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Review: Predator: Badlands + Interview mit Regisseur Dan Trachtenberg

Dreadlocks, spinnenartige Fänge, eine Tarnvorrichtung und ein nicht enden wollender Jagdtrieb – ausgerüstet mit diesen und mehr Features metzeln sich die außerirdischen Yautja, besser bekannt als die Predators, schon seit dem Ende der 1980er-Jahre über die Leinwände. Gilt der erste Teil, in dem sich Arnold Schwarzenegger mit dem extraterrestrischen Jäger anlegt, bei Sci-Fi-Fans als Kult, haben es die Fortsetzungen und Crossovers mit den Alien-Filmen nie wirklich geschafft, ähnlichen Ruhm zu erlangen. Erst „Prey“ im Jahr 2022 sorgte wieder für viele positive Reaktionen. Regisseur Dan Trachtenberg schickte eine Native American in das Duell mit einem Yautja und schafft es, dass sich Freunde und Freundinnen von Space-Action von da an wieder über neue Episoden aus dem Predator-Universum, wie zuletzt das Animationsabenteuer „Predator: Killer of Killers“ freuten. Doch egal ob gut oder schlecht, bislang hatten alle Predator-Filme eine Gemeinsamkeit: Der Yautja war stets – mal mehr, mal weniger – der Widersacher menschlicher Charaktere. Etwas, das sich mit „Predator: Badlands“ jetzt ändert, denn darin ist der Weltall-Weidmann selbst die Hauptfigur. Wir haben den Film vorab gesehen und konnten zudem an einem Round-Table-Interview mit Regisseur Dan Trachtenberg teilnehmen.

Der Sidekick, der Freund oder das gegnerische Monster in Filmen wird sonst nie die Hauptfigur.

(Dan Trachtenberg, Regisseur Predator: Badlands)

vom Filmmonster zum Helden

Dek, ein junger Yautja (Dimitius Schuster-Koloamatangi) mit grobem Vaterkomplex, bricht zu einem entlegenen Planeten auf, um dort seine ultimative Trophäe in Form eines unbezwingbaren Biests zu erlangen. Einzig und alleine diese könnte ihn wieder zu Ruhm, einem Tarnumhang sowie einem Platz in seinem Predator-Clan führen. Dumm nur, dass die Fauna und Flora auf dem ausgesuchten Planeten ausgesprochen ungastlich sind und alles töten wollen, was ihnen über den Weg läuft. Eine ruppige Heldenfahrt frei nach der Poetik von Aristoteles nimmt also ihren Lauf und schon bald gesellt sich auch noch eine Mentorin in Form einer beinlosen Synth-Frau (Elle Fanning) der Reise hinzu. Diese künstliche, einem Menschen gleichende Lebensform hört auf den Namen Thia und ist mit Emotionen ausgestattet, wodurch sie eine Menge Witz, Quirligkeit und Menschlichkeit in die Story bringt. 

Sowohl Thia als auch Dek sind mit dem „Sinn und Zweck” ihrer Existenz belastet und stellen sich die Frage, was sie wirklich tun sollten oder wollen.

(Dan Trachtenberg, Regisseur Predator: Badlands)

Gemeinsam schlägt sich das ungleiche Duo durch die Badlands und es kommt zu einer Menge lässig anzusehender, schön choreografierter Kämpfe mit etlichen Monstern. Die fetzige Musikbegleitung tut ihr Übriges, dass das Publikum dabei richtig gut unterhalten wird. So spicken entertainende Action-Szenen eine klassische Abenteuergeschichte, deren Inhalt zwar keinen Academy Award für das beste Drehbuch gewinnen wird, aber die knapp über 100 Minuten Laufzeit auf unterhaltsame Weise vergehen lässt.  

Wenn es blutet, …

Eines ist ganz klar: Wenn man einen Predator als Hauptfigur auserkiest, muss man auch dafür sorgen, dass dieser glaubhaft auf der Leinwand erscheint. Und gab es zuletzt bei Alien: Earth auf Disney+ einiges an Kritik am sehr nach Gummianzug aussehenden Xenomorph, kann man hierüber beim Yautja aus Predator: Badlands nicht meckern. Der Mix aus Anzug und CGI-Effekten funktioniert perfekt, sodass man dem außerirdischen Protagonisten jederzeit im Film die Glaubhaftigkeit zuspricht. Vor allem die wild funkelnden Augen und das Zusammenspiel der verschiedenen Kieferbestandteile hauchen dem Alien sehr viel Leben, Charakter und Emotionen ein. 

