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Ten Grand #1

J. Michael Straczynskis Werk und ich. Freunde werden wir keine mehr. Ich mochte seinen Amazing Spider-Man Run nicht besonders. Klar gab es auf der Habenseite viele gute Ideen, wie die Entwicklung Tante Mays oder Sins Past. Gleichzeitig gab es mit der Totemgeschichte und vor allem The Other, vielleicht den schlechtesten Spider-Man Arc dieses Jahrzehnts. Bei DC hat er eine Zeit lang Superman und Wonder Woman geschrieben. Beide Runs waren unterdurchschnittlich und glücklicherweise schnell wieder vorbei.

Auf der anderen Seite gibt es Babylon 5 und natürlich Joe’s Comics. Das höchstpersönliche Imprint in dem Serien wie Rising Stars oder das geniale Midnight Nation veröffentlicht wurde. Joe’s Comics ist mit Ten Grand wieder zurück und als Zeichner konnte JMS niemanden Geringeren als Ben Templesmith gewinnen.
Ben Templesmiths bekanntester Comic ist wohl 30 Days of Night. In gewisser Weise ist er einer der Zeichner, die dann zur Höchstform auflaufen, wenn sie eine düstere und mystische Geschichte umsetzen.

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Glücklicherweise kann man Ten Grand mit zwei Adjektiven perfekt beschreiben: Düster und mystisch. Die Geschichte dreht sich um Joe, einen ehemaligen Profikiller, der durch einen blöden Zufall einen Sektenführer töten muss. Dieser ist nebenberuflich jedoch auch ein Dämonenbeschwörer und hetzt seine Lieblinge auf den Killer. Die Sache geht nicht gut aus, Joe und seine Freundin sterben und wie es das Klischee so will, bekommt er von einem Engel eine zweite Chance. Denn während die Freundin brav in den Himmel darf, müsste er (wie zu erwarten war) in die Hölle. Diesem Schicksal entgeht er glücklicherweise und nun hilft er anderen Leuten, um vielleicht doch noch mit seiner Freundin gemeinsam das ewige Leben genießen zu können.

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JMS beschreibt bereits im ersten Heft die im Comic dargestellte Welt unglaublich dicht und ideenreich. So findet die Beschwörung des rettenden Engels in einem Stripclub statt. Natürlich ist das Geschöpf davon nicht besonders begeistert. Auch der Begriff „Firewall“ wird auf eine höchst erfrischende Art umgedeutet und spätestens hier sollte die Serie einem bereits gefangen haben. Schön ist auf jeden Fall, dass wieder ein gewisser Dualismus besteht. Mit diesem konnte JMS bereits in Midnight Nation punkten.

Neben den witzigen Ideen trägt das Artwork von Ben Templesmith zur gelungenen Atmosphäre bei. Die Umgebung wirkt permanent verhangen, als wäre der Himmel voller Wolken und daher alles trüb und dumpf. Templesmith verwendet in vermeintlich „sicheren“ Passagen grünliche und bläuliche Farben, sobald die Story für den Hauptcharakter „gefährlich“ wird, wechselt der Ton zu einer rötlich gelblichen Farbgebung. Dieses Spiel mit kalten und warmen Farben funktioniert wunderbar.

Ten Grand ist ein starker Anfang für eine neue Serie. Man merkt deutlich, dass JMS ein wahnsinnig guter Erzähler ist, dessen Unzulänglichkeiten bei den anfänglich erwähnten Beispielen wohl an seinen Problemen mit den Editoren der beiden großen Verlagen gelegen haben. Im Editorial erwähnt er zumindest bereits drei neue Projekte von Joe’s Comics, an denen er arbeitet. Sidekick, welches von Tom Mandrake gezeichnet wird und die nicht näher beschriebenen Alone und Protectors. Joes’s Comics kann also noch einige Überraschungen bereithalten.

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Mit dieser ersten Ausgabe hat sich JMS auf jeden Fall ausgezeichnet zurückgemeldet. Joe, der Killer nicht der Autor, wird von der ersten Sekunde an wunderbar dargestellt. Die Welt ist dicht und gut konstruiert. Ben Templesmith ist der perfekte Zeichner für diese Serie, wobei ich mir persönlich auch keinen anderen vorstellen kann, der die Welt so in Szene setzen könnte. Ich kann den Comic daher nur empfehlen. Wenn die anderen Projekte nur halb so stark starten, dann können wir uns vom Joe’s Comics Imprint noch eine Menge erwarten.