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Ersteindruck: Die Siedler (Hands-on)

Veni, vidi ... vici?

Kaum zu glauben, aber wahr: Es ist bald 30 Jahre her, seit Die Siedler auf dem Amiga Premiere feierte. Erstmals huschten kleine Wuselmännchen von Flagge zu Flagge, produzierten und transportierten Waren und schlugen sich schlussendlich im Kampf um den Sieg die Köpfe ein – ein Spielprinzip, das zum Hit wurde. Die Geschichte der Reihe ist allerdings leider wechselvoll: Die Siedler II war (mit einer leichten Erweiterung des Original-Gameplays) ein großer Erfolg, spätere Teile versuchten das Spielprinzip zu modernisieren und auch außerhalb des deutschsprachigen Raums zum Hit zu machen, was nicht nur die Fanbase, sondern kurzzeitig auch die Serie selbst in eine Traditions- und Evolutionsreihe spaltete und auch spielerisch nicht immer wie erwartet aufging. Das Resultat? Während die oftmals von Fans als Konkurrenzserie hochstilisierte ANNO-Reihe florierte, war es die letzten Jahre ruhig um Die Siedler. Jetzt ist die Ruhe allerdings vorbei: Am 17. März soll Die Siedler in den Handel kommen. Wir durften bereits jetzt lossiedeln.

Wie hältst du’s mit der Tradition, Siedler?

Der achte Hauptlinienteil, der allerdings ganz im Reboot-Stil nur Die Siedler genannt wird, trägt – wie der erste Absatz beweist – sowohl große Tradition und Erwartungen, aber auch ein kompliziertes Erbe mit sich. Zu unterschiedlich spielten sich die diversen Teile der Reihe – und schon damals waren sich die Fans nicht immer einig, was nun ein würdiger Siedler-Eintrag war oder eben nicht. Die gute Nachricht: Die Siedler erspart sich in dieser Iteration allzu wilde Gameplayideen und konzentriert sich auf den ersten Blick vor allem auf das, was wir mit dem klassischen Spielprinzip verbinden: Das Aufbauen von funktionierenden Warenkreisläufen samt umherwuselnden Siedlern. Da werden Bäume gefällt, Steine abgebaut und daraus neue Gebäude errichtet; aus diversen Quellen (und zum Teil über mehrere Handwerker hinweg) Nahrung produziert; aus den Minen kommt Erz, das dann wieder zu Waffen, Werkzeugen oder Münzen verarbeitet wird, mit deren Hilfe das Heer eures Volkes aufgebaut wird. Ein Rädchen greift ins andere und ein Ausfall an einer Stelle kann euer Vorankommen an ganz anderer Stelle ins Stocken bringen. Ja, das fühlt sich schon jetzt wie Die Siedler von damals an, auch wenn einige Details anders funktionieren und diverse Auslassungen („Wo ist mein Förster hin?“) zunächst Fans von einst irritieren.

Diese Vertrautheit liegt daran, dass sich die Entwickler vor allem an zwei Klassikern der Reihe orientieren: Das große Vorbild war eindeutig Die Siedler III, inklusive seinem komplexeren, direkt gesteuerten Militärwesen und der Notwendigkeit, über Wohnhäuser neue Siedler für euer Volk freizuschalten. Andererseits gibt es aber auch ein Zugeständnis an all jene, die es noch klassischer wollen: Der Wegbau ist zurück, auch wenn er sich völlig anders gibt als anno dazumal. Es gilt nicht mehr, lange Wege optimal mit Flaggen in Einzelteile zu unterteilen, zwischen denen ein Träger pendelt und so einen Waren-Staffellauf in Gang setzt. Nein, ähnlich wie im dritten Teil ist ein Träger für die gesamte Wegstrecke von Gebäude zu Gebäude zuständig, aber anstatt dabei querfeldein zu gehen und eventuell einen Trampelpfad anzulegen, folgen eure Siedler jetzt jenen Straßen, die ihr für sie errichtet. Das sorgt bei Siedler-Veteranen für Nostalgie – und Optimierungspotenzial, da ihr natürlich die passenden Wege und gerade bei viel bereisten Strecken auch bessere Straßenqualitäten auspacken könnt. Völlig rund fühlt es sich dennoch noch nicht an: Da dennoch erst wieder auf freie Träger gewartet werden muss und dadurch ein perfektes Wegnetz weniger wichtig ist als möglichst kurze Distanzen zu Warendepots, hätte es die freie Wegfindung (bislang) auch getan.

