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Review: Fable Anniversary

Unglaublich aber wahr: Das erste Fable erschien am 14. September 2004 und wird somit in diesem Jahr bereits 10 Jahre alt. Für Microsoft ist das ein Grund, dem Xbox Rollenspiel ein schickes HD-Update zu spendieren und für mich, in diesem Review auch ein wenig zurück zu blicken. Als ich das Spiel auf der E3 2001 damals noch als „Projekt Ego“ gesehen habe, war ich fasziniert von der Idee, das lag wohl auch am Interview mit Peter Molyneux und seiner Vision. Das drei Jahre später erschienene Game hatte davon zwar nur noch Ansätze, das reichte jedoch, um ein rundes Spielerlebnis abzuliefern, das ein Jahr darauf mit dem, nun auch Fable Anniversary zugrunde liegenden, Update Fable: The Lost Chapters noch einmal erweitert wurde.

Ich bin von anderen Spielen beeinflusst, aber hauptsächlich kommt dieser Einfluss von Fehlern, die ich bei meinen früheren Spielen gemacht habe. Ich versuche nicht konkrete Features einzubauen, sondern eher Stimmungen aus Spielen wie Zelda: Ocarina Of Time oder Ico einzufangen und wiederzubeleben. (Peter Molyneux im Interview kurz vor Release 2004)

Wer hat nicht schon einmal davon geträumt wie ein Held zu leben? Diesem Traum schienen 2004 die Entwickler von Big Blue Box Studios und Lionhead Studios in ihrem Erstlingswerk Fable nach vierjähriger Entwicklungszeit und Zusammenarbeit jedenfalls ein gutes Stück näher gekommen zu sein: Durch eine frei begehbare Welt, in der man moralischer Herr über seine Taten und Bestreiter ruhmreicher Abenteuer wird, ließ Fable damals schon im Vorfeld medial aufhorchen und wurde nun nach dreimaliger Namensänderung zu einem der ambitioniertesten RPG-Titel für die erste Xbox, doch kann das Spiel auch 2014 noch begeistern?

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Waisenknabe meets Heldeninternat
Hinter der Geschichte von Fable steckt der Grundgedanke, das gesamte Leben des Protagonisten von Kindheit an bis ins hohe Alter mitzuerleben und vor allem zu gestalten. Euer abenteuerliches Leben beginnt demnach in einem lieblich verträumten Dörflein namens Oakvale, tief in den unberührten Wäldern Albions, wo ihr schon als Kind euren Vater mit guten Taten beeindrucken müsst, um infolgedessen mit dem erworbenen Taschengeld ein Geschenk für den Geburtstag eurer Schwester kaufen zu können.

Doch die berührende Idylle währt nicht lange: Das Dorf wird von Banditen unter der Führung des gefürchteten Tyrannen Jack of Blades brutal heimgesucht und niedergebrannt. Der Vater wird getötet, Mutter und Schwester werden entführt, zurück bleibt einzig und allein der Junge, der von einem Versteck in den Wäldern aus sein Heimatdorf in einem Flammenmeer untergehen sieht.

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So schnell der Junge sich mit dem Dasein eines Vollwaisen abfinden muss, so rasch gelingt es ihm in Maze, dem Anführer der Heldengilde, einen Verbündeten zu gewinnen. Dieser war zum Schauplatz des Verbrechens geeilt und rekrutiert nun den Knaben für die Akademie der Helden, damit er sich die notwendigen Fertigkeiten zur Vergeltung aneignen kann. Nach jahrelangem Training beendet der Heldenanwärter schließlich seine Ausbildung und beschließt, sich auf die Suche nach seinen restlichen Familienmitgliedern zu machen, aber auch durch seine Taten eine Legende in Albion zu werden.

Die Abenteuer in Albion
Aus dem Training des Gildenmeisters entlassen, steht unser Mann der Tat nun vor der großen Karte Albions in der Eingangshalle der Heldengilde und hat im Verlauf des Spiels die Wahl, diverse Aufträge in Form von so genannten Quest-Cards anzunehmen. Diese Abenteuer unterscheiden sich dabei insofern voneinander, als dass es Side- und Mainquest-Cards gibt: Während erstere zusätzliche Prämien, Ansehen und Erfahrung einbringen können, sind letztere verpflichtend und treiben darüber hinaus die Haupthandlung voran. Besonders waghalsige Abenteurer können sich das Leben erschweren, indem sie zusätzliche Bedingungen an die Erfüllung einer Mission knüpfen, womit sie aber wiederum auch mehr Belohnung einsacken.

