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Review: New Tales from the Borderlands

Nachdem es Telltale Games nun schon seit einigen Jahren nicht mehr gibt, Gearbox aber scheinbar noch Geschichten aus deren beliebten Borderlands Universum zu erzählen hat, erscheint New Tales from the Borderlands nun direkt von Gearbox Software für alle gängigen Plattformen. Nach Tales from the Borderlands handelt es sich dabei um das zweite Adventure in der abgedrehten Welt rund um eine Vielzahl Waffen, Konzernen und schrägen Typ*Innen. Ob die Telltale Formel noch immer zieht, wie abgedreht die Tales wirklich sind und wie man einen Kopf an einer Leiche befestigt, haben wir uns für euch angesehen, wobei der Fokus klar am sehen lag.

Charaktere aus dem Dschungelcamp

In New Tales from the Borderlands begleiten wir die schräge Dr. Anuradha, Wissenschaftlerin und Mitarbeiterin der Atlas Corporation, ihren nervigen und sich stets selbst überschätzenden Bruder Octavio sowie die Frogurt Ladenbesitzerin Fran, die offensichtlich ein schwerwiegendes Aggressionsproblem, aber auch das Herz am rechten Fleck hat. Gearbox hat es dabei wirklich geschafft, interessante und vielschichtige Charaktere zu kreieren, wobei ich zwei Drittel der Crew als lästig und unangenehm empfand, immer noch besser als wären mir die Figuren egal gewesen.

Die gesamte Crew beisammen.

Story einmal anders

Was die Story betrifft, wollen wir gar nicht zu viel verraten, wobei alles mit einem Angriff der Tediore Corporation auf Atlas im Orbit des Planeten Promethea beginnt. Die Geschichte dreht sich um eine wunderliche Erfindung, einen geheimnisvollen Vault, Jungunternehmertum, ein sprechendes Gewehr und viel anderes abgedrehtes Zeug. Gearbox fährt gemäß seiner Borderlands-Formal ein recht derbes Programm, viele Schmäh spielen sich weit unterhalb der Gürtellinie ab, wobei auch die feine Klinge gezückt wird. Durch die Bank sind die Dialoge sowie die Story witzig geschrieben, ich schmunzelte doch hie und da, die großen Lacher blieben jedoch aus. Es finden sich immer wieder Anspielungen auf ältere Borderlands Teile, auch andere Videospiele bleiben nicht verschont.

Ob dieser Trick auch in den Borderlands funktioniert?

1,5 fache Wiedergabe bitte

Mein Problem an der Geschichte war vor allem, dass diese so unendlich langsam erzählt wird und man Sequenzen teilweise unnötig lange dauern. Eine Möglichkeit Szenen zu skippen, die Wiedergabe zu beschleunigen oder dergleichen hätten mein Spielerlebnis massiv gesteigert. Denn eines muss ich sagen, so durchwachsen die Story sein mag, sie trifft einerseits voll den Borderlands-Charme, andererseits wollte ich immer wissen, wie es nun weiter- und ausgeht. Laut Entwickler gibt es insgesamt fünf Enden, was natürlich ein erneutes Spielen theoretisch interessant macht, wie sich die Dialogeoptionen auf den Verlauf eines Gesprächs auswirkt, ist jedoch meistens nicht ersichtlich. Eine vermeintlich diplomatische Antwort führt dann erst wieder zum Zwist innerhalb der Gruppe und umgekehrt, wobei es beim Raten bleibt und man sich meist nur als Beifahrer und Zuseher fühlt.

Wir basteln uns eine Leiche.

Nennt es nicht Spiel

Zuvor wurde erwähnt, dass man die Protagonisten begleitet, dezidiert nicht spielt, den gespielt wird in New Tales from the Borderlands sehr, sehr wenig. In den rund 10 Stunden folgt man der Handlung meist passiv, wählt dann und wann Dialogoptionen und löst in Actionsequenzen oder Minispielen lästige und unnötige Quick-Time-Events (QTE). Hacken wir mit Octavio und seinem super Handgelenkscomputer etwa ein System, drücken wir ausschließlich mehrfach einen Knopf, was jedoch zum Glück übersprungen werden kann. Das mag vielleicht eine humorige Anspielung auf die Vielzahl an QTE in anderen Spielen sein, wobei ich das nach einem Mal auch kapiert hätte. Scheinbar war den Entwicklern jedoch klar, wie mies und eintönig die QTE sind, weshalb man diese einfach ausschalten oder deren Schwierigkeitsgrad anpassen kann, was ich in Akt 3 dann auch tat. Bis auf die Dialogoptionen blieb dann jedoch wirklich nur das passive Folgen der Story, den auch Rätsel müssen keine gelöst werden.

