
Bei der New York Comic Con macht DC Comics-Präsident und -Publisher Jim Lee unmissverständlich klar: „DC Comics wird KI-generiertes Storytelling oder Artwork nicht unterstützen – nicht jetzt, nicht jemals – solange Anne Leung DePies und ich das Sagen haben.“
Auf der Händler-Keynote am Pro Day der New York Comic Con skizzierte Jim Lee die kommenden Jahre bis zum 100. Geburtstag von DC Comics und adressierte „Killer-Bienen“ der Branche – von Aufmerksamkeitsökonomie bis KI. Seine Kernbotschaft: Kreative Arbeit lebe von menschlicher Handschrift, Risiko und Fehlern. Genau diese Unvollkommenheiten seien es, die Figuren wie Batman, Superman und Wonder Woman lebendig machen.
Hintergrund: Debatten und Richtlinien
In den vergangenen Jahren stand die Branche immer wieder wegen mutmaßlich KI-beeinflusster Variant-Cover und Werbemotive in der Kritik. DC Comics pocht intern auf „authentischen“ Ursprung der Werke und hat strittige Cover bereits ersetzt. Mit der nun öffentlich bekräftigten Linie stellt sich der Verlag sichtbar an die Seite von Zeichnern und Autorinnen – und zieht eine rote Linie für künftige Produktionen.
Bedeutung für Handel, Kreative und Leser
Lee betonte die Rolle des Direct-Markets: Comicshops als „Herzschlag“ der Szene. Ein klares „No-KI“-Signal schafft Planungssicherheit für Händler und schützt die Wertigkeit von Originalkunst. Für Kreative ist es ein Bekenntnis zur Handschrift, für Leserinnen ein Versprechen auf kuratierte, menschlich geprägte Geschichten in Serien wie Absolute Batman oder Events wie DC K.O.
Branchenkontext: Auch Marvel Comics präzisiert
Parallel zur NYCC präzisierte Marvel Comics durch C.B. Cebulski seine Haltung: In der Comics-Sparte werde keine KI-Kunst eingesetzt; bei Verstößen trenne man sich von Künstlern. Die zwei größten US-Verlage senden damit ein gemeinsames Signal an die Community.
Einordnung: Recht & Eigentum
Neben Ethik spielt die Rechtslage eine Rolle: In den USA sind vollständig KI-erzeugte Werke ohne ausreichende menschliche Autorenschaft nicht urheberrechtlich schützbar. Für einen Verlag wie DC Comics, der sein Universum langfristig verwaltet, ist eindeutige Urheberschaft zentral – von Lizenzierung bis Archiv.
Ausblick: Auf dem Weg zu 2035
Mit jährlich wechselnden Deko-Themen will DC Comics die Verlagsgeschichte bis zum 100-Jahre-Jubiläum 2035 feiern. Das klare KI-Bekenntnis ist Teil der Strategie, Markenidentität und Fanbindung über Direct-Market, Digital-Formate und Kids-Programme hinweg zu stärken.
Einschätzung der SHOCK2-Redaktion
Starkes, längst fälliges Signal. Die Klarheit von Jim Lee nimmt der Diskussion Spitzen und schützt die kreative Kette. Entscheidend wird, wie konsequent die Linie im Alltag – von Briefings über Outsourcing bis Marketing – kontrolliert und kommuniziert wird. Positiv: Die Synchronität mit Marvel Comics reduziert Schlupflöcher im Wettbewerb.



