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Hands-On: Polymega – Die ultimative Retrokonsole?

Playmaji, der Hersteller hinter Polymega, stellte bereits im Juli 2017 die neue Retro-Konsole in einer Pressemitteilung vor. Sie sollte mit der Basiseinheit verschiedene CD-basierte Retrokonsolen emulieren können und durch zusätzliche Aufsteckmodulen mit deren Cartridges kompatibel werden.

Auf der im Juni stattfindenden E3 2019 in Las Vegas wurde ich das erste Mal auf Polymega aufmerksam. Seitdem habe ich das System mit Interesse verfolgt. Mitte November 2019 habe ich die Konsole auf der Homepage von Polymega in der USA vorbestellt, mit einem Erscheinungsdatum für das Jahr 2020. Danach begann eine lange Zeit des Wartens. Die erste „bald wird ihre Bestellung Versand“ Nachricht gab es Mitte Oktober 2020, die vier Wochen später wegen Probleme mit einem Handelspartner auf Februar 2021 verschoben werden musste.
Im Januar 2021 gab es dann die Möglichkeit, an einem Beta-Programm teilzunehmen, wo sich Vorbesteller darauf bewerben konnten. Da es nur eine kleine Menge an verfügbaren Konsolen gab, ging ich leider leer aus. Bis zur nächsten Versandinformation vergingen nochmals sieben Monate, die darauf hinwies, dass ab dem 12. September 2021 die vorbestellten Konsolen ausgeliefert werden. Da ich bis Anfang Dezember keine Versandinformationen erhalten hatte, schrieb ich den Support von Playmaji an, die mich auf eine Lieferung mit dem nächsten ankommenden Container in den USA vertröstete. Ende Januar 2022 war es dann endlich so weit, meine Basiseinheit und das NES-Erweiterungsmodul gingen auf Reise und kamen Anfang Februar endlich bei mir an.

Der Inhalt

Basiseinheit

Die Basiseinheit wird zusammen mit einem Controller plus USB-Dongle, einem externen Netzteil, ein HDMI-Kabel und ein USB-A auf USB-Micro-Kabel verkauft. Das USB-A auf USB-Mikro-Kabel dient als Lade- und Anschlusskabel für das Joypad, dass leider auf einen USB-C-Anschluss, wohl auf Grund des Entwicklungsalters, verzichtet.

Das Innenleben der Basiseinheit besteht aus einem Intel Coffee Lake S Series Prozessor der achten Generation, unbekannter Art, 2GB DDR4 RAM Speicher, 32GB eMMC Flash Memory, welches über einen Expansion Slot auf der Unterseite mit bis zu 4TB M.2 2280 SSD erweitert werden kann, einem Micro SDXC Karten Slot für Spielstände, Patches, eigene BIOS-Versionen für die emulierten Konsolen und der Installation von Spielen, sowie ein 8-fach CD/DVD Slot-in Laufwerk. Hinzu kommen noch 2 USB 2.0-Anschlüsse, die auch als externe Anschlüsse für USB-Festplatten und -Sticks genutzt werden können, ein Gigabit LAN-Port, ein HDMI 2.0-Ausgang, sowie ein W-LAN Modul.

Mit der Basiseinheit werden folgende CD-basierte Konsolen unterstützt:

Neo Geo CD (Nordamerika / Japan)
PS1 (Nordamerika / Japan / Europa)
Sega CD (Nordamerika) / Mega CD (Japan) / Mega CD (PAL)
Sega Saturn (Nordamerika/ Japan / Europa)
TurboGrafx CD (Nordamerika / PC-Engine (Japan)

Laut den FAQs ist es nicht ausgeschlossen, dass zukünftig weitere CD-basierte Konsolen, wie das Amiga CD32 oder das 3DO, unterstützt werden. Auch weitere Erweiterungsmodule, wie das zuletzt angekündigte N64-Modul können noch erscheinen. Vorerst soll aber die Emulation der unterstützten Geräte weiter verbessert werden.