Zielen im Minispiel, Höhepunkt der Interaktion.

Open-Räume inklusive

Es gibt zwar auch immer wieder Abschnitte, in denen man mit einem der Charaktere kleine Gebiete erkunden kann, wobei man hier jedoch nur mit einigen hervorgehobene Objekten interagiert und so Geld sammelt oder Hinweise findet, die dann sowieso automatisch verarbeitet werden und ohne diesen die Handlung nicht voranschreitet. Dabei macht einem jedoch oft die Steuerung einen Strich durch die Rechnung, wenn man nicht genau an jenem Ort steht, den die Entwickler vorgesehen haben.

Wow, das Erkunden der Gegend ist komplett unnötig.

Technik und so

Optisch fühlt man sich als Borderlands-Fan sofort zu Hause, die Grafik bleibt ihrem Stil absolut treu, die Welten und Charaktere sehen im Rahmen des ganz eigenen Stils toll aus. Die Charaktere dürfen auch etwas verändert werden, was sich jedoch nur äußerlich auswirkt. Ab und an wird es dann was Gewalt betrifft etwas expliziter, was aufgrund des Grafikstils jedoch alles im ertragbaren Bereich bleibt.

Technisch hat man sich von den Telltale-Macken verabschiedet, das Spiel läuft absolut rund, bis auf kleinere Pop-Ups beim Wechsel von einer Szene zur anderen, die nicht weiter stören, auf PS5 oder Series X aber sicher auch vermeidbar wären. Die Hintergrundmusik empfand ich teilweise als extrem mühsam und monoton, die Dialoge sind jedoch wunderbar vertont.

Anpassen der Charaktere, jedoch reine Optik.

Pros and Cons

+ teilweise recht witzig
+ Storyentwicklung in viele Richtungen möglich, 5 verschiedene Enden
+ Anpassungsmöglichkeiten im Gameplay (Quick-Time-Events)

– Minispiele und Quick-Time-Events fad und immer gleich
– es ist selten klar wie sich Dialogoptionen auswirken
– Erzähltempo extrem niedrig

Fazit

Wertung - 6

6

Ich verstehe New Tales from the Borderlands, oder besser gesagt die Motivation der Entwickler, scheinbar nicht ganz. Die Story ist mässig interessant, bietet jedoch genug Anreiz um irgendwie dranzubleiben. Der extrem langsame Erzählstil nervte mich, als jemanden der nicht viel Zeit fürs Zocken hat, jedoch extrem. Der Humor ist durchwachsen, reicht von in-your-face-bruha-Witzen über tiefsinnigen Humor inklusive Gesellschaftskritik bis zu Anspielungen auf alles was unsere Welt sonst so bewegt oder auch nicht, wobei für viele zumindest ein bisschen was zum Schmunzeln dabei sein sollte, auch für mich. Das Gameplay in Form von lästigen und unnötigen Quick-Time-Events hat zumindest mich schnell ermüdet, mehr als ein interaktiver Film bleibt da nicht übrig. Die zumindest gut geschriebenen, wenn auch für mich sehr anstrengenden Charaktere passen wiederum gut in das "Spiel". Was mir nach dem Spielen dieses Titels jedoch bleibt, ist ein neuer, nicht uninteressanter Blick auf die spannende Welt von Borderlands und die Lust Teil 3 des Loot-Shooters wieder mal zu spielen. Auf ein weiteres Adventure kann ich jedoch absolut verzichten.

Genre: Adventure
Entwickler: Geabox Software
System: PS4, PS5, Xbox One, Xbox Series S/X, PC
Erscheint: bereits erhältlich
Preis: ab 40 Euro

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