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Da Capo Review: Medal of Honor: Warfighter (PS Plus)

Der Download der PS3-Version Medal of Honor: Warfighter ist zwischen 5.1. und 5.2.2016 für PlayStation Plus-Abonnenten kostenlos. Für uns Grund genug, euch das Review zum Spiel als Da Capo-Review vom Dezember 2012 zu präsentieren.

Ein Militär-Shooter, der sich selbst etwas ernster nehmen möchte als seine Konkurrenz. Der Realiätsnähe und Authentizität bieten möchte, ohne gleich zur Simulation zu werden. Und das mitsamt vieler der den Spielspaß beeinflussenden Kompromissen, die dafür auch nötig sein mögen. Kann das gut gehen? „Braucht“ die Welt so ein Spiel?

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Unbekannte Superhelden
Wie schon der letzte Teil der Serie erzählt auch Warfighter im Rahmen seiner rund sechs Stunden langen Singleplayer-Story eine Geschichte, die sich um die sogenannten Tier 1 Operator dreht – also jene Spezialeinheiten, die zu den absolut Besten der Besten gehören und deren Einsätze selten bis nie bekannt werden. Zwei Neuigkeiten gibt es hier allerdings: Zum einen basieren nun einige der Missionen vermeintlich tatsächlich auf wahren Begebenheiten, auch wenn natürlich Kontext und Namen geändert wurden. Und zum anderen konzentriert sich das Spiel nunmehr verstärkt darauf, dem Spieler nicht nur vernünftig eine Geschichte zu erzählen, sondern auch die „anderen Probleme“ dieser „realen Superhelden“ aufzudecken. Die nämlich, die nicht mit Beschuss einhergehen: Ihre Familien – ihr ständig am seidenen Faden hängendes Familienleben. Dabei trieft der US-amerikanische Patriotismus förmlich aus jeder virtuellen Pore des Games, zumal auch noch gegen Ende kräftig auf die US-Tränendrüse gedrückt wird. Wer so was also absolut nicht abhaben kann, sollte lieber Abstand halten. Alle anderen können sich hingegen auf eine durchaus spannende Story mit einer Menge Abwechslung freuen. Die aus drei Perspektiven erlebten Missionen (man springt sowohl in der Zeit, als auch zwischen unterschiedlichen Personen hin und her) führen euch in den Nahen Osten, nach Dubai, ins überschwemmte Manila, in den Balkan und noch an einige andere Destinationen, in denen unterschiedliche Wetterkonditionen und Tageszeiten ständig für eine Menge optische Abwechslungen sorgen.

Damit diese auch anständig transportiert werden kann, baute man dieses Mal für das gesamte Spiel auf die Frostbite-Engine der EA-verwandten Schmiede DICE (beim letzten Teil kam für den SP noch die Unreal-Engine zum Einsatz, für den MP Frostbite). Dementsprechend weiß auch jeder, der BF3 gezockt hat ziemlich genau, was er sich technisch erwarten kann. Und das ist eine ganze Menge. Hohe Weitsicht, tolle Lifteffekte und natürlich vor allem eine Menge Zerstörung sorgen für den einen oder anderen „Wow“-Moment. Dumm nur, dass, wenn wir von solchen in Shootern im modernen Setting sprechen, wohl automatisch auch gleich an Atomexplosionen oder andere Momente aus dem Hauptkonkurrenten aus dem Hause Activision gedacht wird, wenn von „Wow-Momenten“ die Rede ist. Hier kann MoH: Warfighter nämlich nicht mithalten … was wiederum logisch ist, will man doch nahe an der Realität bleiben. Schwierig … Auch die Entscheidung der Entwickler, für einige der Cutscenes auf vorgerenderte Videosequenzen zu setzen, sorgte bei uns für Diskussionen, weil sie zwar teilweise schon wirklich großartig aussehen, die Mimik der Charaktere aber eher verstört als beeindruckt. Ich persönlich hätte mich hier gefreut, wäre man einfach wegen der optischen Brillanz des Games ingame geblieben, während so mancher Kollege sich gleich echte Schauspieler gewünscht hätte und andere das alles gar nicht schlimm fanden.

