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Review: Demon’s Souls (PS5)

Der Begründer des Souls-Genre ist zurück, poliert und lässt unsere Hände zittern

Ein widerwärtiges quatschen ertönt als ich meine stählernen Stiefel abrupt aus der neu entstandenen Schlamm-Furche einer trüb-spiegelnden Lacke reißen muss, um einen schnellen Seiten-Schritt zu vollziehen. Scharf zischend rauscht ein Armbrustbolzen Zentimeter an meiner Schulterpanzerung vorbei und schlägt mit einem dumpfen klopfen in das Katapult direkt hinter mir ein. Mit gewichtigen Schritten beginne ich immer schneller nach vorne zu stürmen, hebe mein massives Schild und spüre wie der nächste Bolzen scheppernd an ihm zerberstet. Als der Schütze erneut seine Waffe zum Schuss erheben will, habe ich ihn bereits erreicht und stoße mein messerscharfes Schwert knirschend zwischen seine Rippen. Durch ein markerschütterndes Grollen aus meinem fadenscheinigen Triumph gerissen, richte ich einen letzten wehmütigen Blick nach oben um einem ehrfurchterregenden Drachen in die feurigen Augen zu starren, bevor dieser mich mitsamt der Brücke, welche ich nun als meine Grabstätte erkenne, in einer brachial donnernden Flammen-Flut ertränkt. Doch mein Leiden soll damit noch lange kein Ende finden. Willkommen bei Demon’s Souls.

Daddy is back

Unglaublich aber wahr, ist das Remake eines 11 Jahre alten Spiels, der von mir am heißesten erwartete Launch-Titel einer neuen Konsolen-Generation. Doch so einen Stellenwert kann natürlich nicht irgendein beliebiger Titel erlangen. So handelt es sich um niemand Geringeres als den oft vergessenen Begründer des Soulsborne-Genres, den Anstoß eines weltbewegenden Franchises und einen Kult-Klassiker, der nun Dank einer meisterlichen Behandlung der Remake-Profis von Bluepoint Games auch heute noch problemlos nahezu jede moderne Genre-Konkurrenz in den Schatten stellt.

Ja es ist wie Dark Souls…

Demon’s Souls sieht dabei nicht nur auf den ersten Blick wie ein direkter Nachfolger der Dark Souls-Reihe aus. So bietet der Titel zwar auch für alt-eingesessene Souls-Fans (wie ja auch jeder andere neue Ableger) die ein oder andere erfrischende oder Geschmäcker-scheidende Eigenheit, dennoch werde ich mich hüten hier erneut zu erklären worum es in dem düsteren Fantasy-Action-Adventure geht. Stattdessen soll der Fokus darauf liegen, in welchen Punkten hier sowohl Anfänger als auch Souls-Veteranen eine völlig neue Erfahrung erwartet.

Alter Angeber

Allen voran ist das Demon’s Souls Remake nämlich als das im Grunde erste von Tag eins rein für PlayStation 5 entwickelte Spiel, ein absoluter Vorzeige-Launch-Titel. Grafisch hat sich Bluepoint bemüht den Stil von Dark Souls 3 logisch weiterzuentwickeln und anschließend auf den alten Titel zu übertragen. Das Resultat kann sich wirklich sehen lassen. Rau zerfurchte Stein-Wände präsentieren sich mit sanft im Wind wehende Ranken-Blättern, detaillierte Reflexionen in Pfützen und Metallen eröffnen teils interessante, neue Blickwinkel auf die Umgebung während dynamische Flammen sowie Partikel-, Rauch- und Licht-Effekte ein lebendiges Gemälde komponieren, das in seiner Gesamtheit einfach laut „NEXT-GEN“ schreit.

Geschmack für Stunden und Stunden

Doch wie sich viele nun wahrscheinlich schon gedacht haben, ist das wahre Highlight nicht nur die Optik des Titels, sondern die dank haptischen Feedback und Tempest Audio erreichte Immersion. Hier kann ich bestätigen: Der anfängliche Wow-Faktor nimmt auch nach Stunden an Spielzeit kaum ab. Meine blumige Einleitung ist daher nicht als Anfang meiner Demon’s Souls Fan-Fiction gedacht, sondern tatsächlich als Beschreibung wie sich einige der ersten Momente in Demon’s Souls auf der PlayStation 5 für mich angefühlt haben.

Könnt ihr mich hören?

Jeder Treffer fährt einem mitten in die Knochen und wer den Titel mit Kopfhörern spielt, kann tatsächlich durch den simulierten Raumklang klar differenzieren, von wo ein Armbrustbolzen abgeschossen wird, wo er vorbeirauscht und wo er einschlägt. Dank des stimmig inkludierten Lautsprecher des DualSense-Controllers, bekommen aber auch Spieler, die lieber über ihre Sound-Anlage oder die Fernsehboxen spielen wollen eine mehr als mitreißende Erfahrung geliefert.

Hogwarts lässt grüßen

Besonders bahnbrechend lässt sich im Zusammenspiel aller Systeme nun die Magie wahrnehmen. So muss ich selbst als alter Souls-Veteran zugeben, dass mir bei den bisherigen Teilen die magischen Geschossen irgendwie zu wenig Gewicht hatten. Doch das ist nun vorbei und so fühle ich in Demon’s Souls geradezu, wie die magische Energie durch meine Hand pulsiert, sich immer stärker zusammenstaut um anschließend heraus zu bersten und den nächstgelegenen Gegner von seinem Leiden zu erlösen. Eine absolut geniale Erfahrung die Hoffnung auf die Zukunft macht.

