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Spiele, die ich vermisse #5: Indiana Jones and the Fate of Atlantis

Ich gebe offen zu: Nachdem ich letzte Woche meinen Blog über Summer Games geschrieben habe, wusste ich noch nicht, welches Spiel ich diese Woche „vermissen“ werde. Nicht, dass ich Angst hätte, dass mir die Titel so schnell ausgehen werden. Die Frage war vielmehr: Welcher Titel ist der Nächste? Wie so oft gab mir diesmal die Woche selbst eine Antwort (gut, eigentlich mehrere, sodass ich bis gestern Abend ein wenig unschlüssig war, welches Spiel es denn nun wird), weswegen ich mich heute zum ersten Mal meinem Lieblingsgenre widmen werde: den Adventures.

Ich gehöre ja zu jener Generation von Spielern, für die LucasArts und Monkey Island im Speziellen das Nonplusultra des Genres darstellen – obwohl diese Titel mittlerweile zwanzig Jahre auf dem Buckel haben, schaffen es aktuelle Vertreter einfach nicht, diese vom Thron zu stoßen. Klar, das hat etwas Absurdes – stellt euch vor, ihr spielt Modern Warfare 3 oder Halo und fragt euch ständig, ob Wolfenstein 3D nicht besser war –, aber gerade im Adventuregenre macht es irgendwie Sinn: Damals waren die Adventures eines der wichtigsten Genres überhaupt, bekamen hohe Entwicklungsbudgets und waren international beliebt. Den Höhepunkt dieser Entwicklung erreichten wir in den frühen 90ern, als sich die Adventure-Hits die Klinke in die Hand gaben. Und zu diesem Zeitpunkt erschien auch Indiana Jones and the Fate of Atlantis, von mir noch immer liebevoll Indiana Jones 4 genannt. Warum ich mich gerade für dieses Spiel entschieden habe, ist rasch erklärt: Diese Woche habe ich für die kommende Gamers-Ausgabe eines der wichtigsten kommenden Adventures getestet und mich dabei mehr als nur einmal an die Abenteuer von Dr. Jones erinnert gefühlt (warum, möchte ich hier nicht ausführen – selbst spielen!).

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Indiana Jones and the Fate of Atlantis spielt im Jahr 1939, knapp vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Die Nazis versuchen, den verlorenen Kontinent zu entdecken und die dortigen Entdeckungen im Krieg einzusetzen – klar, dass Indy etwas dagegen hat. Also verbündet er sich mit einer alten Flamme, der Ex-Archäologin und nunmehrigem Medium Sophia Hapgood, um Atlantis aufzuspüren und vor den Nazis zu erreichen. Was folgt, ist eine typische Indiana Jones-Geschichte mit wechselnden Schauplätzen, die sich hauptsächlich rund ums Mittelmeer befinden – und einem in Adventures selten vorkommenden Twist: Das zweite Drittel der Handlung konnte nämlich nicht auf eine, sondern gleich auf drei Arten durchgespielt werden.

Zwar gibt es schon zuvor Puzzles, die auf verschiedene Art gelöst werden konnten, aber in diesem Fall musste sich der Spieler entscheiden, welchem Pfad er folgen wollte, und je nachdem veränderte sich das Spiel grundlegend: Im Action-Pfad gab es die leichtesten Rätsel, aber mehrere Faustkämpfe; im Duo-Pfad zog Indy mit Sophia los, was ihm die Lösung einiger Aufgaben erleichterte; und im Solo-Pfad warteten die schwersten Puzzles auf Dr. Jones. Natürlich unterschieden sich die drei Wege nicht völlig voneinander – im Gegenteil, schnell erkannte meine damalige Adventure-Runde (ja, damals saß man noch in der Schule und sprach über die Lösungen von Adventures), dass der Action-Pfad oft wertvolle Hinweise auf den Solo-Pfad gab, weil dort gewisse Dinge, die man solo erst knacken musste, schon gelöst waren, was wertvolle Hinweise gab. Auch bereiste man ungefähr dieselben Locations, aber nicht zwangsläufig in derselben Reihenfolge. Das ist aber auch logisch, denn im letzten Drittel führen alle drei Pfade wieder zusammen – auf das Endgame hatte die Wahl keinen Einfluss mehr. Dennoch wurde man hier ausgezeichnet beschäftigt, und die Motivation, das Spiel mehrfach durchzuspielen, stieg gewaltig.

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Generell war Fate of Atlantis ein herausragendes Adventure nicht nur der damaligen Zeit. Das Spiel hatte eine großartige Länge (selbst wenn man die Lösung kennt, ist man einige Stunden beschäftigt), die Figuren waren toll animiert und der Soundtrack brachte Kinofeeling auf – kein Wunder, dass sich viele Fans wünschten, dass dieses Spiel eines Tages als Film auf die Leinwand kommt. Es waren aber vor allem die vielen Locations und die Puzzles, die das Spiel in den Adventureolymp brachten. Anders als Monkey Island, das oft mit surrealem Humor punktete (und so so manches Puzzle unglaublich schwer machte), war Indy stets in der Realität verankert, was die Rätsel oft einfacher zu durchschauen machte – kompensiert wurde das mit vielen Gegenständen und zahlreichen Räumen. Gut, heute würde man lange Laufwege kritisieren, die besonders wegen der fehlenden Hotspotanzeige (man übersieht Items recht leicht, vor allem weil manche nur wenige Pixel groß sind) zum Problem werden könnten. Aber damals war es nicht anders üblich.

Schön mitanzusehen war auch, wie man reale Locations einsetzte, um das Spiel in der Realität zu verankern. Unvergesslich ist für mich, als ich das erste Mal in Kreta die Ausgrabungsstellen von Knossos betrat und so manches Detail aus Fate of Atlantis wiedererkannte. Fast wollte ich mir ein Vermessungsgerät schnappen und nach der Stelle suchen, an der ich graben muss …

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Also: Warum ist Fate of Atlantis für mich ein Spiel, das ich vermisse? Wie so oft, aus vielen Gründen: Weil es das erste Indiana-Jones-Spiel war, das Film-Flair ohne eine filmische Vorlage verbreitete – wie gesagt, für mich ist es noch immer Indy 4 (ihr wollt gar nicht wissen, wie oft ich das in diesem Blog ausgebessert habe). Weil es ein großartiges Adventure war, das Realismus mit Puzzles verknüpfte. Weil die Idee mit drei verschiedenen Pfaden nie wieder so großartig realisiert wurde – viele Adventures bieten zwar die Illusion der Wahl, aber dass ein Spiel wirklich drei unterschiedliche Pfade, mit unterschiedlichen Puzzles und Variationen der Story bietet, habe ich so nie wieder erlebt. Und vor allem: Weil es das letzte große Spiel war, das ich auf meinem Amiga gespielt habe.

Wer noch nie von dieser Version gehört hat, sollte sich zum Abschluss meines Blogs Folgendes vorstellen: Das Spiel kam auf elf Disketten, die so randvoll waren, dass es kaum Platz für Redundanz gab. Die Messerwurf-Animation verteilte sich auf drei verschiedene Disketten, wollte Indy eine Leiter herunterklettern, musste Disk #7 im Laufwerk liegen, etc. Selbst mit Zweitfloppy für heutige Verhältnisse unspielbar, damals irgendwie lustig. Mittlerweile spiele ich Fate of Atlantis allerdings auf Steam – mit einem Zusatzbonus: Dort gibt es nämlich die Talkie-Version mit Sprachausgabe, die erst 1993 auf CD-ROM erschien. Leider ohne Harrison Ford.