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Review: Eternals (spoilerfrei!)

Das Schöne am Marvel Cinamtic Universe ist, dass man zwar immer wieder Kompromisse gegenüber der Comic Vorlage eingehen muss, um milliardenschwere Blockbuster zu produzieren, jedoch auch so erfolgreich ist, dass man nun auch deutlich weniger zugängliche Stoffe verfilmt, unter denen sich jedoch noch viele echte Schätze befinden. Und so wurde nun Eternals gehoben!

Die Eternals (dt. die „Ewigen“), eine uralte Alienrasse, die über Tausende von Jahren eher verborgen auf der Erde gelebt haben und nur sporadisch in die Menschheitsgeschichte eingegriffen haben, wurden bereits 1976 von niemand geringerem als Jack Kirby erschaffen. Jenem Comic Zeichner und Autor, der zusammen mit Stan Lee als einer der Väter des Marvel Universums gilt und vieles definiert hat, was Comic Zeichner bis heute inspiriert und  ihnen als Gesetz gilt. Die Eternals ist jedoch eine der Serien, denen er als Autor und Zeichner seinen ganz persönlichen Stempel aufgedrückt hat und behandelt auch Thematiken, die er auch später, unter anderen bei anderen Verlagen, immer wieder aufgegriffen hat.

Es kann nicht nur einen geben

Die Geschichte folgt zehn unsterblichen Wesen im Laufe der Erdgeschichte, die darum kämpfen, den Planeten vor den Deviants zu schützen (Große mythische Monster). Richard Madden („Game of Thrones“) als allmächtiger Ikaris, Gemma Chan („Crazy Rich“) als menschheitsliebende Sersi, Kumail Nanjiani („The Big Sick“) als von kosmischer Macht erfüllter Kingo, Lauren Ridloff („The Walking Dead“) als superschnelle Makkari, Brian Tyree Henry („Godzilla vs. Kong“) als intelligenter Erfinder Phastos, Salma Hayek („Wege des Lebens – The Roads Not Taken“) als weise und spirituelle Anführerin Ajak, Lia McHugh („The Lodge“) als ewig junge Sprite, der jedoch eine alte Seele innewohnt, Don Lee („The Gangster, the Cop, the Devil“) als mächtiger Gilgamesch, Barry Keoghan („Dunkirk“) als distanzierter Einzelgänger Druig und Angelina Jolie („Maleficent: Mächte der Finsternis“) als unerschrockene Kriegerin Thena auf ihrer Mission, dem himmlischen höheren Wesen dem Celestial Arishem zu dienen. Jeder Ewige hat seine eigenen einzigartigen Kräfte und natürlich gibt es über diese lange Zeit jede Menge zwischenmenschliches Drama innerhalb dieser komplizierten kleinen Familie. Auch wenn sie nicht alle die gleiche Menge an Aufmerksamkeit bekommen, kann man sich vorstellen, wie groß die Herausforderung bei der Umsetzung dieses Films für Regisseurin Chloé Zhao gewesen sein muss, allein durch die Größe der Hauptbesetzung.

Ein paar Mal wird in Eternals gescherzt, das Team sei die ursprünglichen Avengers, was den großen Bogen, den die Geschichte spannt, noch deutlicher macht. Das Team der Unsterblichen mag so miteinander verwoben sein, dass man ihre Ursprünge nicht wirklich einzeln erkennen kann, aber man stelle sich vor, man geht in den ersten Avengers-Film ohne vorherige Einführung der einzellnen Helden in das Team. Das ist die wahnsinnige Aufgabe, die Zhao gestellt wurde.

Dank der recht eigenständigen und unverbrauchten Geschichte schafft es Oscar-Preisträgerin Chloé Zhao immer wieder auch aus dem oftmals engen Marvel Korsett auszubrechen und serviert einen sehr bildgewaltigen Film. Sie schafft es, über weite Teile des Film auch sehr gut das Temperament und die Motivationen jedes der zehn Charaktere einzufangen, ohne dass die Geschichte zu sehr aufgebläht wird. Wenn es einen Bereich gibt, in dem die Teamdynamik versagt, dann ist es die Unsterblichkeit des Ganzen. Im Laufe der Geschichte werden schwere Sünden begangen, die alle schnell vergeben und vergessen zu sein scheinen. Das soll wahrscheinlich verdeutlichen, dass es langweilig wird, einen Groll zu hegen, wenn man mehrere Jahrhunderte am Leben ist, aber es verleiht ihrem internen Konflikt weniger emotionale Wirkung. Auch hat man bei diesem Film nicht das Gefühl, dass hier Diversität der Diversität wegen eingebaut wurde und selbst die LGBTQ-Darstellung wirkt diesmal stimmungsvoll aus einem Guss mit dem restlichen Film.

Aber auch Zhao ist spätestens im letzten Akt des Films der bekannten „Marvel Formel“ unterworfen und scheint deshalb in die bekannten Fallen zu tappen, wenn es wieder einmal darum, die Welt zu retten und zu lernen, als Team zusammenzuarbeiten; wenn eine gigantische, CGI-lastige Schlacht beginnt, um eine weitere potenzielle Apokalypse zu vereiteln, beginnt man zu spüren, dass man das dann doch schon einmal gesehen hat. Es ist natürlich eine verblüffend erfolgreiche Formel. Aber das bedeutet, dass es sich trotz des aufregenden Namens auf dem Regiestuhl immer noch um die übliche Vorgehensweise von Marvel handele. Eternals ist deshalb eine Fortsetzung, die uns mehr vom Marvel Schmaus der letzten Jahre bietet, nicht ein großer Sprung, der mit irgendwelchen Konventionen bricht.

Marvel Comic-Leser dürften sich nicht nur auf eine große Anzahl von Anspielungen freuen, sondern auch auf den einen oder anderen weiteren neuen Charakter, den wir wohl bald in MCU Filmen und Serien sehen werden. Und natürlich gibt es zwei, äußerst sehenswerte Post-Credit-Szenen, die man sich nicht entgehen lassen sollte.

Eternals startet am Mittwoch, 3. November 2021 in den heimischen Kinos!

Wertung - 7.5

7.5

Eternals möchte episch sein und das ist es auch. Eine Geschichte, die sich über Jahrtausende zieht  und ein Team von sehr unterschiedlichen Helden werden in einem visuell atemberaubenden und tadellos gespielten Film verdichtet. Eternals kämpft aber an vielen Ecken und Enden damit, dass man nicht nur ein epischer Film sein möchte, der auch sehr gut alleine stehen könnte, sondern auch noch ein MCU-Film ist, der zahlreiche neue Charaktere (selbst neben den Eternals) einführen will und auch noch neben der schon großen Geschichte auf der Erde eine noch viel größere kosmische Rahmenhandlung hat. Auch wenn das Ganze das eine oder andere mal nicht ganz rund rüberkommt und auch das Gefühl aufkommt, dass 30 Minuten weniger dem Film auch nicht geschadet hätte, hier hat Regisseurin Chloé Zhao die an sie gestellte gewaltige Herausforderung gemeistert, hier wurden die Fundamente für so manche kommende Phase des Marvel Cinematic Universe gelegt!

Kurzinformationen
Filmlänge: 157 Minuten
Land, Jahr: USA, 2021
Genre: Action, Comic-Verfilmung
Regie: Chloé Zhao

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