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Spiele, die ich vermisse #38: Leisure Suit Larry (1-3)

Ah, ist denn schon wieder Freitag? (Die Frage ist legitim, irgendwie habe ich es nämlich die halbe Woche geschafft, immer vom Gefühl her einen Tag vor dem tatsächlichen Wochentag zu sein). Gut, nachdem wir etabliert haben, dass heute Freitag ist, ist es wieder an der Zeit, ein Spiel zu vermissen. Nachdem mich die Ereignisse letzte Woche kurzfristig dazu zwangen, mein Format ein wenig umzustellen und gleich ein ganzes Studio zu vermissen, geht es heute (fast) im alten Modus weiter – und zwar mit einem Titel (oder eigentlich einem Teil einer Serie), den ich eigentlich schon für letzte Woche geplant hatte und der mich zu einem kleinen Experiment veranlasst hat. Wer den letzten consol.AT-Podcast schon gehört hat (wer nicht, darf das natürlich gerne nachholen), in dem ich zu Gast sein durfte, ahnt vielleicht, was jetzt kommt: Ich begebe mich diesmal auf Erinnerung in das Land der Polyesteranzüge, der geplatzen Träume und der gepflegten Erwachsenunterhaltung. Vorhang auf für Leisure Suit Larry!

Beginnen wir diesmal mit einer kleinen Einschränkung: Ich werde mich in diesem Blog auf die ersten drei Abenteuer des Schwerenöters beschränken – einerseits, weil ich bei meinem aktuellen Durchlauf erst bis zu Teil drei gekommen bin und Teil drei ohnehin eine klare Zäsur darstellt, andererseits weil die Teile V, VI und VII sich größere Erwähnungen verdient haben (während Magna Cum Laude und Box Office Bust genau dieses eine Mal erwähnt werden sollen und danach wieder in der Schublade verschwinden dürfen, aus der sie nie entkommen hätten sollen). Aber warum denn genau diese Serie diese Woche? Nun, alles begann mit Leisure Suit Larry Reloaded, einem Kickstarterprojekt, bei dem der erste Teil (erweitert) wieder zurückgebracht werden sollte. Im Zuge meiner Recherchen zu dem Thema entschloss ich mich, eine Lücke zu schließen: Ich meine, ich liebe Larry – aber vor allem die letzten Abenteuer. Einige Teile habe ich hingegen immer ausgelassen; Grund genug, diese Lücke mit Hilfe von GOG zu schließen. Gesagt getan. Und genau um dieses Experiment soll es hier gehen.

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Doch kommen wir zunächst zur Geschichte der drei Spiele, um die es hier geht – oder genauer gesagt eigentlich sogar vier Spiele, denn eine History rund um die Anfänge von Larry wäre nicht vollständig ohne eine Erwähnung von Softporn Adventure. Zwar gibt es in diesem Textadventure aus dem Jahre 1981 noch keinen Larry und auch Al Lowe war nicht beteiligt, dennoch war es gewissermaßen der Grundstein für die Serie. In Softporn Adventure spielt ihr einen namen- und erfolgslosen Loser, der durch das Einsammeln gewisser Items die Zuneigung diverser Damen gewinnen konnte. Berühmt ist das Spiel von Charles Benton vor allem aufgrund von drei Dingen (und wäre ansonsten wohl wie viele andere Spiele dieser Zeit schon wieder vergessen). Erstens: Auf dem Cover finden sich drei nackte Damen in einem Jacuzzi (genauer gesagt: eine Buchhalterin von Sierra, die Ehefrau von Bob Davis (Ulysses and the Golden Fleece) und Roberta Williams, die spätestens mit King’s Quest in den Adventurehimmel aufstieg). Zweitens: Das Foto des Covers fand sich im allerersten Artikel über die noch junge Gaming-Branche im Time Magazine. Drittens: Es war die direkte Inspiration für das erste Abenteuer von Leisure Suit Larry.

