Review: Metroid Prime 4: Beyond – Nintendo Switch 2 Edition
Wie sich die Prime Saga nach acht Jahren Funkstille auf der neuen Nintendo Switch 2 zurückmeldet und warum die Wüste von Sol Valley für Diskussionen sorgen wird
Es passt zu Metroid, dass auch die reale Welt erst Umwege nehmen musste, bevor wir wieder im Helm von Samus Aran stecken. 2017 wurde Metroid Prime 4 während der E3 angekündigt, damals ohne Titelzusatz und ohne Retro Studios. 2019 folgte der Reset, die Entwicklung ging zurück zu den Erfindern der Prime Reihe, danach herrschte lange Funkstille. Erst ein Trailer 2024 brachte Bewegung ins Thema. Nun, acht Jahre nach Ankündigung und 18 Jahre nach Metroid Prime 3: Corruption, steht Metroid Prime 4: Beyond endlich im Regal.
Wir haben die Nintendo Switch 2 Edition auf der neuen Hardware rund 15 Stunden lang gespielt, optionale Abzweigungen mitgenommen und uns intensiv mit Grafikmodi, Steuerung, Maus Modus und amiibo Features beschäftigt. Kurz gesagt. Das Warten hat sich im Großen und Ganzen gelohnt.
Zwischen Klassiker und Neustart
Metroid Prime 4: Beyond setzt nach der Prime Trilogie an, funktioniert aber spürbar als Einstiegspunkt. Auf dem neuen Planeten Viewros strandet Samus nach einem Teleportationsunfall zusammen mit einem Trupp der Galactic Federation. Natürlich mischt auch Fanliebling Sylux mit. Eine uralte Zivilisation namens Lamorn und ihre Technologie geben dem Abenteuer seinen übergeordneten Rahmen.
Strukturell bleibt die Serie sich treu. Zu Beginn verliert Samus viele Fähigkeiten, wir holen uns Schritt für Schritt den gewohnten Werkzeugkasten zurück, scannen, öffnen Abkürzungen und entdecken Geheimräume. Die klassische Metroid Formel sitzt und wird von neuen psychischen Kräften ergänzt. Beyond wirkt dadurch vertraut, ohne wie ein reines Nostalgie Projekt zu wirken.
Sol Valley und die Vi O La
Der größte Einschnitt im Levelaufbau ist die offene Wüstenregion Sol Valley. Sie dient als Hub, der die Biome von Viewros verbindet, und wird mit der Bio Maschine Vi O La durchquert, einem Alien Bike, das erzählerisch und spielerisch stark in Szene gesetzt wird.
Das Fahrgefühl kann gefallen, wenn wir mit hohem Tempo durch Sandstürme rasen, kleine Sprünge meistern und die Kulisse genießen. Auf Dauer schleichen sich aber Längen ein, besonders wenn das Spiel uns mehrfach zu denselben Routen schickt. Sol Valley ist ein mutiger Kompromiss zwischen klassischem Korridor Design und offener Struktur, aber nicht jede Strecke ist gleich spannend.
Psychic Powers, Scan Visor und das Erkunden
Die psychischen Kräfte der Lamorn sind die wichtigste spielerische Neuerung. Neben Beams, Raketen und Morph Ball kommen Fähigkeiten dazu, mit denen wir Plattformen bewegen, Energiebahnen umlenken oder Gegner kurz festsetzen.
Im Rätseldesign funktionieren diese Kräfte hervorragend. Wir scannen Knotenpunkte, setzen Psychic Beams in der richtigen Reihenfolge ein und kombinieren das Ganze mit Platforming. Einige Passagen, in denen wir uns an Schienen entlang ziehen und gleichzeitig Schalter mit Gedankenstrahlen aktivieren, gehören zu den Highlights des Spiels.
Im Kampf bleiben die Psychic Powers eher Ergänzung. Sie helfen bei Schilden oder kurzen Kontrollpausen, ersetzen die vertrauten Beams aber selten. Hier wäre mehr Mut willkommen gewesen, um die neuen Fähigkeiten stärker zu erzwingen.