Ein Hauch Erbe der Könige

Die klassischen Siedler-Teil hatten eines gemeinsam: Zwar waren die militärischen Eroberungsfeldzüge unausweichlich, aber die eigentliche Kriegsführung (in den ersten zwei Teilen noch indirekt gesteuert) eher behäbig und langatmig. Die Siedler wertet den militärischen Aspekt allerdings deutlich auf und wagt so den Spagat zwischen Aufbau- und Echtzeitstrategiespiel. Eure Armeen bewegen sich deutlich flotter über die Maps, die Gegner versuchen sich schon früh an Angriffen und wenn ihr nicht aufpasst, ist eine Partie schneller vorbei, als ihr vielleicht dachtet. Mit nur einer Handvoll Einheitenarten (drei „normale“ Einheiten (von denen eine Fraktionsspezifisch ist) aus dem Trainingszentrum, Belagerungseinheiten aus den Tavernen und Support Units aus den Schreinen) sowie diversen Türmen, die der Verteidigung dienen, bleibt der Echtzeitteil trotzdem übersichtlich. Neben all diesen militärischen Einheiten gibt es aber auch eine zivile Einheit, die manuell gesteuert werden kann. Der Engineer ist nicht nur für das Bauen von Gebäuden und Straßen gut (hier wird er automatisch zugeteilt, so er nichts anderes zu tun hat), sondern kann auch eure Grenzen erweitern, Felsgegenden nach Rohstoffvorkommen für Minen absuchen und hilft auch beim Erfüllen von Bedingungen von Herausforderungen, die euch diverse Boni verschaffen können.

Wir sehen, was wir nicht sehen

Die Version, die wir anspielen konnten, deckt sich mit der kommenden Closed Beta (siehe Kasten) und konzentriert sich nur auf einen kleineren Bereich des Spiels: Neben drei Tutorials konnten wir auch Skirmish-Matches eins gegen eins sowie zwei gegen zwei (wahlweise gegen menschliche oder Computergegner) auf jeweils einer Map anspielen. Von den drei Fraktionen (den Bauern und Handwerkern der Elari, den naturliebenden Maru und den kriegerischen Jorn) konnten wir nur die ersten beiden ausprobieren – sie unterscheiden sich vor allem im Look, aber auch in den spezifischen Einheiten und den Gebäudekosten, ohne dass jetzt schon größere Balancing-Probleme aufgefallen wären. Einiges blieb in unserer Version allerdings ausgegraut: So fehlten noch die übrigen Tutorials, der 4 vs 4-Skirmish-Modus, die Onslaught-Variante (Skirmish-Matches mit gewissen vorgegebenen Bedingungen) und natürlich die Kampagne, die einmal mehr die Geschichte eines Volks erzählt, das eine Reise ins Unbekannte antreten muss.

Closed Beta

Falls euch unser Artikel auf den Geschmack gebracht hat, könnt ihr dieselbe Version, die wir antesten konnten, ebenfalls ausprobieren: Von 20. bis 24.01. findet eine Closed Beta statt, für die ihr euch auf thesettlers.com anmelden könnt.

