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Brettspiel Review: World of Warcraft – Wrath of the Lich King

Ein Brettspiel mit dem Pandemic-System

Als Pandemie, eines der beliebtesten kooperativen Brettspiele weltweit, 2008 erschien, betrug der erste Print gerade mal 3.000 Stück, da niemand mit dem Hit-Potential des Titels rechnete. Mittlerweile gibt es eine Neuauflage, drei Seasons der Legacy Variante, ein Würfelspiel sowie einige Ableger, bei denen man nicht nur gegen Cthulhu und seine Anhänger angeht, sondern auch im alten Rom oder in Spanien gegen die Pandemie kämpft. Nachdem zuletzt schon ein World of Warcraft Small World erschien, veröffentlicht Asmodee nun auch eine World of Warcraft Variante von Pandemie bei uns, und zwar World of Warcraft: Wrath of the Lich King.

Ein kleines bisschen Pandemie

WoW Experten wissen bereits um was es genau geht, ich fasse zusammen: Der Lich King und seine Armee „Die untote Geißel“ bedroht Azeroth von Nordend aus, wogegen eine Handvoll Helden vorgehen will und in Nordend einfällt. Es gilt drei Quests zu bestehen und den Lich King in seiner Eiskronenzitadelle niederzustrecken und für Frieden zu sorgen.

Dazu stehen den Spielenden sieben Helden zur Verfügung, von Thrall über Lady Liadrin bis Jaina Prachtmeer sind alle von Rang und Namen und verfügen jeweils über zwei Fertigkeiten, die sich auf verschiedene Aspekte des Spiels beziehen. Tirion Fordring kann etwa besser kämpfen und Jaina Prachtmeer ist besonders gut beim Bewegen und Verteidigen.

Die Regeln sind denkbar einfach, den Spielenden stehen vier Aktionen zur Verfügung, wobei man entweder kämpfen, questen, sich bewegen oder rasten kann. Diese Aktionen gilt es dann so zu kombinieren, dass man gemeinsam entweder die drei Quests löst oder Ghule besiegt, damit Nordend nicht vollends vom Bösen geflutet wird. Gekämpft und gequestet wird mittels Würfel, wobei Handkarten unterstützend verwendet werden können. Nicht besiegte Gegner oder ungelöste Quests verursachen bei den Held*innen Schaden, was natürlich immer im Auge behalten werden muss um nicht zu sterben und dadurch noch mehr Ghule ins Land zu lassen.

Befinden sich die Spielenden auf dem gleichen Feld, können die Karten gemeinsam genutzt werden bzw. man kann sich gegenseitig unterstützen indem man sich zum Beispiel freie Aktionen zur Verfügung stellt. So kann man Mitstreiter*innen entweder vor Schaden bewahren, extra bewegen oder heilen lassen oder ergänzt Attacken um verbleibende Ghule oder die stärkeren Monstrositäten zu besiegen. Nachdem die Spielenden ihre Aktionen durchgeführt und Handkarten nachgezogen haben sind die Schurken an der Reihe, wobei jede Runde Ghule dazu kommen und Monstrositäten aktiviert werden und die Held*innen angreifen. Sollte man sich hier verzetteln, werden es schnell immer mehr Gegner und man steht einer Übermacht gegenüber, die den sogenannten Verzweiflungsmarker vorrücken lässt, was am Ende zur Niederlage führen kann. Im Zuge des Handkarten Nachziehens taucht ab und zu eine „Die Geißel erhebt sich“-Karte auf, die die Situation etwas verschärft und zuspitzt, sodass sich die Held*innen einfach nicht zu sehr Zeit lassen sollten.

 

Hat man die drei Quests bestanden geht es gegen den Lich King, was nichts anderes bedeutet, als dass man eine letzte Quest zu bestehen hat, was wiederum durch gewürfelte Erfolge oder den Einsatz von Karten gelingt. Ist diese gelöst haben die Spielenden gewonnen und Azeroth ist um eine Bedrohung ärmer.

Das Spiel kann von 1-5 Spielenden gespielt werden, wobei man im Solo-Player-Modus einfach drei Charaktere spielt, diese hintereinander aktiviert und eine Kartenhand für alle gemeinsam hat. Auch der Schwierigkeitsgrad lässt sich von Einstieg bis Mythisch modulieren, wobei hier einfach mehr „Die Geißel erhebt sich“-Karten vorhanden sind und so wesentlich mehr Druck entsteht.

