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Retro-Gaming: Bullfrog Productions (Teil 2)

Der erste Teil unserer Geschichte von Bullfrog führte uns schon an einigen der größten Klassiker der Videospielgeschichte vorbei – Stichwort Popolous, Stichwort Thema Park, Stichwort Syndicate. In diesem zweiten Teil erfahrt ihr, was dem Studio ab 1995 zustieß – und wie der Spieleentwickler sein Ende fand.

Magic Carpet 2: The Netherworlds (1995)

Trotz des mangelnden Erfolgs des Vorgängers brachte Bullfrog doch noch ein Sequel zu Magic Carpet heraus. Die Geschichte und das Spielprinzip veränderten sich kaum, allerdings behob man etliche Kritikpunkte, wie die abwechslungsarmen Leveldesigns, ewig gleiche Aufgaben und fehlende Checkpoints innerhalb der einzelnen Missionen. Was eine perfekte Version von Magic Carpet werden hätte sollen, scheiterte allerdings an Publisher-Vorgaben, die auf die Einhaltung des vorgegebenen Releasezeitpunkts pochten, weshalb Magic Carpet 2 zu früh und unfertig in den Handel kam. Das führte zu einem Streit zwischen EA und Peter Molyneux, der das Verhältnis der beiden nachhaltig beschädigte und angeblich maßgeblich zu seinem Entschluss beitrug, das Studio zu verlassen.

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Syndicate Wars (1996)

Auch totalitäre Überwachungsstaaten können Probleme bekommen: 95 Jahre nach dem Ende von Syndicate hat EuroCorp (also jenes Konsortium, das der Spieler im Vorgänger an die Spitze geführt hatte) mit einem Computervirus zu kämpfen, der Menschen aus der Gedankenkontrolle befreit und zu einem Aufstand führt. Der Virus entstammt der Church of the New Epoch, die allerdings nicht uneigennützig handelt – auch sie wollen die Menschheit kontrollieren. Das Gameplay mit seinen vier Agenten, die in diverse Missionen geschickt wurden, blieb dabei quasi unverändert – abgesehen davon, dass die Kamera an die Situation angepasst werden konnte. Dafür konnte man nun die Seite wechseln und auch für die Kirche in die Missionen ziehen, was sich allerdings gameplaytechnisch kaum auswirkte.

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Genewars (1996)

Kommen wir einmal mehr zu einem eher unbekannten Spiel des Studios: Genewars war ein Echtzeitstrategiespiel mit einem interessanten Twist: Eure Truppen waren nicht etwa vorgegeben, sondern wurden aus verschiedenen Tierarten nach euren Wünschen gezüchtet. So kann aus einem Muli (ein Transporter) in Kombination mit einer Krabbe (gut gepanzert) ein gepanzerter Transporter werden, sodass ihr nach und nach eure perfekte Armee zusammenstellen könnt. Die Idee war gut, leider die Durchführung ein wenig mangelhaft – der Strategiepart konnte gegen die Konkurrenz einfach nicht mithalten und überforderte die Spieler mit zu viel Mikromanagement, weshalb das Spiel rasch in der Versenkung verschwand.

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Theme Hospital (1997)

Die ursprüngliche Idee hinter Theme Park war, eine ganze Theme-Reihe zu starten, die das Genre einer Aufbausimulation mit unterschiedlichen Settings kombinierte. Die zweite Ausgabe der Serie hatte deshalb auch überhaupt nichts mit Vergnügungsparks zu tun, sondern ließ euch Krankenhäuser errichten. Trotz des eigentlich ernsteren Settings blieb ein gewisses Augenzwinkern, was sich unter anderem in den verrückten Krankheitsbildern äußerte, die es zu kurieren galt und die eure Ärzte mithilfe immer neuer Räumlichkeiten kurieren sollten. Theme Hospital erreichte nicht ganz den Bekanntheitsgrad von Theme Park, Kultstatus darf man dem Titel allerdings bis heute attestieren.

14 theme-hospital_22Dungeon Keeper (1997)

Nie war es schöner, böse zu sein! Dungeon Keeper versetzt euch in die Rolle des Herrschers über ein finsteres Verlies, der es darauf abgesehen hat, die Welt zu erobern. Waren Dungeons bisher vor allem dafür da, von Heldentruppen überrannt zu werden, ist es nun umgekehrt: Mit Fallen und Heerscharen an Einheiten versucht ihr, die Strahlemänner platt zu machen. Monster schließen sich euch allerdings nur an, wenn es ihnen in eurem Dungeon gefällt (sprich: die richtigen Räume errichtet wurden und sie regelmäßig bezahlt werden). Noch dazu gibt es Kreaturen, die nichts miteinander zu tun haben wollen und sich regelmäßig bekämpfen – auch als Herrscher des Bösen muss man also auf das Gefühlsleben seiner Untergebenen achten. Dungeon Keeper war ein großer Erfolg und brachte es in den letzten 16 Jahren auf viele Nachahmer. Gleichzeitig war es aber auch das letzte Spiel von Peter Molyneux für Bullfrog – er verließ knapp nach dem Release das Unternehmen und gründete sein neues Studio Lionhead. Schon mit dem Add-on Deeper Dungeons hatte er nichts mehr zu tun.