Dieses erste Spiel, Leisure Suit Larry in the Land of the Lounge Lizards, erschien 1987, und dreht sich um Larry Laffer, ein Mann in den 40ern, der in die Stadt Lost Wages gekommen ist, um endlich seine Jungfräulichkeit zu verlieren. Erdacht wurde der Antiheld von Al Lowe, einem ehemaligen Lehrer, der bei Sierra bis dahin Edutainment-Spiele mit Disney-Lizenzen produziert hatte. Seine Idee war, Softporn Adventure ins Heute zu holen, wofür er die grundsätzliche Struktur gleich behielt, aber dem Helden eine Persönlichkeit (eben Larry) verpasste, das Textadventure durch Grafik ergänzte und die Dialoge überarbeitete. Das Resultat war allerdings technisch gesehen noch immer irgendwie ein Textadventure. Wer Sierra-Adventures der damaligen Zeit kennt, darf sie auf keinen Fall mit den LucasArts-Spielen derselben Zeit vergleichen (Maniac Mansion erschien im selben Jahr wie Larry 1): Sierra produzierte damals zahlreiche Spiele pro Jahr, setzte aber mit der AGI-Engine auf ein verhältnismäßig technisch simples System, weitab der Point’n’Click-Steuerung, die man bei LucasFilm etablierte: Larry wird mit den Cursortasten oder dem Joystick direkt gesteuert, Kommandos werden allerdings Old-School über einen Parser eingegeben (man sollte aber natürlich nahe genug an einem Objekt stehen, mit dem man interagieren will). Typisch für die damaligen Sierra-Adventures war auch, dass man verhältnismäßig leicht den Löffel abgibt: Wer über die Straße läuft, wird überfahren. Wer ohne Kondom Sex mit einer Prostituierten hat, stirbt an einer Geschlechtskrankheit, wer das Präservativ danach nicht abnimmt, wird auf der Straße von einem Polizisten verhaftet – und so weiter. Beim Spielen eines Sierra-Adventures lernt man also rasch: Save early, save often – denn der Weg durch das Spiel wird ein ständiges Navigieren durch ein Minenfeld sein.

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Doch zurück zur „Handlung“ – und die Anführungszeichen sind bewusst gesetzt, es gibt nämlich kaum eine. In Larry 1 soll Larry binnen zwei Stunden seine Unschuld verlieren (sonst begeht er nämlich aus lauter Verzweiflung Selbstmord) und muss sein Glück dafür bei mehreren Frauen versuchen. Nach und nach hat Larry eine Begegnung mit der bereits erwähnten Prostituierten – was ihn zwar immerhin nicht mehr als Jungfrau enden lässt, aber seine Seele nicht befriedigt –, mit einer Heiratsschwindlerin, einer Rezeptionistin und zuletzt mit einer Gummipuppe. Nach und nach bringen ihm diese Ereignisse (die Aufgaben können im Großen und Ganzen in beliebiger Reihenfolge gelöst werden) jene Gegenstände, mit denen er am Ende des Abenteuers bei der mysteriösen Eve landen kann. Auf dem Weg dahin benötigen wir primär Geld, das man sich einfach im Kasino erspielen kann, denn das Hauptverkehrsmittel in Lost Wages ist das Taxi, das natürlich bezahlt werden will. Und mehr … gibt es nicht. Larry eins ist auch noch weit vom Humor der späteren Teile entfernt, der von Doppelbödigkeiten und kleinen sexuellen Anspielungen lebt, sondern ist tatsächlich bisweilen ziemlich grafisch (sofern das mit dieser Optik überhaupt geht), ohne jemals in Pornographie abzugleiten (Stichwort „hüpfende“ Zensurbalken). Als Nachweis, dass man auch alt genug für das Spiel ist, muss man zu Beginn übrigens ein Quiz absolvieren, das man allerdings auch per Tastaturshortcut überspringen kann.

Dennoch zog Larry sich rasch den Ärger des Handels zu, die ein „erwachsenes“ Spiel nicht in ihren Geschäften sehen wollten. Auch Sierra war vom Erfolg nicht wirklich überzeugt, weshalb auf Werbung verzichtet wurde. Das Resultat: Larry 1 war mit knapp 4.000 verkauften Einheiten im ersten Monat ein gewaltiger Flopp. Doch das änderte sich schnell durch die Mundpropaganda, sodass bis Jahresende 250.000 Spiele über den Ladentisch gingen. Sogar eine Filmversion wurde angedacht, aber verworfen. Übrigens wurde Teil eins schon einmal geremaked – und zwar als VGA-Version mit Maussteuerung. Zählt man Softporn Adventure mit, ist die kommende Reloaded-Version also schon die vierte Umsetzung der Handlung.

