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Review: Ghostwire: Tokyo

Ghostwire: Tokyo war eines der vielen Spiele, die 2020 auf der sehnlich erwarteten State of Play zur Ankündigung der PlayStation 5 gezeigt wurden, und einer der (zumindest zeitlich begrenzten) PS5-Exklusivtitel, die von Bethesda Softworks gepublisht werden. Etwas, das durch die Microsoft-Übernahme in absehbarer Zeit so nicht mehr vorkommen dürfte.

Ein Nebel legt sich über Tokio

Zu Beginn des Spiels werden wir Zeuge eines schaurigen Spektakels: Ein geheimnisvoller Nebel legt sich über die Hauptstadt Japans und lässt nichts außer der Kleidung von den darin befindlichen Menschen zurück. Akito Izuki ist einer der wenigen Überlebenden des unheimlichen Schauspiels. Hierbei hatte er aber unerwartete Unterstützung. Denn: KK, ein Geist mit übernatürlichen Kräften, übernahm im entscheidenden Moment die Kontrolle über Akitos Körper und konnte so das schlimmste verhindern. Dies geschah jedoch nicht aus reiner Nächstenliebe heraus. Vielmehr benötigt KK eine menschliche Hülle, um Hannya, der vermeintlich hinter dem Auftauchen des Nebels steckt, aufzuhalten. Nachdem Hannya für seine geheimnisvollen Pläne auch Mari, die schwer erkrankte Schwester Akitos, entführt, schließen er und KK einen Pakt: Sie teilen sich Akitos Körper, um Hannya aufzuhalten und Mari zu retten.

Was hat Hannya bloß vor?

Ein ungleiches Paar

Durch das Teilen des Körpers verfügt Akito neben einem grantigen und stets zynischen „Mitbewohner“ nun auch über KKs Fähigkeiten (diese erweitern sich im Verlauf des Spiels stetig). Diese benötigt Akito auch, sind doch durch Auftauchen des tödlichen Nebels allerhand Geister in Tokio erschienen, von denen der Großteil seinen Tod wollen. Mithilfe spirituellen „Webens“ (Anwenden von Wind-, Feuer- und Wasserattacken) sind diese doch in den meisten Fällen keine große Herausforderung. Hierbei werden aus der Ego-Perspektive magische Strahlen aus der rechten Hand auf die Feinde geschossen. Aufgeladen werden diese mithilfe von einzusammelnden „Orbs“, die in schwebenden Dingen wie Autos, Motorrädern, Getränkeautomaten und vielen mehr enthalten sind. Zudem stehen Akito ein magischer Bogen und diverse Talismane zur Verfügung, um die untoten Heerscharen zu besiegen. (Andere Waffen, wie Pistolen oder andersartige Schusswaffen erhält man in Ghostwire: Tokyo jedoch nicht.)

Nur nicht den Kopf verlieren…

Tolle Geisterdesigns

Die feindlichen Geister wiederum sind zwar nicht besonders gefährlich, aber großartig designt. So griffen uns kopflose Schulmädchen oder gesichtslose, hagere Männer in Anzügen und einen Regenschirm tragend an. Den Regenschirm nützen sie gelegentlich als Schild, um sich vor unseren Angriffen zu schützen. Dann gibt es auch stärkere Gegner, die entweder an Samara aus The Ring oder an Lady Dimitrescu aus Resident Evil: Village erinnern. Und der schön-schaurige Look lässt auch bei den Bossgegnern nicht nach.

Neben der vielen bösartigen Gestalten gibt es auch einige, die uns wohlgesinnt oder zumindest gleichgültig gegenüber stehen. Hier sind zuallererst die Yokai zu erwähnen, die entweder als Marshmallow-artige Wesen oder als Katzen (Händler in Shops), Dachse, Waschbären uvm. in Erscheinung treten – und jeweils unterschiedliche Ziele verfolgen. Zumeist sind diese in Nebenmissionen anzutreffen. Mal wollen sie, dass wir etwas für sie beschaffen oder dass wir andere Yokai für sie auffinden. Die Marshmallow-artigen versperren zumeist nur den Weg und geben uns Erfahrungspunkte und sogenannte Magatama, wenn wir sie „erlösen“. Mithilfe dieser können wir wiederum unsere Fähigkeiten im Skilltree erweitern. Erfahrungspunkte erhalten wir aber auch, wenn wir schwebende Seelen mithilfe unserer Katashiro, eine Art Puppe aus Papier, aufsammeln und bei der nächstgelegenen Telefonzelle in ihre Körper übertragen.