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Ist ein Auftrag einmal angenommen, so begibt sich der Held zu Fuß, später auch per Teleporter, in die Nähe des gefragten Schauplatzes. Als Orientierungshilfe dient im gesamten Spiel ein Radar, der neben der Position des Helden auch den Standort von interessanten Gegenständen bzw. Personen sowie die Wege zu den Quests farblich markiert. Wenn das Ziel einer Quest-Card dann letztendlich erreicht ist, gibt es die redlich verdiente Belohnung, und man macht sich wieder zur Heldengilde auf, um sich vom Kampf zu erholen und sich der nächsten Aufgabe zu stellen.

Die geografisch abwechslungsreiche Welt von Albion offenbart sich dabei aus der Third-Person-Perspektive und ist in übersichtlich gehaltene Sektoren unterteilt, die der Spieler wie Räume betritt und verlässt. Darin stößt der Held nicht nur auf ein gefährliches Ensemble, das von Banditen über Orks und Untoten bis hin zu Riesenskorpionen und ähnlichem Ungetümen reicht, sondern auch auf Fässer und Kisten, in denen sich wertvolle Ausrüstungsgegenstände wie etwa Tränke, Nahrung oder Bekleidung finden. Gelegentlich trifft man in Albion auch auf geheimnisvolle Demon Doors, von Geisterhand verriegelte Steintore, hinter denen sich nach dem Lösen kleinerer Kopfnüsse besonders kostbare Gegenstände befinden.

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Lehrjahre sind keine Herrenjahre
Das actiongeladene Kampfsystem von Fable erweist sich als einfach und doch variantenreich zugleich: Mit X wird wahlweise von Hieb- oder Schusswaffe Gebrauch gemacht, nachdem man mit dem L-Trigger idealerweise den Gegner anvisiert hat. Mit Y geht der Held in Deckung oder rollt sich ab und mit B kann man einen Kraftschlag ausführen, wenn vorher genügend Treffer am Gegenüber platziert wurden. Hält man den R-Trigger gedrückt, sind A, B, X und Y mit frei konfigurierbaren Zaubern belegt, die in Kombination mit Waffengewalt eine tödliche Lawine auf den Feind lostreten. Um im Kampf nicht vorzeitig das Zeitliche zu segnen, versorgt sich der Held über das digitale Steuerkreuz auch mit Gegenständen aus dem Inventar.

Hat man trotz allem noch das Gefühl, alleine nicht zurechtzukommen, kann man an bestimmten Stellen im Spiel sogar Söldner anheuern, die bei den Aufträgen Schützenhilfe leisten. Wie bei Rollenspielen üblich, besteht auch bei Fable ein wesentlicher Bestandteil für die Entwicklung des Charakters im Sammeln von Erfahrungspunkten, welche von getöteten Gegnern zunächst in Form grüner Orbs absorbiert werden müssen. Weiters beeinflusst aber auch das Kampfgeschick den Grad an Erfahrung: Landen die Gegner im Kampf keinen Treffer, erhöht sich der Punktemultiplikator, der die absorbierten Erfahrungs-Orbs nach dem Kampf um ein Vielfaches erhöht. Darüber hinaus gibt es zusätzliche Punkte für die Kategorien Stärke, Geschicklichkeit und Magie, je nachdem, welche dieser Fähigkeiten im Kampf zum Einsatz gekommen sind. In der Heldengilde können mit den Erfahrungspunkten die oben genannten Kategorien des Helden immer wieder verbessert oder es kann ein neuer Zauberspruch erlernt werden.

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Eine weitere faszinierende Eigenschaft von Fable besteht darin, dass der Spieler seine Moral ins Spiel einfließen lassen und dadurch die Handlung – wenn auch nur in einem gewissen Rahmen – verändern kann: So entwickelt sich der Hauptcharakter im Lauf des Spiels entweder zum ehrenhaften, pflichtbewussten Edelritter mit Heiligenschein oder zum gefürchteten Inbegriff des Tyrannen mit Teufelshörnern. Welche Richtung der Held einschlägt, hängt in der Praxis davon ab, ob er in gewissen Schlüsselstellen der Haupthandlung Personen am Leben lässt oder tötet, und wie er sich auch fernab der Quests zu den auffallend interaktiven Bewohnern Albions verhält. Raubt, mordet und randaliert der Protagonist beispielsweise in ganz Albion, so kann er der Verfolgung der Stadtwachen zwar durch saftige Strafen entgehen, die moralischen Übeltaten bleiben aber nichtsdestotrotz registriert und rücken ihn ein Stück näher zur Macht des Bösen.