Folgende Spiele sind bereits auf der Basiseinheit vorinstalliert:

40 Winks (PlayStation NTSC/ 14. November 1999/ Eurocom/ Piko/ 3D-Platform/ Google: 93%)
Battle Squadron (Genesis/ 1989/ Cope-Com/ Shoot´em´Up/ ASM 2/91: 9/12)
Iron Commando (Super FamiCom/ 10. Februar 1995/ Arcade Zone/ Piko/ Beat´em´Up)
Rescue: The Embassy Mission (NES NTSC/ 1988/ Infogrames/ Piko/ Strategie/ Google: 96%)
Top Racer 2 (Genesis/ = Top Gear 2/ 1994/ Gremlin Graphics/ Rennspiel)
Viper (PlayStation PAL/ 1998/ X-ample Architectures/ Helicopter Shooter)

NES Erweiterungsmodul

Das „Power Module Set EM01 NES“ beinhaltet das NES-Erweiterungsmodul und einen kabelgebundenen, dem Originaldesign ähnlichen, NES-Controller. Da das NES-Erweiterungsmodul die gleichen Controlleranschlüsse (zwei an der Zahl) wie das NES verwendet, sind auch die original Nintendo Controller verwendbar. Das Power Module Set EM01 NES bringt fünf vorinstallierte NES-Spiele mit:

8 Eyes (NES NTSC EM01/ 27. September 1988/ Thinking Rabbit/ Piko/ Action-Plattformer/ Power Play 1/89: 60%)
Nightshade (NES NTSC EM01/ Januar 1992/ Melbourne House/ Piko/ Action-Adventure/ ASM 9/92: 8/12)
Powerpunch II (NES NTSC EM01/ 12. Juni 1992/ Melbourne House/ Piko/ Kampfspiel)
Target: Renegade (NES NTSC EM01/ 1988/ Imagine Software/ Beat`em`Up/ Google: 97%)
Treasure Master (NES NTSC EM01/ Dezember 1991/ Software Creations/ Jump`n`Run)

Da das NES-Erweiterungsmodul nur einen Steckplatz für die US- und Europa-Cartridges besitzt, wird für Famicom-Module noch ein Adapter, welcher nicht beiliegt, benötigt.

Das erste Mal

Bevor ich das Gerät in Betrieb nehmen konnte, musste das Power Modul Set EM01 NES noch auf die Basiseinheit aufgesteckt werden. Einfach rechts den Knopf drücken und die Klappe vom Basismodul entfernen und dafür das NES Modul aufstecken. Da das Gerät nur diesen einen Steckplatz besitzt, muss für jedes zusätzliche Erweiterungsmodul das vorherige abgenommen werden. Um direkt etwas mehr Speicher zu haben, sollte noch eine 1 TB M.2 2280 SSD in das Gerät verbaut werden. Der Einbau einer neuen SSD funktioniert sehr einfach.

Auf der unteren Seite des Geräts die Schraube aufdrehen und den Deckel abmachen. Dann noch die Schraube für den Speicher lösen und die SSD einfach hineinstecken. Diese dann noch mit der Schraube fixieren und den Deckel wieder anbringen. Nun noch das HDMI-Kabel, den Dongle für den Wireless Controller und das Stromkabel ans Gerät angeschlossen und am Power-Knopf eingeschaltet. Die Synchronisation zwischen Dongle und Controller wird durch ein zwei Sekunden langes Drücken nach rechts am Digipad durchgeführt. Im Startmenü können zuerst die Sprache und die Region (Europa, Japan und Asien, Nordamerika) ausgewählt werden und dann die Internetverbindung eingerichtet werden. Leider ist das deutsche Menü nicht immer verständlich übersetzt, so dass ich mindestens dreimal mein W-LAN eingerichtet habe, da das Menü keinen Hinweis darauf gibt, dass es eingerichtet ist und funktioniert. Es erscheint nur wieder der Menüpunkt Internet einrichten. Einfach aus dem Menü rausgehen, wäre richtig gewesen.

