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Review: FIFA 22

Über 325 Millionen Stück (Stand: 2021) konnte Electronic Arts bereits von seinem FIFA-Franchise seit dem Jahr 1993 absetzen. Eine stolze Zahl, die jedes Jahr im Herbst um einige Millionen Exemplare ansteigt – und das wird sich in diesem Jahr vermutlich auch mit FIFA 22 nicht ändern.

Angesagte Revolutionen finden nicht statt – Hyper Motion

FIFA 22 soll, wenn es nach EAs Marketing-Abteilung geht, erneut das beste Spiel des stolzen Franchises sein. Hierfür sorgt gemäß Electronic Arts vor allem ein neues Feature: Hyper Motion. 

HM ist exklusiv Next-Gen-Konsolen-Besitzer:innen vorbehalten und soll einerseits grafisch und andererseits spielmechanisch die beliebte Fußballsimulation verändern – aber was wurde genau verändert?

Früher wurden einzelne Starspieler mitsamt ihrer charakteristischen Move-Sets extra mittels aufwendigen Motion Capturing-Verfahrens animiert. Nun wurden nicht nur einzelne Spieler mithilfe dieses Verfahrens eingefangen, sondern ganze Mannschaften. Diese trugen während sie gegeneinander antraten Motion Capture-Anzüge und wurden daraufhin angeblich noch authentischer während des Spiels aufgezeichnet. Zudem soll durch Hyper Motion maschinelles Lernen in das Franchise eingeführt werden. Dies funktioniert der Theorie nach so, dass das Spiel einzelne Animationen, die vielleicht in einer bestimmten Situation fehlen und nicht in der Datenbank vorprogrammiert existieren, selbst erzeugen und reibungslos einfügen kann.

Heung-min Son hat alles im Blick | © EA SportsWährend einer Partie in FIFA 22 merkten wir leider recht wenig von den versprochenen Veränderungen. Manche Animationen liefen zwar merklich flüssiger und gewisse grafische Details wirken nun authentischer, aber dennoch fühlte sich das Spielgeschehen im direkten Vergleich zu FIFA 21 sehr vertraut und gewohnt an. Dennoch sind wir der Überzeugung, dass EA mit diesem neuen Feature in die richtige Richtung steuert. Das Aufzeichnen kompletter Mannschaften während einzelner Trainingsspiele wird unweigerlich zu mehr Authentizität führen, ebenso wie eine stetige Verbesserung von „Machine Learning“ – auch, wenn große, rasche Sprünge eher nicht zu erwarten sind, sondern eine kleine kontinuierliche Verbesserung der optischen Präsentation und des Spielgefühls. 

Neben diesem Feature hat sich erneut das Verteidigungssystem etwas verändert, wodurch wir das Gefühl hatten, etwas ungenauer die Stürmer von ihrem Tagesgeschäft abhalten zu können. Dies wird sich aus unserer Sicht aber nicht massiv auf das Gameplay-Erlebnis der meisten Spieler:innen auswirken. Ein anderes Detail ist uns hingegen positiver aufgefallen: Das Torhüter-Spiel. Die Torhüter, eine zumeist vernachlässigte Spezies im FIFA-Kosmos, haben ein Update erhalten, wodurch diese in ihrem Skill- und Move-Set authentischer wirken. Wir hatten auch das Gefühl, dass sich diese bei Schüssen klüger verhalten würden und sich von Torhüter zu Torhüter etwas unterscheiden würden. 

