überall auf dem Controller wahrnimmt, fühlt man sich augenblicklich in die Technik-Demo Astros PlayRoom zurückversetzt. Generell muss man sagen, dass Returnal über die beste Implementierung der DualSense-Funktionen seit Astros Playroom verfügt. Das Waffen-Feedback ist genial und zahlreiche Interaktionen des Charakters oder der Spielwelt kann man fühlen und deutlich voneinander Unterscheiden.

 

Ebenfalls gelungen ist die Integration der adaptiven Trigger des PS5-Controllers. Während man mit dem rechten Trigger den Abzug betätigt, wird der Linke zum Zielen verwendet – soweit so bekannt. Drückt man diesen jedoch über den Widerstand hinweg durch, schaltet man auf den alternativen Feuermodus um. Besonders genial – eine Vibration im Trigger verdeutlicht, wenn die Cooldown-Zeit des alternativen Feuermodus noch nicht vorüber ist.

Beeindruckendes 3D-Audio-Erlebnis

Nicht minder beeindruckend ist der Sound von Returnal. Ob Elemente wie Regen, trockener Wüstensand oder kalte Eiswinde – gepaart mit den zahlreichen mysteriös-verstörenden Klängen des Planeten, erschaffen die Entwickler dank Sonys Tempest-Engine ein dreidimensionales Klangbild, das einen so richtig in seinen Bann zieht. Ist die Soundkulisse schon abseits der Kämpfe beeindruckend, geht in den Feuergefechten so richtig die Post ab. Auch wenn es hier mitunter etwas hektisch zur Sache gehen kann, bleiben Gegner und Gefahrenquellen jederzeit gut lokalisierbar. Vergleicht man die Sound- und Klangqualität des Spiels, ist man ganz klar einige Stufen über dem, was klangtechnisch auf der Hardware der letzten Generation möglich war.

Rätsel und Plattformer-Einlagen lockern die planetare Erkundungs-Tour auf.

Wie von Housemarque gewohnt, kann auch der Soundtrack des Spiels überzeugen, für dessen Umsetzung das Entwicklerstudio den britische Musiker Bobby Krlic engagiert hat. Seine Kompositionen aus basslastigen Beats, klassischen Elementen und sphärischen Synthesiser-Klängen fügen sich organisch in das Dark-Sci-Fi-Setting von Returnal ein und passen hervorragend zum rasanten Bullet-Hell-Gameplay von Housemarque.

Die Beleuchtung und Partikeleffekte sind besonders hübsch.

Schöne schnelle Welt

Returnal ist auch visuell ein Erlebnis. Das an Filme wie Aliens und Prometheus erinnernde Design der prozedural generierten Welt beeindruckt mit gleichsam vertraut und befremdend wirkenden Elementen und seiner überraschend gelungenen Levelarchitektur. Das an terrestrische Tiefseekreaturen angelehnte Gegner-Design ebenso. Manche der Kreaturen scheinen einem gemeinsamen Albtraum von HR Giger und H. P. Lovecraft entsprungen zu sein, während andere einer Designstudie von Luc Bessons The Fifth Element entkommen sein könnten.

Diese Maschine solltet ihr euch merken!

Auch wenn Returnal vielleicht mit einigen Abstrichen auf einer PS4 (Pro) lauffähig wäre, das Ergebnis wäre mit Sicherheit nicht dasselbe. Das stimmungsvoll eingesetzte Raytracing mit samt den beeindruckenden Partikel und Wettereffekten machen aus dem Spiel einen echten Hingucker. Addiert man noch das pfeilschnelle Gameplay und die effektvollen Kämpfe mit der stets butterweichen Bildrate und den nicht wahrnehmbaren Ladezeiten, wird schnell klar, dass man es hier eindeutig mit einem echten PS5-Titel zu tun hat.

Fazit

Wertung - 9

9

Ich bin begeistert! Schon der erste Trailer zu Returnal, der im Rahmen des ersten PS5-Showcase präsentiert wurde, hatte es mir angetan und ich habe die Entwicklung des Spiels aufmerksam verfolgt. Dennoch war ich ein wenig skeptisch, ob es den Entwicklern gelingt, die Housemarque-DNA erfolgreich in das erste Triple-A-Projekt ihrer 25-jährigen Geschichte zu transferieren. Und wie es ihnen gelungen ist! Der Genremix aus Bullet-Hell, Metroidvania und Roguelike spielt sich fantastisch und das Dark-Sci-Fi-Setting mit der mysteriösen und interessanten Story trifft genau meinen Geschmack. Die audiovisuelle Umsetzung mit schicken Raytracing-Effekten, bildgewaltiger Action und dem meiner Meinung nach bislang besten 3D-Sounderlebnis für die PS5, begeistert von der ersten Sekunde an. Gleiches gilt für die ultraschnellen Ladezeiten und das unglaublich immersive und beste DualSense-Feedback bisher abseits von Astros Playroom. Ja, Returnal ist kein leichtes Spiel, aber das “Verdammt - einmal geht noch Gefühl” überwiegt und der Flow, in den man immer wieder hineingelangt, macht unheimlich viel Spaß. Für mich ist Returnal ein starkes Signal für die Zukunft des PS5-Portfolios und ein Spiel, dass jeder Gamer im Blick haben sollte.

Genre: Shooter
Entwickler: Housemarque
System: PS5
Erscheint: 30. April 2021
Preis: ca. 80 Euro

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