Danach wird das System automatisch auf die aktuelle Firmware (1.1.19) aktualisiert, wobei das System mehrere Updates durchführt und immer Mal wieder neustarten muss. Sind die Updates durch, startet das System automatisch in das Home-Menü.

Home-Menü

Das Menü ist sehr übersichtlich gestaltet. Im linken Drittel findet man die Menü-Punkte, auf der anderen Seite die dazugehörenden Inhalte. Während die ersten Einträge die eigenen Spiele in unterschiedlichen Arten auflistet, ist System der Punkt für alle Einstellungen rund um die Konsole und ähnelt der Menüleiste der PlayStation 5.

Unter Einstellungen kann zum Beispiel die Bildschirmauflösung bis zu 1080p und 120 Hz eingestellt werden oder installierte Spiele zwischen den verschiedenen Speichermedien (interne eMMC, zusätzliche M.2 SSD oder Micro SD-Karte) verschoben werden.

Während die eingesteckte SD-Karte sofort erkannt und benutzt werden kann, muss der neu eingebaute SSD-Speicher erst noch formatiert werden. Auch hier wird eine schlechte deutsche Übersetzung auffällig. Ist man im Speichermenü werden alle Geräte als „externer Fehler“ angezeigt, was einem im ersten Moment einen Schock versetzen kann. Bis auf den internen 32 GB SSD-Speicher können die Namen aber geändert werden.

Dort findet man auch die Datenbank mit zurzeit 12425 Einträgen. Man kann mehrere Minuten scrollen, bevor man das Ende erreicht hat. Alle Spiele aus der Datenbank funktionieren auf der Konsole und sollten problemlos installiert und/ oder gespielt werden können. Zusätzlich können die Spiele in eine Wunschliste aufgenommen werden, allerdings nur in einer Übersicht ohne zusätzlichen Nutzen. Denn der bereits für das vierte Quartal 2021 angekündigte Store ist leider noch nicht eröffnet, so dass man auf die vorinstallierten Spiele und die eigene Sammlung angewiesen ist.

Überraschung

Anders als gedacht sind nicht nur die elf Spiele von der Basiseinheit und dem NES-Erweiterungsmodul, sondern auch noch 29 weitere Spiele, welche größtenteils von den anderen Erweiterungsmodulen stammen, vorinstalliert:

Brave Battle Saga: Legend of the Magic Warrior (Genesis/ 1996/ Chuanpu/ Piko/ Rollenspiel-Adventure)
Doodle World (NES NTSC/ 30.01.2021/ Natepeters/ itch.io/ Jump`N`Run)
Double Dungeons (TurboGrafX/ 29. September 1989/ Masaya/ Rollenspiel)
Double Dungeons (PC Engine/ 29. September 1989/ Masaya/ Rollenspiel)
Dragon Egg! (PC Engine/ 27. September 1991/ Masaya/ Action-Plattformer)
Dragon Master (NES NTSC/ 1994/ UNiCo Electronics/ Fighting Game)
Dragon View (SNES NTSC/ 26. August 1994/ Kemco/ Action-Rollenspiel/ Maniac 2/95: 68%)
Flea (NES NTSC/ 30.10.2020/ Lowtek Games/ itch.io/ Plattformer)
Gourmet Warriors (SNES NTSC/ 29. September 1995/ Fupac/ Piko/ Beat´em`Up)
Gurume Sentai Barayarou (Super FamiCom/ 29. September 1995/ Winds Co./ Piko/ Beat´em´Up)
Iron Commando (SNES NTSC/ 10. Februar 1995/ Arcade Zone/ Piko/ Beat´em´Up)
Kaizou Choujin Shubibinman 2: Atanaru Teki (PC Engine/ 27. April 1991/ NCS Corporation/ Action-Plattformer)
Legend (SNES PAL/ April 1994/ Arcade Zone/ Piko/ Beat´em´Up/ Video Games 10/93: 79%)
Moto Roader (TurboGrafX/ 1989/ Masaya/ Rennspiel/ Power Play 8/89: 74%)
Moto Roader (PC Engine/ 23. Februar 1989/ Masaya/ Rennspiel/ Power Play 8/89: 74%)
Moto Roader II (PC Engine/ 29. März 1991/ Masaya/ Rennspiel/ Power Play 7/91: 74%)
Pushover (SNES PAL/ 1992/ Red Rat Software/ Piko/ Adventure/ Google: 96%)
Shera and the 40 Thieves (NES NTSC/ 2021/ CrazyGroupTrio/ itch.io/ Plattformer)
Shockman (TurboGrafX/ 27. April 1991/ NCS Corporation/ Jump´n´Run)
Somit Bandana NES NTSC
Super Drakkhen (Super FamiCom/ =Dragon View)
Sword of Sodan (Genesis/ 1988/ Innerprise Software/ Hack and Slay/ Power Play: 25%)
The Tower of Turmoil (NES NTSC/ 2018/ CutterCross/ itch.io/ Action-Plattformer)
Tinhead (Genesis/ 1993/ MicroProse/ Piko/ Jump´n´Run)
Top Racer (Super FamiCom/ =Top Gear/ April 1992/ Gremlin Graphics/ Rennspiel/ Power Play 6/92: 75%)
Top Racer 2 (Super FamiCom/ =Top Gear 2/ Sept. 1993/ Gremlin Interactice/ Rennspiel/ Video Games 1/94: 73%)
Turtle Rescue (NES NTSC/ 2018/ TurtleRescueNES/ itch.io/ Adventure)
Water Margin: A Tale of Clouds and Wind (Genesis/ 1999/ Never Ending Soft Team/ Piko/ Action-Adventure)

Viele der oben genannten Spiele stammen von Piko Interactive, die einiges im Retrobereich machen. So gibt es mehrere Cartridges für das Evercade, Neuauflagen alter Spiele für Retrokonsolen – im Moment kann „The Eye of Typhoon: Anniversary Edition“ für das 3DO vorbestellt werden – und Spiele, die mit Hilfe des NESmakers programmiert wurden, die auch bei itch.io käuflich zu erwerben sind. Die PC-Engine-/ TurboGrafX-Spiele stammen von Masaya/ NCS Corporation.

Eigene Spiele hinzufügen

Legt man eine CD oder eine Cartridge von damaligen Veröffentlichungen in das Polymega ein, gleicht die Konsole die Daten mit der Datenbank ab und zeigt einem das entsprechende Spiel an. Nun kann man das Spiel entweder direkt starten oder man kopiert es auf die Konsole. Während des Kopiervorgangs kann das Spiel schon gestartet und gespielt werden. Sollte man das Spiel ohne Kopiervorgang starten, wird trotzdem der ganze Inhalt ausgelesen und kann so im Nachhinein zügig installiert werden. Da das CD-ROM Laufwerk recht laut beim Einlesen der Daten ist, sollten die Spiele früher oder später installiert werden. Ist das Spiel einmal installiert, wird die CD oder die Cartridge nicht mehr benötigt und können sicher aufbewahrt werden.

Funktionieren Neuauflagen von CD-Spielen wie von Strictly Limited oder Limited Run ohne Probleme, so hatte ich bei Cartridge-Neuauflagen bisher kein Glück, obwohl mit der Firmware 1.1.18 das Auslesen von Modulen, die nicht in der Datenbank erscheinen oder von dieser nicht erkannt werden, ermöglicht wurde. Hat man so ein Spiel eingelegt, zeigt das Menü ein unbekanntes Spiel an und ermöglicht es, den Namen des Spiels einzugeben oder mit Hilfe der Suche doch aus der Datenbank zu übernehmen.

