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Review: Dead in Vinland

Das französische Indie-Studio CCCP konzentriert sich größtenteils auf das Erstellen sogenannter Serious Games (Lernspiele). Ein  vierköpfiges Team von Enthusiasten hat sich jedoch entschlossen, seine Talente auf das Erschaffen von handgezeichneten Survival-Managment-Strategiespielen zu konzentrieren. Mit Dead in Vinland erschien letztes Jahr somit bereits der zweite Teil der Dead in … -Serie, welcher Spieler ab sofort auch auf der Nintendo Switch zu einem knallharten Überlebenskampf im rauen Wikinger-Zeitalter einlädt.

Das andere Vinland

Um mögliche Unklarheiten im Vorfeld zu vermeiden sei gesagt: Vinland ist ein altertümlicher Name der Insel Neufundland, welche vor der Küste Nordamerikas liegt und um das Jahr 1000 von dem Wikinger Leif Eriksson entdeckt wurde. Während sich die Geschichte der seit 2005 laufenden Anime- und Manga-Serie auf besagte Entdeckungsreise bezieht, hat Dead in Vinland trotz Ähnlichkeiten in Optik und zeitlichem Setting nichts mit dieser zu tun.

Die Tribute von Bjorn

Die Geschichte dreht sich nämlich um den Wikinger Eirik, der mitsamt seiner Frau, Tochter und Schwägerin auf besagten Vinland Schiffbruch erleidet und daraufhin versuchen muss, sich hier eine neue Existenz aufzubauen. Jedoch ist die Insel keineswegs unbewohnt und so trifft die Familie schon bald auf Überlebende, die aus aller Welt an die Insel gespült wurden. Außerdem wird Vinland noch von einer Plündererbande unter der Führung des gnadenlosen Barbaren Bjorn tyrannisiert, der auch sogleich beginnt wöchentliche Tribute von euch zu fordern.

Der weise Holzhacker ist nicht die klügste Wahl

Das rundenbasierte Gameplay des Titels tritt daraufhin als eine erfrischende Mischung aus Die Sims und Darkest Dungeon auf. In eurem stetig wachsenden Lager gibt es über ein Dutzend freispielbarer Stationen, an denen jeweils für das Überleben wichtige Aufgaben wie Holz hacken, Wasser holen oder Kochen erfüllt werden können. Jeder Charakter verfügt über eine Vielzahl von Werten, die sich gut überschaubar auf die Überkategorien Physisch (Stärke, Agilität, etc.)), Mental (Mut, Weisheit, etc.), Konzentration (Fischen, Kochen, etc.) und Ausdauer (Erkunden, Sammeln etc.) aufteilen. Diese definieren dann jeweils wie gut dieser für das Erfüllen einer Aufgabe geeignet ist.

Eirik hat heute nichts gefangen und ist jetzt depressiv.

Im Verlauf eines Tages kann jeder Charakter jeweils zwei Durchläufe auf einer dieser Stationen vollziehen. Daher ist es prinzipiell von Vorteil, weitere Überlebende in das Lager einzuladen. Da aber auch bei jedem Charakter fünf überlebensnotwendige Bedürfnisse von Hunger bis Depression auf einem möglichst niedrigen Niveau gehalten werden wollen, geht dieser Vorteil immer auch mit zusätzlichen Ressourcenkosten einher. Trotz dieser zahlenlastigen Systeme ist der Zufall stets ein mächtiger Widersacher eurer Überlebenden. Denn selbst der beste Fischer oder Sammler kann mal einen schlechten Tag in Vinland haben.

Genickbruch beim Wasser holen

Zum einen bringt dieser Faktor einen eigenen Reiz für den Spielverlauf, da selbst ein gut funktionierendes, voll ausgebautes Lager für teils heftige Schicksalsschläge gewappnet sein muss und derartige Krisen zu bewältigen eine tolles Erfolgsgefühl mit sich bringt. Zum anderen ist es allerdings so, dass tatsächlich fast jede Tätigkeit die komplette Spanne von Katastrophe bis Glücksfall abdecken kann und so der endgültige Bildschirmtod teils selbst mit perfekter Planung nicht zu verhindern ist, was natürlich auch sehr frustrierend sein kann.

