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Review: Mario + Rabbids: Sparks of Hope

Taktisches Chaos mit ein paar Tricks im Ärmel! Kann die Fortsetzung weiterhin überraschen?

Bitte was? Mario mit einer Schusswaffe? Mario + Rabbids Kingdom Battle kam 2017 wie ein unwahrer Fiebertraum daher. Niemand Geringerer als Shigeru Miyamoto stand bei der Präsentation zusammen mit Ubisoft Boss Yves Guillemot mit zwei überdimensionierten Waffen auf der Bühne, um die ungewöhnliche Kooperation zwischen Nintendo und Ubisoft zu präsentieren. Doch die größte Überraschung war nicht etwa ein Rabbid, der sich als Prinzessin Peach verkleidet hatte, sondern, dass wir hier ein hervorragendes Strategiespiel für die Switch präsentiert bekamen.

Neue Troubles im Pilzkönigreich!

Das Spiel war ein großer Erfolg, doch wo andere Firmen eine jährliche Franchise-Serie gestartet hätten, blieb es ruhig rund um Super Mario und die Rabbids! Doch nun steht Sparks of Hope in den Startlöchern. Bei  der Fortsetzung, wurde das allgemeine Gefühl der Überraschung, das mit dem ersten Teil verbunden war, durch ein Gefühl der hochgesetzten Erwartung ersetzt. Niemand zweifelt mehr daran, dass Ubisoft mit der Mario-Lizenz ein anständiges Strategiespiel machen kann, und – was vielleicht noch erstaunlicher ist – nur wenige Kritiker beklagen die Einbeziehung der chaotischen kleinen Rabbids in das Pilzkönigreich. Fünf Jahre später stellt sich die Frage, ob Ubisoft die Formel, die aus dem unerwartetsten Crossover der Spielebranche entstanden ist, verbessert hat oder nicht?

Nun die Entwickler haben die Zeit genutzt! Schon auf den ersten Blick hat sich vieles verändert, seit Beep-O und die Rabbids durch die Dimensionen ins Pilzkönigreich geworfen wurden. Obwohl es sich bei beiden Games um Strategiespiele mit leichten RPG-Elementen handelt, spielt sich Sparks of Hope deutlich anders als sein Vorgänger und zwar so, dass es sich fast wie ein anderes Spiel anfühlt. Die labyrinthischen Karten, die mit Kämpfen und blockbasierten Rätseln gespickt sind, sind verschwunden. Stattdessen gibt es in Sparks of Hope fünf lebendige Welten, die von den Rabbids kolonisiert wurden, voller Herausforderungen, schrulliger Charaktere und kleiner Geheimnisse, die es durch das Lösen einfacher Rätsel zu entdecken gilt, die nicht mehr auf die blockbasierte Variante beschränkt sind. Dabei sind klassische Herausforderungen mit bunten Münzen, geheimen Etappen, die an Captain Toad: Treasure Tracker erinnern und vieles mehr willkommene Ergänzungen.

Guardians of the Mario Rabbid Galaxy

Mario und seine Freunde besuchen jede dieser Welten, um das mysteriöse Weltraum-Tentakelmonster Cursa aufzuhalten, das die Galaxie mit der „Dunkelheit“ infiziert hat bzw. es infizieren möchte, einer Art Schlamm, der unsere Helden in eine andere Dimension befördert, um dort zu kämpfen, wenn sie ihn berühren. Idyllische Strände, gefrorene Eispaläste und märchenhafte Herbstwälder müssen von Cursas „Dunkelheit“ gereinigt werden. Diese Verlagerung zu offeneren Schauplätzen ist ein ernormes Plus,  wir fanden jeden Zentimeter der dichten Welten ein Vergnügen zum Erkunden.

Es gibt diverse Sparks, die unseren Held*innen zugeteilt werden können

In dieser Dimension der Finsternis tun sich Mario, Luigi und Peach wieder mit ihren Rabbid-Kollegen (und drei neuen Helden) zusammen, um zu rennen, zu springen und Rabbid-Feinde und ein paar besessene Bösewichte aus dem Pilzkönigreich in die Luft zu jagen. Aber während die Kämpfe im Original fast wie Puzzles funktionierten, mit engen, rasterbasierten Bewegungen und Gegnern, die an bestimmten Stellen platziert waren und die man innerhalb einer bestimmten Anzahl von Zügen beseitigen musste, spielt sich Sparks of Hope viel lockerer.  Das betrifft sowohl die Bewegungen als auch die verfügbaren Optionen.

Die Helden können sich jetzt frei über die Karte bewegen und sind nur durch ihre Reichweite und die Zeit, bis sie ihre Waffe abfeuern, begrenzt. Um die Oberhand zu gewinnen, muss man seine Dreiergruppe in Position bringen, um eine Kette von Teamsprüngen auszulösen, obwohl die meisten Charaktere nur einmal pro Runde springen können. Ansonsten könnt ihr euch nun so viel bewegen, wie ihr möchtet, so lange ihr in eurem Aktionsradius bleibt.

In Kämpfen muss jeder Zug taktisch eingesetzt werden

Um dieses Chaos zu erleichtern, hat jeder der neun Helden jetzt eine einzigartige Waffe. Mario kann mit seinen beiden Blastern zwei Gegner gleichzeitig angreifen. Rabbid Luigi wirft eine Frisbee, die an mehreren Zielen abprallen kann. Neuzugang Edge schleudert ein riesiges Schwert und trifft damit zweimal hintereinander. Alle Helden haben auch eine individuelle Fähigkeit, obwohl dieses Mal nicht alle gleich sind. Die Heilung von Rabbid Peach wirkt zum Beispiel im Vergleich zu Peachs mächtiger Team-Barriere etwas glanzlos. Sparks of Hope führt außerdem ausrüstbare Rabbid-Lumas ein, die  Sparks heißen und eine breite Palette an mächtigen Effekten haben, die einen Teil des Bedarfs an defensiven Werkzeugen überflüssig machen.

