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Review: 20th Century Boys: Ultimate Edition 1

20th Century Boys von Naoki Urasawa ist eine preisgekrönte Manga-Serie, die im deutschsprachigen Raum leider nie über den Status eines Geheimtipps hinausgekommen ist. Das ging so weit, dass manche vergriffenen Bände der Reihe zu horrenden Preisen gehandelt wurden. Nun hat sich Panini Manga erbarmt und die Reihe erneut, als Ultimative Edition, herausgebracht.

Zu Beginn sind die Seiten (in der Ultimate Edition) koloriert

Symbolisch

Wir schreiben das Ende des 20. Jahrhunderts und die Menschheit steht kurz vor dem Abgrund. Jedoch ahnt diese noch nichts davon und geht ihrem mehr oder weniger geregeltem Leben nach. So auch Kenji, der einen kleinen Lebensmittelladen führt, sich um das Kind seiner Schwester kümmert und sich regelmäßig mit seinen Freunden trifft. Eher zufällig stolpert er dabei in einen Vermisstenfall, bei dem auch ein Symbol auftaucht, das Kenji aus seiner Kindheit kennt. Jedoch verwendet auch ein mysteriöser Sektenanführer dieses Symbol. Was verbindet die beiden?

Das Symbol, das Kenji findet, ist hier gut erkennbar

Die Geschichte von 20th Century Boys beginnt etwas langsam, ab dem dritten Kapitel werden die Leser jedoch schnell in den Bann des Thrillers gezogen. Eine Besonderheit ist, dass die Geschichte zwischen verschiedenen Zeitebenen hin- und herspringt. Dementsprechend ist ein aufmerksames Lesen gefordert, um die jeweilige Sequenz richtig in die Gesamtgeschichte einordnen zu können. Immer wieder werden rasche Schnitte, die wie Filmschnitte oder der Beginn einer Serie wirken, dazu benutzt, um mehrere Ebenen einzuführen. Dies soll dazu führen, die Spannung aufrecht zu erhalten, was auch gut funktioniert.
Die Versuche von Situationskomik, die immer wieder mal eingestreut werden, funktionieren hingegen so gut wie gar nicht – hier konnte uns, wenn überhaupt, nur ein schwaches Lächeln entlockt werden. Dies tut dem Lesefluss jedoch keinen Abbruch.

Der Manga nimmt sich die Zeit, die Geschichte in Ruhe aufzubauen, was sich durchaus auszahlt. Gegen Ende des ersten Bandes verweben sich die einzelnen Erzählstränge schon teilweise zu einem größeren Gesamtbild und zeigen damit die meisterhafte Geschichtenerzählung, die dem Manga zugrunde liegt. Einziger großer Kritikpunkt an der Handlung ist, das „zufällige“ Zusammentreffen von zwei Charakteren ungefähr in der Mitte des ersten Bandes – dies ist zwar für den weiteren Verlauf der Story wichtig, jedoch war dies so weit hergeholt, dass man über den ungeschickten Erzählkniff nur schwer hinwegsehen kann. Stichwort Holzhammer-Methode.

Was wohl die Verbindung zwischen Kenji und dem Sektenführer ist?

So lala …

Der Zeichenstil wiederum hat bei uns nicht so großen Anklang gefunden. Die männlichen Charaktere sind sehr hart gezeichnet und wirken dadurch oft gemein oder wie Antagonisten, obwohl sie das nicht sind. Einzig, Hauptcharakter Kenji ist hier eine wohltuende Ausnahme.

Dass das erste Panel mit einer Frau eine Art Bodyshot ist (auch hier wieder wie in einem Film), der sie in ihrer Unterwäsche zeigt, hat auch irritiert und wäre wirklich nicht notwendig gewesen. Ansonsten ist erfrischend, dass die weiblichen Figuren zwar durchwegs an dem weiblichen Schönheitsideal angepasst (Ausnahmen hier ältere Frauen), aber nicht übersexualisiert sind.

Manchmal ist es schwer die Charaktere auseinander zu halten, vor allem die Jungen – es werden in kurzer Folge viele neue eingeführt und sie sind auch nicht immer (sofort) mit ihrem erwachsenen Pendant verknüpfbar.

Fazit

Selbst wenn uns der Zeichenstil nicht vollends überzeugen konnte, ist dieser Manga doch ein absolutes Highlight. Das Storytelling, welches an eine Mischung aus "Stand by me" mit einem Krimi/Thriller erinnert, besticht durch seine fesselnde Erzählung, die einen sofort in den Bann zieht. Absolute Leseempfehlung!

User Rating: 4.45 ( 1 votes)

Info
Mangaka: Naoki Urasawa
Verlag: Panini Manga
Seiten: 420
Preis: ca. 19 Euro

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