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Review: Absolute Batman 01 Der Zoo

Die radikale Neuerfindung des Dunklen Ritters – kraftvoll, kompromisslos, überraschend zugänglich

Mit DC All In eröffnet DC Comics eine Einstiegsoffensive, die frische Geschichten ohne hartes Vorwissen ermöglicht – und parallel ein neues Erzählfeld aufspannt: das Absolute-Universum. Hier werden Ikonen wie Batman und Superman konsequent neu gedacht. Neben Absolute Batman läuft aktuell auch Absolute Superman; weitere Reihen sind angedockt. Wichtig: Das Absolute-Universum ist keine Auslöschung des Hauptkontinuums, sondern eine zweite Spur, die Klassikerkenntnis nicht voraussetzt und Spielraum für mutige Neuverortungen lässt.

Inhalt & Timing

Der deutsche Band Absolute Batman 1 ist im Sommer 2025 bei Panini Comics erschienen und bündelt die US-Hefte #1–3 des Auftakt-Storybogens Der Zoo. Für den hiesigen Markt ist das ein idealer, kompakter Einstieg: genug Weltbau, um Ton und Richtung zu verstehen, und genug Cliffhanger, um sofort weiterlesen zu wollen. Der erste US-Trade (Absolute Batman Vol. 1: The Zoo) umfasst übrigens #1–6 und erschien Anfang August 2025 – der Panini-Band bildet also die erste Hälfte dieses Arcs ab.

Worum geht’s?

Diese Version von Bruce Wayne wächst nicht in einer Villa auf, sondern als Arbeiterkind in Gotham: Sohn des Lehrers Thomas Wayne und der Sozialarbeiterin Martha Wayne. Ein traumatisches Erlebnis im Zoo setzt die Weichen – und aus dem begabten Stadt-/Bau-Ingenieur wird der unnachgiebige Batman. Derweil observiert ein bärbeißiger Geheimagent namens Alfred Pennyworth die Lage in Gotham – und die Eskalation durch eine nihilistische Maskengang, die Party Animals, hinter der Black Mask als Strippenzieher lauert. Politik (u. a. Jim Gordon und Hamilton Hill) mischt mit, Korruption frisst sich durch die Stadt, und die ersten Andeutungen eines eiskalten, ultrareichen Joker zeichnen eine neue, unheimlich nüchterne Dualität.

Ein Arbeiterkind zieht die Maske an – der neue Bruce Wayne

Der Mythos bleibt, der Kontext kippt: Trauma, Entschluss, Selbstermächtigung – aber ohne Milliardärsmythos. Bruce baut sein Arsenal aus Know-how, Körperkraft und improvisierter Tech. Dieser Batman ist weniger edler Ritter, mehr Rammbock – doch nie kopflos. Die soziale Verortung erdet die Figur, macht Entscheidungen begreifbarer und verleiht den Kämpfen ein industrielles Gewicht.

Alfred Pennyworth als Jäger und Chronist

Die kühnste Neudeutung? Alfred als Operator aus der Schattenwelt, der beobachtet, bewertet und Grenzen testet – mal Gegenspieler, mal potenzieller Verbündeter. Statt väterlicher Wärme dominiert operative Kälte: Daten, Dossiers, Distanz. Das lädt die klassische Batman/Alfred-Dynamik elektrisierend neu auf.

Black Mask, Party Animals – und ein anderer Joker

Die Party Animals liefern grobkörnigen Straßenhorror; Black Mask agiert als Strippenzieher einer Todeskultur. Im Hintergrund formt sich ein Joker, der nicht lacht, sondern bilanziert: ein ultrareicher, ernsthaft kalkulierender Machtmensch. In den ersten Heften wird das stark nahegelegt – eine kühle Parabel über Kapital, Kontrolle und Gewalt.

Setpieces & Gadgets, die hängenbleiben

Schon Heft #1 setzt visuelle Marker: ein wuchtiger Batman, der sich auf „Origami-Stelzen“ in Gegnerreihen schleudert; abnehmbare Cowl-Ohren, die als Klingen/Batarangs dienen; ein Brustsymbol, das sich als Axt-Kopf lösen lässt. Überdreht? Ja – aber gerahmt von einer Welt, in der Impro-Tech aus Baustelle, Werkbank und Straßenkampf kommt. Die Action knallt, ohne die Lesbarkeit zu opfern.

Bildsprache & Rhythmus

Nick Dragotta inszeniert kinetische Seiten mit dichter, aber klarer Panelisierung; Frank Martin legt eine neonkalte Farbdramaturgie darüber, die Gotham wie industriellen Expressionismus wirken lässt. Clayton Cowles’ Lettering akzentuiert Tempo, Wucht und Perspektivwechsel – etwa wenn Alfred’s Beobachterstimme die rohe Körperlichkeit von Batman kontrastiert. Ergebnis: ein eigenständiger Look, der die Neuausrichtung konsequent verankert.

Funktioniert das als Auftakt?

Kurz: ja. Der Zoo nutzt #1 für die These, #2 für das Ausrichten des Spielfelds und #3 für moralische Reibung, Rückblenden und politische Verdichtung. Kritisch anmerken kann man, dass Antagonisten in #1 noch eher Kulisse sind und #3 spürbar mehr Exposition trägt. Beides ist kalkuliert – und zahlt auf den Sog eines größeren Plans ein.

Einstieg, Umfang, Mehrwert

Für den deutschsprachigen Markt liefert Panini Comics mit Absolute Batman 1 genau das richtige Paket: drei dichte Kapitel, die Ton, Moral und Bildsprache der Reihe definieren – zugänglich für Neulinge, reizvoll für Routiniers. Wer nach diesem Band weiterziehen will, findet mit dem US-Trade einen direkten Anschluss.

Fazit

Absolute Batman ist die respektlos-beste Art, einen 80‑jährigen Mythos frisch zu machen: nahe am gesellschaftlichen Jetzt, hart in der Tonlage, präzise in der Ausführung. Der Panini-Sammelband 1 bietet einen ausgezeichneten Einstieg ins Absolute-Universum und zeigt, wie weit man Batman verschieben kann, ohne den Kern zu verlieren. Klare Empfehlung – besonders, wenn ihr eine modern-industrielle Gotham-Variante und einen arbeiterklassen-nahen Bruce Wayne sehen wollt.

Infos:

Verlag: Panini Comics (DC)
Seiten: 104
 Softcover
Autor: Scott Snyder
Zeichner: Nick Dragotta
Preis: circa 10  Euro

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