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Dirks wunderbares Retroeck (Nummer 4)

Willkommen zur vierten wunderbaren Retroeck Ausgabe. Auch dieses Mal geht es wieder um neue alte Spiele für und vom Amiga, ebenso für Atari XL/XE, neue Hardware für C64 und Amiga, und etwas Neues von Commodore, sowie über einen Atari, der bereits seit 35 Jahren im Einsatz ist. Los geht’s mit der vierten Ausgabe:

Software

Neue ScummVM Version unterstützt nun auch Spiele in 2.5D

ScummVM steht für Script creation utillity for maniac mansion-Virtual Machine und sollte Spiele auf Basis der Scriptsprache SCUMM, welches extra für Maniac Mansion von LucasArts Games entwickelt wurde, auf modernen Rechnern wieder zum Laufen bringen. Die Spiele werden nicht emuliert, sondern die ausführbaren Dateien der alten Spiele werden von den Entwicklern neu aufbereitet und so auf andere als das ursprünglich angedachte Betriebssystem zum Laufen gebracht.

Das erste Spiel, welches unterstützt wurde, war The Secret of Monkey Island 2. Seitdem sind nicht nur alle Adventures von LucasArts hinzugekommen, sondern auch viele Spiele anderer Hersteller, wie Adventure Soft, Revolution Software oder Sierra Entertainment. Mittlerweile werden über 300 Spiele auf der ScummVM-Webseite gelistet, die teilweise auch kostenlos von der Seite heruntergeladen werden können.

Die aktuellen Entwickler ließen es sich nicht nehmen zum Jubiläum eine neue Version von ScummVM zu veröffentlichen, die nun weitere Spiele ausführen kann. Passend zur Version 2.5.0 werden nun auch Spiele in 2.5D Grafik unterstützt, dazu zählen Spiele wie „Grim Fandango“, „The Longest Journey“, „Myst 3 – Exile“, „Little Big Adventure“ oder „Crusader – No Remorse“.

Neben den neuen Spielen bringt ScummVM 2.5.0 Verbesserungen und neue Funktionen. Die GUI wurde überarbeitet und unterstützt nun überall Unicode-Zeichen und hohe Auflösungen. Außerdem wurde der Nintendo DS-Port grundlegend umgeschrieben.

ScummVM 2.5.0 ist für Windows, verschiedene Linux-Distributionen, MacOS, PSP und Vita, Android, iOS, Dreamcast, Nintendo Switch, Wii und DS, AmigaOS 4 und MorpOS, als auch für Atari/ FreeMINT erschienen. Ältere ScummVM-Versionen sind unter anderem auch für Ouya, PlayStation 3 oder Raspberry Pi erschienen.

Alte Spiele neu veröffentlicht

Wonder Boy Arcade erscheint für Amiga

1986 erschien das erste Wonder Boy von Sega in der Spielhalle. Das Spiel wurde etwas später von Sega selbst auf das SG-1000, Master System und für das Game Gear umgesetzt. Für die Heimcomputer C64, ZX Spectrum und den Amstrad (Schneider) CPC übernahm Activision die Konvertierungen.

Nun, 25 Jahre später, ist eine Konvertierung von acidbottle für den Amiga 500 mit wahrscheinlich 1MB RAM geplant. Wenn alles glatt laufen sollte, ist Wonder Boy für den Entwicklerwettbewerb auf der Amigamejam 2022 vorgesehen. Die Spiele müssen bis zum 1. Februar 2022 eingereicht werden, um teilnehmen zu dürfen.

Laut dem English Amiga Board sind die ersten vier Level fast abgeschlossen, es fehlt nur noch ein wenig die Feinabstimmung. Musik wurde von saimon69 umgesetzt und ins Spiel integriert. Das Spiel soll in 32 Farben daherkommen und mindestens sechs der acht Welten aus dem Automaten besitzen. Hergestellt wird Wonder Boy mit der Scorpion-Engine von earok, welche mittlerweile immer häufiger bei der Entwicklung von Amiga-Spielen benutzt wird, zusammen mit Aseprite und PPaint.

Prince of Persia für AtariXL/XE umgesetzt

Jordan Mechner entwickelte 1989 das erste Prince of Persia als Jump’n’Run für den Apple II für Broderbund, welches später auf zahlreiche Plattformen konvertiert wurde. Nun ist ein Port für den Atari XL/XE von rensoup erschienen, welcher auf den Port des BBC Master basiert. Alle Spielanimationen und Zwischensequenzen wurden von TIX implementiert und optimiert.