Bosskämpfe und Begleiter
In den Bosskämpfen zeigt Metroid Prime 4: Beyond seine größte Stärke. Die Duelle sind abwechslungsreich, fordern Mustererkennung und binden oft die neuen Kräfte ein. Mehrere Bosse fühlen sich an wie liebevoll inszenierte Prüfungen, die das gesamte Moveset von Samus abfragen.
Neu und umstritten sind die Begleiter aus der Galactic Federation. Sie kommentieren, geben Tipps und sorgen für ein paar nette Sprüche, sprechen aber im ersten Drittel des Spiels etwas zu viel. Der Funkverkehr erinnert an klassische Navi Figuren, die immer wieder freundlich auf das nächste Ziel hinweisen. Später wird es ruhiger, trotzdem geht ein Stück der typischen Einsamkeit verloren, die viele mit Metroid verbinden.
Steuerung zwischen Maus Modus und Gyro
Die Nintendo Switch 2 Edition ist vor allem wegen der Steuerungsoptionen spannend. Neben klassischer Gamepad Bedienung mit dem Pro Controller gibt es einen Maus Modus, der die neuen Joy Con 2 wie eine Air Maus agieren lässt.
Wir wechseln per Knopfdruck vom Stick Zielen in einen Modus, in dem die Handbewegung direkt den Cursor steuert. Nach kurzer Eingewöhnung gelangen präzise Kopfschüsse und Weakspot Treffer deutlich leichter. Das fühlt sich auf dem Sofa erstaunlich nah an einen PC Shooter an und ist ein echtes Alleinstellungsmerkmal der Switch 2 Version.
Die bekannte Motion Steuerung bleibt ebenfalls an Bord. Wer will, kombiniert leichte Gyro Korrekturen mit klassischer Stick Steuerung. Im Alltag blieb der Pro Controller unser Standard, der Maus Modus dürfte aber gerade für Speedrunner und Perfektionisten ein Geschenk sein.
Qualitätsmodus versus Leistungsmodus
Technisch holt Metroid Prime 4: Beyond viel aus der Nintendo Switch 2 heraus. Im Docked Betrieb bietet das Spiel einen Qualitätsmodus mit bis zu 4K und 60 Bildern pro Sekunde sowie einen Leistungsmodus mit 1080p und bis zu 120 Bildern. Beide Varianten machen einen stabilen Eindruck, profitieren von sauberer Kantenglättung, HDR und ordentlicher Sichtweite.
Im Handheld Betrieb stehen 1080p bei 60 Bildern oder 720p bei 120 Bildern zur Wahl. Auf einem 120 Hertz Display wirkt der Leistungsmodus besonders direkt, ohne dass das Spiel unruhig wird. Unabhängig vom Modus blieb das Spiel im Test flüssig und legt die Messlatte für kommende Switch 2 Titel sichtbar höher.
Grafik, Sound und Atmosphäre
Optisch inszeniert Retro Studios den Planeten Viewros mit viel Liebe zum Detail. Dichte Dschungel, leuchtende Höhlen und die Dünen von Sol Valley wirken eigenständig und stimmungsvoll. Beleuchtung und Effekte tragen das typische unheimliche Metroid Gefühl sehr gut.
Beim Soundtrack mischen sich neue Stücke mit Anklängen an klassische Metroid Themen. Die Musik ist oft zurückhaltend, zieht in Bosskämpfen aber spürbar an und sorgt für Gänsehaut. Das Sounddesign überzeugt mit klarer Ortung und vielen kleinen Details. Lediglich einige Waffensounds könnten noch mehr Wucht vertragen.
Amiibo. Bonus oder Beigeschmack
Drei neue Figuren begleiten Metroid Prime 4: Beyond. Eine klassische Samus Figur, ein Doppel Pack mit Samus auf der Vi O La und ein Sylux amiibo. Ältere Figuren aus der Metroid Serie werden ebenfalls erkannt.
