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Spiele, die ich vermisse #32: Final Fantasy IX

So. Nachdem ich euch jetzt eine Woche allein gelassen habe und – wie im letzten Blog bereits angedeutet –Schifahren war, bin ich jetzt wieder zurück im Redaktionsalltag und versuche momentan, alles, was sich in meiner Urlaubswoche getan hat – Hallo PS4 –, in mich aufzunehmen. Dieser Blog widmet sich allerdings nicht dieser letzten Woche, sondern der davor. Schiurlaub heißt für mich nämlich nicht nur rasen auf schneebedeckten Hängen und abendliche Rollenspielrunden, sondern weckt in mir auch die Erinnerung an ein Spiel, das mich nicht nur zu den Konsolen zurückbrachte (ich habe euch diese Geschichte schon länger versprochen), sondern mich auch in mehr als einen Schiurlaub begleitete: Final Fantasy IX.


Beginnen wir mit den Schlüsselfakten: Final Fantasy IX war das letzte Spiel der Serie auf der ursprünglichen PlayStation und erschien im Jahr 2000 (Japan & USA) bzw. 2001 (Europa). Entwickelt wurde es unter der Aufsicht von Serienerfinder Hironobu Sakaguchi, der auch zum letzten Mal am Szenario beteiligt war (seit V leitete er die Entwicklung nicht mehr); die Musik stammte zum letzten Mal ausschließlich von Nobuo Uematsu (zumindest bis zur Urversion von FF XIV – mittlerweile waren auch andere Komponisten beteiligt); Yoshitaka Amano durfte zum vorletzten Mal Charaktere designen. Ja, es lag ein wenig Abschied in der Luft, als man begann, an Final Fantasy IX zu arbeiten. Die ersten Vorarbeiten begannen schon während der Schlussphase von Final Fantasy VIII, was aber auch absolut logisch ist – immerhin haben die Designer zu diesem Zeitpunkt schon wieder weniger zu tun und können sich auf neue Projekte stürzen, während die Programmierer noch die letzten Bugs bearbeiteten (etwas Ähnliches sollte sich im Übrigen natürlich auch bei X ergeben, denn obwohl hier ein etwas anderes Team zum Einsatz kam, wurde parallel zu FF IX schon der Nachfolger entwickelt – aber gut, ich greife voraus, zu FF X komm ich sicher noch).

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Dieser Trend zu „Abschied“ aber auch „Rückbesinnung“ zieht sich auch durch das Spiel: Nach den beiden futuristischen Vorgängern Final Fantasy VII und VIII entschied man sich für Teil IX wieder für ein klassisches Mittelaltersetting mit leichten Steampunk-Anklängen, wie man es seit Final Fantasy V nicht mehr gesehen hatte, was nicht wenige Europäer – die ja abgesehen von VII und VIII zu diesem Zeitpunkt ohne Importe keine anderen Final Fantasys kannten – verwirrte und vielleicht auch abschreckte („Kinderspiel“ war noch eines der freundlicheren negativen Attribute, die zu hören waren). Aber auch bei den Charakteren besann man sich zurück: Nach den universellen Figuren der beiden Vorgänger, bei denen jeder im Großen und Ganzen dasselbe konnte, waren in Final Fantasy IX die Rollen der einzelnen Figuren klar vorgegeben. Gewissermaßen war das eine Rückbesinnung auf das Job-System aus alten Tagen, nur mit dem Unterschied, dass man nicht frei wählen durfte, wer welche Klasse hatte. Vivi sah zum Beispiel nicht nur aus wie ein Schwarzmagier von einst, er war auch der einzige, der diese Form der Magie beherrschte. Nur zwei weitere Charaktere beherrschten weiße Magie, während einzig Protagonist Zidane (und einige Gastcharaktere) als Dieb Gegenstände stehlen konnte. Eine gewisse Rückbesinnung – die auch mit den fixen Klassen zusammenhängt – war auch, dass die aktive Gruppe nun wieder maximal vier Personen (statt drei in den beiden Vorgängern) umfasste. Das machte es zumindest ein wenig leichter, eine gut ausbalancierte Gruppe zu bilden – Allrounder waren ja, wie gesagt, gut, aber aus.

