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Spiele, die ich vermisse #51: DuckTales

Na, habt ihr mich vermisst? Wie versprochen melde ich mich nach einer urlaubsbedingten Pause wieder ganz traditionell am Freitag mit einem neuen Retro-Blog zurück. Diesmal war es gar nicht so einfach, ein Thema zu finden, denn meine Gedanken kreisten um ein Spiel, das einen höchst ungewöhnlichen Blog-Eintrag gegeben hätte. Und ich dachte mir, ihr habt euch nach allen Sondereinträgen wieder einen Artikel im altbekannten Format verdient. Also nutze ich die Gelegenheit, ein Spiel zu vermissen, dessen Remake bald in den Handel kommt und das bei mir lange Jahre lang bei keinem Urlaub – hier ist der Grund, es jetzt zu vermissen – fehlen durfte. Die Rede ist von den Abenteuern von Dagobert Duck in DuckTales.


DuckTales wurde von Capcom im Auftrag von Disney entwickelt. Zuerst erschien 1989 eine Version für den NES (bei uns erst 1990 veröffentlicht), später folgte eine angepasste Version für den GameBoy, die allerdings systemspezifisch ein wenig überarbeitet wurde. Zwar wurde die Grundidee beibehalten, aber Level-Layouts verändert, um sie dem kleineren Screen anzupassen, und natürlich war diese Fassung auch in Schwarz/Weiß gehalten. Wie gut das gelungen ist, ist in der Community nicht unumstritten, wie mir meine Recherchen gezeigt haben – mir persönlich wäre zwar nicht viel aufgefallen – im Gegensatz zum hochgradig verunstalteten Star Wars-Port, bei dem man auf Nintendos Handheld gerne ins Leere springen musste, weil man nicht sehen konnte, wo man hin muss, kann ich mich an keine solchen Stellen in DuckTales erinnern –, andere wiederum kritisieren die Veränderungen als schlechte Anpassung an das neue Format, die unfaire Stellen provoziert.

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Gut, doch nach diesem Schritt ins Detail: Worum geht’s überhaupt? Natürlich um einen Wettstreit zwischen Onkel Dagobert und Mac Moneysack, wer die reichste Ente ist. Deshalb stürzt sich der Erpel in fünf verschiedene Abenteuer, die ihn an verschiedene Orte der Welt (und darüber hinaus) bringen: den Amazonas, Minen in Afrika, das Himalaya-Gebirge, Transsylvanien und den Mond. Ein wenig untypisch für die damalige Zeit ist die Tatsache, dass es sich dabei nicht um eine simple Aneinanderreihung von Levels handelt, die euch brav von Welt 1 über Welt 2 bis Welt 5 bringt, sondern dass ihr die Abenteuer in beliebiger Reihenfolge erledigen könnt. Zwar gibt es eine Stelle, an der ihr zuerst ein Item aus einem anderen Level benötigt, aber selbst dann bringt euch das Spiel einfach an den passenden Ort, wenn ihr den Schlüssel noch nicht besitzt. Habt ihr alle Level abgeschlossen, geht es noch zum finalen Bosskampf – der Weg dorthin ist, wie ich zugegebenermaßen ein wenig enttäuscht betonen möchte, aber einfach eine Wiederholung des Transsylvanien-Levels.

Doch damit bin ich noch immer nicht beim Gameplay gewesen – höchste Zeit, das nachzuholen: DuckTales ist ein klassisches 2D-Jump’n’Run, in dem ihr Dagobert aus der Seitenansicht durch die Level steuert. Anders als Genrekollege Mario zeigt sich die reichste Ente der Welt zwar recht agil, stützt sich dennoch auf ihren Gehstock. Dabei geht es allerdings nicht um Altersschwäche, sondern eher um das Bekämpfen von Gegnern und das Überwinden von Hindernissen: Springt Dagobert, kann er auf Knopfdruck seinen Stock zücken und als Pogo-Stock verwenden. Das hat zwei Auswirkungen: Erstens hüpft er dadurch höher und kann damit höhere Abschnitte erreichen oder weitere Abgründe überwinden. Zweitens: Springt er mit dem Stock auf einen Gegner, wird dieser ausgeschaltet – einfaches Draufspringen, wie Mario das machen würde, reicht dafür nicht und sorgt stattdessen dafür, dass Dagobert Federn lassen muss. Zusätzlich kann der Stock noch als „Golfschläger“ genutzt werden, um Dinge aus dem Stand wegzuräumen. Hat man diese Fertigkeiten durchschaut, geht es nur noch ums Können – und die Kunst, den richtigen Weg durch die Levels zu finden, die über weite Strecken auch nicht nur aus „laufe von links nach rechts“ bestehen.

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Natürlich könnte das Spiel auch einfach nur „Onkel Dagoberts Abenteuer“ heißen, wären da nicht auch noch die anderen Charaktere, die aus dem Spiel ganz klar DuckTales machen. Das beginnt mit Tick, Trick, Track und der kleinen Nicky, aber natürlich auch Quack dem Bruchpiloten und GizmoDuck. Vorwissen aus der Serie ist aber natürlich nicht erforderlich, wenn man das Spiel genießen will – die meisten Charaktere kennt man ohnehin, sobald man irgendwann mal einen Entenhausen-Cartoon gelesen hat und dass Dagobert wie immer Gold sucht, ist nun auch nichts Neues.

