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Spiele, die ich vermisse #33: Hexenküche

Einmal mehr muss ich sagen: Sorry für die Verspätung. Am Freitag drängte sich leider die Gamers-Abgabe zwischen mich und diesen Blog, das Wochenende war mit Proben und Arbeit an anderen Projekten vollgestopft, sodass ich mich erst heute einem kleinen, aber feinen Spiel in einem (dadurch wohl auch kürzeren) Blog widmen werde. Welches Spiel, fragt ihr (zumindest, wenn ihr es in der Überschrift noch nicht gelesen habt)? Ein Spiel, das mich zurück in eine Zeit bringt, in der das Leben einfacher, ruhiger und kontrollierbarer war; in eine Ära zwischen Schulbeginn und dem Zeitpunkt, in dem die Probleme des Teenagerdaseins beginnen. Sprich: In eine Zeit, in der es für mich vor allem ein Spielgerät gab: meinen C64. Und da bin ich letztens im Zuge einer ausgiebigeren (für mich, sprich zwei Videos langen) Retro-YouTube-Session über eine Perle gestolpert, über die ich schon lange nicht mehr nachgedacht habe: Hexenküche, manchen von euch vielleicht auch unter seinem englischen Namen Cauldron bekannt.

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Vermutlich werden all jene, die in den 80ern noch keinen Computer angegriffen haben (Versionen gab es neben dem C64 auch für den CPC, den ZX Spectrum und das Enterprise 128), das Spiel kaum kennen, deshalb eine kurze Zusammenfassung: Ihr schlüpft in die Rolle einer Hexe, die sechs Zutaten sammeln muss, um den Pumpking zu besiegen. Gut, aus dieser Prämisse könnte man fast alles bauen, vom Rollenspiel über ein Jump’n’Run. In Wahrheit ist Hexenküche einer der ersten Genremixes, die ich jemals spielen durfte. Zunächst einmal ist der Titel nämlich ein 2D-Shoot’em’Up: Die Hexe steigt auf ihren Besen, erhebt sich in die Lüfte und kann nach links oder rechts fliegen (die Spielwelt ist in sich geschlossen, man kommt also irgendwann wieder am Ausgangspunkt an), Gegner abschießen, Hindernissen ausweichen und sich an den passend designten und abwechslungsreichen Bereichen der Welt freuen – vom Wald mit dem Hexenhäuschen bis zum Friedhof. Jeder Schuss und jede Feindberührung , ja sogar das Fliegen an sich nagt an eurer Magie, erreicht diese 0, stürzt eure Hexe spektakulär ab und haucht ihr Leben aus (obwohl es natürlich, typisch für die damalige Zeit, mehrere davon gab).Abhilfe schaffen hier nur magische Punkte, an denen ihr eure Energie wieder aufladen konntet. Glaubt allerdings nicht, dass ihr an dieser Stelle schon die Ingredienzien findet. Ihr stolpert nämlich ausschließlich über farbige, mehr oder weniger zufällig platzierte Schlüssel, die ihr in kniffligen Manövern (oft genug ist nämlich die Umgebung eindeutig im Weg, ganz zu schweigen davon, dass die Hexe auf manche Manöver übersensibel reagiert) einsammeln müsst.

