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Game-Review: Tearaway

Die aktuelle Generation von Handhelds litt unter erheblichen Startproblemen – genauer gesagt: einem eklatanten Mangel an echten Must-Haves, die noch dazu eindrucksvoll die Fähigkeiten ihrer Plattformen präsentierten. Während Nintendo beim 3DS diese Probleme mittlerweile locker in den Griff bekommen hat, kämpft Sony wie auch schon bei der PSP weiterhin mit der Frage, wozu man die Vita denn wirklich braucht. Media Molecule gibt uns nun eine Antwort darauf: um Tearaway zu zocken!

Die Geschichte hinter Tearaway ist rasch erzählt: ein mysteriöses Wesen namens „Du“ (nämlich ihr selbst – euer Gesicht wird einfach von der Vita-Kamera eingefangen und immer wieder in die Szenerie eingebaut) ist plötzlich in der Sonne aufgetaucht. Ein Bote (wahlweise Iota oder sein weibliches Pendant Atoi) soll euch nun eine Botschaft überbringen und begibt sich deshalb in ein Abenteuer voller Kniffe und Falten. Die Welt von Tearaway wirkt nämlich, als wäre sie durch und durch aus Papier gemacht. Da regnet es Konfetti, dort lässt sich eine Blume entfalten, und hier rollen sich Brücken auf und ab. Der daraus entstehende Eindruck lässt sich wohl am besten mit „einzigartig“ sowie „bezaubernd“ beschreiben. Natürlich: Wer schon dem Charme Sackboys nicht erliegen wollte und seine Abenteuer als zu kindlich empfunden hat, dem wird wohl auch die Optik von Tearaway nicht sofort zusagen – alle anderen freuen sich allerdings über einen frischen, unverbrauchten Look.

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Frisch und unverbraucht trifft auch auf die Steuerung des Spiels zu, die die Features der Vita so richtig ausnutzt. Zwar steuert ihr den Boten mit klassischen Methoden – Stichwort Analogstick und Buttons -, doch alleine kommt unser papierener Briefträger niemals durch die Welt. Deshalb hat „Du“, also ihr, die Aufgabe, ihm zu helfen und die Levels von Tearaway zu manipulieren. So könnt ihr an passenden Stellen euren Finger über das Backpanel in das Level hineinstecken (was recht eindrucksvoll aussieht, weil die Kamera die Umgebung erfasst und so fast nicht auffällt, dass das natürlich nicht euer abgefilmter Finger ist), Trommeln zum Schwingen bringen oder auch einfach Objekte per Touchscreen auseinanderziehen. Sogar die Kamera kommt nicht nur beim Einbinden eurer Figur zum Tragen, sondern dient auch immer wieder dazu, reale Objekte in das Spiel einzubinden. Außerdem obliegt es euch, Gegenstände zu entwerfen: Gleich recht zu beginn begegnet ihr beispielsweise einem kleinen Eichhörnchen, das seine Krone sucht, die wir im flugs per Schere, Bleistift und verschiedenfarbigen Papiersorten basteln. Dabei zeigt sich leider, dass das Zeichnen per Finger dann doch dem Stylus-Input auf Nintendo-Handhelds in Sachen Präzision unterlegen ist – wer ein perfektes Ergebnis will, muss doch ein wenig Zeit investieren.

Apropos Zeit investieren: Natürlich kann man durch Tearaway einfach schnurstracks durchrennen – aber dann verpasst man das Flair, das das Spiel ausmacht, ebenso wie zahlreiche Geheimnisse und versteckte Goodies. Leider macht das Erforschen der Abschnitte aus einem Grund dann aber doch nicht so viel Spaß, wie es sollte: Die Kamera ist leider nur selten wirklich auf unserer Seite und sorgt damit für ein wenig zu viel Verwirrung und Orientierungslosigkeit in den Levels. Das ist aber nur eines der wenigen Haare in einer ansonsten schmackhaften Tearaway-Suppe.

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Review Overview

Wertung - 9

9

Tearaway ist nicht einfach ein Jump'n'Run!

Tearaway hat ein wenig gebraucht, um bei mir so richtig in die Gänge zu kommen, aber je weiter ich im Spiel voranschritt, desto schwerer fiel es mir, die Vita aus der Hand zu legen. Das liegt aber auch daran, dass man ein wenig braucht, das Spiel richtig einzuordnen - Tearaway ist nicht einfach ein Jump'n'Run (zu Beginn kann man nichtmal springen), sondern einfach ein bunter, interessanter und abwechslungsreicher Spielespaß. Ja, der Titel ist definitiv nicht perfekt und sicher auch nicht der Must-Have-Titel für jeden einzelnen Vita-Besitzer, aber es ist ein starkes Lebenszeichen auf dem Sony-Handheld und für manche wohl endlich ein Grund, das Gerät in der Sammlung zu haben. Zum Abschluss allerdings ein kleiner persönlicher Tipp: Da ihr euer Gesicht oft im Spiel erblicken werdet, stellt sicher, dass ihr auch so aussieht, wie ihr euch selbst sehen wollt - da ich das Spiel vor allem krankheitshalber im Bett gespielt habe, hat mich mein Antlitz öfter daran erinnert "Schalt endlich das Ding ab und geh schlafen …" (fs)

Pro und Con
+ starkes Vita-Lebenszeichen
+ unverbrauchte Optik
+ liebenswerte Ideen
– Kamera-Schwächen

Grafik: Der Papier-/Stop-Motion-Look gefällt all jenen, die auch Sackboy lieben.
Sound: Stimme Sprachausgabe, nette Musik – gefällt!
Handling: Das Spiel mit den diversen Möglichkeiten der Vita gefällt. Leider ist die Kamera ein wenig haklig.
Motivation: Wer das Abenteuer durch hat, jagt im Anschluss noch jede Menge versteckte Geheimnisse.

 

System: Vita
Entwickler: Media Molecule
Spieler: 1
Alter: 6+
Preis: ca. 35 Euro
Erscheint: Erhältlich
Sprache: Englisch, Deutsch
Text: Englisch, Deutsch
Genre: Jump’n’Run

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Florian Scherz

Bereits früh entwickelte Florian zwei große Leidenschaften: Videospiele und Theater. Ersteres brachte ihn zu einem Informatikstudium und zu Jobs bei consol.MEDIA und Cliffhanger Productions; zweiteres lässt ihn heute (unter anderem) als Schauspieler, Regisseur, Komponist und Lichtdesigner arbeiten. Wenn er gerade keine Musicals inszeniert, spielt oder schreibt, vermisst er auf Shock2 Videospiele von anno dazumal in seiner Blog-Reihe "Spiele, die ich vermisse".

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