Wie beinahe jedes Final Fantasy (mit Ausnahme der ganz frühen) lebt das Rollenspiel von seiner Story, die allerdings nicht ganz so verworren wie VII ist und mit weniger seltsamen Twists als VIII (*hust* Waisenhaus *hust*) aufwartet. Protagonist Zidane – ein Dieb mit einem Affenschwanz – plant gemeinsam mit der Diebesbande Tantalus bei einem Auftritt als Theatergruppe Prinzessin Garnet von Alexandria zu entführen und zu ihrem Onkel, Großherzog Cid von Lindblum, zu bringen. Warum? Nun, wie wir bald herausfinden, hat sich Königin Brane zu ihren Ungunsten verändert und plant einen Krieg gegen die anderen Reiche des Kontinents des Nebels. Überraschenderweise will die Prinzessin aber sogar entführt werden (schließlich ist ihr die Veränderung ihrer Mutter auch aufgefallen) und eine turbulente Flucht später sind Zidane, die Prinzessin, der kleine, eigentlich unbeteiligte Schwarzmagier Vivi sowie Adalbert Steiner, der etwas trottelige, dafür umso dicker gepanzerte und grenzenlos loyale Hauptmann der Wache, mitten im Abenteuer. Was simpel beginnt, wird bald immer komplizierter: Brane ist nämlich natürlich nicht die eigentlich Böse, sondern nur eine Marionette von Kuja, einem mysteriösen, androgynen Mann mit unklaren Absichten, die sich erst viel später offenbaren werden (und dass auch hinter ihm noch jemand steht, noch viel später). Gleichzeitig muss sich der kleine Vivi der Frage seiner Existenz und Sterblichkeit stellen, denn er entdeckt, dass Brane Schwarzmagier wie ihn – allerdings ohne das ihm eigene Bewusstsein – als Kampfmaschinen herstellt und gegen die anderen Völker einsetzt. Und dann wäre da noch die Frage, was das Intro, in dem eine junge Prinzessin in einem kleinen Segelboot über das sturmgepeitschte Meer fährt, mit dem Rest des Spiels zu tun hat, und wer Zidane eigentlich ist …

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Technisch orientierte sich FF IX ganz klar an den beiden Vorgängern: In den diversen Orten steuerte man den Anführer der Party (dass die anderen Figuren wie in FF VIII nachlaufen, wurde gestrichen), der als Polygonfigur dargestellt wurde, durch vorgerenderte und zum Teil durch Videos animierte Hintergründe. Neu war hingegen ein System, das erlaubte, während dieser Erkundungen an vorgegebenen Stellen zu erleben, was die anderen Party-Mitglieder so taten. Als Verbindung zwischen den Orten diente eine 3D-Weltkarte, die man zunächst nur per Pedes, später aber auch per Chocobo, Schiff und Flugschiff bereisen konnte – übrigens das bislang letzte Mal in der Serie, dass es diese Form von Überlandreise gab. Sobald man zu Fuß unterwegs war, kam es regelmäßig zu Zufallskämpfen, über die die Meinungen bis heute geteilt sind. Während manche sie als wichtig für das Flair des Spiels bezeichnen würden, hassen andere die Tatsache, dass man zu undefinierbaren Zeitpunkten aus der Erkundung unweigerlich in den Kampf gezogen wird, abgrundtief. So oder so: Kam es zum Gefecht, wechselte man in eine 3D-Kampfarena, in der per ATB (jede Figur hatte eine eigene Zeitleiste, die sich je nach eigener Geschwindigkeit füllte; ist die Leiste voll, kann man ein Kommando eingeben, das dann der Reihe nach durchgeführt wird) gekämpft wurde. Das System war natürlich nicht neu – das ATB war ein Standard, der die Serie schon lange Jahre begleitete und nur immer wieder verfeinert wurde. Aber auch hier trifft der „Abschiedsaspekt“ wieder zu: Vom reinen ATB, wie wir es damals kannten, mussten wir uns auch für die Zukunft der Serie verabschieden. FF X setzte bekanntermaßen auf das deutlich taktischere CTB, bei dem man eher mit der Planung von Gefechten beschäftigt war, und XII und XIII beschränkten sich auf die Steuerung eines Partymitglieds. Einzig X-2 erinnerte noch ein wenig an den alten Glanz des ATBs – aber auch hier waren die Veränderungen schon deutlich zu sehen und das Tempo deutlich höher. Zwischen all diesen Ereignissen wurde die Geschichte sowohl in InGame-Zwischensequenzen (sprich: Die Figuren bewegten sich von selbst und „gesprochen“ wurde genauso via Text wie auch sonst im Spiel) sowie in den FMV-Cutscenes weitererzählt, für die die Reihe damals berühmt war – auch wenn diese Sequenzen heute nicht mehr State of the Art sind, für damalige Verhältnisse waren sie einfach großartig.