Um die richtige Emulation nutzen zu können, muss zusätzlich die Modulregion (Japan und Asien, Nordamerika, Europa) ausgewählt werden, danach sollte das Spiel eigentlich installiert und/ oder gestartet werden können. Leider blieb die Konsole bei den Neuauflagen von Shadow of the Ninja und Metalstorm ohne Funktion, wahrscheinlich weil diese nicht der Norm alter Cartridges entsprechen. Multigame-Module, egal ob alt oder neu, funktionieren ebenso wenig, ausgenommen sie tauchen in der Datenbank auf. Während Super Mario Bros. mit Duck Hunt kein Problem war, funktionierte Super Mario Bros., Tetris und Nintendo World Cup auf einem Modul nicht. Um Raubkopien zu verhindern, werden auch keine Everdrive- oder ähnliche Cartridges unterstützt. Sollte das Modul funktionieren, kann mit Hilfe eines Screenshots, welches über das Polymega-Menü zu jeder Zeit in einem Spiel angefertigt werden kann, ein passendes Cover hinterlegt werden.


So sieht das Infoblatt zu Kirby’s Adventure aus

Emulation

Da es sich bei Polymega um eine reine Emulationskonsole handelt, werden alle Spiele nur mit Hilfe von Emulatoren ausgeführt. Sie unterstützt nur original CDs und Cartridges. Es werden keine ROMs oder CD-Abbilder unterstützt und können somit auch nicht ausgeführt werden. Die installierten Spiele liegen nicht als einzelne Images auf dem Speicher und können nicht anders verwendet werden als auf einer Polymega-Konsole.
Vorteile einer Emulation sind, unter anderem, die einfache Anpassungsmöglichkeit der Software, um zum Beispiel neue Funktionen hinzuzufügen, die unter der Original-Hardware nicht möglich waren. So ist bei einer Emulation oftmals die Bild- und Tonqualität besser, da diese nun digital verarbeitet oder durch zusätzliche Filter ergänzt werden können. Auch die Benutzerfreundlichkeit kann zum Beispiel durch Anlegen von Savestates deutlich verbessert werden, da Spiele so etwas leichter durchgespielt werden können.
Nachteile einer Emulation sind eine hohe Rechenlast auf dem emulierenden System und Spiele, die deutlich schneller oder langsamer ablaufen als auf der Original-Hardware. Um dies zu verhindern, muss die Software gut für die Emulation angepasst werden.

Polymega benutzt eine proprietäre, auf Linux basierte, Benutzeroberfläche mit dem Codenamen Richter, das von mehreren lizensierten Emulatoren unterstützt wird. So befinden sich Versionen von den Spezialisten Mednafen, Mesen, Kega Fusion, die vom Original Author Steve Snake auf 64-Bit portiert wurde, und MAME mit zusätzlichen Anpassungen und Fehlerbehebungen, eine eigene CD-BIOS-Entwicklung, einen Ersatz für den Neo Geo CD Soundchip YM2610 von Yamaha, auf der Konsole.

Probe aufs Exempel

Vor dem Starten eines Spiels kann ein passender Patch, der auf der SD-Karte oder angeschlossen USB-Laufwerk im Ordner Patch abgespeichert sein muss, ein ROM-Hack installiert werden. So können zum Beispiel Fan-Übersetzungen oder bessere HD-Optik ohne Probleme dem Spiel hinzugepatcht werden. Alle Spiele können auf zwei unterschiedliche Arten gestartet werden. Entweder im klassischen oder im neuen Spiel-Modus. Während beim Klassik-Modus die Spiele so gespielt werden, wie auf einer Originalkonsole, also nur speichern an den vorgesehenen Stellen oder mit mit Hilfe von Passwörtern das Spiel fortgesetzt werden kann, kann im Neues Spiel starten-Modus an jeder Stelle des Spiels über das Polymega-Menü gespeichert werden.

