Review: Irem Collection Volume 3
Hexenbesen, Drachenritt und Helikopter-Action: Drei vergessene Arcade-Schätze wiederbelebt
Mystic Riders, Dragon Breed und Mr. Heli vereint in Irem Collection Volume 3 – drei Arcade-Perlen, die unterschiedlicher kaum sein könnten, aber eines gemeinsam haben: Sie bieten knallharte Shoot ’em up-Action mit ausgefallenem Fantasy/Sci-Fi-Anstrich. Diese dritte Sammlung folgt dem Motto „Qualität über Quantität“ und kramt drei eher unbekannte Titel aus den späten 80ern und frühen 90ern hervor, die einst im Schatten von Irems Hits wie R-Type standen. In unserem Test – mit einem nostalgischen Augenzwinkern – haben wir die Retro-Ballereien ausführlich auf dem PC sowie auf dem Steam Deck gezockt. Ob uns die Mischung aus Hexen auf Besen, einem biomechanischen Drachen und einem niedlichen Kampf-Heli heute noch überzeugen kann? Finden wir es heraus!
Mystic Riders – Magische Besen und Kugelhagel
Den Anfang macht Mystic Riders (Arcade 1992), ein horizontaler Fantasy-Shooter, der uns statt in ein Raumschiff auf einen fliegenden Besen setzt. Zwei junge Zauberlehrlinge kämpfen sich durch farbenfrohe Welten voller Halloween-ähnlicher Gegner – von Riesenschildkröten bis Feuerdämonen ist alles dabei. Das Gameplay erinnert an Genre-Kollegen wie Cotton, ist aber erstaunlich rasant und actionreich. Unsere kleine Hexe schießt Feuer- und Blitzzauber um sich, sammelt fleißig Power-ups und kann ihren Besen wie einen Bumerang nach hinten schleudern, um gegnerische Projektile abzufangen. Dieses Besenwerfen verleiht dem Spiel eine clevere taktische Note.
Besonders spaßig ist der lokale 2-Spieler-Koop: Schnappt euch einen Freund, einer spielt Mark, der andere Zeal, und ab geht’s in den magischen Zweier-Kampf. Trotz putziger Optik sollte man das Spiel nicht unterschätzen: Schon nach den ersten Leveln steigert sich der Schwierigkeitsgrad deutlich und man stirbt bei einem einzigen Treffer. Dennoch empfanden wir die Herausforderung als fair und motivierend – dank übersichtlicher Steuerung und zahlreicher Power-ups kommt selten Frust auf.
Dragon Breed – Schwerter, Schuppen und schwere Geschütze
Weiter geht’s mit Dragon Breed (Arcade 1989), dem wohl „Heavy Metal“-Vertreter des Trios. Anstatt in einem Raumschiff sitzen wir hier stilecht auf dem Rücken des riesigen Drachen Bahamoot. Der Drache dient als lebendiger Schutzschild, den wir geschickt um unseren Ritter Kayus schlingen können, um feindliche Geschosse abzufangen. Gleichzeitig fungiert Bahamoot als Waffe: Mit Schwanzhieben und Feuer-Attacken räumen wir ganze Gegnerwellen aus dem Weg.
Visuell und thematisch hebt sich Dragon Breed stark ab: Die Levels wirken düster-fantastisch mit biomechanischen Monstrositäten, als hätte H.R. Giger seine Finger im Spiel gehabt. Spielerisch waren wir anfangs begeistert: Der unverwundbare Drache erleichtert den Einstieg, doch schon bald ziehen Schwierigkeitsgrad und Feindaufkommen drastisch an. Interessant am Rande: Dragon Breed erhielt damals keine Konsolenportierung, sondern nur Umsetzungen für Home-Computer wie Amiga oder C64 – die Arcade-Fassung ist hier also eine kleine Rarität.
