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Review: Joker

Nach der Ankündigung einer Stand-Alone-Joker-Verfilmung, waren die Reaktionen eher verhalten. Schließlich war – nach der Oscar-prämierten Leistung von Heath Ledger in The Dark Knight – noch Jared Letos grauenvolle Darbietung als Clown Prince in DC’s Suicide Squad im kollektiven Gedächtnis verankert. Der allgemeine Tenor lautete zu diesem Zeitpunkt, dass die Figur eine wohlverdiente, kreative Pause einlegen sollte.

Es kam anders. Denn: DC und Warner Bros. Pictures beschlossen trotz aller Unkenrufe, dass Joker in Produktion gehen sollte. Hat sich das Risiko bezahlt gemacht?

„My life is a comedy“

Arthur Fleck hat kein Glück. Nein, Arthur Fleck hat vielmehr Pech. Man könnte auch sagen, dass er zeit seines Lebens vom Pech verfolgt ist.

Arthur leidet an einer neurologischen Störung, die dazu führt, dass er gelegentlich unkontrollierte Lachkrämpfe bekommt. Zudem lebt er unter ärmlichen Bedingungen in Gotham City der 1980er Jahre und verdingt sich seinen Unterhalt mal als Straßenclown, mal als Clini-Clown. Keinen dieser Jobs behält er jedoch länger, macht ihm doch stets das Schicksal oder seine mentale Konstitution einen Strich durch die Rechnung.

Hier wird den Zusehern vor Augen geführt, wie sehr sich die Welt gegen Arthur gewandt hat. Er wird missachtet, gequält, verprügelt und so weiter. Von einer partnerschaftlichen oder nur einer „normalen“ menschlichen Beziehung ist bei Arthur Fleck nicht zu denken. Gotham City und seine Bewohner hassen ihn offenbar.
Die einzige Person in seinem Leben, die ihm hingegen zu lieben scheint, ist seine Mutter Penny Fleck. Sie gibt ihm ob ihrer Erkrankung – Arthur pflegt sie – einen Sinn im Leben. Außerdem war sie es, die ihm sein Lebensmotto, immer zu lächeln, gegeben hat.

Dem versucht er auch im Verlauf des Films als Comedian nachzugehen – mit zweifelhaftem Erfolg …

© by Warner Bros. Pictures

Wer braucht schon Batman?

Joker ist im DC-Kosmos verankert – auch, wenn die Querverweise und Anspielungen hier nur sehr rar gesät sind. Arkham Asylum hier, Thomas und Martha Wayne dort – das war es dann aber auch schon beinahe. Ob der Film künftig für andere DC-Filme eine Rolle spielen könnte, bleibt abzuwarten. Die spontane Antwort müsste aber „nein“ lauten. Der Film spielt schließlich in den 1980er Jahren, wo Bruce Wayne aka Batman noch im Kindesalter ist.

Ob es außerdem so klug wäre, einen jungen Batman, den das Kinopublikum noch nicht kennt, gegen diesen Joker ankämpfen zu lassen, ist äußerst fraglich. Immerhin weckt Arthur Fleck mit seiner Lebensgeschichte Sympathien und Mitgefühl bei den Kinogängern. Die Figur wirkt immer glaubhaft und agiert in ihrem Wahnsinn nachvollziehbar. Hier tritt ein Symptom auf, das auch schon bei Breaking Bad für Verwirrung sorgte. Darf man Protagonisten mögen, die böse oder gar wahnsinnige, grauenhafte Dinge tun?

© by Warner Bros. Pictures

Wer definiert, was komisch ist?

Joker bildet im Kern eine Mixtur aus Gesellschafts- und Wirtschaftskritik. Warum definiert nicht der Charakter, sondern das Bankkonto den Wert eines Menschen? Auch das alte, neoliberale Versprechen (Man kann alles erreichen, wenn man sich nur hart genug anstrengt) wird bedient und zurecht in Frage gestellt. Schließlich haben nicht alle Menschen die gleichen Chancen. Bildung, Macht und Reichtum werden immer noch zu großen Teilen vererbt.

Die Figur Thomas Wayne (Brett Cullen) vereint all diese Vorurteile und Merkmale wesensimmanent in sich. Er ist privilegiert, ignorant und arrogant – ohne sich dessen bewusst zu sein. Schließlich möchte er doch nur das beste für „sein“ Gotham City.

Deshalb wird schnell klar, dass wohl die Kreation „Joker“ zu verhindern gewesen wäre.

© by Warner Bros. Pictures

Großartig

Joaquin Phoenix hätte in seiner langen, großartigen Karriere schon längst die Anerkennung in Form eines Academy Awards verdient gehabt. Mit dieser Leistung könnte es ihm diesmal gelingen, denn mit ihm steht und fällt dieser Film. Viele andere Charaktere hat Joker auch gar nicht. Es ist schlicht nicht notwendig.

Trotzdem sei an dieser Stelle auch noch Robert DeNiro erwähnt, der in seiner kurzen Screentime die Figur des Late Night-Hosts Murray Franklin lebt und verkörpert, wie es kaum ein anderer könnte.

Fazit

Wertung - 9.5

9.5

Kein schlechter Scherz

Joker ist kein gewöhnlicher Superheldenfilm. Vielmehr ist er eine Art Charakterdrama, das viele Fragen aufwirft und nur wenige beantwortet. Aufgrund einer außergewöhnlichen, schauspielerischen Leistung und Drehbuch gehört Joker schon jetzt zu einem der besten Filme diesen Jahres.

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Kurzinformationen
Filmstart: 10. Oktober 2019
Filmlänge: 122 Minuten
Land, Jahr: USA, 2019
Genre: Superhelden, Charakterdrama
Regie: Todd Phillips
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