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Review: Yo-Kai-Watch 2

Egal ob Professor Layton, Fantasy Life oder Inazuma Eleven, wenn es um liebevoll umgesetzte 3DS-Spiele geht, ist das japanische Entwicklerteam Level-5 ganz vorne mit dabei. Eine ihrer größten Serien schaffte es jedoch erst letztes Jahr und mit einer etwa zweijährigen Verzögerung in westliche Gefilde: Yo-Kai Watch. Auf den ersten Blick wie ein frecher Pokémon-Klon wirkend, quoll das Spiel fast über vor lauter typisch ulkigem Level-5-Charme und so konnte der Titel durchwegs positive Kritiken einfahren. Eine, ähnlich wie bei Inazuma Eleven oder dem großen Vorbild Pokémon, zeitgleich zum Spiel gestartete Anime-Serie erfreut sich vor allem in Japan nach wie vor großer Beliebtheit und wird seit Mai letzten Jahres auch auf Nickelodeon ausgestrahlt. Nun haben es auch die beiden Nachfolge-Editionen Yo-Kai-Watch 2: Knochige Gespenster und Kräftige Seelen nach Europa geschafft und versuchen nicht ganz erfolgreich auf der geschaffenen Basis aufzubauen.


Freundschaft statt Abschlachten

Yōkai sind bekanntermaßen Monster und Geister der japanischen Mythologie, die auch in dem kürzlich erschienen Nioh eine nicht unwesentliche Rolle spielten. Glücklicherweise haben die Yo-Kai in Yo-Kai Watch mit denen aus Nioh nur entfernte Gemeinsamkeiten und so stützt sich Hauptcharakter Nate (bzw. alternativ Katie) auch nicht wie William Adams mit einem Samurai-Schwert auf die mystischen Wesen, sondern baut Freundschaften zu ihnen auf, um sie anschließend per aus Dankbarkeit überreichter Medaille zur Hilfe rufen zu können.


Déjà-Boo

Um auch Serien-Neulingen den Einstieg nicht zu schwer zu machen, entschied sich Level-5 für einen etwas seltsamen Weg. So wird Hauptcharakter Nate oder seinem weiblichen Äquivalent Katie gleich zu Beginn von den beiden Hexen-Yo-Kai Goldie und Silvie die namensgebende Yo-Kai Watch (einer Uhr. mit der sich die Yo-Kai erkennen lassen) mitsamt aller im Vorgänger gesammelter Medaillen und sämtlichen Erinnerungen geklaut. Was im ersten Moment wie ein mitreißender Storyplot wirkt, wird die nächste halbe Stunde einfach aufgegriffen um faktisch dasselbe als Tutorial fungierende Intro wie im letzten Teil zu bringen. Einziger marginaler Unterschied ist, dass der Hauptcharakter hin und wieder darauf hinweist, dass ihm das alles irgendwie bekannt vorkommt. Eine halbe Stunde später habt ihr dann eure Erinnerungen und die beiden ikonischen Haupt-Yo-Kai Whisper (eine Art Djinn) und Jibanyan (Ein wütender Katzengeist mit tragischer Backstory) zurück und seit in etwa demselben Zustand wie zu Beginn des ersten Spiels.


Nein-Nein, ich hab nichts geändert!

In den ersten paar Spielstunden müssen die Änderungen dabei, ähnlich wie die im Spiel sammelbaren Insekten, mit der Lupe gesucht werden. So lauft ihr weiterhin durch das aus dem ersten Teil bekannte, lediglich ein wenig gewachsene Lenzhausen und sucht dabei nach Yo-Kai, die an allen Ecken und Winkeln der Welt Schabernack treiben. Die meisten Yo-Kai fühlen sich nämlich verpflichtet für Unruhe zu sorgen indem sie Menschen übernehmen und anschließend zum Streiten bringen. Das Auflösen dieser Auseinandersetzung stellt dabei wieder das absolute Highlight des Titels da. Ganz egal ob der Yo-Kai Schwammurai in Müttern einen Putzfimmel auslöst oder Nein-Nein dafür sorgt, dass keiner mehr Fehler eingesteht, die Aufeinandertreffen mit den Yo-Kai sind immer nett geschrieben, haben jede Menge Wortwitz (der glücklicherweise auch in der deutschen Übersetzung nicht verloren ging) und die putzigen Erklärungen für zwischenmenschliche Konflikte dürften wieder Jung und Alt zum Schmunzeln bringen.


Usain Boring

Weniger zum Schmunzeln bringen jedoch die elendslangen Wege, die in Yo-Kai Watch 2 im Dauerlauf absolviert werden müssen. So gilt es wieder euren Mitmenschen zu helfen, indem ihr eine Vielzahl von Bitten und Gefallen erfüllt. Während viele davon zwar in netten Geschichten münden, verlangen die meisten von euch quer durch die Weltgeschichte zu laufen oder zu fahren. Neben Lenzhausen gibt es nämlich noch satte 18 weitere Orte, die sich in Yo-Kai Watch 2 auch per Zugfahrt aufsuchen lassen. Besagte Zugfahrten lassen sich hierbei jedoch kaum als Schnellreise-System bezeichnen, sondern werden in ihrer vollen Länge gezeigt und lediglich durch hie und da auftretende Kämpfe und Konversationen zwischen den Charakteren ein wenig aufgelockert. Zusätzlich lässt euch im späteren Verlauf des Spiels ein Yo-Kai auch noch an bestimmten Stellen durch die Zeit reisen, was zwar einige interessante Szenarien mit sich bringt, die Laufwege aber teilweise sogar noch einmal verdoppelt. Spätestens wenn das Erfüllen einer Quest dann mit über einer halben Stunde ereignislosem Laufweg einhergeht, ist sämtliche Motivation im Keller. Erst gegen Ende des Spiels eröffnet ein Yo-Kai euch eine Art von Warp-Portalen, die euch zumindest besagte Zugfahrten überspringen lassen.