Er (Dimitius Schuster-Koloamatangi als Dek) war so intensiv und stark in den dramatischen Szenen und auch die Action hat durch seine lässigen Bewegungen profitiert.
(Dan Trachtenberg, Regisseur Predator: Badlands)

Die Ecke der chronisch grantigen „Fans“ wird vermutlich die alten animatronischen Predator-Visagen missen und  dem Yautja vorwerfen, dass dieser menschlicher als viele zuletzt gesehenen Predator-Aliens aussieht. Die Fülle der unterschiedlichen Yautja-Designs vergangener Predator-Filme und auch das junge Alter des Protagonisten rechtfertigen dies jedoch ohne Probleme. Und natürlich ist es dadurch einfacher für das Publikum, sich in Dek einzufühlen. 

zum Sterben schön

Visuell haben die Grafik-Künstler von Industrial Light & Magic, Weta & Co. ganze Arbeit geleistet, um uns ein in sich stimmiges visuelles Erlebnis zu präsentieren. Neben unserem Protagonisten-Alien glänzen auch die restlichen Kreaturen der fremden Welt durch Kreativität im Design und solide Umsetzung. Einzig ein für die Handlung doch recht wichtiges kleines Geschöpf – quasi der für Disney typische tierische Sidekick, bei dem der Micky-Maus-Knuddel-Faktor zu stark durchschlägt, wirkt durch die cartoonige Gestaltung aus dem diegetischen Raum von „Predator: Badlands“ gerissen. Glücklicherweise zeigt diese Kreatur viel Charakter und ist interessant genug, damit man die visuelle Diskrepanz verkraften kann. Abgesehen davon passt der Sidekick jedoch perfekt in die Story und macht den etwas anderen Abstecher ins Predator-Universum noch gelungener.

Fazit

Wertung

Predator: Badlands ist genauso wie ich mir eigentlich schon immer eine Geschichte rund um einen Yautja vorgestellt habe. Exotische Welten, actionreiche Kämpfe, gruselige Monster, lässige Predator-Waffen sowie eine unterhaltsame Geschichte. Dass dem Predator ein Mensch, wenn auch ein künstlicher welcher, zur Seite gestellt wird, macht durchaus Sinn, weil man damit auch noch jene aus dem Publikum abholen kann, welche sich nicht ganz leicht damit tun, sich vollends auf ein Alien als Protagonist einzulassen. Und Elle Fanning schlägt sich in der Rolle des Synthetics wirklich sehr gut. Story und Charaktere sind – obgleich der klassischen Erzählstruktur – frisch und spannend und die Momente des Fremdschämens, welches man eigentlich schon seit den Alien vs. Predator-Filmen bei einer Annäherung zwischen Mensch und Yautja verspürt hat, bleibt diesmal zum Glück aus. Wirklich schön ist, dass Regisseur Dan Trachtenberg augenscheinlich etwas an der Marke Predator liegt und er diese weiterentwickelt, ohne die Wurzeln des Sci-Fi-Klassikers zu vergessen.  

Kurzinformationen
Land, Jahr: USA, 2025
Filmlänge: 107 Minuten
Genre: Sci-Fi
Regie: Dan Trachtenberg

Bonus:

Hier das (leicht gekürzte und aus dem Englischen übersetzte) Interview mit Dan Trachtenberg

Mit Prey, Killer of Killers und nun Predator: Badlands haben Sie drei großartige Filme geschaffen, die das zurückgebracht haben, worauf Fans seit dem Original-Predator aus den 80ern gewartet haben. Wie haben Sie es geschafft, das Franchise mit so vielen frischen Ideen wiederzubeleben und dennoch so viel Respekt und Liebe für das etablierte Universum zu zeigen?