Einmal so schwitzen wie Mbappé | © EA Sports

Kreiere deinen eigenen Verein oder deine eigene Karriere

Ein spannendes neues Feature hat der Karriere-Modus erhalten. Nun ist es möglich, nicht nur einen/eine Spieler:in zu entwerfen, sondern sogar einen eigenen Verein. Dies beginnt beim Wappen des Klubs und geht weiter zum Stadion, den Trikots sowie der Liga-Auswahl. Hier können Spieler:innen aus zahlreichen offiziellen Ligen in FIFA 22 wählen. Denn auch in diesem Jahr ist die Anzahl an offiziellen Rechten und Lizenzen  unübertroffen – auch, wenn vereinzelte Klubs, vor allem aus der italienischen Serie A, immer noch fehlen und durch Platzhalter-Namen wie Piemonte Calcio (Juventus Turin) ersetzt wurden. Aber sei’s drum. Das Entwickeln des eigenen Vereins macht Spaß und ist eine schöne Langzeitmotivation für den Karrieremodus, vor allem wenn von ganz unten begonnen wird. Da dauert es dann schon einzelne Saisonen bis der Klub Champions League-Niveau erreicht. 

In der Manager-Karriere hat sich hingegen nicht so viel getan. Grundsätzlich muss erwähnt werden, dass die einzelnen Modi eher kleine, feine Updates, denn große, revolutionäre Veränderungen erhalten haben. So sind bei der Manager-Karriere neue Animationen bei den Spieler-Verhandlungen hinzugekommen und einige taktische Ergänzungen für deinen Match-Plan. Die Spieler-Karriere hat hingegen auch nach dem Spiel einige neue Sequenzen erhalten, die Authentizität verleihen sollen. Hier konnten wir aber nicht anders als gelegentlich aufzulachen. Zu staksig bewegen sich einzelne Figuren immer noch. Hier sollte auch die Eröffnungssequenz des Spiels Erwähnung finden. In dieser werdet ihr als Spieler von Paris Saint-German eingeführt, der aber offenbar keinen Plan von einer Fußballer:innen-Karriere hat. Die darauffolgenden Dialoge mit Größen wie David Beckham, Kylian Mbappé oder Thierry Henry sind an Peinlichkeit nur schwer zu überbieten, sollen sich aber wohl an ein jüngeres Publikum mit dem Traum, ein Fußballstar zu werden, richten. 

Auch der aktuelle Champions League-Sieger darf nicht fehlen | © EA Sports

Nebst den neuen Animationen in der Spieler:innen-Karriere, wurde hier auch (endlich) ein neues Skill-System entwickelt, welches euch die Möglichkeit gibt, euren Charakter mittels Skilltree aufzuleveln – eine doch mittelgroße Neuerung. Hingegen hat FIFA Ultimate Team nur kleine Updates erhalten. Beispielsweise sind die sogenannten Trial Packs, bei denen Spieler:innen sehen können, was sie kaufen, auch in diesem FIFA enthalten – wohl zur eigenen juristischen Absicherung von Electronic Arts. 

Fazit

Wertung - 8

8

Meine Beziehung zu FIFA ist kompliziert. Die Reihe schafft es gefühlt jedes Jahr genau so viel zu machen, wie es muss aber nicht mehr - und dies tut FIFA 22 ebenfalls: Die Implementierung von Hyper Motion verschönert einige Animationen und verspricht mit dem maschinellen Lernen einiges für die Zukunft. Zudem ist das Feature, einen eigenen Verein aus der Traufe zu heben, wirklich nett. Dazu kommen die jährlichen Quality of Life-Features, wie Kader-Updates und neu-animierte Spieler:innen, sowie das umfassende Lizenzen-Paket - und dennoch bleibt auch in diesem Jahr das schale Gefühl zurück, dass mehr gegangen wäre. Größere Veränderungen im Gameplay, schönere Grafik und reibungslosere, natürlichere Bewegungen der Spieler:innen (vor allem auf PlayStation 5 bzw. Xbox Series X) und mehr Authentizität im Erleben der Spiele. Trotzdem sollte festgehalten werden, dass FIFA 22 ein Schritt in die richtige Richtung im Vergleich zum Vorgänger darstellt und wohl für sich genommen das beste Fußballspiel am Markt ist.

Genre: Sport
Entwickler: EA Sports
System: PlayStation 5, PlayStation 4, Xbox Series X|S, Xbox One, PC u. Nintendo Switch (Legacy E.)
Erscheint: erhältlich
Preis: 60-70 Euro

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