Aber was unterscheidet dann FF IX von seinen Vorgängern? Nun, vor allem der schon erwähnte Sprung im Setting. Statt des futuristischen Öko-Thrillers mit seiner düsteren Geschichte rund um Rache oder des nicht minder düsteren Dramas rund um Söldnertruppen und zeitreisende Hexen zeichnet sich FF IX – trotz der in der Story vorkommenden nicht gerade einfachen Themen – durch eine gewisse Leichtigkeit und Märchenhaftigkeit aus. Das zeigt sich auch in den Charakteren. War Cloud ein Einzelgänger und Squall ein einsamer Grübler, ist Zidane lebenslustig und kommunikativ. Ja, nicht jeder war mit der comichaften Überzeichnung der Figuren einverstanden – Steiner klappert zum Beispiel mit seiner Rüstung bei jedem Schritt, die kleine Eiko kann durchaus lästig sein und Quina ist eine Figur, die sogar mir als Fan der Serie, aber als nicht besonders japanophilen Menschen einfach zu seltsam ist –, aber sie passen einfach in die Welt. Was das Spiel aber – zumindest für mich – so besonders macht, ist die Art und Weise, wie diese Charaktere miteinander reagieren. Auch wenn die Gruppe bunt zusammengewürfelt startet und sich zum Teil sogar in unterschiedliche Richtungen bewegen will (ja, das klingt nach der durchschnittlichen Pen&Paper-Rollenspielparty), wachsen sie im Laufe der Zeit zu einer starken Gruppe zusammen. Das wird vor allem von den gut geschriebenen Dialogen unterstützt, die auch – meiner Meinung nach – sehr detailverliebt übersetzt wurden. Ja, über die diversen deutschen Akzente der Tantalus-Gruppe („Zefix“) kann man geteilter Meinung sein. Aber die vielen kleinen Details, wie die Tatsache, dass Garnet zunächst – typisch Prinzessin – äußerst gestelzt daherredet und dann im Laufe der Handlung von Zidane übernimmt, sich anders auszudrücken, sorgen für eine Lebendigkeit, die ich in manchen Spielen von heute einfach vermisse. Oder kann irgendjemand ernsthaft Adalbert Steiner nicht ins Herz schließen, wenn er Zidane einfach von oben herab duzt, aber den kleinen Vivi immer voller Ehrfurcht „Meister Vivi“ nennt? Eben.

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Einen letzten Punkt, in dem sich das Spielsystem deutlich unterscheidet, möchte ich auch noch erwähnen: Lernte man in FF VII seine Fähigkeiten über Materia und musste man in FF VIII Zauber ziehen, um seine Stats zu verbessern (und ja, dieses System hat mir VIII ziemlich vermiest), ging IX hier einen ganz anderen Weg: Die Ausrüstung, die man seinen Charakteren anlegen kann, hatte neben Boni auf die diversen Stats auch bestimmte Skills, die man verwenden konnte, wenn sie a) zur Klasse des Charakters passten und b) man Kristalle, von denen man immer nur eine begrenzte Anzahl hatte, nutzte, um diesen Skill zu aktivieren (die Kristalle konnte man jederzeit neu verteilen, es war also nur ein Limit, kein Kaufsystem). Trug man die Ausrüstung lange genug, erlernte man den Skill, konnte danach die Ausrüstung ausziehen und die Fähigkeit dennoch (genügend Kristalle vorausgesetzt) nutzen. Sicher nicht das beste System, das die Serie jemals gesehen hatte, vor allem, weil es manchmal erforderte, veraltete Ausrüstung zu tragen, weil man den Skill brauchte, passte aber hervorragend zu den verschiedenen Klassen und – der Seitenhieb muss mir nochmal erlaubt sein – immer noch besser als Zauber ziehen und G.F.s binden.

