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Das goldene Jubiläum: Lustiges Taschenbuch 600 im SHOCK2-Comic Review

600 Bände, ein Sommer‑Event und ein augenzwinkernder Abstecher ins Marvel‑Multiversum: Die Jubiläumsausgabe des LTB zeigt, warum Entenhausen seit 1967 zum festen Inventar der Popkultur gehört – und wie man Tradition frisch erzählt.

Als 1967 das erste „Lustige Taschenbuch“ erschien, ahnte niemand, dass aus den handlichen Sammelbänden einmal eine Kulturkonstante werden würde. Band 600, erschienen am 29. Juli 2025, feiert dieses Erbe selbstbewusst – mit 254 Seiten (ca. 250 Comicseiten), elf Geschichten in deutschsprachiger Erstveröffentlichung und einem Cover, das den Anlass nicht versteckt. Der Ton ist eindeutig: Sommerlaune, Tempo, viele Figurenmomente. Und mittendrin ein Crossover, das die Türen einmal mehr in Richtung Disney × Marvel weit aufstößt.

Den Takt gibt die Titelgeschichte „Das schwarze (Sommer)loch“ vor. Ein kosmisches Phänomen bringt Entenhausen aus dem Gleichgewicht, während Düsentrieb, Primus und Co. zwischen Forschungsdrang und Ferienmodus jonglieren. Die Eröffnung macht genau das, was eine Jubiläumsnummer braucht: Sie setzt Stakes, ohne den Humor zu opfern, und verteilt Bühne an vertraute Gesichter. Wer das LTB lange nicht in der Hand hatte, findet hier den idealen Einstiegspunkt – klarer Hook, klare Figuren, klare Zielgerade.

©2025 Egmont Ehapa Media/Disney
©2025 Egmont Ehapa Media/Disney

Von dort aus spannt der Band einen Bogen, der erstaunlich modern wirkt. „Eine Insel voller Narren“ liefert den klassischen Micky‑Krimi, in dem eine rätselhafte Spaßwelle eine Urlaubsidylle aus dem Tritt bringt, während „Reisefotografie mal anders“ ein simples Gimmick – ein entgleisendes Gruppenfoto – in eine charmante Suchmission verwandelt. Die Shorties fungieren als rhythmische Atempausen: „Der Pedalierassistent“ lässt Donald zwischen Rikscha‑Chaos und Rendezvous jonglieren, „O du fröhliche Sommerzeit“ spielt mit der Idee von Weihnachten im August, und „Zum Weinen schön“ gönnt Franz Gans und Oma Duck ein rührend‑komisches Intermezzo.

Auch die Entenhausener Wissenschaftsecke kommt zum Zug. „Hitzkopf gegen Schlaukopf: Schwerkraft leicht erklärt“ bringt Primus und die Düsentriebs zusammen – eine kleine, pointierte Lektion darüber, wie Gravitation im LTB‑Kosmos funktioniert, inklusive der unvermeidlichen Kurzschlüsse. Wirtschaftskrimi‑Noten setzt „Der Krempel‑König“, wenn Dagobert eine clevere An‑ und Verkaufsidee anschiebt und dabei prompt über die eigenen Optimierungen stolpert; die Panzerknacker dürfen später in „Der gute alte Plan B“ an ihrer Bürgerlichkeit feilen – natürlich nicht ohne Hintergedanken. Und weil Phantomias nicht fehlen darf, zieht „Das Orakel von Rolphi“ Donalds Alter Ego in ein Spiel zwischen Intuition und Taktik.

©2025 Egmont Ehapa Media/Disney

 

Der sichtbare Stilbruch – und das bewusst gesetzte Popkultur‑Zwinkern – kommt am Ende mit „What If…? Minnie became Captain Marvel“. Die Episode bricht nicht die Grundregeln des LTB, schaltet aber Superhelden‑Inszenierung frei: dynamische Posen, klare Bildführung, schnelle Set‑pieces. Inhaltlich bleibt es bei vertrauten Origin‑Beats, doch als Akzent innerhalb der Jubiläumsdramaturgie funktioniert die Idee hervorragend. Sie öffnet eine Tür für Leserinnen und Leser, die sonst vielleicht einen Bogen um Entenhausen machen – und sie tut es, ohne den Rest des Bandes zu übertönen.

©2025 Egmont Ehapa Media/Disney

Zeichnerisch bleibt das Jubiläum dem italienisch geprägten LTB‑Look treu: klare Linien, lesbare Panel‑Architektur, ein Timing, das Slapstick und Abenteuer elegant verbindet. Gerade in der Titelgeschichte sitzt das Panelettempo; die Krimi‑Episode zieht den Fokus, ohne zu verkopfen; und die Crossover‑Story setzt den erhofften optischen Kick. Dass zwischendurch ein, zwei Shorties wie C‑Seiten einer starken A/B‑Kompilation wirken, gehört zum Klangbild dieser Reihe – es nimmt dem Heft nichts von seiner Sogwirkung.

©2025 Egmont Ehapa Media/Disney

Was bleibt, ist das Gefühl einer kuratierten Jubiläumsreise. LTB 600 will nicht das Rad neu erfinden, sondern zeigen, warum es seit Jahrzehnten rollt: Figuren, die verlässlich funktionieren; Welten, die groß denken und klein lachen; und ein Redaktionstakt, der weiß, wann Tempo, wann Pointe und wann Herz gefragt sind. Wer nach einem Anlass sucht, wieder einzusteigen, hat ihn hier gefunden.

©2025 Egmont Ehapa Media/Disney

Am Ende steht eine klare Empfehlung. Für Einsteigerinnen und Einsteiger ist der Band dank zugänglicher Hooks und sauberer Figurenführung ideal. Stammleserinnen und Stammleser bekommen den Beweis, dass die Formel noch trägt – samt Krimi‑, Wirtschafts‑ und Superhelden‑Akkorden. Sammlerinnen und Sammler werfen zusätzlich einen Blick auf die limitierten Varianten der aktuellen What If…?-Welle in den Shop‑Ausgaben.

Meinung:

Ein starkes Jubiläum, das Sommer‑Drive mit Popkultur‑Flair verbindet und dabei ganz selbstverständlich Entenhausen bleibt. Preislich liegt die Ausgabe bei 8,99 Euro (D) bzw. 9,50 Euro (A) und 14,90 SFR (CH) – ein fairer Eintritt für eine runde Geburtstagsparty.

Mehr infos gibt es unter www.lustiges-taschenbuch.de oder auch in der nächsten SHOCK2 Kids/Comics Podcast Sendungen!

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