Foto-Blitz

Da Demon’s Souls seinerzeit bereits auf ein Mana-System setzte, welches erst mit Dark Souls 3 über das FP-System eine Rückkehr fand, sollte sich so der ein oder andere alt-eingessene Haudrauf also eine Karriere in den magischen Künsten überlegen. Allein schon wegen der atemberaubenden Licht-Effekte könnten sich diese nämlich rentieren. Der gut durchdachte neue Foto-Modus lässt einen nun auch dankbarer Weise das Geschehen jederzeit pausieren um die beeindruckendsten optischen Feuerwerke in Bildern zu verewigen.

Remake I can. Strong I am.

Für Souls Veteranen, die Demon’s Souls vielleicht aus Ermangelung einer PS3 versäumt haben, bietet der Titel weiters auch im heutigen Vergleich einige der kreativsten und beeindruckendsten Bosskämpfe der Serie, die nun mit viel Feingefühl eine zeitgemäße Optik verpasst bekommen haben. Bluepoints beeindruckender Hang zum Detail lässt sich dabei buchstäblich in jeder Ecke erkennen und so dürften selbst hart-eingesessene Demon’s Souls-Fans wenig Anlass zur Kritik finden.

Whups, wir haben die UI vergessen!

Ein paar Schnitzer wurden sich aber dennoch erlaubt. So wurde das gesamte User Interface völlig überarbeitet und ist jetzt deutlich übersichtlicher als im Original. Dabei wurde aber leider augenscheinlich jegliches Gefühl für Stil über Bord geworfen. Einige Quality of Life-Improvements, wie neue Anzeigen für die Haltbarkeit eurer Waffen oder ein per Touchpanel aufrufbarer Quickslot-Werkzeuggürtel sind zwar funktionell Gold wert, wirken aber wie von einem halbherzigen Modder hinein geschmissen und fügen sich leider kaum bis gar nicht in den Rest der Welt ein. Glücklicherweise sorgt eine dynamische Ausblende-Funktion dafür, dass die lieblosen Anzeigen nur zu sehen sind, wenn sie gerade gebraucht werden.

Lebensfrohe Todgeweihte

Weiter sei erwähnt, dass bereits der Charakter-Editor in Dark Souls 3 auf einem durchaus soliden Niveau war und der Schritt der hier von Bluepoint in Richtung “realistische Charaktere” gegangen wurde, sich leider stellenweise ein bisschen zu sehr nach Pixar-Film anfühlt. Bei besonders charismatischen Charakteren wie Patches oder der Maiden in Black wurde der Nagel jedoch glücklicherweise auf den Kopf getroffen und die sogar größtenteils mit denselben Synchronsprechern erneut aufgenommenen Dialoge wissen über vieles hinwegzutrösten. Die orchestrale Neuinterpretation des Original-Soundtracks, weiß dann schließlich auf ganzer Linie zu überzeugen und sorgt für eine musikalische Untermalung der Extra-Klasse, die diesmal auch noch einiges an Dynamik dazugewonnen hat.

Fazit:

Wertung: - 9

9

Faktisch Dark Souls 4

Demon’s Souls ist nicht nur ein perfekter Vorzeige-Titel der neuen Möglichkeiten der PS5, sondern auch ein Vorzeige-Remake des oft vergessenen Urgesteins der Souls-Reihe. Wer irgendetwas mit den Souls-Titeln anfangen kann, darf hier bewundern wie unglaublich elaboriert bereits seine Anfänge waren. Zeitgleich haben die Remake-Meister von Bluepoint wieder den Zauberstab angesetzt und den Titel sowohl optisch als auch Gameplay-technisch mehr als würdig in die Neuzeit befördert. Zusammen mit dem extrem mitreißenden haptischen Feedback des DualSense-Controllers und dem beeindruckenden Raumklang, kann dem Titel im Genre derzeit aus meiner Sicht keiner das Wasser reichen. Kleine Schnitzer wie der nicht ganz stimmige Charakter-Editor und das optisch plumpe User-Interface sind da schnell vergeben und vergessen.

Zweite Meinung: Nikolai Barislowitsch

Demon’s Souls ist vieles: grafisch opulent, soundtechnisch beeindruckend, unbarmherzig-hart und unglaublich befriedigend. Bluepoint Games hat geschafft, was nicht viele Entwickler zustande bringen. Das Remake des Souls-Klassikers hat mich von der ersten Minute an gepackt. Die unglaubliche Atmosphäre zieht einen sofort in ihren Bann und man versinkt förmlich in die Welt von Boletaria. Das dreidimensionale Sounddesign und das dezent aber wirkungsvoll eingesetzte haptische Feedback lässt jeden Zweikampf mächtig erscheinen. Man spürt richtig, wenn Metal auf Metal trifft, Holz splittert oder der eigene Charakter in Flammen aufgeht. Die kaum vorhandenen Ladezeiten und das butterweiche Gameplay im Performance-Modus machen aus Demon’s Souls die bis dato beste Souls-Erfahrung. Auch wenn die zugrunde liegende Formel gleich geblieben ist und man dem Spiel in wenigen Momenten sein Alter anmerkt, bietet uns Bluepoint Games einen beeindruckenden Ausblick auf das, was man von der neuen Konsolen-Generation erwarten kann: Noch mehr Immersion.

Genre: Soulsborne
Entwickler: Bluepoint Games
System: PS5
Erscheint: Erschienen
Preis: ca.  80 Euro

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