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Spiele, die ich vermisse #143: Ski or Die

Für mich gehört es seit Jahren fast untrennbar zum Winter dazu: Ski, Schuhe und Stöcke ins Auto werfen, einen ganzen Sack (Brett-)Spiele einpacken und sich mit Freunden und Familie für eine Woche auf verschneite Berge begeben. Diesmal waren zwar nicht die Rollenspielsachen an Bord (siehe meinen Rückblick auf DSA: Die Schicksalsklinge), da die Freundesrunde diesmal nicht vollständig war, dafür kam aber der NES mini mit, der dank seiner Kompaktheit ein optimaler Gaming-Begleiter war und für einige nette Spielerlebnisse sorgte. Nein, das führt mich jetzt nicht unmittelbar zu meinen Erinnerungen, aber scheinbar hat es mich auf 8-Bit eingestellt und einen alten Klassiker in mein Hirn gespült. Aktivitäten im Schnee, 8-Bit? Richtig, da war doch noch ein Spiel, das ich einst gern gespielt habe, auch wenn es heute vielleicht ein wenig in der Versenkung verschwunden ist. Sein Name? Ski or Die.

Ski or Die ist ein Spiel von Electronic Arts, das 1990 für den C64, NES, DOS und den Amiga erschien und sich am damals durchaus populären Genre der Sport-Minigamesammlungen bediente, das Epyx mit der Games-Reihe (siehe auch Summer und Winter Games) groß gemacht hatte. Doch auch wenn man zunächst vermuten würde, dass Winter Games das große Vorbild dieses Spiels gewesen wäre, muss man doch zwei andere Titel hier ebenfalls erwähnen: Epyx California Games, das sich von den klassischen Sportdisziplinen hin zu Funsportarten entwickelt hatte, und Skate or Die, das schon 1988 in den Handel gekommen war.

Gewissermaßen standen Skate or Die und Ski or Die in einer ähnlichen Beziehung zueinander wie Summer und Winter Games. Das eigentliche Meta-Gameplay (soweit man hier davon sprechen kann) war gleich, aber das die Disziplinen natürlich an das andere Setting angepasst. Man beginnt in Rodneys Laden, wo man die diversen Spieler eintragen (das Spiel unterstützt zahlreiche Spieler, wenn auch fast immer nur im Hotseat-Modus) und die Highscores bewundern kann. Danach wechselt man hinaus in eine verschneite Landschaft, wo man sich mit zwei Brettern an den Füßen zur passenden Ausfahrt begibt, die entscheidet, in welcher Disziplin (oder in allen nacheinander) man antritt.

Die erste Disziplin ist vermutlich die ungewöhnlichste: eine Schneeballschlacht. Gespielt wird dabei aus Ego-Perspektive, mit dem Joystick steuert man ein Fadenkreuz und versucht, aus seinem Schneefort heraus diverse andere Figuren abzuschießen. Bewegen kann man sich dabei nicht, sondern befindet sich fix an einem Punkt. Allerdings (und das habe ich erst relativ spät herausgefunden) ist es möglich, sich zu drehen, denn auch in jenen Quadranten, die man nicht sieht, können sich potenzielle Ziele aufhalten. Wer innerhalb des Zeitlimits die meisten Punkte sammelt, siegt in dieser Disziplin.

Auf den ersten Blick wohl die klassischste Disziplin ist dagegen Downhill Blitz, bei dem ihr auf Ski eine lange Abfahrt zu bewältigen habt. Doch von typischen Abfahrtssimulationen sind wir hier meilenweit entfernt. Ihr beginnt zwar auf einen Berggipfel, doch kaum arbeitet ihr euch über diverse, dann doch relativ schmale Pistenstücke, die von Wald und Schluchten begrenzt werden, Richtung Ziel, ist klar, dass wir es hier nicht mit den typischen steilen, aber dann doch eher breiten Abfahrtspisten zu tun haben. Auch wird dabei zwar eure Zeit gemessen, aber da auch hier im Endeffekt nur die Punkte zählen, werden diese am Ende in Bonuspunkte umgewandelt. Dadurch liegt der Fokus neben einer erfolgreichen Abfahrt (was gar nicht so leicht ist – Abstürze kosten Zeit) auch auf diversen Tricksprüngen und dem erfolgreichen Bewältigen von Buckelpisten für nette Bonuspunkte.

Acro Aerials führt euch zum Skisprung – aber auch hier nicht zur klassischen Weitenjagd, sondern eher zum Trickskisprung. Jeder Versuch beginnt mit der Anfahrt auf die Schanze, bei der klassisches Joystick-Rütteln euch schneller macht und so höhere Sprünge erlaubt, und endet auf dem zweiten Screen, bei dem ihr in der Luft per Joystick-Kommandos verschiedene Tricks versuchen könnt und (hoffentlich) gut landet. Euer Versuch wird von fünf Punkterichtern bewertet, nach drei Versuchen wird abgerechnet. Allerdings ist gerade diese Disziplin ein wenig simpel, denn wer den besten Sprung kennt und hinbekommt, wird auch gewinnen, denn selbst wenn andere knifflige Kombinationen aus verschiedenen Techniken in die Luft zaubern, wird das von den Richtern nicht honoriert.

