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Review: Monster Hunter 4 Ultimate

Ich befinde mich auf einem Schiff, das sich auf wundersame Weise durch die Wüste bewegt und auf dem Weg zum Karawanendorf Val Habar ist. An Deck ist es zwar heiß, aber sonst ist die Fahrt gemütlich. Als hätte jemand meine Gedanken gelesen und sich dazu entschlossen, dieser Gemütlichkeit ein Ende zu setzen, tut sich im weiten Dünenmeer plötzlich etwas. Ein Sanddrache! Im nächsten Moment bin ich damit beschäftigt, das Untier mit den Kanonen des Schiffes abzuwehren. Davon stand aber nichts in der Broschüre im Reisebüro!

Schließlich gelingt es mir gemeinsam mit der Crew die Kreatur zu besiegen und wir erreichen endlich Val Habar. Dort angekommen fragt mich der Kapitän und Karawanenführer prompt, ob ich mich nicht als Jäger seiner Karawane anschließen will. Offensichtlich war er von meinem Einsatz im Kampf gegen den Sanddrachen angetan. Ich stimme zu und er trägt mir sogleich auf, ihm ein paar Fische zu besorgen, die ich seltsamerweise auch gleich an Ort und Stelle braten muss. Ich an seiner Stelle würde die Dinger ja lieber warm essen.

Schnell wird die Sache aber Ernst. Ausgerüstet mit einer von vielen verschiedenen, überdimensionierten Waffen und dicker Rüstung muss ich mich in der Wildnis auf die Jagd nach diversen Monstern machen. Anfangs sind es noch harmlose Pflanzenfresser, aber bald sehe ich mich mit gefährlichen Fleischfressern konfrontiert, die mich schnell erledigen, wenn ich nicht taktisch vorgehe und darauf achte, ihren Angriffen auszuweichen. Gut, dass mir mein treuer, humanoider Katzenfreund zur Seite steht.

Phänomen Monster Hunter
So beginnt Monster Hunter 4 Ultimate, der neueste Ableger der populären Videospielserie, die seit jeher Spieler spaltet. Es scheint, als gäbe es nur zwei Optionen: Entweder man liebt die Spiele, oder man weiß überhaupt nichts mit ihnen anzufangen. Die Reihe aus dem Hause Capcom begann ursprünglich 2004 auf der PS2 und wurde danach für PSP veröffentlicht, später fand sie ihren Weg auch auf die Nintendo-Konsolen. Vor allem die Handheld-Ableger (PSP und 3DS) erfreuten sich großer Beliebtheit. In Japan ist Monster Hunter bis heute sehr populär, dort sind bisher ganze 18 Titel erschienen und Monster Hunter Tri ist dort mit 28 Mio. verkauften Exemplaren das dritterfolgreichste Wii-Spiel. Im Westen ist die Reihe weit weniger erfolgreich, weshalb dort nur ein Teil der Spiele erscheinen, doch auch hier hat Monster Hunter eine treue Fanggemeinde.

Wie bereits im Einstieg beschrieben, weicht Monster Hunter 4 Ultimate nicht von der erprobten Formel ab. Man wählt aus einer Vielzahl von riesigen Waffen, zieht los und macht sich auf Monsterjagd. Story? Viel mehr als zu Beginn beschrieben gibt es Monster-Hunter-typisch nicht, und darum geht es den Fans ja auch nicht. Doch wer jetzt denkt, dass man wie in manchen Action-RPGs mit blindem Losstürmen weiterkommt, der irrt gewaltig. Immer gilt es, das Angriffsverhalten der Monster zu beobachten und dementsprechend vorzugehen, sonst sieht man schnell alt aus.

Gegner wie die kleinen Jaggis sind alleine leicht zu besiegen. In Gruppen hingegen können sie schnell zu einer Bedrohung werden.

Das Highlight sind natürlich wieder die wirklich großen Monster, die spezielle Angriffe benutzen und bei denen man schon einige Zeit braucht, bis man sie bezwungen hat. Oft geht dies nur, indem man die jeweilige Schwäche seiner Beute herausfindet, wie Gift oder Feuer. Der größte Reiz von Monster Hunter ist wohl das ständige Sammeln von neuen Waffen. Immer gibt es eine Bessere und die Waffen können immer weiter aufgerüstet werden. Im Gegensatz zu vergleichbaren Rollenspielen gibt es in Monster Hunter kein Levelsystem, der Jäger selbst verbessert sich nicht, also muss die Ausrüstung permanent aufgewertet werden.

Manche der Kreaturen, wie hier der Drachenälteste Kirin, greifen einen mit Elementarangriffen an. Da ist es ratsam, die passende Rüstung zu tragen.

Was ist neu?
Die auffälligste Neuerung: Das Spiel ist „vertikaler“. In den Umgebungen, in denen man sich den Monstern stellt, gibt es meist mehrere Ebenen, welche die Charaktere schneller als in den Vorgängern überwinden können. Speziell im Kampf hat das wichtige Auswirkungen. Mit Fernwaffen wie der Gewehrlanze kann man aus sicherer Entfernung auf die Gegner hinabfeuern und ihnen so hoffentlich genug Schaden zufügen, bevor sie näher herankommen. Außerdem verfügt nun jede Waffe einen Sprungangriff, dafür hüpft man einfach von einer Anhöhe hinab und setzt den Angriff in der Luft ein. Dieser kann dann dazu führen, dass das Monster zu Boden geworfen wird. Schafft man das, kann man nun auf das Vieh klettern und es anschließend mit einem Messer weiter attackieren.

