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Hands-On: Sega Astro City Mini – Miniatur Automat aus Japan

Das Astro City Mini ist eine Miniatur des Astro City Automaten, der 1993 auf dem Markt kam. Das Besondere an den Sega „City“-Schränken war die Möglichkeit, die Game Boards gegen andere tauschen zu können, so dass nicht jedes Mal ein ganzer Automat erworben und neu aufgestellt werden musste, ähnlich dem Neo Geo-Automaten, der drei Jahre zuvor veröffentlicht wurde. Auch das Astro City Mini hat mit dem Neo Geo Mini einiges gemeinsam. So bieten beide über zwei USB-Ports einen Zwei-Spieler-Modus durch zusätzlich erwerbbare Joypads oder Arcade-Sticks, die an die Originalversionen erinnern, an.

Das Astro City Mini besitzt einen 3,5 mm Klinkenausgang zum Anschluss von Kopfhörern und einen HDMI-Ausgang für den Anschluss an einen externen Monitor oder Fernseher mit einer unterstützten Auflösung von bis zu 1280 x 720 Pixeln. Der Bildschirm ist für die Spiele im falschen 16:9 Format und 3,97 Zoll groß und damit etwas größer als beim Neo Geo Mini. Er bietet eine gute Helligkeit und ist relativ Blickwinkel stabil. Auch die Auflösung ist etwas höher. Ebenso sind in der oberen Hälfte Lautsprecher verbaut, welche sich für die Größe gar nicht Mal schlecht anhören. Leider fehlt auch im Astro City Mini ein Akku, allerdings funktioniert das Gerät, dank der USB-Micro-Stromversorgung, ebenfalls mit einer externen Powerbank problemlos.

Der Automat Astro City Mini
Die Hardware des Astro City Mini ist in einem robusten Plastikgehäuse verbaut, welches der Originalform nachempfunden wurde und ohne scharfen oder spitzen Kanten auskommt. Wie beim Neo Geo Mini ist aber nur die obere Hälfte des Gerätes nachempfunden worden, ähnlich einem Bartop-Modell. Wer möchte, kann mit dem Game Center Style Kit eine dedizierte Basis erwerben, die auch als Sparschwein für 500 100 Yen Münzen verwendet werden kann (entspricht ungefähr der Größe der 20 Eurocent Münze), um den ganzen Automaten in der Miniaturform aufstellen zu können.

Zum Spielen direkt am Automaten allerdings eher nicht zu empfehlen, da dadurch alles ein bisschen unhandlicher wird. Auch ein passender Miniaturhocker und ein Bedienpanel, welcher oben auf dem Automaten angebracht wird und mit einem von zehn Anleitungen beklebt werden kann, ist dabei. Eigentlich vollkommen sinn- und nutzlos, passt aber perfekt zur Authentizität des Gehäuses und sieht im Regal einfach schicker aus.

Der eigentliche Ein-/ Ausschalter befindet sich am Hauptgehäuse auf der Rückseite und ist auch von vorne gut zu bedienen. Der Joystick und die sechs Buttons besitzen Micro Schalter und sind deutlich zu hören, ähnlich wie bei einem alten Competition Pro Joystick, und sind dem Automaten sehr gut nachempfunden worden. Laut Sega ist sogar das gleiche Material verwendet worden. Zusätzlich befinden sich noch zwei Tasten auf dem Board, eine für Credits (für den virtuellen Münzeinwurf) und eine für Start. Drückt man beide Tasten zusammen landet man im Menü.

Das Menü
Das Menü ist recht simpel gehalten. Beim ersten Einschalten kann man unter verschiedenen asiatischen Sprachen und Englisch wählen, später im Menü jederzeit wieder änderbar. Die Bildschirmhelligkeit kann in fünf Stufen geregelt werden, genauso wie die Lautstärke. Bei der Emulation kann zwischen Digital und Analog gewählt werden, wobei ein CRT-Scanline-Filter auf das Bild angewendet wird.

Bei großen Bildschirmen eher störend und hässlich, als nützlich, bei dem kleinen Bildschirm zwar noch brauchbar, ist aber trotzdem unnütz. Zusätzliches Retrofeeling kommt dabei nämlich nicht auf. Da keine Spiele den vollen Bildschirm ausnutzen, können die schwarzen Balken durch zwei Wallpapers ersetzt werden. Die Spieleliste ist nach Alter der Games sortiert.