Da mir die schlechte Qualität der PlayStation Mini noch immer im Gedächtnis ist und frühe 3D-Grafik heute meistens nicht mehr gut aussieht, habe ich mit einem PlayStation-Spiel angefangen. Da ich keine der vorinstallierten Spiele der PlayStation Mini besitze, kann ich nur die allgemeine Technik vergleichen und da liegen Welten zwischen. Während die meisten Spiele auf der PlayStation Mini unscharf und nicht besonders gut emuliert (ruckeln, flimmern) wirken, ist es auf Polymega das genaue Gegenteil. Für PlayStation Verhältnisse sieht die Grafik gut aus und wird wunderbar hochgerendert.


Viper PS1 Ingame

Viel mehr kann man aus alter Polygongrafik nicht herausholen. Auch bei den anderen Plattformen sind die Spiele sehr gut emuliert und funktionieren, wie sie sollten. Selbst Sega Saturn Spiele, mit Tomb Raider und Digital Pinball getestet, funktionieren sehr gut, was bisher kaum einem Emulator wirklich gelungen ist. Bei The Secret of Monkey Island auf Sega CD, hatte ich allerdings ein paar kleinere Musikaussetzer. Spiele für NES sahen selten so gut aus. Es macht einfach Spaß, die alten Spiele an einem großen HDMI-Fernseher zu spielen, ohne sich um Einstellungen kümmern zu müssen. Dazu tragen auch die verwendbaren Filter bei.

Darstellungsoptionen und Filter

Die Standarddarstellung beträgt 1920 x 1080 Pixel bei 60 Hz. Wer einen passenden Fernseher besitzt, kann auch 1080p mit 120 Hz verwenden. Hat man ein Spiel gestartet, gibt es im Home-Menu unter virtuellen Bildschirm weitere Anpassungsmöglichkeiten, die unterschiedliche Filter und andere Auflösungen mit sich bringen. So gibt es allein für die 1080p-Auflösung neun verschiedene Filter, die unterschiedliche Eigenschaften besitzen und nicht justiert werden können. So kann im Original 4:3 Format, mit oder ohne Zoom oder im gestreckten 16:9 Vollformat, alles wird auf die volle Bildschirmgröße gestreckt, gespielt werden.


Alle neun Filter bei 1080p und 4:3

Selbst der CRT-Filter mit Unschärfe und Krümmung sieht sehr gut aus. Für 8-Bit Spiele, aber nicht nur, lohnt sich auch der Game Boy Filter, der einen fantastischen Job macht. Wer mal wissen möchte wie Spiele am Virtual Boy hätten aussehen können, für diejenigen gibt es den VB-Filter. Hinzu kommen nochmals die gleichen Filter für eine Auflösung mit 720p, allerdings ohne GB- und VB-Filter. Leider haben die eingesetzten Filter keinerlei Auswirkung bei Anfertigen von Screenshots bei mir gehabt. Egal welcher Filter eingeschaltet war, ich habe immer das Original 4:3 Bild als Screenshot erhalten.

Joypads

Das mitgelieferte Joypad von der Basisstation ist relativ leicht, besitzt dennoch von Spielen kaum unterstütze Vibratoren, da nur wenige Spiele aus dieser Ära schon Rumble-Feature anboten. Von den emulierten Konsolen dürfte es sogar nur von Sony‘s PlayStation mit der Einführung des DualShock-Controllers 1997/ 1998, zusammen mit dem ersten Gran Turismo, unterstützt werden. Beim vorinstallierten Spiel Viper aus der PS1 Ära bemerkt man ein leichtes Vibrieren, wenn man zum Beispiel gegen eine Hauswand fliegt, heutzutage nichts Besonderes mehr, erhöht aber das Retrofeeling. Im Menü kann das Vibrieren abgeschaltet werden, sollte es einem nicht zusagen.