So, genug FF VIII-Bashing, denn damit will ich aber auch schon zum deutlich persönlicheren Abschnitt kommen. Wir schreiben also Anfang 2001. Wer meine Blogs ein wenig verfolgt hat, weiß vielleicht, wie mein Videospielleben zu diesem Zeitpunkt aussieht: Ich bin vor allem PC-Spieler, habe mir aber mittlerweile einen N64 und „sogar“ einen SNES zugelegt. Darin war aber vor allem ein Spiel schuld: Zelda. Final Fantasy hatte ich zu diesem Zeitpunkt zwar schon für mich entdeckt, aber da sowohl VII als auch VIII auch auf den PC portiert worden waren, gab es keinen Grund, sich eine Konsole für nur wenige Spiele zu kaufen, die mich interessierten. Ein einziges Spiel sollte dies ändern: Final Fantasy IX. Ich hatte damals – ein wenig ironisch, weil ich ja kaum Konsolen besaß – einen kleinen Videospielladen in meiner Heimatstadt für mich entdeckt, was vor allem daran lag, dass dort ein Freund von mir arbeitete (der übrigens – da haben wir wieder Verbindungen zu dem, was ich heute mache – gleichzeitig später zum Comic-Zeichner für die früheren consol-Ausgaben werden sollte – Takuto vs. Fritz, anyone?). Er war es, der mir eines Tages voller Stolz FF IX unter die Nase hielt und meinte, ich solle unbedingt einmal reinschauen. Ich spielte also den Titel kurz an und war hin und weg. FF VIII – das ist zu dem Zeitpunkt noch nicht durch hatte, weil ich einfach stecken geblieben war – hatte mein Interesse an der Serie gestört; jetzt war es wieder da. Was folgte, war die Frage: „Wann kommt die PC-Version“? Die traurige Antwort: „Gar nicht.“

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Es war dieser Punkt, an dem mein Widerstand, eine PlayStation zu kaufen, den Bach runter ging. Wenn ich mir einen N64 nur wegen Zelda: Ocarina und einen SNES wegen Secret of Mana und Zelda III kaufen konnte, dann wohl auch eine PlayStation für FF IX, oder? Gut, ein wenig Vernunft hielt doch noch Einzug. Ich bat ihn darum, mir eine gebrauchte PlayStation zu besorgen (auch deshalb, weil mir an diesem Punkt bereits klar war, dass ich sie binnen eines Jahres gegen eine damals gerade erschienene PS2 austauschen müssen würde, weil ja FF X bereits im Anmarsch war). Das Problem? Keine auf Lager. Also kaufte ich nur Spiel und Lösungsbuch (kann sich an das noch wer erinnern? Das Lösungsbuch war mit PlayOnline verbunden und verlangte, dass man dort Schlüsselwörter aus dem Löser eintippte, um detaillierte Infos zu manchen Dingen zu bekommen – eine Praxis, die das Buch ziemlich entwertete …) und fuhr damit nach Hause. Ja, ich hatte einen Plan: Mein Nachbar (ihr wisst schon, der mit der Lanleitung übers Dach) hatte eine Schwester und die eine PlayStation. Vielleicht könnte ich mir ja diese ausborgen? Gesagt, getan. Zuerst spielte ich den ganzen Tag bei ihnen, am Abend durfte ich die PlayStation mitnehmen. Und dann, drei Tage später, stand ein (verkürzter) Schiurlaub an. Drei Tage nicht spielen? Das ging einfach nicht. Also nahm ich einen Fernseher – und die PlayStation – einfach mit. Gut so, denn das Hotel war furchtbar. Aber geblieben ist die Erinnerung an das Spielen …

