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Advent-Special – Review: Swamp Thing: Winter Special

„… And the winner is … Tom King!“

So oder so ähnlich dürfte es sich im Juli bei der Preisverleihung der diesjährigen Eisner Awards (vergleichbar mit dem Oscar für Comic-Schaffende) angehört haben. Schließlich war der Autor mit vier Trophäen der große Gewinner der prestigeträchtigen Veranstaltung. Eine dieser Auszeichnungen erhielten King und der Zeichner Jason Fabok in der Kategorie „Beste Kurzgeschichte“ für ihre Arbeit an „The Talk of the Saints“ in DCs „Swamp Thing: Winter Special“, das im Februar 2018 veröffentlicht wurde. Mit der frostigen Kurzgeschichte wollte das Duo ihre Bewunderung für die Figur „Swamp Thing“ und deren Schöpfern Len Wein und Bernie Wrightson zum Ausdruck bringen.

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Comic-Enthusiasten werden den Charakter sicherlich (auch als Teil der Justice League Dark) kennen. Neu-Einsteigern dürfte Swamp Thing am ehesten durch die gleichnamige und viel zu früh abgesetzte DC Universe-Serie bekannt sein.

Im Jahr 1971, in Ausgabe #92 von „House of Secrets“, hatte Swamp Thing seinen ersten großen Auftritt. Es sollte nicht sein letzter bleiben, denn trotz vieler Ups and Downs blieb die Figur stets dem DC-, respektive Vertigo-Kosmos erhalten. Einen der mit Abstand berühmtesten Runs lieferte übrigens niemand Geringeres als Alan Moore (Watchmen, Batman: The Killing Joke, V wie Vendetta).

Dieser erfährt auch bald hierzulande die Liebe, die er verdient. Denn: Panini Comics hat sich dazu entschlossen, die Geschichte in mehreren Bänden unter den Titel „Swamp Thing Classics Deluxe“ zu einem Preis von jeweils 39 Euro in den Handel zu bringen.

© DC Comics

Heart of the Swamp

Swamp Thing geht ursprünglich auf den Biologen Dr. Alec Holland zurück. Dieser stürzte bei einem folgenschweren Unfall in den Sumpf, wodurch sein Geist mit dem Moor eine Symbiose einging. Als Swamp Thing ist er fortan der Hüter der Natur und nicht an den Belangen der Menschheit interessiert – wäre da nicht die noch existierende, menschliche Seite des Sumpfwesens …

Nun aber zurück zu Swamp Thing: Winter Special. Hier enthalten ist zum einen die bereits erwähnte Kurzgeschichte „The Talk of the Saints“ von Tom King und Jason Fabok und zum anderen die allerletzte Swamp Thing-Geschichte von Len Wein. Dieser ist während der Lettering-Arbeiten zu der Geschichte leider verstorben. Zudem findet sich noch etwas Bonusmaterial in der 80 Seiten starken US-Ausgabe.

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Eis als Metapher

In „The Talk of the Saints“ begleiten wir Swamp Thing dabei, wie er einen Jungen durch eine gewaltige Schneelandschaft trägt. Dieser warnt das Pflanzenwesen auch immer wieder vor einem bevorstehenden Angriff des Schneemonsters, weshalb er und Swamp Thing gemeinsam fliehen müssen.

Der sanfte Riese muss sich auf der Flucht einigen Gefahren stellen – und das, obwohl er durch die fehlende Verbindung zur Natur sehr geschwächt ist. Und die Lage scheint sich auch nicht für ihn zu bessern. Immerhin marschieren die Weggefährten einige Tage und Wochen durchs Ewige Eis ohne Aussicht auf bessere Wetterbedingungen.

Könnte hinter dem langen, unnachgiebigen Winter vielleicht etwas Anderes stecken?

© DC Comics

„The Talk of the Saints“ liest sich sehr schnell. Oberflächlich betrachtet, geschieht auch nicht viel. Bei näherer Betrachtung lassen sich aber Versatzstücke einer Kapitalismuskritik, ein Kommentar auf die aktuelle Klimakrise sowie einige philosophische Überlegungen wiederfinden. Denn: Das Erzählen auf mehreren Ebenen, das wir von Tom King aus Mister Miracle oder Vision kennen und lieben gelernt haben, treibt der Autor hier gekonnt auf die Spitze, wodurch eine Geschichte entsteht, die viele gut unterhalten und zum Nachdenken anregen wird.

Der gewohnt cleane Zeichenstil von Jason Fabok (Batman) steht Swamp Thing zudem wirklich hervorragend – noch nie hat das Moormonster so schön ausgesehen!

© DC Comics

Wenn düster, dann Wein

Len Weins letzte Swamp Thing-Geschichte steht zu Kings und Faboks Kurzgeschichte in starkem Kontrast. Sie kommt komplett ohne Text aus (Len Wein ist während der Lettering-Arbeiten verstorben) und benützt auch eine deutlich dunklere und bedrohlichere Bildsprache. Anders als in „The Talk of the Saints“ ist Swamp Thing hier auch nicht partout eine schillernde Heldenfigur ohne Fehl und Tadel. Das werden viele mögen. Wir konnten uns hiermit aber nicht hundertprozentig anfreunden.

Nichtsdestotrotz rundet diese zweite Kurzgeschichte wegen ihrer historischen Qualität das Winter Special (zusammen mit dem enthaltenen Bonusmaterial) wunderbar ab. Comic-Leser, die etwas Abwechslung zu Batman oder Superman suchen, können ohne großes Zögern zu dieser Special-Ausgabe von Swamp Thing greifen. Es lohnt sich!

Info
Seiten: 80 Seiten
Preis: ca. 6 Euro
Autor: Tom King, Len Wein
Zeichner: Jason Fabok
Verlag:
DC Comics
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