Ersteindruck

Ich bin langjähriger Die Siedler-Fan, muss aber ehrlicherweise sagen, dass mich die Reihe mit zunehmender Entwicklung verloren hat. Während ich die ersten beiden Teile noch gefeiert habe (und bis heute spiele), konnte mich schon Teil III nicht mehr so sehr begeistern und spätestens beim radikalen Stilwechsel mit Das Erbe der Könige war die Luft raus. Die Siedler (neu) lassen mich noch mit etwas geteilter Meinung zurück: Es ist schön, dass man sich auf die Stärken von damals konzentriert, der Wuselfaktor ist zurück und viele Warenketten lassen Nostalgie aufkommen; noch fühlt sich aber für mich der neue Mix nicht ganz so rund an, wie er sein könnte. Das liegt an dem stärkeren Fokus auf die Echtzeitstrategie, die das (von mir bevorzugte) gemächliche Siedeln mit den dann doch etwas hektischeren Echtzeitelementen unterbricht, aber auch daran, dass so manche Gameplayänderung noch nicht ausreichend erklärt wurde. Ich denke aber, dass die Vollversion hier helfen wird, sich besser hineinzufinden – einerseits durch mehr Tutorials, andererseits durch die Kampagne, die uns nicht gleich in ein vollwertiges Gefecht mit allen Features werfen wird. Ich bleibe gespannt – aber ob das neue Die Siedler Teil II für mich den Rang ablaufen kann, muss sich erst weisen.

Die Siedler erscheint am 17. März für Windows PC.

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  • Neben einer epischen Kampagne bietet der Titel mit dem Ansturm-Modus und zahlreichen Online-Modi zusätzliche Herausforderungen.
  • Drei spielbare Fraktionen: die Elari, die Maru und die Jorn.
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Florian Scherz

Bereits früh entwickelte Florian zwei große Leidenschaften: Videospiele und Theater. Ersteres brachte ihn zu einem Informatikstudium und zu Jobs bei consol.MEDIA und Cliffhanger Productions; zweiteres lässt ihn heute (unter anderem) als Schauspieler, Regisseur, Komponist und Lichtdesigner arbeiten. Wenn er gerade keine Musicals inszeniert, spielt oder schreibt, vermisst er auf Shock2 Videospiele von anno dazumal in seiner Blog-Reihe "Spiele, die ich vermisse".

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Notable Replies

  1. In anderen Medien wird das Spiel teils arg verrissen.
    Schade Ubisoft….

  2. Avatar for Jimmy Jimmy says:

    Ob der Wertich weiß das Ubisoft aus seinem Baby ein Casual Spiel gemacht hat? :pleading_face:

  3. Wie sollte ein aktuelles Siedler ausehen?
    Würden die alten Teile heute überhaupt jemanden interessieren, außer den Leuten die es damals schon gespielt haben?

  4. Denke ich schon.

    Schau mal wie beliebt das aktuelle Anno oder Age of Empires ist.

  5. Avatar for Jimmy Jimmy says:

    Ich lehne mich mal aus dem Fenster und behaupte das gerade in Deutschland bzw. DACH, die Nachfrage nach so einem Spiel sehr hoch ist.
    Diese Art von Spiel sind tief in der deutschen Spielekultur verankert. Ich hab Siedler am Amiga geliebt und ja ich bräuchte es wahrscheinlich auch nicht so komplex und umfangreich.
    Aber das darf ich bei so einem Spiel maximal als Komfort Feature anbieten, so das der Spieler wählen kann ob er alles haben möchte oder die entspannte „After Work“ Variante.
    Kein Förster mehr, Wälder wachsen automatisch nach. Produktionswege wurden teilweise stark verkürzt, kaum Auswahl an Völker, starker Focus auf Multiplayer… wäre wahrscheinlich genau meines, der Siedler Fan wird aber wohl enttäuscht… man wird sehen.