Der Plattformer bietet alle vierzehn Level des Originals plus einen Mystery-Bonus. Das ROM gibt es auf AtariAge für verschiedene Medien, sowohl Disketten als auch Cartridges mit mindestens 256KB werden unterstützt.

Wer mal wieder das Titellied hören möchte, sollte sich die fantastische Konvertierung von VinsCool aus der Atari XL/XE Version nicht entgehen lassen.

Hardware

FPGA-Ersatz für 6502 CPU

Da immer mehr alte Bauteile in unseren liebgewonnenen Heimcomputern der 1980er und 90er Jahre das zeitliche Segnen und Originalersatzteile entweder immer teurer werden oder gar nicht mehr erhältlich sind, ist es gut, dass es FPGAs gibt. FPGA steht für Field Programmable Gate Array. Mit diesen FPGAs können Originalteile durch aktuelle Chips ersetzt werden, da der Chip die Schaltpläne des Originalteils programmiert bekommt und sich somit genau wie das Original verhält.

Jürgen Müller entwickelte einen auf den XC6SLX9-FPGA von Xilinx basierenden Nachbau des MOS6502, den 65F02. Der FPGA ersetzt nicht nur den 6502-Chip, er kann auch interne Recheneinheiten deutlich schneller ausführen. Dank dem integrierten 64 KB RAM, lädt der Chip beim Einschalten des Hostsystem den kompletten RAM- und ROM-Inhalt aus und lädt ihn in den internen Speicher. Programme können dann aus dem internen RAM mit vollem 100 MHz ausgeführt werden, ohne dass das Host-Gerät diese Geschwindigkeit können muss. Normale I/O-Zugriffe gehen auf den Adress- und Datenbus mit dem Originaltakt zum Host, womit die Originalperipherie weiterhin funktioniert. Als unterstützte Geräte werden mehrere Schachcomputer und der Apple II, sowie Commodore PET bis zur 8032-Serie angegeben. Die Gerber-Files stellt Jürgen Müller kostenlos zur Verfügung auf e-basteln, wo auch weitere Informationen nachzulesen sind, zur Verfügung.

Neue Turbokarte für Amiga 1200 Tsunami 1230

Seit ein paar Wochen gibt es eine neue Turbokarten für den Amiga 1200, die Tsunami 1230 von Arananet. Wer sich ein bisschen mit Turbokarten auskennt, weiß dass es sich dabei um eine Prozessorkarte mit einem Motorola 68030 Prozessor handelt. Die Geschwindigkeit des 68EC030 beträgt 42Mhz, anstatt der originalen 40 MHz, und bietet zusätzliche 64MB Fast-RAM. Laut Hersteller ist dies die freundlichste Amiga 1200 Turbokarte, seit der Blizzard-Serie, da die Karte in allen Revisionen des Amiga 1200 ohne Einschränkungen funktionieren soll. Es müssen keine Kondensatoren angepasst werden und die PCMCIA-Schnittstelle funktioniert weiterhin problemlos. Zusätzlich befindet sich ein Expansionsport auf der Karte, für die bisher aber noch keine Erweiterungen angekündigt wurden, aber noch folgen sollen. Eine FPU kann optional angebracht werden, ein RTC-Port (Echtzeituhr) ist zwar vorhanden, aber nicht bestückt und es fehlt die Stiftleiste zum Einsetzen einer entsprechenden Real-Time-Clock.


Vergleich Tsunami 1230 mit Blizzard 1220/4

Um Kosten zu sparen, hat Motorola in den EC-Modellen ihrer CPUs keine MMU verbaut, wodurch auch kein Speicherplatz einer Festplatte als virtueller Speicher verwendet werden kann. Diese Funktion wird aber auch nur von wenigen 3D-Programmen und Spiele unterstützt. Ebenso ist es nicht möglich eine zweite Kickstart-Version auf der Karte zu installieren. Die Installation der Karte in den Amiga 1200 funktioniert problemlos und wird auch sofort vom Rechner erkannt. Bei einer alten AmigaOS-Installation ohne 68030-Prozessor, kann aber eine nachträgliche Installation der passenden „Treiber“ von Nöten sein, damit die Karte auch wirklich einwandfrei funktioniert. Bei einer Neuinstallation des Betriebssystems wird die Karte erkannt und alle benötigten Dateien mitinstalliert. Ein erster Test in meinem System, ich hatte vorher nur eine Blizzard 1220/4 mit 28 MHz und 4MB RAM, lässt 3D-Spiele deutlich flüssiger und in höherer Auflösung laufen. Auf dem a1k-Forum gibt es ein paar passende Benchmarks zur Karte im direkten Vergleich ähnlicher Karten, die aber allesamt teurer, da auch mehr Hardware verbaut wurde, sind.

