Review: Madden NFL 25
Schier unglaublich war die Freude der Fans, als EA College Football 25 erschien und die Franchise nach rund 10 Jahren wiederbelebt wurde. Das Spiel ist sicher nicht perfekt (hier findet ihr das Shock2-Review), macht aber vieles richtig, was bei der Madden-Reihe seit Jahren im Argen liegt. Die Versuchung, neue Hoffnung für Madden 25 schöpfen war groß, wobei uns Fans schon mehrmals von Entwickler Tiburon versprochen wurde, dass man sich den Wünschen und vor allem Beschwerden der Fans annehmen und diese umsetzen würde. Leider geschah dies oft nur in sehr kleinen Teilbereichen und dann meist halbherzig. Leider schlägt Madden 25 hier in die gleiche Kerbe und ihr werdet von mir das selbe lesen wie schon die Jahre zuvor, wenig Neues und das dann ein Murks, vieles wiederverwertet, der Rest bleibt nahezu gleich.
Beginnen wir mit den paar positiven Aspekten, die es auch dieses Jahr gibt. Schon beim Starten des Spiels fallen die neuen, nun endlich ruckelfreien und aufgeräumten Menüs ins Gesicht, die man schon von EA FC 24 kennt. Im Hintergrund laufen dabei immer stimmige Videos aus der NFL, die wesentlich mehr Flair versprühen als die faden Animationen der Vorjahre. Neben den Augen werden aber auch die Ohren bedient, da die Playlist nun ein paar Geschmäcker mehr anspricht und nicht nur Hip-Hop, sondern auch andere Musikrichtungen angeboten werden. In-game hat sich bei den Sounds einiges getan, Kontakte, Tackles und dergleichen klingen wesentlich besser und intensiver.
Ein bisschen was hat sich auch bei der Gameday-Präsentation getan. Vor dem Einlauf der Spieler werden nun auch einige Spieler beim Aufwärmen gezeigt, das zumindest ein bisschen der Flair einer TV-Übertragung aufkommt. Auch wurde dem Titel nach mehreren Jahren ein neuer Superbowl-Abspann spendiert, Zeit wird’s.

Gamplaytechnisch gibt es ebenso Neuerungen, wobei diese jedoch noch nicht ganz ausgereift sind. Aber klar, EA braucht ja auch Futter für Madden 26, damit man dann ein 2.0 hinter die Features hängen und sich damit feiern kann. Da wäre zuerst mal das physikbasierte Takling, das die Fähigkeiten der Athleten, deren Statur sowie das Timings der Spielenden einbezieht. Da spielt auch gleich das neue Ball Carrier Balance System mit rein, das stabileren Sportlern hier Vorteile verleiht. Klingt gut, jedoch sind die Ergebnisse oftmals komisch herumstolpernde und eigenartig abprallende Spieler. Madden war ja schon immer animationsbasiert, also egal was passiert, irgendwann beginnt die Tackleanimation und danach hat man keinen Einfluss mehr auf den Verlauf des Spielzugs. Auch durch das neue Physiksystem ändert sich hier nur wenig, lediglich setzt die Animation je nach Verlauf später ein und kann dadurch noch eigenartiger wirken.
Grafisch hat sich Madden 25 nochmal verbessert, die Spieler und deren Animationen, einige gescannte Spieler auch ohne Helm, der Rasen, das alles sieht besser aus. Was sich nicht geändert hat ist, dass das Spiel immer noch weit von einer Simulation entfernt ist. Vorblocker blocken nicht vor, Verteidiger bleiben stur in ihren Zonen, während laufstarke QBs munter drauf los laufen, WR bleiben am Ende einer Stop-Route stehen anstatt sich einem vor Verteidigern fliehenden QB anzubieten, da helfen auch die neuen One-Hand-Catch Animationen nur wenig. Und das schlimmste, College Football 25 hat gezeigt wie flott ein Football Spiel sein kann. Bei Madden 25 schlafen einem jedoch die Füsse ein, so träge fühlt sich das Gameplay im Vergleich an.