Torii müssen gereinigt werden, um ein Gebiet vom Nebel zu befreien und es dadurch zu erschließen

„Türme“ und vertikales Gameplay

Neben den Yokai, die als tierische Wesen in Erscheinung treten, gibt es auch tatsächliche Tiere im Spiel. So treffen wir häufig auf Hunde, denen man Hundefutter geben kann, wodurch sie einem Belohnungen geben oder uns zu Nebenmissionen führen. Danach können wir sie auch streicheln, ebenso wie Katzen, die durch die Stadt streifen und zumeist depressive oder melancholische Gedanken haben.

Katzen-Yokais fungieren als Händler

Zudem fliegen über der Stadt immer wieder sogenannte Tengu, geflügelte Geisterwesen, die stets laut kreischen und an denen wir uns hochziehen und durch die Lüfte gleiten können. Dadurch wird das Gameplay häufig vertikal, denn wir müssen durch die häufigen Blockaden, die durch den Nebel hervorgerufen werden, in die Höhe blicken und uns andere Routen durch die Open World von Tokio erschließen. Nachdem es keinerlei Fallschaden gibt, lädt dieses System dazu ein, erfinderisch zu werden. Den Nebel wiederum können wir auch verschwinden lassen, in dem wir sogenannte Torii, also rote Eingangstore eines Schreins, spirituell „reinigen“. Die Torii müssen aber zunächst erst gefunden und von den zumeist dort befindlichen Geistern befreit werden. In gewisser Weise erfüllen diese also die Funktion von Türme, die ein überschaubares Gebiet auf der Map freischalten. Gereinigte Torii können im Anschluss auch für Schnellreisen genützt werden. Demnach empfiehlt es sich, so viele wie möglich davon freizuschalten.

Das Gameplay verkommt dadurch leider häufig zu Arbeit. Denn: Die einzelnen Geister, die zufällig in der gesamten Stadt platziert sind, stellen ab einem gewissen Zeitpunkt im Spiel keine Herausforderung mehr dar, sondern verkommen zur Beschäftigungstherapie – ebenso, wie das Freischalten der vielen Torii. Dies muss nämlich häufig gemacht werden, um Areale, die für die Handlung wichtig sind, vom Nebel zu befreien.

Andere Yokais wirken wie überdimensionierte Marshmallows mit Augen

Kein Horror, aber trotzdem gruselig

Wichtig zu erwähnen ist auch, dass Ghostwire: Tokyo kein Horrorspiel, sondern vielmehr ein gruseliges Action-Adventure ist. Das ist bei dem Kontext verwunderlich. Immerhin wurde das Spiel von Tango Gameworks, dem Studio von Resident Evil-Schöpfer Shinji Mikami und der Evil Within-Reihe, entwickelt. Creative Director war zu Beginn jedoch Ikumi Nakamura und ab 2020 Kenji Kimura. Ab diesem Zeitpunkt fungierte Mikami auch als Executive Producer des Spiels. Es scheint also hinter den Kulissen immer wieder zu Problemen gekommen zu sein. Zwischenzeitlich machte sogar das Gerücht die Runde, dass Ghostwire: Tokyo gecancelt wurde. Dem ist nachweislich nicht so und dennoch merkt man dem Spiel seine Probleme ein wenig an. So kommt es zu einigen plötzlichen Wendungen innerhalb der Story und nach einem gemächlichen Beginn zu einem (gefühlt) abrupten Ende. So haben wir für unseren Playthrough knapp 13 Stunden benötigt. Wer alle Nebenmissionen macht, wird aber locker zehn weitere Stunden Spielzeit addieren können. Und auch grafisch kann Ghostwire: Tokyo mit anderen PS5-Exklusivtiteln, wie Horizon: Forbidden West oder Ratchet & Clank: Rift Apart, nicht mithalten. Einzelne Charaktermodelle wirken wie aus PS3-Zeiten. Gelungen ist hingegen die Einbindung des DualSense Controllers (wir haben jeden einzelnen Regentropfen gespürt) und des 3D Audio-Klangs für die Pulse 3D-Kopfhörer der PlayStation 5.

Manche Seelen sind verzweifelt und benötigen (in Nebenmissionen) eure Hilfe

Fazit

Wertung - 7.5

7.5

Ghostwire: Tokyo ist nach Horizon: Forbidden West nicht der nächste große PS5-Exklusivhit. Vielmehr ist es ein Projekt, dem man an allen Ecken und Enden anmerkt, dass es hinter den Kulissen zu Problemen gekommen sein dürfte und es kreative Differenzen gab. Die vielen japanischen Eigenheiten, tollen Geisterdesigns und kreativen Verrücktheiten machen das Spiel dennoch zu etwas Besonderem. Zum Vollpreis würden wir den Titel dennoch nicht empfehlen.

Genre: Action-Adventure
Publisher: Bethesda Softworks
Entwickler: Tango Gameworks
System: PlayStation 4 und PlayStation 5 (timed exclusive) und PC
Erscheint: 25. März 2022
Preis: ca. 70 Euro

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