Zum Beispiel gibt es einen Spark, der Feinde von der anderen Seite der Arena zum Anwender lockt. Wenn man ihn einsetzt, können alle drei Gruppenmitglieder ihre Wirkungsbereich-Funken und Fähigkeiten einsetzen, um einen ansonsten schwierigen Kampf mit verschanzten Feinden sofort zu beenden. Das Erreichen eines bestimmten Punktes auf der Karte, das Überleben von Gegnerwellen über sechs Runden hinweg, das Zerstören einer bestimmten Anzahl von Darkmess-Augen und Bosskämpfe mit speziellen Mechaniken? Alles kein Problem mit der Kombination der richtigen Fähigkeiten und der richtigen Charaktere im Team. Dies führt leider auch dazu, dass auch komplexere Aufgabenstellungen und Kämpfe, selbst bei einem höheren Schwierigkeitsgrad, sich oftmals zu einfach anfühlen.

Das trübt den Spielspaß zwar etwas ein aber dank der  neun Helden, denen man Fähigkeiten zuweisen kann, und 30 freischaltbaren Sparks, die man ausrüsten kann, habt ihr auch unglaublich viele Möglichkeiten an die Kämpfe heranzugehen, mehr noch ihr könnt das Spiel sehr gut auf euren bevorzugten Spielstil anpassen. Allerdings könnte die Menüführung, bei der es oftmals auch Ladezeiten gibt, beim Hin- und Herschalten von Fähigkeiten noch ein wenig „Liebe“ in Form eines Patches gebrauchen, das könnte alles schneller von der Hand gehen.

Wollt ihr Mario + Rabbids: Sparks of Hope einfach durchspielen, ohne dabei wirklich jede Aufgabe zu erledigen, werdet ihr zwischen 20 und 30 Stunden Unterhaltung finden. Auf einen Mehrspielermodus bei dem ihr gegen- oder auch miteinander antreten könnt, wurde im Gegensatz zum Vorgänger komplett verzichtet. Pläne diesen per Patch nachzureichen gibt es derzeit keine. Dafür wird Rayman im Rahmen des dritten Erweiterungs-DLC sein lang erwartetes Comeback feiern.

Akustisch bekommt ihr einen wunderbaren Soundtrack serviert, Ubisoft gelang es hier gleich mehre tolle Künstlerinnen und Künstler zu versammeln. Die bekannte japanische Komponistin Yoko Shimomura (Kingdom Hearts, Super Mario RPG: Legend of the Seven Stars, uvm.) , der mehrfach ausgezeichnete Komponist Gareth Coker (Ori and the Blind Forest) und der gefeierte britische Videospielkomponist Grant Kirkhope (Banjo-Kazooie, Perfect Dark,…) haben das Spiel meisterhaft vertont. Dafür nervt uns die im Grunde sehr gut passende deutsche „Sprachausgabe“ in der manche Charaktere sprechen, andere teilweise sprechen und andere wieder gleich stumm bleiben.

Die kunterbunte Grafik mit den aberwitzigen Animationen der Rabbids nimmt euch mit ihrem Charme sofort gefangen, allerdings kommt die gute Switch Konsole angesichts der offenen Welten doch immer wieder ordentlich ins Schwitzen und die stabilen 30 Frames hat unsere Testversion dann auch nicht mehr halten können. Damit dies bei den oftmals sehr actionreichen Zwischensequenzen nicht passiert, hat Ubisoft kurzerhand zu einem Trick gegriffen. Diese wurden zwar in der Engine des Spiels erstellt (es kommt die hauseigene Snowdrop Engine zum Einsatz) jedoch kurzerhand als Video abgelegt. Vielleicht wäre das Spiel doch ein guter Starttitel für einen möglichen Switch-Nachfolger gewesen?

Fazit

Wertung - 8.5

8.5

2022: Nach Warhammer 40.000: Chaos Gate - Daemonhunters ist mit Mario + Rabbids: Sparks of Hope nun bereits das zweite Rundenstrategie-Spiel in der Tradition eines X-Com erschienen, das mich für viele Stunden in seinen Bann gezogen hat und sich auch definitiv in die Liste der besten Games einreiht, die ich in diesem Jahr spielen und testen durfte. Dabei greift Sparks of Hope das ausgeklügelte taktische Gameplay von Kingdom Battle auf und verfeinert es mit dynamischen, neuen Ideen. Dank der Mix-and-Match-Sparks könnt ihr das Spiel nun viel mehr an eure persönlichen Vorlieben anpassen, ohne dass der besondere Charme des Games verloren geht. Auch der Umstand, dass zwischen den Kämpfen jetzt deutlich mehr los ist, konnte bei uns uneingeschränkt punkten! Ubisoft hat sich mit der Fortsetzung des beliebten Crossovers überraschend viel Zeit gelassen und das merkt man dieser Fortsetzung an so vielen Stellen, im besten Sinne, an!

Genre: Rundenbasiertes Strategiespiel
Entwickler: Ubisoft Milan, Ubisoft Paris
System: Nintendo Switch
Erscheint: 20.10.2022
Preis: ca.  60 Euro / 90 Euro (Gold Version inkl. Season Pass)

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