Der Polymega Controller gleicht dem Google Stadia Controller, der sich an den PlayStation Controller orientierte. Anstatt Knöpfe für Screenshot aufnehmen und Google Assistant besitzt der Polymega Controller zusätzliche Tasten für Turbofunktionen (Turbo und Clear) wie mancher Originalcontroller.

Leider wird nirgends angezeigt, wie lange der Akku des Controllers noch durchhält, so dass irgendwann die Verbindung einfach abbricht. Die Spieldauer mit einer Akkuladung kann ich leider nicht genau angeben, da ich die Zeiten nicht gestoppt habe. Sie ist aber deutlich länger als bei einem PlayStation 4 oder 5 Controller.

Während die Analog-Sticks und die Knöpfe ordentlich sind, dachte ich anfangs, dass das D-Pad nicht besonders gut ist, da es sehr schwerfällig ist. Beim Spielen hat es sich aber nur halb bewahrheitet, denn für Spiele, die einzelne Steuereingaben bevorzugen, entpuppte sich das D-Pad als sehr präzise.

Anders verhält es sich bei Spielen wie Tomb Raider für Sega Saturn. Mit der Panzersteuerung von Lara Croft ist es nicht so einfach dort hinzukommen, wohin man möchte. Auch eine Konfiguration der Knöpfe für eine bessere Steuerung der einzelnen Konsolen, noch besser je Spiel, ist nicht vorgesehen, so dass immer das vorgegebene Steuerknopfschema übernommen werden muss. Das kann manchmal zur Verwirrung führen, da andere Knöpfe, zum Beispiel L1 anstatt C, gedrückt werden müssen, als im Spiel angegeben werden.
Standardmäßig werden alle Spiele mit dem D-Pad gesteuert. Allerdings kann im Menü bei PlayStation- oder Saturn-Spiele auf Analogsticks umgeschaltet werden. Während dies bei den PlayStation-Spielen ohne Neustart des Spiels funktioniert, müssen Saturn-Spiele erst neu starten. Leider funktioniert die Analogsteuerung nur bei Spielen, die sie auch auf der Originalkonsole unterstützten. Unterstützt das Spiel die Analogsteuerung nicht, reagiert das Spiel auf keine Eingaben mehr und die Einstellung muss rückgängig gemacht werden.

Das Polymega-NES-Pad hat ein deutlich besseres Steuerkreuz und fühlt sich einem original NES Pad sehr ähnlich an. Die Controller sind alle solide verarbeitet, aber auch nicht überdurchschnittlich gut oder schlecht.
Glücklicherweise werden andere Controller unterstützt, vor allem von den Minikonsolen mit USB-Anschluss. Laut offizieller Polymega-Seite werden folgende Controller unterstützt:

• PS1 Classic Mini-Controller (USB)
• Neo Geo Minipad
• Neo Geo X Arcade-Stick
• PC-Engine / TurboGrafx-16 Mini-2-Tasten-Controller
• Genesis/ Mega Drive Mini 3-Tasten-Controller
• Genesis/ Mega Drive Mini 6-Tasten-Controller
• SEGA / Retro-Bit Genesis Control Pad mit 8 Tasten (kabelgebundenes USB)
• SEGA / Retro-Bit Genesis Control Pad mit 8 Tasten (2,4 GHz Wireless USB)
• SEGA / Retro-Bit Sega Saturn Control Pad mit 8 Tasten (kabelgebundenes USB)
• SEGA / Retro-Bit 8 Tasten Sega Saturn Control Pad (2,4 GHz Wireless USB)
• QANBA Obsidian Tournament Fight Stick


Meine Sammlung an funktionierenden Controllern

Zusätzlich habe ich noch den Arcade Stick von 8BitDo zum Laufen gebracht, der als Polymega Controller erkannt wird. Da die 3rd-Party-Controller keine Polymega-Taste besitzen, kann das Menü über die Tastenkombination Start+Taste nach oben aufgerufen werden. Da bei den Erweiterungseinheiten immer die Originalanschlüsse der jeweiligen Konsole integriert sind, sind an den jeweiligen Modulen auch alle original und Dritthersteller Controller nutzbar.