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Leisure Suit Larry Goes Looking for Love In Several Wrong Places folgte ein Jahr später, setzte allerdings bereits auf die SCI-Engine – was für euch kaum etwas ändert. Gespielt wird mit den Cursortasten oder der Maus (was mehr schlecht als recht funktioniert), Kommandos werden mit der Tastatur eingegeben, nur die Grafik ist ein wenig besser. „Besser“ ist auch ein gutes Stichwort für die Handlung, denn diesmal gibt es immerhin eine: Larry erkennt, dass Eve ihn nur als One Night Stand und nicht als große Liebe betrachtet, und versucht sein Glück erneut. Er nimmt also an einer Lotterie teil, gewinnt eine Million Dollar – und aufgrund einer Verwechslung landet er auch im Studio einer an „Herzblatt“ erinnernden Show, bei der er eine Kreuzfahrt gewinnt. Durch eine weitere Verwechslung gelangt er in Besitz eines Mikrofilms, den sowohl das KGB als auch der wahnsinnige Dr. Nonookee in die Hände bekommen wollen. So geht die Reise von Los Angeles über ein Kreuzfahrtschiff, ein Ferienresort und ein Flugzeug schlussendlich auf eine tropische Insel, auf der er die nächste Liebe seines Lebens findet – Kalalau.

LSLGLFLISW ist das wohl untypischte Larry-Spiel der gesamten Serie. Anders als der erste Teil, der den Humor der Serie noch vermissen lässt, sind Humor und Satire hier durchaus schon vorhanden. Was allerdings quasi völlig fehlt, ist der Sex-Faktor, denn dieses Spiel ist das einzige, das Annäherungen an Frauen quasi sofort mit dem Tod bestraft (einige Anzüglichkeiten gibt es aber natürlich trotzdem). Aus diesem Grund fehlt auch die Altersabfrage zu Beginn. Völlig anders ist auch die Struktur des Spiels: War Teil eins im Endeffekt nicht linear und nur auf ein Endziel ausgerichtet, besteht Teil zwei aus lauter kurzen Episoden, die zum Teil unter (unsichtbarem) Zeitdruck gelöst werden müssen, und wird dadurch sehr linear. Umso ärgerlicher, dass es immer wieder zu Situationen kommt, wo man entweder ein Item aus den Abschnitten davor benötigt (zum Teil sind es wirklich mehrere Abschnitte!), oder mangels diesem sein Leben aushaucht. Auch hier gilt also wieder: Save early, save often – und vor allem viele verschiedene Spielstände anlegen …

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Leisure Suit Larry III: Passionate Patty in Pursuit of the Pulsating Pectorals schließt an das Ende von Teil zwei an: Jahrelang waren Larry und seine Frau Kalalau glücklich, während rund um sie das beschauliche Eiland zu einer Touristenhochburg wurde. Doch als sie ihn für eine andere Frau verlässt und ihr Vater Larry hochkant aus seinem Job feuert, ist es aus mit dem monogamen Lebensstil. LSLIII:PPiPotPP orientiert sich wieder stärker an Teil eins, bietet also eine recht offene Welt (allerdings ohne Taxis), in der Larry zahlreiche Frauen verführen muss – mit kuriosem Ausgang. Nur ein Beispiel: Sein Date mit Cherri Tart, einem Showgirl, endet damit, dass er in ihrem Kostüm auf der Bühne steht und tanzen muss. Auch diesmal läuft alles darauf hinaus, dass er am Ende der „richtigen“, nämlich Passionate Patty, einer Jazz-Pianistin (die schon im Extro von Teil zwei einen Auftritt hatte), mit den gesammelten Items und Erfahrungen den Hof machen kann. Anders als Teil eins endet das Spiel hier allerdings nicht, denn nach der gemeinsamen Liebesnacht vernimmt Larry, dass Patty im Traum den Namen ihres Freundes flüstert, was ihn dazu bringt, ihr Bett zu verlassen und traurig in den Dschungel zu gehen, wo er sich prompt verläuft. Patty, die in Wahrheit darüber nachdachte, ihren Freund zu verlassen, wird daraufhin zur Protagonistin des Spiels und muss Larry zurückholen. Gegen Ende sprengt das Spiel sogar die vierte Wand, als Larry und Patty der Insel entkommen und in den Sierra Studios landen, wo Larry als Adventuredesigner glücklich werden kann.