Wikinger-Drama 101

Sämtliche der insgesamt 14 rekrutierbaren Charaktere sind dafür schön ausgearbeitet und diffundieren ihr Wesen und ihre Vorgeschichte in den abendlichen Konversationen mit den anderen Dorfbewohnern. Diese Dialoge fallen dann zwar stellenweise etwas pathetisch aus, präsentieren sich aber durchaus gut geschrieben und wissen in ihren Bann zu ziehen.

Von Vogelkot bis Raubtierangriff

Der mit Abstand wichtigste Gameplay-Part von Dead in Vinland ist aber das Erforschen. So ist die gesamte Insel in ein Rastermuster mit Hunderten Feldern aufgeteilt, die nach und nach erkundet werden können. Jedes einzelne davon bietet jeweils ein neues Event, welches von Treffen mit neuen Überlebenden, über Jagd- und Sammel-Gelegenheiten mit variierendem Risiko, bis hin zu mystischen Rätseln jede Menge Varianz aufzeigt und für einen stetigen Spannungsbogen sorgt.

Spalten-Tanz

Die dritte Gameplaysäule stellen die regelmäßigen Kämpfe gegen Banditen und andere Gefahren dar. Das Kampfsystem gestaltet sich hierfür so, dass jeweils drei Charaktere ausgewählt werden und die sich in dem rundenbasierten Konfrontationen jeweils dynamisch zwischen zwei Spalten (Nah- und Fernkampf) hin und her bewegen können. Sämtliche Charaktere bringen ein eigenes Set an Angriffen, Buffs und Debuffs mit sich, die wiederum eine unterschiedliche Menge an Aktionspunkten verbrauchen und wohlüberlegt eingesetzt werden wollen.

The Pain is Real

Denn auch die Kämpfe können langfristige Auswirkungen haben. Übersteigt der genommene Schaden eines Charakters etwa einen gewissen Grenzwert, nimmt dieser einen Knochenbruch oder andere Verletzungen aus dem Kampf mit. Diese beeinflussen oft gravierend seine Fähigkeiten und müssen entweder bei einer Heilstation durch einen anderen Charakter verarztet (was beide Charaktere für einen halben Tag beschäftigt), oder durch eine seltenes Heil-Item geheilt werden.

Spiel mit Komplexen

Wem das immer noch nicht komplex genug ist, für den bietet Dead in Vinland noch weitere Systeme wie tiefgehende Skilltrees für jede Station des Lagers, per Level-Up verteilbare Traits, durch romantische Beziehungen ausgelöste Boni und Mali, Selbstmord, Altersschwäche, Flüche und chaotisches Wetter, die allesamt mit einberechnet werden wollen. Die Switch-Version ist außerdem glücklicherweise nicht nur gut umgesetzt und lässt sich intuitiv steueren, sondern beinhaltet auch die drei erschienenen DLCs, mitsamt Endless-Modus und 100 zusätzlichen Zeilen Dialog.

Fazit

Wertung: - 8

8

Darkest Vinland

Dead in Vinland schafft es zuallererst, durch seine bildschöne, handgezeichnete und detailverliebte Animationen entzückende Optik aus der Masse an Indiegames herauszustechen. Dahinter steckt aber ein eisenhartes Managment-Survival-Game, das mit tiefgehenden Systemen, spannenden, mit Geheimnissen, Rätseln und Herausforderungen gespickten Welt, einem taktischen, erfrischenden, konsequenzastigen Kampfsystem und liebevoll ausgearbeiteten Charakteren in kürzester Zeit süchtig macht. Einzig der teils etwas übertrieben ausgefallene Zufallsfaktor bei sämtlichen Aktionen sorgt für unnötigen Frust. Dafür ist der Titel wunderbar auf der Switch umgesetzt und lädt dank des rundenbasierten Gameplays zu einigen schnellen Playsessions unterwegs ein. 

User Rating: Be the first one !
Genre: Manamgament, Surivial
Entwickler: CCCP
System: PC, Nintendo Switch
Erscheint: erhältlich
Preis: ca. 20 Euro (ca. 28 Euro Switch)
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