Ich gebe offen zu, einen starken Bezug zu den Ducks zu haben – und daran sind auch meine Eltern schuld. Die sind nämlich eigentlich keine starken Sammler (ich würde sie sogar teilweise eher als „Entsorger“ bezeichnen), aber manche Dinge haben sie doch gesammelt. Zum Beispiel? Micky Maus-Hefte (bei meinen Eltern gibt es eine vollständige Sammlung der Magazine von 1973 bis inklusive 2000), aber auch Lustige Taschenbücher (wenngleich hier nicht auf Vollständigkeit geachtet wurde). Und diese Sammlung hat vor allem mein frühes Leben stark beeinflusst. Nur als kleine Anekdote, die ihr gerne erzählen dürft, wenn euch jemand erzählt, dass Comics die Jugend verblöden: Meine Mutter las mir als Kind zwar regelmäßig vor, aber Comics ließ sie immer aus und meinte, dass ihr diese zu anstrengend zum Vorlesen waren. Das Resultat? Ich beschloss mit vier, endlich lesen zu lernen, damit ich die Geschichten von Donald, Dagobert & Co. nicht verpasste. Gesagt, getan – für Comics reichte es recht bald und deutlich vor meiner Einschulung konnte ich die Comics lesen, die ich wollte. Interessanterweise blieb ich übrigens bei den Ducks hängen – während mich andere Comics nie fesseln konnten, habe ich heute wieder ein Abo für das Lustige Taschenbuch.

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In der Folgezeit verschlang ich so ziemlich alles, was mit den Ducks zu tun hatte (zu Micky Maus hatte ich hingegen nie denselben Bezug). Umso größer war meine Freude, als mit DuckTales eine neue Fernsehserie zu den Enten ins Fernsehen kam (auch wenn ich mir damals mit knapp neun Jahren ein wenig zu alt dafür vorkam) – wenn die Sache nicht einen Pferdefuß gehabt hätte: Die Serie, für die groß in den Magazinen geworben wurde, lief nur im deutschen Fernsehen, und wir hatten damals weder Kabelanschluss noch Satelliten-Anlage (die kam natürlich pünktlich zu dem Zeitpunkt, als der ORF ebenfalls mit der Ausstrahlung begann). Also hielt ich mich an dem fest, was ich hatte: meinen Magazinen, meinen Taschenbüchern … und ab 1990 eben auch meinem GameBoy. DuckTales war das fünfte Spiel, das ich für Nintendos Handheld bekam (bislang habe ich nur über das vierte (Dr. Mario) und das neunte (Link’s Awakening) geschrieben – aber so ziemlich alle von ihnen haben noch eine Erwähnung in diesem Blog verdient) – und, wie fast alle Spiele, die ich mir auf diesem System gekauft habe, war es ein klassischer Blindkauf. Zu diesem Zeitpunkt informierte ich mich noch nicht aus Magazinen und Webseiten gab es in der Form noch nicht, aber die Tatsache, dass es ein DuckTales-Spiel gab, ließ mich nicht los. Da ich zu dem Zeitpunkt auch noch keinen NES besaß, stand es außer Frage, dass es die Gameboy-Version werden würde, die ich von meinen Eltern zu irgendeinem Anlass geschenkt bekam (ganz abgesehen davon, dass der Gameboy mein ultimatives Reiseutensil war – ohne den Handheld fuhr ich nirgendwo hin, also war Spielenachschub für das Nintendo-Gerät immer besser als Nachschub für eine andere Plattform). Und was soll ich sagen? Ich war rasch gefesselt.

Ja, ich hatte schon jede Menge Jump’n’Runs in meinem Leben gespielt (nicht zuletzt Super Mario Land und The Great Giana Sisters), aber DuckTales konnte die Gameplay-Formel mit den Nichtlinearität und natürlich jeder Menge Entenflair anreichern. Klar, die Geschichte war primitiv, aber man konnte sie wunderbar mit Phantasie ausschmücken, vor allem, da man die Charaktere gut kannte – ein klarer Vorteil gegenüber Mario, der zu diesem Zeitpunkt bei weitem noch nicht so klar ausformuliert war. Das alles hätte aber nichts ohne das Gameplay genutzt, das flott von der Hand ging (auch wenn mir zu diesem Zeitpunkt als alter C64-Spieler nicht klar war, warum ich zum Springen einen Button drücken soll, wo doch auch „nach oben“ reichen sollte) und einfach viel Spaß machte. So wurde DuckTales zu einem treuen Begleiter in meinem Modulschacht und hat auch noch heute einen Ehrenplatz in meiner Sammlung (ja, ich hatte es tatsächlich erst diese Woche wieder in der Hand – jetzt muss ich nur noch das Ladegerät für meinen GBA finden. Oder ich warte doch auf das Remake …)

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Doch warum vermisse ich DuckTales? Weil es einfach eine tolle Kombination meiner Kindheitserinnerungen mit meinem Hobby, den Videospielen war. Ich liebe, wie gesagt, die Enten – und ich liebe Videospiele. Wie viel besser kann es werden? Noch dazu war es ein interessantes Jump’n’Run, in dem ich immer wieder neue Dinge entdeckte und versuchte, Wege zu optimieren. Wie so viele Filme und Serien hatte ich in diesem Alter nicht das Verlangen, ein Spiel einfach durch zu haben und nie wieder anzugreifen, sondern es wieder und wieder zu probieren – das schaffen heute nur noch sehr wenige Titel (was mich daran erinnert … es wird langsam wieder Zeit für mein jährliches „Ich spiele Monkey Island durch“). Dennoch habe ich seltsamerweise DuckTales 2 ausgelassen – vermutlich, weil da gerade mein persönlicher Sprung auf 16Bit erfolgte und die alte 8Bit-Optik da nicht mehr mithalten konnte. Oder einfach, weil ich noch immer keine Magazine las und einfach übersah, dass das Spiel überhaupt erschien. Oder, weil die GameBoy-Version nie nach Europa kam …