Die Spiele
Bei den Spielen handelt es sich ausschließlich um die japanischen Automatenversionen, welche alle gut emuliert werden und auf 720p hochskaliert worden sind. Es gibt 36 Sega Klassiker plus Dottori Kun, welches damals nur als Platzhalter für die ausgelieferten Automaten entwickelt wurde, da es ab 1990 in Japan verboten war, „nackte“ Spielautomaten zu verkaufen, bevor das eigentliche Spiel installiert wurde.

Dottori Kun ist eine vereinfachte Version des Sega-/Gremlins-Titels Head-On von 1979, indem Autos kontinuierlich durch rechteckige Kanäle in einem Labyrinth vorwärtsfahren. Die Fahrspur kann nur an bestimmten Stellen gewechselt werden um Punkte, ähnlich wie bei Pac-Man aufzusammeln und dem Computergegner auszuweichen.

Ebenfalls unveröffentlicht, zumindest außerhalb der bisherigen Arcade-Fassung, ist der exklusive Automaten Nachfolger von Golden Axe Golden Axe: The Revenge of Death Adder.

Das Spiel kam 1992 in die japanischen Spielhallen und bietet die gleiche Hack and Slash Action wie der Vorgänger. Mit vier neuen unterschiedlichen Charakteren und detailliertere Grafiken führten mehrere Pfade zum Endgegner. Um alles vom Spiel sehen zu können, muss man das Spiel mehrmals spielen.

Auch der erste Auftritt von Sonic in einem Videospiel ist enthalten. Leider nicht als spielbarer Charakter, sondern als Anhänger an einem Rückspiegel im Rennspiel Rad Mobile, welches von Yo Suzuki entwickelt wurde.

Rad Mobile war Sega’s erstes 32-Bit Spiel und erschien fünf Monate bevor Sonic the Hedgehog für das Mega Drive im Jahr 1991 erschienen ist.

Eins der wenigen Spiele, die nicht von Sega hergestellt wurden, ist Cotton. Es benutzt zwar das Sega System 16B Board, ist aber von Success Corporation entwickelt worden.

Cotton hat dazu beigetragen, den visuellen Stil der Shoot ´em ups in eine niedlichere Umgebung zu portieren, so dass diese Spiele auch Cute ´em ups genannt werden. Cotton verzichtet auf Kriegsschiffe und Schlachtfeldern, stattdessen wird mit einer Hexe, die auf einem Besen durch magische Spukreiche fliegt, gespielt. Ein Reboot der Serie ist für 2021 geplant.

Eins der wichtigsten Spiele, nicht nur im Arcade-Bereich, ist sicherlich Virtua Fighter, das einst als absoluter Höhepunkt des Arcade-Gamings galt und für einige noch immer ist. 1993 von Sega in Zusammenarbeit mit dem Studio AM2 entwickelt, war es das erste Arcade 3D-Kampfspiel.

Virtua Fighter ist vor allem für sein detailliertes Kampfsystem, das sich an echten Kampftechniken orientiert, und die für damalige Zeit atemberaubende 3D-Grafik bekannt. Auch heute lässt es sich noch hervorragend spielen auch auf dem kleinen Bildschirm.

Die Spiele werden in einem Karussell-Menü aufgerufen, wobei von jedem Spiel drei Screenshots angezeigt werden. Nach Auswahl eines Spiels wird eine kurze Beschreibung, eine Erklärung der Steuerung und die möglichen zwei Speicherstände angezeigt, die auch direkt von dort geladen werden können.

Bei Spielen mit Titeltrack in der Auflistung kann das Titelstück in endlos Schleife abgespielt werden, solange man kein anderes Spiel auswählt:

Alex Kidd The Lost Stars (1986/ System16A/B/ Action/ Englisch)
Alien Storm (1990/ System18/ Action/ Englisch/ Titeltrack)
Alien Syndrome (1987/ System 16A/B/ Action/ Englisch)
Altered Beast (1988/ System16B/ Action/ Englisch)
Arabian Fight (1991/ System32/ Action/ Story Japanisch)
Bonanza Bros. (1990/ System24/ Action/ Story Japanisch)
Columns (1990/ C Board/ Puzzle/ Englisch/ Japanisch)
Columns II (1990/ C Board/ Puzzle/ Englisch)
Cotton (1991/ System16B/ Shooting/ Story Japansisch)
Crack Down (1989/ System24/ Action/ Englisch/ Titeltrack)
Cyber Police ESWAT (1989/ System16B/ Action/ Englisch/ Titeltrack)
Dark Edge (1993/ System32/ Fighting/ Englisch)
Fantasy Zone (1986/ System16A/ Shooting/ Englisch/ Titeltrack)
Flicky (1984/ System 1/ Action/ Englisch)
Gain Ground (1988/ System24/ Action/ Englisch/ Titeltrack)
Golden Axe (1989/ System16B/ Action/ Englisch/ Titeltrack)
Golden Axe: The Revenge of Death Adder (1992/ System32/ Action/ Englisch)
Ichidant-R (1994/ C2 Board/ Party/ Japanisch)
My Hero (1985/ System 1/ Action/ Englisch)
Puyo Puyo (1992/ C2 Board/ Puzzle/ Story Japanisch)
Puyo Puyo 2 (1994/ C2 Board/ Puzzle/ Story Japanisch)
Quartet 2 (1986/ System16A/ Action/ Englisch/ Titeltrack)
Rad Mobile (1991/ System32/ Race/ Englisch)
Scramble Spirits (1988/ System24/ Shooting/ Englisch/ Japanisch)
Sega Ninja (1985/ System 1/ Action /Englisch)
Shinobi (1987/ System16A/B/ Action/ Englisch/ Japanisch/ Titeltrack)
Shadow Dancer (1989/ System18/ Action/ Englisch)
Sonic Boom (1987/ System16B/ Shooting/ Englisch)
Space Harrier (1985/ Special PCB/ Shooting/ Englisch/ Titeltrack)
Stack Columns (1994/ C2 Board/ Puzzle/ Story Japanisch)
Tant-R (1993/ C2 Board/ Party/ Japanisch)
Thunder Force AC (1990/ C2 Board/ Shooting/ Englisch)
Virtua Fighter (1993/ Model1/ Fighting/ Englisch/ Titeltrack)
Wonder Boy (1986/ System 1/ Action/ Englisch)
Wonder Boy in Monster Land (1987/ System 2/ Action/ Japanisch)
Wonder Boy III: Monster Lair (1988/ System16A/B/ Action/ Englisch)

Manche Spiele, wie Gain Ground, Sonic Boom oder Scramble Spirits, welche auf einem vertikal ausgerichteten Bildschirm, also im Verhältnis 3:4, in den Arkaden spielbar waren, werden auf dem 16:9 Bildschirm sehr klein dargestellt, da nur ungefähr die Hälfte des Bildschirms für das Spiel benutzt wird. Obwohl nicht alle Spiele englische Untertitel besitzen, sind Spiele wie Stack Columns oder Puyo Puyo auch ohne japanisch Kenntnisse gut spielbar, im schlimmsten Fall muss erraten werden, was das Spiel gerade von einem will, so zum Beispiel bei den Party Spielen, oder die erzählte Geschichte wird nicht verstanden, das eigentliche Geschehen bleibt aber trotzdem verständlich.

Die Arcade System Boards

System 1 (8-Bit)
Veröffentlicht im Juli 1983

System 2 (8-Bit)
1985 veröffentlicht
Diente als Grundlage für den Grafikchip des Master Systems

System16A/B (16-Bit)
1985 veröffentlicht
Nachfolger des System 1- und System 2-Boards
Sega publizierte auf dem Board die meisten Spiele, 40 an der Zahl

Special PCB (16-Bit)
1985 extra für Space Harrier hergestelltes Systemboard
Update vom Hang-On Automat

System24 (8-Bit)
1988 veröffentlicht
Auflösung erstmals bei 496 x 384 Pixeln
Frühe Spiele wurden auf Disketten gespeichert und konnten ausgetauscht werden

System18 (8-Bit)
1989 veröffentlicht
Grundlage für die Gestaltung des Sega Mega Drives
Verwendet Motorola 68000 CPU und einen Z80 Prozessor
Maximal 128 Sprites gleichzeitig auf dem Bildschirm

C Board (8-Bit)
1989 veröffentlicht
Basiert auf Mega Drive Hardware

C2 Board (8-Bit)
1990 veröffentlicht
Kleines Update des C Boards

System32 (32-Bit)
1990 veröffentlicht
Segas erstes 32-Bit System und letztes Sprite-basiertes Board