Aber doch erfrischend anders

World of Warcraft: Wrath of the Lich King hat sich hinreichend bei den Spielmechaniken von Pandemie bedient um als Spiel aus dieser Serie zu gelten, aber dennoch genug verändert um nicht nur als billiger Abklatsch mit neuem Thema zu gelten. Der Aufbau des Gegnerdecks, das Durchführen der vier Aktionen, die Mechanik wie Gegner ins Spiel kommen, das ist alles Pandemie. Hingegen funktioniert der Kampf und das Questen mit Würfel mal so ganz anders, die Handkarten, die eigentlich nicht zwangsläufig eingesetzt werden müssten und das Unterstützten der anderen Held*innen sind hingegen neu und lockern das Spielprinzip etwas auf. Vorbei sind die Zeiten in denen man ohne sich abzusprechen so gut wie nichts fertig bekommt. In World of Warcraft: Wrath of the Lich King ist es durchaus auch mal möglich allein loszuziehen, ein paar Feinde auszuschalten und  nicht sofort den anderen zur Seite stehen zu müssen. Jedoch sei erwähnt, dass das Spiel wesentlich einfacher ist wenn man kooperiert, in höheren Schwierigkeitsgraden geht es gar nicht ohne. Das Ur-Pandemie hat mich persönlich nie abgeholt, das Spiel fühlte sich für mich mehr nach Arbeit als nach Vergnügen an. Vielleicht auch, weil ich bei Brettspielen nicht sehr teamfähig bin und dazu neige die Führung zu übernehmen bzw. gleich lieber kompetitiv spiele, was bei Koop-Spielen gar nicht mal so praktisch ist. Das ist hier wesentlich entspannter, da es aufgrund der verschiedenen Helden und Quests so viele Kombis gibt, dass ein Zusammenspiel etabliert werden kann aber nicht zwangsläufig oder zumindest dauerhaft muss. Irgendwann hat man dann aber alle Helden probiert, alle Quests mehrfach gemeistert und das Spiel auf mehreren Schwierigkeitsgraden geschafft, wobei man bis dahin viele kurzweilige und stets spannende Partien gespielt hat und immer wieder mal zwischendurch auch wieder spielen kann.

Produktionstechnisch reiht sich World of Warcraft: Wrath of the Lich King bei anderen Asmodee Produkten ein. Schöne Minis, wenn auch in dem Fall ein wenig kleiner als sonst, größere wären aber auch gar nicht notwendig, schön designte Karten und Token, ein Pandemie-typisches Brett, ein gut aufgebautes Regelwerk samt einfachen und klaren Regeln, inklusive einem Teil für Regeln, die oft vergessen werden, sehr hilfreich.

Pros and Cons

+ Pandemie System samt coolem Thema
+ Regeln, Mechaniken und Thema passen gut zusammen
+ für WoW-Fans fast ein Muss

– keine Langzeitmotivation, eher mal für zwischendurch
– Quests und Endkampf bieten kaum Abwechslung

Fazit

Wertung

Da es sich bei World of Warcraft: Wrath of the Lich King eher um ein Pandemie-Lite handelt, wobei die Änderungen zum großen Vorbild für mich genau an den richtigen Stellen gemacht wurden, können auch WoW Fans mit Freude an kooperativen Brettspielen bedenkenlos zugreifen. Und Freunde des klassischen Pandemie-Gameplays bekommen eine neue, frische Interpretation mit einem Touch Fantasy, was aber niemals störend oder zuviel ist und man die Story auch absolut nicht kennen muss um Spaß zu haben. Eine Partie ist schnell gespielt und wenn man nicht aufpasst, bekommt man auch schon mal eine auf den Deckel, wobei das Balancing der einzelnen Schwierigkeitsgrade absolut gelungen ist. Auch allein macht das Spiel Spaß, vor allem wenn man mal die Kombos der verschiedenen Held*innen ausprobiert. Das bringt auch mit mehreren Spielenden einigen Wiederspielwert, wenn auch nicht für längere Zeit, eher immer wieder mal zwischendurch. Regelwerk logisch und gut geschrieben, Qualität der Komponenten gut bis sehr gut, feines Spiel, einfach zugreifen!

Genre: 
Verlag: Asmodee
Spieleranzahl: 1-5
Alter: ab 14 Jahren
Spieldauer: ab 45 Minuten
Preis: ab 58,50 Euro

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