Sollte der Wireless Controller beim Einschalten der Konsole, welche sich nur am Power-Knopf einschalten lässt, nicht bereits in Betrieb sein, verlangt die Konsole jedes Mal das Drücken nach rechts für zwei Sekunden, damit der Controller erkannt wird. Das Gleiche gilt ebenfalls für alle USB- und Original-Controller an den Erweiterungen. Original-Controller funktionieren nur an dem Erweiterungsmodul, ein Anschluss an der Basisstation mit einem USB-Adapter funktioniert leider nicht.

Die Kosten

In Europa arbeitet Playmaji mit World Wide Distribution zusammen, die auch schon den Vertrieb der Arcade1up-Automaten und der Neo Geo Neuauflagen übernommen haben. Leider fällt auch bei der Polymega-Preisgestaltung der sehr hohe Einstiegspreis negativ auf. So kostet die Base Unit allein schon 579,99 €, hinzu kommen für jedes Erweiterungsmodul 99,99 €. Folgende Erweiterungsmodule sind im Angebot:

Polymega EM01 Power Module mit Controller für NES und Famicom
Polymega EM02 Super Module mit Super Controller für SNES und Super Famicom
Polymega EM03 Mega Module mit Mega Controller für Mega Drive und Genesis
Polymega EM04 Turbo Module mit Turbo Controller für Hu-Cards

In Entwicklung befindet sich das Polymega EM05 Ultra Module, dass die Cartridges für das Nintendo 64 aufnehmen können wird.

Die zu jedem Set beiliegenden Controller sind ebenfalls einzeln zu erwerben. So kostet ein zusätzlicher Polymega Wireless Controller 79,99 €. Die Controller der Erweiterungsmodule jeweils 59,99 €.

Auch eine Light Gun (Polymega GC01 Gun Controller) kann für 159,99 € erworben werden, die extra für HDTV-Fernseher entwickelt wurde und mit allen Lightgun Shootern aus der Biliothek kompatibel sein soll. Erscheinungstermin ist für Frühling 2022 vorgesehen.

Fazit

Leider sind die Preise in Europa viel zu hoch angesetzt. Allein die Controller sind für das Preis-Leistungs-Verhältnis mindestens 10 bis 20 € zu teuer. Die Basiseinheit kostet in Amerika 50 $ weniger als eine PS5, hier 80 € mehr. Bei der Preisgestaltung kann man die Konsole eigentlich niemanden wirklich empfehlen.

Lässt man den Preis beiseite, handelt es sich hier um eine sehr gute Emulationskonsole. Die Softwareemulation funktioniert für alle Systeme sehr gut und kann mit den Originalkonsolen mithalten. Auch ein Vergleich mit Analogue‘s FPGA-Nachbauten hält die Emulation meistens stand. Auf so wenig Platz, so viele Geräte gleichzeitig nutzen zu können, hat schon etwas. Der einfache Anschluss an einen 4K-Fernseher mit einer sehr guten Bildqualität und den unterschiedlichen Filtern lässt einem das Retroherz schon höherschlagen. Vor allem der GB-Filter hinterlässt einen fantastischen Eindruck, der einem vorgaukelt, man würde vor einem riesigen Game Boy Bildschirm sitzen.

Die einzigen Schwachpunkte sind das Fehlen eines Onlinestores und die nicht komplette Unterstützung von Originalmodule. Sollte das Modul nicht in der Datenbank aufgelistet sein, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es nicht funktionieren wird, so zumindest meine Erfahrung. Auch Modul-Neuauflagen habe ich bisher nicht am Polymega starten können. Wer zufällig in Lotto gewonnen hat und groß ins Retrogaming einsteigen möchte, kann mit Polymega, in der noch sehr viel Potenzial steckt, nichts falsch machen.

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