Was bringen die Schlüssel? Nun, in der Welt verstreut sind auch mehrere, ebenfalls farblich codierte Türen, die sich nur der Trägerin des passenden Schlüssels öffnen. Auch hier gilt wieder: Vorsichtig landen, wenn ihr nicht so knapp vor dem Ziel den Kochlöffel abgeben wollt. Hinter den Türen verbirgt sich auch schon der zweite Teil des Genre-Mixes: Die finsteren Untergrund-Abschnitte wollen nämlich in klassischer Jump’n’Run-Manier bewältigt werden, wobei nicht gescrollt wird, sondern jeder Raum genau einen Bildschirm groß ist. Das heißt allerdings nicht, dass diese Abschnitte kurz wären – im Gegenteil, laut den Entwicklern (ich habe nicht gezählt) umfassen diese Räumlichkeiten insgesamt 64 Screens. Es ist allerdings gar nicht so einfach, so weit zu kommen, denn gerade diese Plattforming-Abschnitte litten unter einem horrenden Schwierigkeitsgrad, der durch die knifflige Steuerung nicht leichter wurde. So war die Hexe zum Beispiel im Sprung nicht wirklich zu steuern und auf beweglichen Plattformen konnte man nicht mehr gehen, sondern nur noch springen. Mehr noch: Beinahe jeder Fehlsprung bedeutete das Aus, sodass die neun Leben schneller dahinschmolzen, als man „Macbeth“ sagen kann. Noch nicht knifflig genug? Dann lasst euch sagen, dass man die Höhlen auch noch mehrfach besuchen musste, da es neben den Ingredienzien auch noch Items gab, die man zum Teil einsammeln konnte, zum Teil musste, und die Tragkraft der Hexe beschränkt war. Nicht umsonst gilt Hexenküche bis heute als eines der schwierigsten (wenn nicht sogar DAS schwierigste) C64-Spiel aller Zeiten, ein zweifelhafter Titel, der von den Entwicklern gar nicht beabsichtigt war, sondern ein Produkt der Entwicklung darstellte: Sie hatten einfach beim Programmieren des Spiels ständig einen Cheat aktiviert, der ihnen unendliche Leben gab. Da fallen solche Probleme gleich deutlich weniger ins Gewicht.

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Mein Weg mit Hexenküche begann ähnlich wie bei Super Pipeline – es war einfach eines jener Spiele, mit denen ich den C64 bekam. Der Grund dafür war eigentlich meine älteste Schwester (ja, die mit Prince of Persia), die das Spiel kannte und gern spielte. Das heißt allerdings leider nicht, dass wir besonders gut darin waren. Ich kann nicht behaupten, jemals dem Pumpking begegnet zu sein, noch jemals eine einzelne Ingredienz eingesammelt zu haben. Ich flog einfach herum, ballerte auf die Gegner, genoss die für damalige Verhältnisse wunderschönen Animationen, schmunzelte über die Soundeffekte (von denen manche wirklich gut waren – gut, für C64-Verhältnisse) und lachte, wenn die Hexe vom Himmel purzelte – zumindest, wenn ich nicht vor Frust in den Joystick biss. Denn natürlich hatte mich der Ehrgeiz gepackt, das Spiel irgendwie durchzuspielen. Wären da nicht die Jump’n’Run-Abschnitte gewesen, hätte das vielleicht sogar geklappt, aber bei denen brach einfach nur blanke Verzweiflung aus. Spätestens hier schmolzen die Leben schneller als die grüne Hexe aus dem Zauberer von Oz nach einer Dusche dahin. Und trotzdem: Aus irgendeinem Grund kehrte ich wieder und wieder zurück – bereit für den nächsten Frustmoment.

Und damit bin ich in diesem etwas verkürzten Blog auch schon bei der Frage angekommen: Warum vermisse ich Hexenküche? Weil es zur klassischen Kategorie „C64-Spiel, das ich gern gespielt, aber nie durchgespielt habe“ gehört. Ja, irgendwie würde es mich reizen, zurückzukehren, gleichzeitig weiß ich, dass ich als Gamer von heute an dem Spiel heute kaum mehr etwas zu lachen hätte, sondern eher frustriert den Joystick an die Wand klatschen würde. So schwelge ich eher an Erinnerungen. Spielesessions mit meiner Schwester, die heute fast nur noch mit Brettspielen stattfinden, damals aber noch (und auch hier nur ausnahmemäßig) auch vor den Rechner führten. An kultige Soundeffekte, wie den gruseligen Flugsound, der sich an das Tempo anpasste, und das Wirbeln der Hexe beim Absturz. Und wie bei so vielen Spielen, die man noch als Kind gespielt hat, sind es kleine Details, die in Erinnerung bleiben, wie die Rühranimation der Hexe im Kessel oder die knappe, aber dafür gereimte Spielanweisung. Ja, es waren gute Zeiten, die vielleicht auch „Jung-Gamern“ erklären, warum wir heute gerne sagen, dass Spiele so leicht geworden sind. Spielt Hexenküche. Und dann erklärt uns, dass dem nicht so ist. In diesem Sinne: LOAD „HEXENKUECHE“,8,1 Enter … Warten … Warten … Warten … RUN Enter.