Bei Alinea Computer wird die Tsunami 1230 Turbokarte für 209 Euro angeboten, wer möchte kann für 9,99 Euro den 68882 Sockel für eine FPU direkt installieren lassen.

Mein Fazit zur Karte ist im allem sehr positiv. Endlich einen echten 68030-Prozessor mit echten 40MHz und 64MB RAM zum Preis von 199 Euro. Mir fehlt zwar die RTC, so dass ich bei jedem einschalten das Datum ändern darf, für die Spieleleistung aber allemal das Geld wert ist. Sollte der Expansionsport noch mit sinnvollen Erweiterungen bestückt werden können, um so besser.

Commodore is back

Das war es auch schon mit den guten Nachrichten, denn die Firma KSR Group hat die Namensrechte an Commodore für ihre Saugroboter mit Wischfunktion wiederbelebt. Sie Vergleichen in ihrer Pressemitteilung die Saugroboter (CVR 100, CVR 200 und CVR 300) mit dem C64, der zu seiner Zeit als Pionier vorausging und mit fairen Preisen und einfacher Bedienung vielen Menschen einen einfachen Einstieg in die damals noch für viele unbekannte Computerwelt ermöglichte.

Diese Eigenschaften sollen nun auch die drei Saugroboter mit Wischfunktion im Bereich der Smart Home und Haushaltrobotik gerecht werden. Ohne ein Urteil über die Geräte fällen zu wollen, muss man dafür wirklich den Namen Commodore verwenden. Junge Leute können im Normalfall mit dem Firmennamen nichts mehr anfangen und mir graut es einen Saugroboter zu erwerben, der Commodore heißt. Vielleicht werde ich auch nur alt?

Aus dem Bereich Kurioses

Atari 1040ST läuft seit 35 Jahren

Auf einem Campingplatz in den Niederlanden wird seit 1986 ein Atari 1040ST zum Verwalten der Reservierungen von Plätzen verwendet. Wie der YouTuber Victor Bart in seinem Video berichtet, benutzt der Betreiber des Campingplatzes Böhmerwald, Frans Bos, den Atari 1040ST mit einer selbst geschriebenen Software noch immer in jeder Saison von April bis Oktober. Das dafür benutzte Reservierungsprogramm M_Camp wurde zwischen 1987 und 1994 entwickelt und ermöglicht es, den einzelnen Stellplätzen Namen und Daten von Gästen zuzuweisen. In dieser Zeit läuft die Maschine Tag und Nacht. Laut den Erinnerungen von Frans Bos kaufte er den Atari 1040ST bereits im Jahr 1985, was aber nicht sein kann, da der Rechner erst ab 1986 zu erwerben war.

Der Atari 1040ST steht neben einen modernen PC und die Software könnte problemlos auf dem PC emuliert werden. Da Bos aber seine eigene Software modernen Lösungen bevorzugt und der PC zum Booten deutlich mehr Zeit benötigt, wird der Atari weiterhin benutzt.

Lesestoff

Amiga Germany Fan‘zine

Da ich die Erstausgabe der Amiga Germany Facebook Gruppe gerade aus meinem Briefkasten geholt habe, noch einen kurzen Hinweis auf eine neue Amiga Zeitschrift, das „Amiga Germany Fan’zine“. Die Erstauflage von 250 Exemplare war schnell ausverkauft, ebenso die zweite Auflage. Mittlerweile gibt es eine dritte Auflage, welche für 2,49€ plus 1,55€ Porto oder im Abo für 16 € für vier Ausgaben zu erwerben ist. Das Heft in DIN A5 Format besitzt 36 farbige Seiten und beinhaltet Test zu vier alten Spielen, ein Interview mit dem Gründer der Facebook Gruppe Amiga Germany, Bericht über die Anfänge der Demoscene, sowie ein Preview zum „THEA500 Mini“.

Das Papier und der Druck sieht wertig aus und die Schriftgröße ist auch für mich gut lesbar. Die nächste Ausgabe soll bereits im Januar, dann mit 48 Seiten, für 2,99€ erscheinen.

Das war es schon wieder für diese Ausgabe. Hoffentlich war etwas Interessantes für euch dabei. Wenn alles gut geht, sollte vor Jahresende noch eine weitere Ausgabe erscheinen. Bleibt Gesund und bis demnächst Mal wieder.

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