Normaler Heldenalltag
Und was macht bitte ein Held, wenn er mal nicht gerade mitten in irgendeinem verzwickten Abenteuer steckt? Antworten auf diese Frage lassen sich in Fable massenweise finden und nehmen einen beträchtlichen Teil des gesamten Spiels ein. Bei einem Aufenthalt in der nächstgelegenen Kneipe beispielsweise kann sich der Held im wahrsten Sinne des Wortes bis zum Erbrechen dem leiblichen Wohl hingeben, was sich allerdings negativ an seiner Statur bemerkbar machen wird. Er kann in Tavernen aber auch auf Brautschau gehen, sein Vermögen bei Glücksspielen aus dem Fenster werfen oder mit Händlern um Waren feilschen. Langweilig? Wie wäre es dann gleich mit einer ordentlichen Massenschlägerei, zu der ein Barde von den glorreichen Taten des Abenteurers singt? Oder will man sich vielleicht doch besser im neulich erstandenen Eigenheim zur Ruhe setzen und sein Glück mit entspannendem Angeln versuchen? Modebewusste Helden gönnen sich in ihren Verschnaufpausen jedenfalls einen Besuch beim Friseur oder Tätowierer, der sie mittels entsprechender Karten gleich zu einem lebenden Kunstwerk macht.

Aus diesen und noch weiteren Handlungsmöglichkeiten sollte ersichtlich sein, dass Fable fernab der Quests noch unglaublich viel Spieltiefe besitzt und alles andere als langweilig ist. Darüber hinaus fällt nach dem Abspann nicht der Vorhang, denn durch das offene Ende besteht die Möglichkeit, weiterhin an seinem Werdegang zu feilen.

Den Minecraft Hut gibt es zum Release als kostenlosen DLC!
Den Minecraft Hut gibt es zum Release als kostenlosen DLC!

Technisch hat man sich mit dem HD-Remake bemüht, was vor allem den Charaktermodellen zugute kommt. Primär in den Zwischensequenzen aber auch im Gesamteindruck merkt man aber, dass es sich hier um einen gelungenen Port, jedoch kein natives Xbox 360-Spiel handelt. Generell hätte dem Spiel wahrscheinlich, trotz Verschiebungen ein weiteres halbes Jahr  Entwicklungszeit gut getan, gerade im späteren Spielverlauf gibt es einige Schnitzer. Schon im Original ein Genus war und ist die Soundkulisse inklusive dem Soundtrack, der von Russel Shaw und dem Filmkomponisten Danny Elfman (Die Simpsons, Batman, Alice im Wunderland,…) geschrieben wurde.

Fable: Anniversary hat Smartglass-Unterstützung.
Fable: Anniversary hat Smartglass-Unterstützung.

Als gelungener Zusatz entpupt sich die Smartglass-Unterstützung. Auf eurem Tablet (iOS, Android oder Windows) bekommt ihr wären des Spiels zahlreiche Zusatzinfos, Karten, Tipps oder auch Grafikvergleiche mit der Originalversion angezeigt. Kein Muss, aber für alle die sich richtig auf die Spielwelt einlassen möchten eine schöne Ergänzung.

Review Overview

Wertung - 8

8

Zeitreise ins Jahr 2004

Ich hatte viel Spaß, nach 10 Jahren erneut in die Welt des ersten Fable-Abenteuer einzutauchen. Dank der Umsetzung der erweiterten „The Lost Capters“-Version gibt es hier noch mehr Abwechslung, Quests, Waffen und natürlich auch das legendäre Bordell am Rande von Darkwood, das darüber hinaus auch noch den Arbeitsmarkt ... erweitert. Aber auch der herrliche britische Humor, der nicht nur entfernt an Terry Pratchett erinnert, fesselte mich wieder für etliche Stunden vor die Konsole. Natürlich ist die Zeit nicht stehen geblieben und schon der Nachfolger Fable 2 gefällt mir, dank vieler Verbesserungen, noch deutlich besser. Spielenswert ist das HD-Remake jedoch auf jeden Fall und wer damals noch nicht mit dabei war, kann ein sehr schönes Rollenspiel für sich entdecken.

fableSystem: Xbox360
Entwickler: Lionhead Studios
Genre: Rollenspiel
Spieler: 1
Preis: ca. 40 Euro
Alter: 16+

 

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