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Populous: The Beginning (1998)

War Populous II noch ein klassisches Sequel, ging Bullfrog mit The Beginning neue Wege, sodass man dem Spiel zumindest eines nicht vorwerfen konnte: Das alte Gameplay unverändert zu übernehmen. In diesem Prequel wart ihr nicht ein Gott, der mit seinen Untertanen nur indirekt interagieren konnte, sondern eine Schamanin, die versucht, überhaupt erst zur Gottheit zu werden. Zwar gab es nach wie vor die Möglichkeit, das Terrain zu verändern, Naturkatastrophen auszulösen und den Feinden damit indirekt zu schaden (die Schamanin erlernte diese Fähigkeiten nämlich nach und nach), doch die meiste Zeit spielte sich The Beginning eher wie ein klassisches Echtzeitstrategiespiel: Ihr konntet eure Untertanen Gebäude bauen lassen und gegen eure Feinde hetzen. Die Grafik profitierte von der 3D-Optik, Kritik gab es vor allem für die KI und manche Serienfans konnten sich mit der radikal anderen Richtung des Gameplays nicht anfreunden. Eine Expansion (Undiscovered Worlds) erschien übrigens nur in England und den USA.

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Dungeon Keeper 2 (1999)

Es geht zurück in die finsteren Verliese: Dungeon Keeper 2 war die logische Fortsetzung des ersten Teils, brachte einige Verbesserungen (darunter auch 3D-Modelle für Kreaturen statt Sprites), neue Räume und Monster sowie einige Gameplay-technische Tweaks, hielt sich aber ansonsten an die Vorlage – warum sollte man auch ändern, was schon gut funktionierte? Genau an dieser Stelle hakte auch die damalige Kritik ein, die vor allem zu wenige Veränderungen im Vergleich zum Vorgänger kritisierte. Dem positiven Echo der Spielerschaft tat das allerdings keinen Abbruch: 14 Jahre später hat sich Dungeon Keeper 2 als echter Klassiker herausgestellt, der in einer ordentlichen Retro-Sammlung nicht fehlen darf.

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Theme Park World (1999)

Die Theme-Reihe kehrte 1999 mit Theme Park World zu ihren Wurzeln zurück: Diesmal war das Spiel zwar in 3D gehalten (was euch erlaubte, den Park von allen Seiten zu betrachten und vor allem beim Achterbahndesign sehr praktisch war), aber das Grundprinzip „baue spannende Attraktionen und stelle deine Besucher zufrieden“ war unverändert. Neu war allerdings, dass man bei gewissen Leistungen (zum Beispiel eine gewisse Anzahl von Besuchern gleichzeitig im Park) mit goldenen Tickets belohnt wurde, die spezielle Fahrgeschäfte freischalten konnten. Außerdem teilte sich euer Park nun in vier Bereiche mit speziellem Design auf, die nach und nach freigeschaltet werden – vom Saurier-Park bis zum Weltraum-Land blieben hier kaum Wünsche offen. Übrigens wurde es in den USA als Sim Theme Park vermarktet und gilt deshalb dort als Teil von Maxis‘ Sim-Reihe.

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Theme Park Manager (2001)

Zwei Jahre später folgte Theme Park Manager, das fortführte, was Theme Park World begonnen hatte. Auch wenn das Spiel auf den ersten Blick seinem Vorgänger stark glich, gab es doch etliche Unterschiede im Detail, denn das Spiel gab euch ständig kurzfristige Ziele, die erreicht werden wollten, wenn ihr neue Parkbereiche (diesmal gab es „nur“ drei davon) oder spezielle Attraktionen freischalten wolltet. Ihr seid diesmal nämlich nicht der große Boss, sondern zunächst nur Junior-Manager, der langsam zum Nachfolger des alternden Chefs aufgebaut werden sollte. Dadurch gewann das Management an Bedeutung, auch wenn die klassischen Features nicht vergessen wurden.