Final Fantasy IX machte etwas mit mir, das ich bis dahin nicht so intensiv von Spielen kannte, sondern nur von Büchern: Es zog mich in die Welt. Es ließ mich die Charaktere lieben. Und es hinterließ eine Leere, als es aus war. Ja, ich machte mich sofort auf die Suche nach Ersatz – so kaufte ich mir Breath of Fire III und Legend of Dragoon – aber nichts davon konnte die Leere füllen, die Vivi, Zidane, Steiner, Garnet, Freya, Eiko (von mir immer zu „Ehren“ der damals etwas nervigen Freundin meines Nachbarn „Elko“ genannt, weil sie sich sehr ähnlich sein konnten), Mahagon und Quina zurückließen. Also tat ich etwas, das ich in dieser Form nur von Büchern kannte: Ich beendete das Spiel (wobei ich mich beim ersten Mal furchtbar ärgerte, als ich das recht lange Extro abbrechen musste, weil ich einen Termin hatte, und daraufhin den Endkampf noch einmal angehen musste (und prompt nicht schaffte)) und startete quasi unmittelbar von vorn. Das ist ein Effekt, der für ein Spiel dieser Länge – immerhin reden wir hier von einem typischen 40-Stunden-JRPG – bei mir einzigartig ist.

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Das heißt nicht, dass FF IX ohne Fehler ist. Zum Beispiel ist Antagonist Kuja (ich weigere mich jetzt einfach mal, ihn Oberbösewicht zu nennen) ein recht blasser Charakter. Ja, im Laufe der Zeit bekommen wir jede Menge Eindrücke, wie er tickt und warum er tut, was er tut. Aber irgendwie macht ihn das nicht zu dem Fiesling, dem man nachhetzt, wie man das bei Sephiroth getan hatte (dass dieser wiederum darunter litt, dass seine Bosheit auf einer einfachen Prämisse basiert, steht auf einem anderen Blatt – Sephiroth war nie ein komplexer Charakter). Auch gelangt man im Laufe der Story durchaus an interessante Orte, aber manchmal kann man sich des Gefühls nicht erwehren, dass hier künstlich gestreckt wurde. Und neben den diversen brillant geschriebenen Charakteren bleiben andere zum Teil ziemlich blass. Quina und Mahagon fallen mir da zum Beispiel ein, deren Hintergründe und Persönlichkeiten vergleichsweise einfach bleiben. Aber gut, man kann nicht alles haben – und es gibt mir immerhin einen Grund, sie so wenig wie möglich in der Party zu haben. Alle Charaktere, die mich interessieren würden, bekomme ich aufgrund der vierer-Begrenzung ohnehin nicht in die Party. Und auch das Kartenspiel, Tetra Master, war nur schlecht erklärt und kein würdiger Ersatz für FF VIII Triple Triad (ja, ich habe etwas Positives über VIII gesagt, ich weiß …)