Meine Geschichte mit Larry beginnt deutlich früher, als sie wohl beginnen hätte sollten – irgendwann in meinen Amiga-Jahren, sprich der Zeit zwischen 1991 und 94. Ich war damals eher Alles-Spieler, Adventures waren für mich nur am Rande interessant (auch wenn sich das gerade zu diesem Zeitpunkt dank Titeln wie Monkey Island änderte). In meiner Klasse gab es allerdings zwei Adventure-Freaks, durch die ich einiges über die zwei großen Studios erfuhr, die Adventures machten. LucasArts lernte ich rasch selbst kennen, über die diversen Sierra-Adventures („sie“ war ein großer Fan von King’s Quest, „er“ eher ein Space-Quest-Anhänger) kannte ich allerdings nur ihre Geschichten. In meinem Kopf entstanden dabei grafisch opulente Werke (tatsächlich muss King’s Quest in meinem Kopf ähnlich ausgehen haben, wie dann Jahre später King’s Quest VII mit seiner Zeichentrickoptik). Beide waren allerdings PC-Spieler, sodass ich mit die Spiele nicht einfach ausborgen und ansehen konnte. Und so wurde das erste Sierra-Spiel, das in mein Laufwerk wanderte, Leisure Suit Larry 1 in der Amiga-Version. Die Altersabfrage war ein Problem, die Eltern durften natürlich nicht erfahren, was da lief – aber dennoch zog ein Spiel mit solchen Inhalten einen jungen Teenager an wie Licht eine Motte. Und genau da steckte ich einen Spagat: Die Inhalte hätten mich ja interessiert, aber die Optik, die Steuerung und vor allem das gesamte Gameplay waren damals einfach schon gewaltig veraltet. Und so blieb es bei einigen kurzen Ausflügen mit Larry ohne großartige Puzzle-Erfolge.

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Das änderte sich erst ein paar Jahre später auf dem PC. Dank einiger späterer Sierra-Teile (vor allem Larry VI, aber auch King’s Quest V und vor allem Freddy Pharkas) hatte ich mich an die neue Sierra-Steuerung mit der Maus gewöhnt und die Sierra-Mentalität irgendwie schätzen gelernt (auch wenn sie für mich noch immer Adventures zweiter Klasse waren). Zeit für den zweiten Versuch mit Larry I, diesmal mit der VGA-Version, die sich auch gleich deutlich angenehmer spielte – ja, diesmal sah ich tatsächlich das Ende. Dasselbe gelang mir dann übrigens (deutlich später, also schon in meiner Internet-Ära) auch mit Softporn Adventure. Larry 2 und 3 ließ ich aber weiterhin aus, weil mich das steinalte Interface abschreckte und mich auch nicht motivierte, dass ich Teil V und VII gut fand. Und nein: Es gibt keinen Teil 4.

Im Laufe der Jahre war ich immer wieder kurz zu Larry zurückgekehrt, ähnlich, wie die beiden ersten Monkeys oder Indy 4 regelmäßig durchgespielt werden wollen. Aber das betraf immer nur die beiden letzten Teile. Und irgendwie tat mir gerade bei einer Serie wie dieser diese Lücke weh (ich bin einfach ein Mensch, der gerne alles kennt, wenn er etwas mag). Und daher fasste ich diesmal den Entschluss, ein Spiel nicht passiv zu vermissen, sondern aktiv an die Sache ranzugehen und die Larry-Saga durchzuspielen – von vorne bis hinten, keine Kompromisse. Das heißt, schon Kompromisse: Erstens: Ich lasse Softporn Adventure aus und auch Leisure Suit Larry 1 wird in der VGA-Version gespielt. Auch den Einsatz von Lösungen habe ich mir persönlich erlaubt – was auch gut war, denn sonst hätte ich den Versuch wohl sehr rasch aufgegeben. Ich will euch an diesem Punkt (der Blog hat sowieso schon wieder Überlänge) gar nicht mehr ewig aufhalten, aber die Gelegenheit nutzen, ein paar Dinge aufzuzeigen, die einem Gamer von heute bei diesen doch recht alten Spielen ins Auge springen.

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Larry 1 ist ein unglaublich einfaches Spiel, wenn man ungefähr weiß, was man tut. Ja, der Tod lauert immer und überall, aber wenn man regelmäßig speichert, kann man die meisten Probleme umgehen. Ist das Konto gut gefüllt (einfach Blackjack spielen, bis man etwa 800 Dollar hat, was mit genügend Zwischenspeichern kein Problem ist), kann man problemlos hin- und herfahren und sich um die Ladies kümmern, die meist auch nur die richtigen Geschenke brauchen, um von euch überzeugt zu werden. Nervig sind allerdings einige Stolpersteine, bei denen man gnadenlos hängen bleibt, wenn man das richtige Item nicht schon gesammelt hat. Ja, man kann dem Titel eine gewisse Nostalgie zuschreiben – ich hoffe allerdings wirklich, dass sie für Reloaded nicht einfach nur aktuelle Grafik draufpappen, sondern auch ein richtiges Adventure daraus machen.