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Das langsame Ende

Mit Theme Park Manager neigte sich die glorreiche Zeit von Bullfrog Productions dem Ende zu. Etliche Mitarbeiter, die für die großen Hits verantwortlich waren, hatte sich bereits aus dem Staub gemacht und zum Teil eigene Studios gegründet – darunter Peter Molyneux‘ Lionhead oder Mucky Foot (Startopia, Urban Chaos). Auch Mitbegründer Les Edgar wechselte zunächst in höhere Etagen bei Electronic Arts, bevor er den Konzern verließ und sich kleineren Projekten zuwandte. Dennoch starb Bullfrog keines plötzlichen Todes, sondern arbeitete noch an mehreren Projekten, die allerdings allesamt nicht mehr das Licht der Welt erblicken sollten. Neben dem schon erwähnten Theme Resort betraf dies vor allem Dungeon Keeper 3: War for the Overworld, das bereits als Video auf der Disk von Dungeon Keeper 2 angeteased wurde. Der Titel hätte das Dungeon Keeper-Konzept an die Oberwelt führen sollen, wurde allerdings Anfang 2000 nach fast einem Jahr Entwicklung eingestellt. Danach wurde es ruhig um Bullfrog: Zwar wurde vage von „weiteren Projekten“ gesprochen, doch stattdessen wurde das Studio mit EA UK fusioniert, musste dabei den Namen Bullfrog aufgeben und durfte von da an Harry Potter-Spiele abliefern. Später wurden sie in EA Bright Light umbenannt und veröffentlichten unter diesem Namen als letzten Tiefpunkt die beiden Videospiele zu Harry Potter und die Heiligtümer des Todes. Knapp darauf wurde das Studio geschlossen. Auch die großen Marken von einst versanken langsam im Sumpf des Vergessens – und selbst wenn sie ausgegraben wurden, musste man sich fast wünschen, sie wären vergraben geblieben: So war Theme Park für Mobiltelefone eine üble Free2Play-Abzocke und Syndicate hatte mit den großen Vorbildern spielerisch kaum noch etwas zu tun und enttäuschte noch dazu spielerisch. Das wahre Erbe Bullfrogs trugen eben andere weiter: Lionhead versuchte sich mit Black & White erneut an einer Gottsimulation, brachte mit The Movies ein Spiel, das an die Prinzipien der Theme-Serie erinnerte und mischte bei Fable Moral-Entscheidungen mit Action-Rollenspielelementen. Auch Molyneux jüngstes Projekt mit seinem neuen Studio 22 Cans namens Godus erinnert sicher nicht zufällig an Populous …

Fußnote 1: Tube (1995)

Einige von euch werden in unserer Aufzählung wohl Tube vermissen, ein Bullfrog-Spiel, das auf einigen Cover-CDs zu finden war. Das Konzept erinnert an das spätere TrackMania: Ihr lenkt euer Gefährt durch einen Tunnel und müsst zum Ziel kommen, bevor die Zeit ausläuft. Darüber hinaus gab es aber auch Hindernisse, die erst mit Waffengewalt zerstört werden mussten. Warum wir den Titel nicht in unserer Aufzählung erwähnen? Das Spiel entstand eigentlich nur als Test für einen neuen Bullfrog-Angestellten und wurde nie zu einem Vollpreisspiel ausgebaut.

Fußnote 2: Aquarium (1998)

Viele von uns glauben, dass es nur wenige Theme-Spiele gab – genauer gesagt Theme Park samt seiner Sequels sowie Theme Hospital. Das stimmt allerdings nicht ganz, denn auch wenn das versprochene Theme Prison nie erschien und Theme Resort eingestellt wurde, ohne jemals offiziell angekündigt worden zu sein, gab es immerhin noch Theme Aquarium. Warum ihr von diesem Spiel nie gehört habt? Vermutlich, weil es nur in Japan für die PlayStation erschien und noch dazu miserable Kritiken einfuhr. Das passt für euch nicht zu Bullfrog? Stimmt: Tatsächlich nutzte hier EA die Popularität der Theme-Marke und Bullfrogs aus – entwickelt wurde das Spiel nämlich Großteils von japanischen Entwicklern. Es gibt übrigens auch eine Windows-Version, die im Jahr 2000 in Europa veröffentlicht wurde. Hier ließ man das Theme im Titel fallen und nannte das Spiel nur noch Aquarium.

Florian Scherz

Bereits früh entwickelte Florian zwei große Leidenschaften: Videospiele und Theater. Ersteres brachte ihn zu einem Informatikstudium und zu Jobs bei consol.MEDIA und Cliffhanger Productions; zweiteres lässt ihn heute (unter anderem) als Schauspieler, Regisseur, Komponist und Lichtdesigner arbeiten. Wenn er gerade keine Musicals inszeniert, spielt oder schreibt, vermisst er auf Shock2 Videospiele von anno dazumal in seiner Blog-Reihe "Spiele, die ich vermisse".

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