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Doch kommen wir zurück zum Gameplay selbst. Das nimmt die Sache mit der Realitätsnähe dann (zum Glück) doch nicht ganz so ernst. So kann man zwar nur zwei Waffen konstant und eine vorübergehend bei sich tragen (Gegnerwaffen können zusätzlich, aber nie statt der eigenen mitgenommen werden), die Munition der Hauptwaffe kann und wird einem während größerer Schießerein sicher ab und an mal ausgehen (kann aber bei Teamkameraden jederzeit nachgefüllt werden) und der in fünf Stufen regelbare Schwierigkeitsgrad ist relativ hoch. Dennoch erwarten den routinierten CoD-, BF– oder MoH-Spieler in Sachen Movement und Action keine Überraschungen … wobei: so ganz stimmt das nicht. Immerhin erwarten euch zwei Abschnitte am Steuer eines Fahrzeuges, in denen ihr äußerst cool aus der Ego-Perspektive wilde Verfolgungsjagden durchlebt, wobei natürlich auch hier die Frostbite-Engine wieder zeigen kann, was sie in Sachen Zerstörung so alles drauf hat. Sehr cool! Vor allem, weil das Handling einem klasse von der Hand geht und sogar kleine „Schleichpassagen“ am Steuer eines Fahrzeugs den Weg ins Spiel gefunden haben. Sehr cool! Selbiges gilt im Grunde auch für den Multiplayer, den wir uns separat ansehen. (Johannes Posch)

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Der Multiplayer
Danger Close ging mit dem Multiplayer einen heiklen Weg. Die Wahl der Frostbite-Engine und das dementsprechende Aufbauen, auf viele von DICE erprobten Bausteinen, macht den Multiplayer gezwungener Maßen schon einmal zu einem sehr engen Verwandten von Battlefield 3. Ein Umstand, der auch augenblicklich spürbar wird, wenn man in sein erstes Match startet. Movement, Treffer- bzw. Waffenfeedback … vieles erinnert frappierend an den „großen Bruder“, nur dass hier eben alles etwas mehr „close and personal“ abläuft. Die Maps haben somit zwar einige Sniper-konforme Punkte mit hohen Sichtweiten, allerdings ist keine einzige Karte auch nur ansatzweise so groß wie die aus BF3. Das Gameplay ist also naturgemäß auch deutlich schneller und orientiert sich eher an Call of Duty, dem man wohl auch am ehesten in die Suppe spucken will. Hier passt natürlich auch gut, dass durch in den Runden gewonnene Punkte jeder Spieler mit der Zeit bestimmte Sondermoves wie z.B. eine Drohne, einen Mörserangriff oder einen Kampfheli herbeizurufen, auslösen kann. Zur bloßen Kopie verkommt der Mehrspielerpart von MoH dennoch nicht. Immerhin hat man sich mit der Weiterentwicklung des Battlelog genannten Multiplayer-Systems eine ganze Menge Neues ausgedacht. Jeder Spieler hat somit nun die Wahl, sich einer von acht internationalen, realen Spezialeinheiten anzuschließen – mit allen Vor- und Nachteilen, denen deren Ausrüstung in der Regel so mit sich bringt. Auf Basis dessen kann nicht nur weiter aufgelevelt und der eigene Charakter mit neuer Ausrüstung gesegnet werden, es werden auch peu a peu neue Klassen freigeschaltet. Außerdem wird natürlich wieder stark auf Teambildung gesetzt: Man wird also automatisch in Squads zusammengefasst, was das Teamplay nicht nur einfacher, sondern auch reizvoller macht und ihm eine besondere „Zusammengehörigkeitsnote“ verpasst – vor allem, sobald man einen Freundeskreis zusammen hat, der sodann als Squad geschlossen Servern beitreten kann. Auch an den Modi wurde nicht gespart. Fünf Stück stehen zur Auswahl und bieten eine Menge Abwechslung. Selbiges gilt für die acht Maps des Spiels, denen sicherlich schon bald weitere via DLC folgen werden.

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Review Overview

Wertung - 7.5

7.5

Ein Titel ohne Zielgruppe?

Endgültige Schlussworte zu Warfighter zu finden, ist schwierig. Eigentlich macht der Shooter nichts wirklich falsch. Die Technik ist gut, der Umfang ok, der Multiplayer spaßig und Abwechslung wird auch geboten. Dennoch: Warum sollte ein BF3 oder CoD-Freak jetzt umsteigen? Ich hab darauf eigentlich keine Antwort. Wer also aus irgendeinem Grund schon übersättigt ist von ständigen Spielen des selben FPS, kann zugreifen. Muss aber nicht. Immerhin gibt’s ja gleichzeitig ein neues Halo und Call of Duty.

6144cvIwXQL._AA160_Genre: Ego-Shooter
System: PS3/ Xbox 360/
Entwickler: Danger Close
Vertrieb: Electronic Arts
Spieler: 1-16
Ursprünglich Erschienen: November 2012
Preis: ca. 20 Euro (im Januar bei PS Plus gratis)
Alter: 18+

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