Innertube Thrash ist allein dafür verantwortlich, dass ich mich unbedingt mal in einem aufgeblasenen Schwimmreifen eine Piste herunter stürzten möchte – denn genau das macht man hier. Im Unterschied zum Downhill-Event ist die Piste hier weniger kompliziert (wobei man dennoch ein paar Abzweigungen und Engstellen überwinden muss), dafür hat man es hier mit einem beweglichen Hindernis zu tun – einem Konkurrenten, der wahlweise von einem zweiten Spieler oder der KI übernommen wird. Auch hier gibt es Punkte, zum einen für aufgesammelte Gegenstände, zum anderen dafür, schneller zu sein als der Gegner. Hilfreich dabei sind auch „fiese“ Gegenstände wie Messer und Gabel, die aus einem Reifen schnell die Luft herauslassen. Gelingt es euch, den Kontrahenten hier hineinzurempeln, habt ihr euch einen Vorteil herausgearbeitet.

Zum Abschluss gibt es noch einen Ausflug zur Snowboard Halfpipe, die genau das bietet, was man sich bei dem Namen erwarten darf: Mit einem Snowboard an den Füßen geht es in eine Halfpipe, wo es natürlich wieder auf Punktejagd geht – was anderes darf man bei diesem Spiel wohl nicht erwarten. Dabei spielen die diversen Tricks eine Rolle (wobei man durch erfolgreiche Tricks nach und nach höhere Geschwindigkeiten und dadurch spektakulärere Stunts freischalten kann), aber auch Items, die man in der Halfpipe einsammeln kann. Wobei man hier auch aufpassen muss, denn neben Punkten und kleinen Schneehügeln (auf denen man Tricks durchführen kann) gibt es auch Objekte, die uns stürzen lassen. Für jede Aktion (und jeden Fehler) gibt es darüber hinaus auch einen Kommentar von einem Typen rechts oben, der wohl unseren Trainer darstellen soll. Gespielt wurde dieser Titel in der Art von Pseudo-3D, die damals oft in Rennspielen eingesetzt wurde – also keine Polygongrafik, aber mithilfe von Sprites und Scaling gut angedeutetem 3D. Grafisch sah das – für die Zeit – durchaus gut aus.

Die damaligen Kritiken betrachteten Ski or Die grundsätzlich recht positiv – hervorgehoben wurde, dass sich das Spiel durchgehend nicht ganz ernst nahm, sowie der gelungene Soundtrack. Nur vereinzelt gab es Kritiken, dass der Umfang doch ein wenig gering war. Allerdings muss man festhalten, dass wir es hier nicht mit einem dieser Retro-Klassiker zu tun haben, bei denen die Meinungen sich im Laufe der Zeit eher verbessert haben. Liest man heutige Kritiken, hört man vor allem Dinge über „den nervigen Soundtrack“ (und ja, man muss tatsächlich in dem Fall sich mit viel Retro-Flair andere Stimmen dazu vorstellen, damit die eigentlich guten, rockigen Themen auch wirklich gut klingen) und den viel zu geringen Umfang – denn hat man alle fünf Disziplinen durchschaut, gibt’s wirklich nicht mehr viel zu tun und spielt mal eben schnell eine Runde, ist aber kaum länger als zehn Minuten beschäftigt. Diese zehn Minuten machen aber durchaus Spaß. Doch trotz der zunächst guten Kritiken beließ es EA bei diesem einmaligen Schneeausflug in der Reihe, auch wenn die Mutter-Reihe Skate or Die noch fortgesetzt wurde. Die Sequels (eines für den NES, zwei für den GameBoy) verließen allerdings das ursprüngliche Format deutlich und wandten sich anderem Gameplay zu und dem Sport-Minispiel-Format ab.

Meine Wege kreuzte Ski or Die irgendwann in der zweiten Hälfte der 80er auf Diskette. Wie so oft kann ich hier überhaupt nicht sagen, wann das genau war noch wie das Spiel in meine Hände kam – gerade auf dem C64 wurde ja berüchtigter weise sehr viel kopiert und die Originale, die ich besaß, kann ich an einer Hand abzählen. Fest steht: Es wanderte ins Laufwerk und es landete immer wieder dort. Warum? Weil es mir verdammt viel Spaß gemacht hat.

Klar könnte man sagen, dass das Spiel jetzt nicht übertrieben viel Skill erforderte – aber das stimmt gar nicht in allen Belangen. Manche Disziplinen waren tatsächlich durchaus simpel, andere – vor allem Downhill und die Halfpipe – fand ich damals gar nicht so einfach und brauchten länger, sie zu meistern. Und ganz ehrlich: Vergleicht man das Spiel mit den Epyx-Klassikern, wurde hier zwar vielleicht nicht ganz dieselbe Qualität geboten, aber auch dort gab es bessere und schlechtere Disziplinen. Beziehungsweise Disziplinen, mit denen ich besser oder schlechter zurechtkam. Und auch wenn gerade California Games sich nicht ganz ernst nahm, hatte Ski Or Die doch den besseren Humor.

Und gerade dafür vermisse ich Ski or Die. Zwar denke ich bei diesem Titel irgendwie immer zuerst daran, wie mir Rodney in seinem Shop entgegen grinst, aber dann gehen meine Gedanken rasch in Richtung der Abfahrt im Reifen, aber auch zu den diversen anderen Disziplinen, die so anders waren als ich sie in anderen Winterspielen gesehen hatte. Ich vergesse, wie sehr ich beim Downhill über meine schlechten Versuche geflucht habe, fehlerfrei ins Ziel zu kommen, aber ich erinnere mich daran, wie es mich amüsiert hat, beim Versuch einer Abkürzung im Dach einzubrechen. Ich denke daran, wie gerne ich mir ein Schneefort gebaut und auf andere Leute geballert hätte. Und das ist es wohl, warum mich Schnee und Skifahren bis heute an Ski or Die erinnert – es hat Spaß gemacht und in meinen Erinnerungen tut es das noch immer – auch wenn es wirklich nicht optimal gealtert ist.