Die normale Samus Figur schaltet ein Vi O La Radio mit wechselbarer Musik und einen täglichen Schutzschirm frei. Das Doppel Pack liefert neue Lackierungen und etwas Komfort beim Fahren. Der Sylux amiibo gewährt nach Abschluss der Kampagne eine zusätzliche Zwischensequenz. Der Rest bleibt bei kleineren Boni.
Die Extras sind nett und nicht spielentscheidend. Trotzdem ist es schade, dass Komfort und Kosmetik teilweise an Plastik gebunden sind.
Umfang und Spielfluss
Unsere Laufzeit bis zum Abspann lag bei knapp 15 Stunden mit hoher Itemquote. Wer alles scannen und sammeln möchte, kann deutlich mehr herausholen. Wer streng der Hauptstory folgt, kommt auch schneller zum Ziel.
Der Spielfluss ist nicht immer perfekt. Level und Bosse sind stark, dazwischen entstehen in Sol Valley und durch etwas redselige Begleiter immer wieder kleine Hänger. Positiv. Nach dem ersten Durchgang warten ein höherer Schwierigkeitsgrad und New Game Plus, was den Wiederspielwert erhöht.
Wüste, Begleiter, Psychic Powers
Die offene Struktur von Sol Valley wirkt nicht auf alle Spieler gleichermaßen. Manche werden die Weite und das Fahrgefühl lieben, andere sehen vor allem Füllmaterial. Die neuen Begleiter Figuren sprechen häufiger, als es der Serie guttut, und die Psychic Powers werden im Kampf nicht konsequent genug genutzt.
Auf der Habenseite stehen starke Bosskämpfe, ein klug verwobenes Leveldesign in den eigentlichen Gebieten, eine gelungene audiovisuelle Präsentation und flexible Steuerungsoptionen. Das Gesamtpaket erreicht nicht jede über Jahre aufgebaute Erwartung, liefert aber ein Abenteuer, das den Namen Metroid Prime verdient.
Metroid Prime 4: Beyond auf der „alten“ Switch
Metroid Prime 4: Beyond erscheint auch für die erste Nintendo Switch. Dort muss man mit geringerer Auflösung, reduzierten Effekten, längeren Ladezeiten und ohne 120 Hertz Modus sowie ohne Maus Unterstützung leben. Struktur und Inhalt bleiben erhalten. Wer nur die alte Konsole besitzt, bekommt ein gutes, wenn auch weniger beeindruckendes Metroid Erlebnis. In unsere Wertung fließt ausschließlich die Nintendo Switch 2 Edition ein.
Fazit:
Wertung: - 8
8
Metroid Prime 4: Beyond – Nintendo Switch 2 Edition ist kein perfekter Geniestreich und nicht die Revolution, die manche nach der langen Pause erwartet haben. Es ist aber ein starkes, selbstbewusstes Comeback, das die Stärken der Prime Reihe ins Jahr 2025 holt und mit genug neuen Ideen versieht. Die offene Wüste von Sol Valley, die gesprächigen Begleiter und die nicht ganz ausgereizten Psychic Powers kosten ein paar Prozentpunkte. Dafür glänzen Erkundung, Bosskämpfe, Technik und Atmosphäre umso mehr. In den besten Momenten stellt sich genau dieses Metroid Gefühl ein, für das Fans die Serie seit Jahrzehnten lieben. Für Veteranen ist Metroid Prime 4: Beyond Pflichtprogramm. Für Neulinge ein sehr guter Einstieg, der zeigt, warum Samus Aran bis heute zu den spannendsten Figuren der Videospielwelt gehört.
Entwickler: Retro Studios
Erscheint: 4.12.2025
System: Nintendo Switch 2 / Nintendo Switch
Preis: ca. 70 Euro