Neu im Franchise-Modus sind die sogenannten Storylines, bei denen Gespräche zwischen Coach und Reporter*in oder zwischen Coach und Spieler inszeniert werden, wobei diverse Fragen über kommende Spiele oder Ziele gestellt werden. Das wirkt sich dann auf die durch zum Beispiel durch kleine Boosts aus. Jedoch sind diese Gespräche komplett unvertont, wirken langweilig und kühl und in Wahrheit komplett deplatziert. Ebenso merkwürdig ist, dass man diese Storylines nur erleben kann, wenn man sich im Franchise Modus für die Rolle des Coaches entscheidet, als Teambesitzer bleiben den Spielenden die Storylines vorenthalten. Umgekehrt kann nur ein Besitzer Managemententscheidungen wie Ticketpreis, ein Umzug des Teams oder dergleichen treffen. Warum kann ich nicht einfach beides haben, wie das schon jahrelang der Fall war? Und wieder, ein Feature für die kommenden Jahre. Sonst hat sich beim Franchise-Modus kaum Wesentliches getan.

Verfolgt man die NFL wird man es schon wissen, ab der Saison 24/25 wird es eine neue Variante des Kickoffs geben, da dieser die letzten Jahre immer unattraktiver wurde. Diese neue Spielart des Kickoffs wird natürlich auch im Spiel vorhanden sein, ebenso wie das neue Kicking-Meter, dass bereits in College Football 25 zum Einsatz kam. Das neue Passing-System aus dem College Ableger hat es noch nicht ins Spiel geschafft, soll aber noch via Update nachgereicht werden.

Der Superstar Modus ist ebenso nahezu gleich geblieben, wiederum kann man entweder QB, RB, WR, CB oder LB spielen, wobei die Karriere wiederum mit der Combine beginnt. Danach folgt der Draft, der neu gestaltet wurde, was sich aber nahezu nur optisch auswirkt. Eine kleine Neuerung sind Missionen im Superstar-Modus, wobei diese einfach nur Meilensteine wie eine gewisse Anzahl an Yards, Touchdowns oder Tackles darstellen. Ebenso gibt es nun innerhalb des Superstar Modus eine 3v3 Variante, die aber nur online gespielt werden kann, wobei es mehr darum geht, besonders verrückte Outfits zu kaufen und zur Schau zu stellen. Da machte sogar The Yard mehr Spaß.
Es gibt zwar die Möglichkeit Spieler aus College Football 25 zu importieren, wobei dessen Werte auf Null gesetzt und durch die Combine komplett neu berechnet werden. Somit ist dieses Feature komplett unnötig.

Und dann wäre da noch der dritte große Modus, die Pay-to-Win-Hölle Ultimate Team, in der es sicher wieder ganz tolle neue Karten gibt, ich aber nicht näher darauf eingehe. Es reicht ja wohl schon, dass man bei jedem Ladebildschirm daran erinnert wird, den Modus zu spielen, an dem sich sonst natürlich auch kaum was geändert hat.

Ein Punkt der schon länger gefordert wurde, waren neue Kommentatoren-Teams. Mit den Teams Greg Olsen (mein Lieblingskommentator) mit Mike Tirico sowie Brock Huard gemeinsam mit Kate Scott gibt es gleich zwei neue Teams, die Brandon Gaudin und Charles Davis ergänzen. Dazu wurden laut Entwickler 35.000 neue „Aufnahmen“ gemacht (kein eAhnung ob Buchstaben, Wörter oder Zeilen). Leider kann man nicht auswählen, welches Team ein Spiel kommentiert.
Pros and Cons
+ grafisch noch schöner als die Jahre zuvor
+ 2 neue Kommentatoren Teams
+ überarbeitetes physikalisches Tackling…
– …das nur zu oft zu lächerlichen Ergebnissen führt
– Neues muss man mit der Lupe suchen, oft nur Recycling
– immer noch weit von einer Simulation entfernt
Fazit
Wertung - 5
5
Ich predige es hier schon seit Jahren, aber was Madden dringend braucht, ist Konkurrenz. Auch in Madden 25 wird großteils verwaltet und wiederverwertet, es gibt kaum Neuheiten und selbst diese sind mau. College Football 25 hat jedoch gezeigt, dass EA noch gute Football-Spiele machen kann. Es spielt sich flott, fängt den Flair der Sportart ein und macht Spaß. Es hat auch seine Probleme, aber Madden besteht im Gegenzug fast nur aus Problemen und Baustellen und das seit Jahren, wobei alle davon hausgemacht sind, teilweise vielleicht sogar gewollt, um diese dann nächstes Jahr unter Beifall auszubügeln. Hat man die letzten ein bis drei Jahre Madden besessen, kann man dieses Jahr somit getrost auslassen auf nächstes Jahr hoffen, man verpasst nicht allzu viel.
Entwickler: EA Tiburon
System: PS4, PS5, Xbox One, Xbox Series X/S, PC,
getestet auf: Xbox Series X
Erscheint: erschienen
Preis: ab 70 Euro