Dan Trachtenberg: Ich glaube, der erste Teil davon war, dass ich nie versucht habe, das Franchise neu zu beleben. Ich habe nie gesagt, ich muss jetzt Predator neu erfinden. Mit Prey wollte ich einfach herausfinden, was ein cooler Film sein könnte, den es so noch nicht gab. Ich wollte eine Geschichte erzählen, die großteils über Action läuft und Sci-Fi mit historischem Drama kombiniert. Das sieht man selten, und die Kombination wurde zur Geschichte einer Comanche-Kriegerin, die sich beweisen will – und dann taucht der Predator auf. Killer of Killers macht auch etwas Besonderes — etwas Anthologisches, das dann wirklich zu einer durchgehenden Geschichte wird, die in verschiedenen Zeitebenen spielt. Bei Predator: Badlands wollte ich sicherstellen, dass ich eben nicht einfach einen weiteren Predator-Film mache, sondern etwas, das es so noch nicht gab. Der Sidekick, der Freund oder das gegnerische Monster in Filmen wird sonst nie die Hauptfigur. Den Predator zur Hauptfigur machen – so wurde es für das Franchise frisch und auch generell originell im Sci-Fi-Genre. Ich glaube, das alles hat geholfen, dem Franchise frischen Wind zu verleihen.

Wie sind Sie auf Dimitius Schuster-Koloamatangi, den Darsteller von Dek, gestoßen?

Dan Trachtenberg auf der San Diego Comic-Con 2025 – Foto: Gage Skidmore

Dan Trachtenberg: Wir haben ihn entdeckt, nachdem er uns ein Casting-Tape gesch ickt hat. Er hat eine Szene einmal auf Englisch und dann in einer erfundenen Sprache gespielt, obwohl er gar nicht wusste, dass es um Predator ging. Das hat uns berührt. Dann haben wir ihn zum physischen Teil des Castings gebeten: Wir hatten einen Hindernisparcours und viele Stuntmen dort. Demetrius hat sich dabei wie ein charmanter Badass bewegt! Ich dachte, er ist richtig für die Rolle, aber erst beim Dreh merkte ich, wie außergewöhnlich er wirklich ist. Er war so intensiv und stark in den dramatischen Szenen und auch die Action hat durch seine lässigen Bewegungen profitiert. Wir hatten großes Glück, ihn für die Rolle zu finden.

Kann Deks Reise vom Monster zum Helden als Metapher für Identitätsfragen gesehen werden, denen heute viele Menschen begegnen?

Dan Trachtenberg: Ich denke auf jeden Fall, dass jemand, der sehr aggressiv ist, meistens etwas verbirgt, wodurch er sich verwundbar fühlt. Ich glaube, Dek fühlt sich in seinem eigenen Clan oft verletzlich, genauso wie Thia ausgegrenzt wird und als „kaputt” gilt – sowie andere Wesen, die er trifft – alle Außenseiter. Der Film dreht sich darum zu erkennen, dass etwas, das als Schwäche angesehen werden könnte, eigentlich eine Stärke sein kann. 

Sie haben ein Prequel, ein Sequel, einen Animationsfilm gemacht. Was kommt als Nächstes für das Franchise?

Dan Trachtenberg: Mein Ansatz ist nicht darüber nachzudenken, welcher Teil als nächster gemacht werden sollte, sondern was für ein Film generell gemacht werden sollte. Das nächste Werk soll etwas sein, das die Predator-Reihe noch nicht erlebt hat, vielleicht sogar etwas, das kein anderes Genre bislang gewagt hat. Sobald ich weiß, was das ist, wissen wir, wie es weitergeht.

Im Film sieht man einen Androiden, der so etwas wie Empathie entwickelt. Inwiefern spiegelt das Ihre Sicht auf KI wider?

Dan Trachtenberg: Ich glaube nicht, dass das KI-Wesen im Film meine eigene Meinung zu KI an sich widerspiegelt. Es ist eher ein Sinnbild für etwas, das für einen bestimmten Zweck geschaffen wurde und mit diesem Erbe umgehen muss, aber sich entscheidet, einen anderen Weg zu gehen. Sowohl Thia als auch Dek sind mit dem „Sinn und Zweck” ihrer Existenz belastet und stellen sich die Frage, was sie wirklich tun sollten oder wollen. Ich liebe das Motiv, wenn Figuren einen Kreislauf durchbrechen – das ist der heroischste Akt! Das ist auch das Ziel von Thias Charakter und wie KI/synthetische Figuren im Film genutzt werden.

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