Neben den 14 bekannten Waffentypen haben es auch zwei neue in Monster Hunter 4 Ultimate geschafft. Mit der Energieklinge kann man zwischen zwei Modi wechseln, die sich jeweils ähnlich wie eine bereits bekannte Waffe spielen: Beim ersten Modus kämpft man wie mit Schwert und Schild, kann also schnell angreifen und mit dem Schild blocken. Der zweite Modus erinnert an die Morphaxt, hier greift man langsamer an und kann nicht mehr blocken, teilt dafür aber auch weitaus mehr Schaden aus.

Der zweite und weitaus interessantere Neuzugang ist die sogenannte Insektenglefe, eine sehr schnelle Waffe, die viele Kombos ermöglicht. Nutzt man diese Waffe, sitzt ein großes Insekt auf dem Arm des Jägers, mit dessen Hilfe man im Kampf Extrakte von den Monstern einsammeln kann, die dann den Charakter kurzzeitig verbessern. Es gibt drei verschiedene Gruppen solcher Extrakte: Sie verstärken entweder den Angriff, die Verteidigung oder die Geschwindigkeit des Jägers. Welches man bekommt, hängt vom angezielten Körperteil des Monsters ab, so verstärken z. B. Klauen die Angriffskraft, während die Beine den Charakter schneller machen. Man kann bis zu drei solcher Buffs gleichzeitig haben, und je nach Kombination verändert sich das komplette Moveset der Insektenglefe, ohne Extrakt ist die Waffe eher schwach.

Online-Jagd
Der Mehrspieler war für die meisten schon immer das Kernstück der Reihe. Bisher konnte man nur im lokalen Multiplayer auf die Jagd gehen, in Monster Hunter 4 Ultimate ist das nun auch online möglich. Hierzu trifft man sich in der Versammlungshalle und kann dann mit bis zu drei anderen Jägern auf Monsterjagd gehen. Die Schwierigkeit der Quests wird durch den Jägerrang (welcher durch manche Quests steigt) der beteiligten Spieler bestimmt.

Hardware-Probleme
Da sich der 3DS weitaus öfter verkauft hat als die Wii U ist es verständlich, dass Monster Hunter 4 Ultimate nur für den erfolgreichen Handheld veröffentlicht wird. Trotzdem ist es schade, dass wir nicht wie beim Vorgänger Versionen für beide Konsolen bekommen, da es damals sogar Cross-Plattform-Multiplayer gab und sich die Wii U einfach besser für die Reihe eignet.

In der Nähe des Jägers ist die Umgebung meist schön detailliert, aber das meiste wirkt doch ziemlich matschig und die Grafik ist insgesamt recht pixelig, vor allem am 3DS XL. Das ist natürlich hauptsächlich ein Problem der Hardware, soll aber trotzdem nicht unerwähnt bleiben, da es doch etwas verwirrend werden kann, wenn vier Jäger gleichzeitig es mit einem großen Monster aufnehmen. Das wäre in hübscher HD-Grafik auf der Wii U natürlich ganz anders.

Das zweite Problem ist die Steuerung der Kamera. Per Knopfdruck kann man in Richtung des anvisierten Monsters schauen, und mit dem Steuerkreuz lässt sich die Kamera drehen. Hier wäre eine richtige Lock-on-Funktion wie in The Legend of Zelda sehr hilfreich. Abhilfe schaffen entweder das Circle Pad Pro oder der C-Stick des New 3DS. Dringend notwendig ist es nicht, aber für Fans, die Hunderte Stunden in das Spiel versenken wollen, sicher keine schlechte Idee. Außerdem sind die Lade Zeiten zwischen den kleinen Gebieten recht störend und nicht mehr ganz zeitgemäß.

Review Overview

Wertung - 8

8

Süchtig machende Monsterjagd

Monster Hunter 4 Ultimate macht genau das, was sich langjährige Fans von der Serie erwarten. Es bleibt dem etablierten Monster-Hunter-Konzept treu, bietet aber genügend Neuerungen, um Fans abermals für lange, lange Zeit zu fesseln. Über die technischen Probleme werden die meisten ohnehin hinwegsehen können. Einsteiger, die sich die Reihe mal ansehen wollen, werden ihren Spaß damit haben, da das Spiel kein Hintergrundwissen voraussetzt und einen zu Beginn nicht überfordert, sondern langsam heranführt. Aber auch der Umkehrschluss gilt: Wer bisher nichts mit Monster Hunter anfangen konnte, wird auch mit diesem Teil nicht warm werden.

Genre: Action-RPGMonster Hunter 4 Ultimate
Entwickler: Capcom
Erscheint: 13. Februar 2014
Preis: ca. 45 Euro
System: 3DS

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