Model1 (32-Bit)
1992 veröffentlicht
Auch als CG Board bekannt
Segas erstes 3D-Videospielsystemboard
Enthält benutzerdefinierte Grafikeinheit, das 180.000 Polygone pro Sekunde anzeigen kann
Maximal 60 Bilder pro Sekunde

Mehr Informationen zu den einzelnen Systemboards gibt es auf Segaretro.org

Das Astro City Mini Joypad und Arcade Board

Das Joypad ist, vom Design her, dem Automaten gut nachempfunden worden. Die Knöpfe haben einen guten Druckpunkt, allerdings fühlt sich das D-Pad etwas schwammig an. Zum Spielen am Fernseher für wenig Geld gut geeignet, lässt allerdings die typische Arcade-Steuerung vermissen.

Das Arcade Stick Board ist zwar genauso teuer wie die Konsole, aber ein absoluter Traum. Es werden Original Sanwa-Teile verwendet, die in einem soliden Metallgehäuse, bei einem Gewicht von drei Kilogramm, untergebracht worden sind. Unter Windows oder Mac oder an aktuellen Konsolen scheint der Arcade Stick nicht zu funktionieren, obwohl er zumindest unter Windows 10 als Astro City Mini Arcade Stick erkannt wird. Vielleicht gibt es demnächst einen Workaround beziehungsweise eigene Treiber? Ich habe es zumindest nicht hinbekommen, dass das Board einwandfrei funktioniert. Auf YouTube gibt es Videos, wo der Arcade Stick auf FPGA-Geräte, wie dem MISTer, zum Laufen gebracht werden kann. Also sollte es zumindest möglich sein. Der Stick besitzt Micro Schalter und lässt sich gut steuern. Die sechs Steuerungsknöpfe und die beiden Knöpfe für Start und Credits sind Silent-Sanwa-Buttons und haben einen sehr guten Druckpunkt.

Das Astro City Mini ist leider nur in Japan erhältlich und kostet 12.800 Yen (umgerechnet ungefähr 102€. Am einfachsten bekommt man es bei Amazon Japan oder Play Asia. Bei Amazon benötigt man, genauso wie bei Play Asia, ein eigenes Benutzerkonto. Bei der Bestellung muss eine Kreditkarte hinterlegt werden und man kann alle Gebühren direkt mitbezahlen, so dass das Paket auch sicher bei einem ohne weitere Zollgebühren ankommt. Bei Play Asia kann auch in Euro (mit Aufschlag) und mit PayPal bezahlt werden.

Das Joypad kostet zusätzlich 2.800 Yen (ca. 22€) und das leider zurzeit ausverkaufte Arcade Board nochmals 12.000 Yen (95€). Das unnütze aber wirklich gutaussehende Game Center Style Kit gibt es für 3.300 Yen (ca. 26€).

Fazit

Das Sega Astro City Mini ist die perfekte Inkarnation des großen Vorbilds. Selbst an den grün leuchtenden Streifen am oberen Ende des Automaten wurde gedacht und die Steuerung und Emulation funktionieren einwandfrei. Die Spielauswahl ist wie immer Geschmacksache, irgendein Spiel oder Spiele fehlen immer, dafür sind andere unnötig. Allerdings ist Sega hier eine gute, geschichtlich relevante, Auswahl gelungen und die Spiele sind alle auch ohne Japanisch Kenntnisse spielbar. Wer früher in Spielhallen war, wird bei Spielen wie Virtua Fighter, Space Harrier oder Wonder Boy bestimmt gute Erinnerungen haben und kann so mit dem Astro City Mini ein wenig Nostalgie zurückholen. Hat jemand noch nie an einem Automaten gespielt, kann hier ein wenig Spielegeschichte nachgeholt werden, immer vorausgesetzt, man ist ein wenig Frustresistent, da die jeweiligen Automatenversionen sehr schnell den Schwierigkeitsgrad anheben und teilweise nur durch auswendig lernen und/ oder viel Geld einwerfen zum Ende/ Erfolg kommt. Man wollte halt mit den Automaten Geld verdienen. Für mehr Spaß könnte man sich zum Beispiel ein Credit Limit setzen und immer nur mit diesen Credits spielen. So bemerkt man seine eigenen Fortschritte und behält den Spaß am Spielen. Für alle anderen ist das Sega Mega Drive Mini wohl die bessere Wahl für klassische Sega Spiele.

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