Mr. Heli – Niedlicher Hubschrauber, harter Schwierigkeitsgrad
Last but not least: Mr. Heli, auch bekannt als Battle Chopper, ursprünglich 1987 in den Arcades erschienen. Dieser Titel ist auf den ersten Blick ein klassischer „Cute ’em Up“: Man steuert einen knubbeligen orangefarbenen Helikopter mit Beinchen durch bunte Höhlenwelten. Doch so süß das Spiel aussieht, so brutal schwer ist es auch: Gegner tauchen aus allen Richtungen auf, und vor allem die Bosskämpfe haben es in sich.
Das Besondere: Im Gegensatz zu vielen horizontalen Shoot ’em ups scrollt das Spiel nicht strikt automatisch. Vielmehr können wir Mr. Heli frei in alle Richtungen bewegen und Levelabschnitte erkunden. Kristalle dienen als Währung: An bestimmten Stationen können wir neue Waffen, Bomben oder Energie kaufen – fast schon ein Puzzle-Element. Besonders nett: Neben den Arcade-Versionen ist auch der PC-Engine-Port enthalten. Diese Version ist spürbar einfacher, bietet aber ebenfalls knackige Bosskämpfe und zusätzliche Optionen für variablen Schwierigkeitsgrad.
Umfang und Extras – Komfortfunktionen vs. karge Sammlung
Die Irem Collection Volume 3 kommt mit drei Spielen und modernen Komfortfunktionen. Alle Titel liegen in japanischer und westlicher Version vor, die Emulation macht einen guten Eindruck und läuft stabil. Sehr begrüßenswert sind die vielfältigen Einstellungen: freie Steuerungsbelegung inklusive Schnellfeuer, Speicherstände, Rewind-Funktion und weltweite Online-Ranglisten. Wer Hilfsfunktionen wie Rewind oder Cheats nutzt, wird allerdings von Achievements und Leaderboards ausgeschlossen – ein fairer Kompromiss für Highscore-Jäger. Bildschirmfilter sorgen für echtes Arcade-Flair. Leider fehlen Bonusmaterialien wie Artworks, Entwicklerkommentare oder historische Infos – hier hätte die Collection noch zulegen dürfen.
Retro-Flair auf Switch, PlayStation und Xbox
Die Collection ist ebenfalls für Nintendo Switch, PlayStation 4/5 sowie Xbox One und Series X|S erhältlich. Inhaltlich und technisch sind alle Versionen identisch, mit stabilen 60 FPS und präziser Steuerung. Auf der Switch macht besonders der Handheld-Modus Spaß, während PS5 und Xbox mit Trophäen und großem Bildschirm punkten. Alle Versionen laufen fehlerfrei, mit scharfer Skalierung und latenzfreier Steuerung. Die Titel eignen sich perfekt für kurze Runden unterwegs, und besonders im Koop entfaltet sich der Spielspaß.
Fazit:
Wertung: - 8
8
Irem Collection Volume 3 richtet sich vor allem an Retro-Enthusiasten und Shoot ’em up-Veteranen – und die werden hier fast vollends auf ihre Kosten kommen. Die Auswahl ist klein, aber fein: Mystic Riders punktet mit Koop-Spaß, Dragon Breed mit innovativem Drachen-Gameplay und Mr. Heli mit kniffligen Höhlenlevels. Moderne Komfortfunktionen helfen über den knackigen Schwierigkeitsgrad hinweg. Schade nur, dass Bonusinhalte fehlen und der Preis für drei alte Spiele nicht ganz niedrig ist. Unterm Strich ist Irem Collection Vol. 3 eine gelungene Fortsetzung der Reihe und eine klare Empfehlung für Fans von Retro-Shootern, die Lust auf echte Arcade-Herausforderungen haben.
Entwickler: Irem/Tozai Games
Erscheint: erhältlich
System: PlayStation 5, Nintendo Switch, PlayStation 4, Xbox Series, Xbox One
Preis: ca. 25 Euro