Trotz allem wurde FF IX zu dem Final Fantasy, das ich sicher am öftesten gespielt habe (dicht gefolgt von X und VII) – zum Beispiel – und da sind wir wieder beim Schifahren – jetzt gerade wieder auf der Vita (schließlich muss ich ja irgendwas mit dem Handheld anfangen). Ich bin jetzt sogar schon fast wieder durch – irgendwo auf der dritten Disk von vier. Und das gibt mir eine Gelegenheit, die ich sonst nicht unbedingt in diesem Blog habe: Ich kann ein wenig mehr dazu sagen, wie sich das Spiel für einen Spieler von heute anfühlt. Ich meine, wir können alle lamentieren, dass früher alles besser war, aber ist das wirklich so? Ich hatte sogar einen guten Vergleich, weil ich, als ich den Durchlauf von IX startete, knapp davor wieder XIII-2 gespielt habe. Mein Ersteindruck? Das Kampfsystem von IX ist nach heutigen Standards langsam. Es dauert, bis sich die Leisten gefüllt haben, man sieht oft nur zu, und dann wartet man, dass die Charaktere irgendwann diese Befehle auch ausführen. Da wirkt die Gleichzeitigkeit der XIIIer-Serie deutlich moderner und flotter. Dafür liebe ich die Taktik, die sich dadurch ergibt, dass man alle Figuren steuern kann – das wünsche ich mir dringend zurück. Ja, das würde sich mit dem hohen Tempo von heute kaum vertragen, aber ich halte einen Mittelweg für machbar (wobei – ich würd mich auch mit dem CTB aus X zufriedengeben …). Die Random Encounters sind noch immer teilweise nervig, aber erträglich. Und grafisch ist es gar nicht so schlecht gealtert – zumindest, wenn man es auf einem Handheld spielt. Auf dem großen HD-Fernseher … äh, lieber nicht. Heute gäbe es wohl Sprachausgabe, aber mir macht der viele Text kein Problem (vielleicht wäre es sogar mit Sprachausgabe zu einer starken Kürzung der Texte gekommen? Wer weiß …). Und die Story? Ja, die funktioniert noch immer genauso gut wie damals, genauso wie die Charaktere. Ich habe keine Ahnung mehr, worum es in XII ging, aber bei IX kannte ich – wie ich feststellen musste – die Grundstory noch immer (wenn auch nicht in allen Details). Und die Charaktere aus XII oder XIII werden wohl nie so ikonisch werden wie Zidane, Vivi & Co …

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Und damit bin ich „schon“ am Ende des Blogs angekommen – warum vermisse ich Final Fantasy IX? Weil es für mich das letzte klassische Final Fantasy war. Ja, ich liebe FF X, aber es warf schon viele Konventionen über Bord und danach hat die Serie stark an Charme verloren. Die Musik war Nobuo Uematsu at his best – ja, er recycelte einige Themen aus den Vorgängern (was ich aber gewissermaßen leitmotivisch interpretieren würde), aber der Soundtrack ist stark, stimmungsvoll und einfach sehr schön anzuhören. Und ja, das Titellied Melodies of Life, dessen Thema eine wichtige Rolle im Spiel spielt, liegt mir noch immer in den Ohren. Die Charaktere – dazu habe ich schon viel gesagt, aber ich sage es nochmal: Sie sind mir einfach ans Herz gewachsen; dazu kommt das märchenhafte Flair, das zwar jenen, die FF durch VII und VIII kennenlernten, oft zu kindlich war, aber gerade dadurch mein Herz eroberte. Dann natürlich noch: Weil es jenes Spiel war, das mich vollends zum JRPG-Spieler machte und zurück zu den Konsolen brachte. Und weil ich mir wirklich wünschen würde, dass die Serie zu den Stärken von damals zurückkehren könnte. Ein Final Fantasy in der Art von IX oder X mit einem modernen Anstrich? Ich wäre wirklich glücklich …

Zum Abschluss noch ein kurzer Absatz, der noch mehr den „Abschlussbogen“ von Final Fantasy IX unterstreicht, der mir aber natürlich erst beim Nachholen der alten Teile aufgefallen ist: In FF IX stecken viele, viele Anspielungen auf das Urspiel. So tritt eine Figur namens Garlant auf (ich erspare euch jetzt sicherheitshalber die Details, um Spoilern vorzubeugen), die meint, sie hätte schon einmal versagt – und tatsächlich ist der Bösewicht aus Teil 1 ein Ritter namens Garland. An einem Punkt bekämpft die Party an vier Schreinen jeweils einen starken Gegner – ein Spiegelbild der Handlung von Teil eins. Und, nicht zuletzt (Achtung, kleiner Spoiler:) erfahren wir, dass Prinzessin Garnet in Wahrheit Sarah heißt und ihre Mutter Jane hieß. Wer Final Fantasy kennt: So heißt, die Prinzessin, die wir am Anfang des Spiels retten müssen – und ihre Mutter heißt ebenfalls Jane. Sicher kein Zufall.