  6. Ich bin langjähriger Die Siedler-Fan, muss aber ehrlicherweise sagen, dass mich die Reihe mit zunehmender Entwicklung verloren hat. Während ich die ersten beiden Teile noch gefeiert habe (und bis heute spiele), konnte mich schon Teil III nicht mehr so sehr begeistern

    geht mir ähnlich, nur, dass ich teil 1 verpasst habe und von s2 sehr und 3 auch noch begeistert war.

    das interesse verloren habe ich glaub ich auch nicht nur, weil das spielprinzip verändert wurde, sondern weil generell andere genres mehr meiner aufmerksamkeit in anspruch genommen haben. die frühen 2000er waren einfach gepärgt von online-fps wie quake/3 und dem immer stärker werdenden konsolen markt. man darf ja nicht vergessen, dass der pc-spiele-sektor generell um diese zeit ein bisserl einen durchhänger hatte.

    aber ich hab mich auch schon vor ~1 woche für den siedler-beta-test registriert. bin schon neugierig, ob ihnen noch einmal ein neustart gelingt. die neuauflage von s2 (anniversary edition (?)) war ziemlich buggy und hat wenig lust aufs spielen gemacht. vlt schafft es das spiel mit aktuellem technischen fundament und guter gameplay-loop wieder meine liebe neu zu entfachen.

  7. Die aktuellen Spiele sind aber auch gut modernisiert, während man bei Siedler scheinbar lieber einfach die alten Spiele haben möchte.

  8. MMn hat sich bei Anno aber nebst der hübschen Grafik nicht viel an der Gameplay-Loop verändert. Bedürfnispyramide erfüllen. Das war schon in 1602 so.

  9. Das neue „Die Siedler“ liest sich im Artikel auch genau so: Hübsche Grafik und nicht viel am Gameplay-Loop verändert bzw. wieder zurück zu dem von Teil 1 bis 3. Bin gespannt, ob das heute noch gut ankommt.

  10. Die haben schon einiges entschlackt und vereinfacht.
    Schau dir mal das GameStar Video dazu auf YT an. Das bringt es gut auf den Punkt.

  11. vereinfacht? ich fand s2 als kleiner bub damals sehr einfach nachzuvollziehen. wüsste nicht, was man da noch vereinfachen sollte.

  12. Die Siedler 2 war damals mit Alarmstufe Rot mein 1. richtiges PC Spiel. Hab das Gameplay damals geliebt. Teil 3 war dann zwar okay, aber das wegfallen der Wege machte das Spiel sehr chaotisch… nicht selten standen dann „100e“ Siedler einfach blöd herum, weil sie alle die selben Wege benutzt haben.

    Die neueren fand ich dann alle fad bis ich die Reihe aus den Augen verloren hab.

    Das Remake vom 2er hab ich dann nochmal etwas gespielt, hab das quasi als 1:1 Umsetzung im Kopf, hat mir deswegen auch gut gefallen. Aber die Reihe danach irgendwie direkt wieder aus den Augen verloren und es wirkt nicht gerade so als ob das neue daran was ändern würde…

  13. Das Video von Gamestar zeigt deutlich, dass es vom Gameplay doch weit weg von den alten Siedler-Teilen ist. Hat man vom Artikel hier nicht so herausgelesen oder auf den Screenshots gesehen.
    Noch dazu kursieren ja auch noch alte Videos in Gameplay-Grafik die für Verwirrung sorgen.

    Und das der „Erfinder“ auch nicht mehr an Board ist, sagt dann doch schon alles. :sweat_smile:

  14. Avatar for SHOCK SHOCK says:

    wir werde im Podcast drauf eingehen auch warum Artikel ausßerhalb des deutsprachigen Raums deutlich positiver sind.

    Ja, wobei von dem stammt auch zuletzt Sielder DS und bei Siedler II (was für viele der beste Teil ist) war er nicht dabei.

    Aber ja schau nach Casual Anbiederung aus und dem endgültigen Ende von Siedler. Alles weitere im Podcast wird sehr ausführlich. Daneben hab ich mit @Jokus gleich auch Book of Boba Fett zerlegt,

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