Larry 2 hat meine Geduld wohl am meisten gefordert. Mangels VGA-Version musste hier die alte EGA-Version herhalten, die man wohl nur noch als Kind der 80er ertragen kann (und selbst dann sollte man wohl in den 80ern schon ein Teenager gewesen sein – ich bin definitiv zu jung dafür). Die zeitkritischen Passagen, die an allen Ecken und Enden warten, sind mehr als nur lästig, vor allem, wenn man nicht genau weiß, was man zu tun hat. Ebenso die Tatsache, dass schon ein Schritt in die falsche Richtung zum Ableben führt. Das gilt vor allem für den Dschungel, in dem man unter anderem schnell genug mehrfach hintereinander das Kommando zum Sprung geben muss (wenn man es erstmal geschafft hat, sich richtig hinzustellen), um nicht von Piranhas gefressen zu werden, oder von Bienen erstochen wird, weil man sich nicht vor einem Busch geduckt hat, den man noch nicht mal gesehen hat. Als Adventure-Spieler und First-Time-LSL2-Spieler kämpfte ich aber auch damit, dass das Spiel erschreckend wenig darüber aussagt, was man tun soll: Was mache ich auf dem Kreuzfahrtschiff/in der großen Stadt, nachdem mich das Spiel kommentarlos hingestellt hat? Warum muss ich mich in einem winzigen Bereich des Screens umziehen, bzw. warum geht es nicht vorher (wo niemand das Kostüm gesehen hätte) und auch nachher nicht (weil ich hier sterbe, wenn ich mich nicht umgezogen habe?) Und warum zum Geier springe ich aus diesem Flugzeug, statt einfach den Flug zu genießen? Der absolute Gipfel der Schwierigkeit ist allerdings das Ende: Vorgesehen ist, sich ein Molotow-Cocktail zu bauen und die Basis von Dr. Nonookee zu sprengen. Das Kommando dafür kann aber komplett verkehrt herum interpretiert werden und führt regelmäßig zu einem Game over – und dank „verständnisvollem“ Parser ziemlich egal, wie man es eintippt. Gesamt ein eher quälendes Erlebnis, das man auf dem Weg ins heute (wenn es ein Remake geben sollte) nochmal gründlich durchpolieren sollte.

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Larry 3 hingegen zeigt – mit veralteter Grafik – wo Larry sich schlussendlich hin entwickeln würde. Sex ist allgegenwärtig, aber andererseits kommt der Humor nicht zu kurz, denn jede Begegnung mit einer Frau endet auf haarsträubende Art und Weise. Ja, das Gameplay ist für einen heutigen Gamer noch immer nicht einfach zu verdauen. Ja, die Story ist kaum vorhanden, aber die Richtung stimmt. Ja, die Hinweise, was man hier eigentlich tun soll, sind noch immer eher sporadisch und Hotspots, mit denen man interagieren kann, findet man eher durch Zufall. Dennoch war es dieser Teil, der in mir die Vorfreude auf die späteren Episoden am meisten schürte – immerhin läuft dort Larry dann endgültig wieder zur alten Form auf.

Aus diesem Grund fällt auch der übliche Block „Warum vermisse ich die Spiele“ im Fall von Larry recht kurz aus. Wirklich vermissen kann ich ja eigentlich nur Teil eins, da ich die anderen Spiele zuvor nicht gespielt hatte. Und selbst hier ist die Antwort kurz: ein gewisser Nostalgiefaktor; weil es die Wurzel einer Serie ist, die mit Teil VII ihre absolute Höchstform erreichte und danach in der Versenkung verschwand. Und weil es ein Spiel ist, das im Kopf immer irgendwie nicht ganz so schlimm aussieht wie in der Realität (und sich dort aber besser spielt). Oh, und weil die Titelmusik einfach im Ohr bleibt. Fakt ist aber: Die frühen Abenteuer von Larry sind nur mit einer echten Retro-Brille zu genießen – oder, wie bei mir, um Lücken zu füllen. Wirklich empfehlen kann man sie heute kaum noch jemand. Hoffen wir, dass die Remakes gründlicher ausfallen, als ich zu hoffen wage – und vielleicht stattdessen wirklich mal Lust in Space (AKA Larry 8) erscheint. Und jetzt starte ich die zweite Hälfte meines Larry-Marathons mit Larry V. Ob sich die nächste Ausgabe meines Blogs damit beschäftigt? Die Zeit wird es weisen …