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Review: Wolfenstein: Youngblood

Fast zwei Jahre nach dem von der Kritik sehr gelobten Wolfenstein II: The New Colossus kehrt die Reihe nun mit Wolfenstein: Youngblood zurück. Kann das Spin-Off in die großen Fußstapfen des Vorgängers treten?

A Call to Arms

Youngblood spielt in den 1980er Jahren einer alternativen Zeitlinie, also in etwa 20 Jahre nach den Ereignissen von Wolfenstein II: The New Colossus – und anders als in den beiden Vorgängern spielt man nicht den Freiheitskämpfer B.J. Blazkowcz, sondern seine beiden Zwillingstöchter Jess und Soph. Dies hat auch einen Grund: B.J. ist nämlich verschwunden, soll jedoch in Neu-Paris zuletzt gesehen worden sein – ein Umstand, der die beiden Töchter zum Handeln verleitet. Schließlich haben sie ja nicht umsonst eine jahrelange militärische Ausbildung genossen.

Das war es dann aber leider (fast) schon mit der Handlung. Wolfenstein: Youngblood gelingt zwar der Einstieg in seine Kampagne sensationell gut, flacht dann aber immer weiter ab. Hier muss die Frage erlaubt sein, ob den Entwicklern genügend Zeit und Budget zur Verfügung gestellt wurde oder nicht. Denn: Es fühlt sich danach an, als wäreYoungblood als ein sehr ambitioniertes Projekt gestartet, nur um auf halber Strecke zu einem kleineren Spin-Off „degradiert“ worden zu sein. Dies ist – besonders im Vergleich zu dem zweiten Teil – eine Enttäuschung.

Jess und Soph tragen im Gefecht futuristische Rüstungen | © Bethesda Softworks

Sozialadäquat?

Im vergangenen Jahr geschah etwas Unvorhergesehenes: Die deutsche USK (Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle) entschied sich dazu, Spiele künftig auf § 86a Abs. 3 StGB hin zu überprüfen. Das ist schön und gut, aber was bedeutet das?

Das deutsche Gesetz verbietet grundsätzlich die Darstellung von verfassungsfeindlichen Symbolen, wie NS-Symbolik – mit einer Ausnahme: der Kunstfreiheit. Diese Ausnahme, besser bekannt als Sozialadäquanzklausel, wurde bislang aber nicht auf Videospiele angewandt. Die Rechtsauffassung hat sich aber verändert, weshalb sich die USK dazu entschied, Spiele künftig auf diese Klausel hin zu überprüfen.

Was uns – nach diesem juristischen Exkurs – zurück zu Wolfenstein: Youngblood bringt. Das Spin-Off enthält im Original, wie auch seine Vorgänger, tonnenweise Hakenkreuze. Gemäß dem Entscheid der deutschen USK könnte es Bethesda nun darauf ankommen lassen und das Original (mit NS-Symbolik) zur Prüfung vorlegen und damit das Risiko eingehen, potenziell abgelehnt und damit „verboten“ zu werden. Das hat der Publisher aber nicht getan und vorsorglich zwei Versionen produziert. Es sind aber beide Fassungen, also die internationale, nicht-zensierte und die deutsche, zensierte Ausgabe, im Umlauf.

Uns war es lediglich möglich, die deutsche Version zu spielen. Dies ist nicht weiter schlimm, aber etwas ärgerlich – insbesondere deswegen, weil manche Änderungen unglücklich gewählt wurden. So wurde, wie bereits in den Vorgängern, aus Adolf Hitler Herr Heiler. Da gibt es noch eindeutig Luft nach oben!

Die Änderungen der Symbolik in der deutschen Version | © Bethesda Softworks

Kein klassisches Wolfenstein

Wolfenstein: Youngblood ist, anders als The New Colossus, im Kern kein Singleplayer-Spiel. Vielmehr fordert es dazu auf, im Koop-Modus auf Nazi-Jagd zu gehen. Diesen Ansatz nimmt Bethesda auch ernst. So legt der Publisher der Deluxe Edition sogar einen sogenannten „Buddy Pass“ bei. Dieser ermöglicht das Spielen der Kampagne im Online-Koop-Modus – mit der Besonderheit, dass der zweite Spieler Youngblood nicht besitzen muss. Es reicht, wenn sich einer die Deluxe Edition zulegt. Der zweite Spieler muss sich hierfür lediglich die Demo herunterladen und einen Bethesda-Account anlegen. Dies funktioniert einwandfrei und ist ein erfreuliches Alleinstellungsmerkmal im Wolfenstein-Kosmos.

Das Spiel lässt sich jedoch auch ohne Weiteres alleine spielen – auch, wenn die KI der jeweils anderen Schwester hier und da etwas zu wünschen übrig lässt. Dies wird vor allem bei der „Gesten“-Mechanik deutlich. Gesten sind besondere Skills, die im Menü festgelegt werden können. Diese erhöhen beispielsweise vorübergehend die Gesundheit oder stärken die Rüstung. Der Einsatz dieser mächtigen Fähigkeit sollte demnach weise gewählt werden, was der KI-Partner aber leider nicht immer tut.

Die Gesten sind aber nicht das einzige Rollenspiel-Element, das Einzug in Youngblood gehalten hat. So gibt es auch drei Skill-Trees, um die Fähigkeiten „Kraft“, „Macht“ und „Verstand“ auszubauen und zu stärken. Diesen verdanken wir vermutlich auch die Implementierung von Nebenmissionen im Spiel. Zwar sorgen diese (vor allem im Koop-Modus) für kurzweiligen Shooter-Spaß, bieten aber zu wenig Abwechslung, um langfristig wirklich motivierend zu sein. Gleichzeitig ist es aber zu empfehlen diese Level trotzdem zu meistern. Denn: Der Schwierigkeitsgrad der Kampagne zieht im Verlauf der Geschichte ordentlich an, wodurch für viele ein gewisses Grad an Grinden wohl nicht zu vermeiden sein wird, um einige Stufen aufzusteigen und die Story abschließen zu können.

Viele deutschsprachige Exkurse in Youngblood sind zum Schmunzeln | © Bethesda Softworks

Auch Ego Shooter können lustig sein

Die Shooter-Mechaniken machen erneut, wie auch schon in den Vorgängern, Spaß und sind gerade für Ego Shooter-Neulinge bestens geeignet.

Eine große Stärke von Youngblood ist zudem sein humoriger Detailreichtum. Denn: Es gibt wirklich viel abseits der regulären Pfade zu entdecken – angefangen von Disketten bis hin zu alten 3D Brillen und Concept Art der Entwickler.

Fazit

Wertung - 7.5

7.5

Nein, Wolfenstein: Youngblood kann nicht in die großen Fußstapfen von Wolfenstein II: The New Colossus treten. Zu nervig ist hierfür das Grinden (in den Nebenmissionen) und zu groß sind die Schwächen der Handlung und der KI. Trotzdem hat Youngblood das Herz an der richtigen Stelle, was vor allem an den vielen lustigen Eastereggs ersichtlich ist, die es im Spiel zu entdecken gibt. Zudem macht der Koop-Modus einfach Laune!

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Kurzinformationen
Genre: 
Ego-Shooter
Entwickler: Machine Games und Arkane Studios
Publisher: Bethesda Softworks
System: PlayStation 4, Xbox One, Nintendo Switch und den PC
Erscheint: Bereits erhältlich
Preis: 30-40 Euro

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