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Kolumne: PlayStation Classic – Eine simple Idee und ihre Tücken

2016 überraschte Nintendo mit der Ankündigung des Nintendo Classic Mini: Nintendo Entertainment System. Hinter dem sperrigen Namen verbirgt sich eine Idee, die so offensichtlich wie genial ist. Eine alte Konsole. In klein.

So simpel diese Idee aber auch ist, die Umsetzung sorgte doch noch für Stirnrunzeln. Eine feste Liste an Spielen, keine Internet-Verbindung und damit auch keine erweiterbare Software-Bibliothek. Wer will das schon kaufen?  Viele, wie sich herausstellt. Nintendo konnte bisher über 10 Millionen Geräte absetzen.

Sony macht mit

Eine weitere Mini-Konsole (das SNES-Mini) und viel Aufregung um knappe Auslieferungsmengen später, scheint sich die Lage der erfolgreichen “neuen” Produktkategorie beruhigt zu haben. Einem möglichen N64-Mini hat Nintendo fürs Erste deutlich eine Absage erteilt. Macht nichts. Fans (und Feinde) der Mini-Konsolen haben ohnehin ein neues Thema gefunden: das PlayStation Classic.

Sony folgt damit ganz klar den Spuren Nintendos. Auch hier gibt es eine feste Liste an vorprogrammierten Spielen. Das ganze Paket aus kleiner Konsole, zwei Controllern (ohne Analog-Stick) und den Spielen erscheint am 3. Dezember und kostet 99€. Die Nachricht ist klar: “Holt euch das zu Weihnachten oder verschenkt es zu Weihnachten.”

Und da ist er wieder. Der Hype um eine Mini-Konsole. Aber irgendwie ist er anders als der Hype um das NES-Mini oder SNES-Mini. Bei vielen Händlern lässt sich die Konsole immer noch vorbestellen, was bei den Nintendo-Pendants undenkbar wäre, so kurz vor dem Launch. Es gibt da so ein paar Sachen, die vielen nicht gefallen.

Wo ist denn [berühmtes PlayStation-Spiel hier einfügen]?

Seitdem Sony die Liste der 20 verfügbaren Spiele veröffentlicht hat, ist der Hype in den Expertenforen merklich abgeflaut. Die komplette Liste könnt ihr hier nachlesen.

Die 20 Games der PlayStation Classic mit Trailer vorgestellt

Final Fantasy, Grand Theft Auto (das 2D-GTA), Metal Gear Solid, Oddworld, Ridge Racer, Resident Evil, Tekken, Twisted Metal und mehr. Ja, mit diesen Namen hat man gerechnet. Es fällt aber auf, was nicht auffällt. Wo bleiben Tomb Raider, Spyro, Crash, Gran Turismo?

Bei einer beschränkten Anzahl an Spielen werden nie alle zufrieden sein. Aber wie konnte man hier derart am Ziel vorbeischießen? Wie kann Crash, der sich mit der Remastered Trilogie Verkaufsrekorde wieder blendend verkauft, nicht dabei sein?

Das dürften sich so manche Sony-Manager auch fragen. Die Antwort ist simpel und frustrierend zugleich: Sony gehört Crash schlicht nicht. Spyro auch nicht. Tomb Raider erst recht nicht. Hier müssen also Lizenzvereinbarungen her. Sony muss mit den Eigentümern der Rechte verhandeln, um die Spiele zu inkludieren. Das kostet Zeit und Geld. Je nach Spiel viel Zeit und sehr viel Geld. Mit den Crash- und Spyro-Trilogien dürfte Activision kein besonders großes Interesse an der PlayStation Classic haben (oder der geforderte Preis war zu hoch).

Sony stößt hier an das gleiche Problem wie damals mit der gefloppten Smash Bros.-Kopie PlayStation All-Stars. Auch damals hat Sony alles versucht, um Crash ins Spiel zu bekommen. Ohne Erfolg. Dass Gran Turismo nicht dabei ist, dürfte am Controller ohne Analog-Stick liegen (was an sich auch eine fragwürdige Entscheidung ist).

Der offene Emulator

Einen sehr großen Unterschied zu Nintendos Mini-Konsolen hat das PlayStation Classic aber. Während Nintendo die Emulatoren selbst schreibt, verwendet Sony einen Open Source-Emulator. Mehr dazu könnt ihr hier lesen.

PlayStation Classic nutzt Open-Source-Emulator

Auf der einen Seite ist das pragmatisch und kostensparend. Warum einen eigenen Emulator schreiben, wenn es den ohnehin schon gibt? Nintendo ist Nintendo, klar. Aber wie viele der Käufer wissen überhaupt, was ein Emulator ist oder kennen gar die Open Source-Programme? Also lässt sich hier viel Zeit und Geld sparen.

Auf der anderen Seite ist das natürlich die blanke Ironie. Emulatoren sind den Konsolenherstellern ein Dorn im Auge. Denn sie durchbrechen ein von ihnen selbst geschaffenes Monopol. Neben unschönen Dingen wie Piraterie ermöglichen sie auch die Archivierung von Videospielen, was besonders in der heutigen Zeit mit Always Online und Service Games ei wichtiges Thema sein sollte.

Sollte deswegen das PlayStation Classic weniger kosten? Tja. Wenn die allermeisten Käufer überhaupt nicht wissen, was ein Emulator eigentlich ist, kann man die Frage eigentlich auch gleich vergessen.

Der Zank um das Konzept

Die Mini-Konsolen sind nun nicht mehr neu, trotzdem wird immer noch heiß um das Konzept gestritten. Zu teuer, der fehlende Internetanschluss ist eine Frechheit und ohnehin ist die ganze Masche die reinste Gelddruckmaschine, so heißt es. Hardcore Gamer können sich in der Tat oft schwer vorstellen, warum man sich so ein Gerät kaufen sollte, wenn man die Spiele viel günstiger im PSN kaufen und auf einer PS3 zum Beispiel spielen könnte.

Nun, wie schon bei den Nintendo-Minis ist die Frage eigentlich klar: Wie viel ist einem Nostalgie wert? Das Gerät sieht hübsch aus, die Controller sind fast 1-zu-1 nachgebaut und die Liste bietet einige Hochkaräter, die genau den Nostalgie-Teil des Gehirns stimulieren können. Ein perfektes Gerät ist es nicht, einige der Spiele dürften auch eher schlecht gealtert sein. Perfekt gealtert und Nostalgie passen aber eh nie richtig zusammen.

Alles zur PlayStation Classic, Review, Kolumnen, Podcasts, ein Gewinnspiel und vieles mehr gibts es ab sofort laufend auf psclassic.shock2.at

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