Pokémon Touch

Ebenfalls dringend überholt gehört das Kampfsystem von Yo-Kai Watch. Genauso wie im ersten Teil stehen euch hier wieder sechs befreundete Yo-Kai zur Verfügung. Drei davon kämpfen, während die anderen drei jederzeit durch Drehung des Rades am unteren Bildschirm in den Kampf gebracht werden können. Diese agieren daraufhin wieder selbständig und eure Aufgabe ist es lediglich, ihnen Ziele vorzuschlagen und gelegentlich Minispiele zu absolvieren, um jeweils einen der Ultiseelangriffe der Yo-Kai auszulösen. Zusätzlich lassen sich die gegnerischen Yo-Kai noch mit ihrem Essen füttern, um so die Chance zu erhöhen, dass sie euch nachher ihre Freundschafts-Medaille überreichen. Leider lässt dieses System trotz acht verschiedener Yo-Kai-Klassen kaum ein Gefühl von Taktik aufkommen, wird doch der Großteil der Kämpfe mit dem Absolvieren eintöniger Touchscreen Minigames verbracht, während die Yo-Kai oft auch völlig ohne euer Zutun gewinnen würden. Außerdem frustrierend: Durch eure größtenteils fehlende Kontrolle über das Kampfgeschehen lassen sich die Chancen einen Yo-Kai zu fangen nur beschränkt beeinflussen und so wird euch nicht nur ein seltener Yo-Kai durch die Lappen gehen.

Da hat wohl der böse Yo-Kai FPSsikus seine Finger im Spiel
Grafisch hat sich ebenfalls nicht viel zum Vorgänger getan und so lauft ihr wieder in Vogelperspektive durch sehr liebevoll designte Orte, deren Detailgrad jedoch zum Vorgänger kaum zugenommen hat. Unregelmäßige Framerate-Einbrüche, vor allem wenn sich mehrere Charaktere gleichzeitig auf dem Bildschirm befinden, trüben das Bild ein wenig. Kämpfe laufen zwar flüssig, dafür fehlt es aber gehörig an Ästhetik und so führen die Yo-Kai dauerhaft dieselben Attacken aus, bis diese mit einer der Ultiseelangriffe abwechselt werden, denen es jedoch ebenfalls stark an Bombast-Optik fehlt. Selbst die neuen, nur per upgedateter Yo-Kai Watch Modell Null ausführbaren M-Kräfte, welche sogar ein wenig Energie der eigenen Yo-Kai abzapfen um ausgeführt werden zu können, entpuppen sich letztendlich nur als leicht abgewandelte Ultiseelangriffe.


Schrei auf Deutsch
Neu ist dafür, dass sich der Spieler selbst entscheiden darf, welcher seiner Yo-Kai ihm optisch sichtbar durch die Welt folgt und nahezu jeder der über 400 Yo-Kai seine eigenen Kampfschreie rufen kann (sogar auf Deutsch). Die gut 100 neuen Yo-Kai sind wieder sehr liebevoll gestaltet und fügen sich mitsamt ihrer Entwicklungen wunderbar in die bisherige Riege ein. Kämpfe und Tauschaktionen lassen sich außerdem in Yo-Kai Watch 2 erstmalig auch online ausführen und der neue Yo-Kai Watch Blasters-Modus lässt jeweils vier Spieler in die Rolle je eines Yo-Kai schlüpfen und in Echtzeit eine Stadt von einer Yo-Kai-Epidemie befreien.

Egal ob Professor Layton, Fantasy Life oder Inazuma Eleven, wenn es um liebevoll umgesetzte 3DS-Spiele geht, ist das japanische Entwicklerteam Level-5 ganz vorne mit dabei. Eine ihrer größten Serien schaffte es jedoch erst letztes Jahr und mit einer etwa zweijährigen Verzögerung in westliche Gefilde: Yo-Kai Watch. Auf den ersten Blick wie ein frecher Pokémon-Klon wirkend, quoll das Spiel fast über vor lauter typisch ulkigem Level-5-Charme und so konnte der Titel durchwegs positive Kritiken einfahren. Eine, ähnlich wie bei Inazuma Eleven oder dem großen Vorbild Pokémon, zeitgleich zum Spiel gestartete Anime-Serie erfreut sich vor allem in Japan nach wie vor großer…

Review Overview

Wertung: - 7

7

Yo-Kai Watch 1.5

Summary : Yo-Kai Watch 2 fährt die klassische Sequel-Schiene und bietet dem Spieler einfach mehr vom gleichen, ohne aber an den Kritipunkten des Vorgängers zu arbeiten. Während im ersten Spiel noch der erfrischende Innovationsfaktor und die einfach nett erzählten Geschichten über das chaotische, taktisch seichte Kampfsystem und das teils einfach dröge Gameplay hinwegtrösteten, fallen diese Faktoren im Nachfolger nun doch schwerer ins Gewicht. Vor allem, weil sich durch die größere Spielwelt die langwierigen Laufwege noch einmal verlängert haben. Hardcore-Fans freuen sich über die neuen Yo-Kai und viele lustige neue Geschichten, während Neulinge keinerlei Vorkenntnisse mitbringen müssen. Alle anderen warten lieber auf den nächsten Teil, der die Serie hoffentlich einer Generalüberholung unterzieht.

User Rating: 4.6 ( 1 votes)
Genre: Rollenspiel
Entwickler: Level-5
Erscheint: 7. April 2017
Preis: ca. 40 Euro
System: 3DS

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