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Wolfenstein 2 The New Colossus Review Test

Review: Wolfenstein 2: The New Colossus

MachineGames gelang im Jahr 2014 mit Wolfenstein: The New Order ein ganz besonderes Kunststück. Der Shooter machte aus einer Serie, die seit ihrem Beginn eher weniger für gute (oder überhaupt vorhandene) Storys bekannt war ein rundum gelungenes Paket. Tolles Gunplay traf auf eine durchdachte Handlung, die in jeder Sekunde besten B-Movie-Charme versprühte. Die Wiederbelebung des legendären Namens Wolfenstein wird nach einem ebenfalls gelungenen Standalone-DLC nun fortgesetzt. Dabei bietet Wolfenstein 2: The New Colossus alles, was man im Vorgänger mochte, ist aber besser. Und das ganz ohne Mikrotransaktionen oder Lootboxen. So muss ein Singleplayer-Shooter 2017 aussehen!

Wolfenstein 2 The New Colossus Review Test

B-Movie-Plot

Der Kern jedes Wolfenstein-Spiels bleibt weiterhin intakt: Nazis sind böse. Hauptcharakter BJ Blazkowicz hat jede Menge Waffen und nutzt sie, um Wände mit den Eingeweiden von Hitlers Handlangern zu dekorieren. Hinzu kommt aber eine abgefahrene Story mit Sci-Fi-Elementen und Retro-Flair, die beeindruckend erzählt wird und interessante Charaktere bietet. Wolfenstein 2: The New Colossus setzt direkt nach den Ereignissen aus The New Order an. General Totenkopf ist tot, BJ hat sich im Kampf aber schwerste Verletzungen zugezogen. Zum Glück kann er gerettet werden, doch verbringt fünf Monate im Koma.

Als der kernige Nazikiller wieder erwacht, ist er körperlich gebrochen. Übersät mit Narben und nahe am Nierenversagen muss er sich in einen Rollstuhl schleppen und zunächst geschwächt einhändig bewaffnet die Getreuen des Regimes unschädlich machen. Diese Verletzlichkeit wird von Rückblenden in BJs Kindheit untermauert. Diese schrecken – wie das ganze Spiel – nicht vor schwierigen Themen wie Gewalt in der Familie, Sexismus und Rassismus zurück. Trotz des Trash-Settings der vom Dritten Reich okkupierten USA nimmt The New Colossus seine Themen ernst. Gut geschriebene Comedy-Einlagen lockern die Stimmung zwischendurch auf.

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Starke Persönlichkeiten

Zwischen Missionen darf ein U-Boot erkundet werden, das als Hub dient. Hier kann man die anderen Charaktere näher kennenlernen und wird sie über kurz oder lang ins Herz schließen. Statt platte Klischees herumlaufen zu lassen, haben sich die Entwickler bemüht, jeder Person eine glaubwürdige Persönlichkeit zu verleihen – inklusive Charakterschwächen. Weniger komplex, aber dafür umso perfider ist Frau Engel. Die sadistische Schurkin aus dem Vorgänger kehrt zurück und hat diesmal ihre füllige Tochter Sigrun im Schlepptau. Engel ist so schön hassenswert, dass sie es sich neben anderen legendären Fieslingen wie Vaas aus Far Cry 3 auf dem Olymp der Game-Schurken gemütlich machen kann.

Die Motivation, das Regime auszuschalten, ist also denkbar hoch und dank seines Exosuit wieder mobil kann man als BJ hordenweise Fieslinge niedermähen. Sei es mit Maschinengewehren, Pistolen, Laserwaffen oder einer einfachen Axt: Es ist ungemein befriedigend, wenn aus getroffenen Gegnern Blutfontänen spritzen, die an dünnflüssiges Ketchup erinnern, das energisch aus der Tube gedrückt wird. Dabei ist es ratsam vor den (durchaus knackig schweren) Feuergefechten zuerst im Geheimen vorzugehen und ein paar Gegner sowie die Kommandanten aus dem Hinterhalt auszuschalten, da sie sonst Verstärkung rufen.

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Zwei Waffen sind besser als eine

Wenn die Hölle losbricht, macht es einfach Spaß, mit einem Affenzahn über die Map zu laufen und mit zweihändig geführten Waffen alles zu töten, das nicht bei drei auf dem Baum ist. Einziger Wermutstropfen: Die Waffenauswahl mit dem Waffenrad kann ein bisschen fummelig sein. Verschlimmert wird das Problem, weil das Spielgeschehen im der Zwischenzeit nicht angehalten wird, es sei denn, man hat ein entsprechendes Upgrade aktiviert.

Jede Waffe hat drei potenzielle Verbesserungen, die im Kampfgeschehen helfen – zum Beispiel größere Magazinkapazität oder ein Zielfernrohr. Sie verändern oft das Handling der Knarren und sind weit mehr als ein bloßer Schadensbonus. Darüber hinaus sind die Upgrade-Möglichkeiten rar gesät. Diese Entscheidungen haben also eine gewisse Bedeutung.

Wolfenstein 2 The New Colossus Review Test

Hart wie Stahlkappenstiefel

Wolfenstein 2: The New Colossus bietet eine echte Herausforderung, selbst auf dem normalen Schwierigkeitsgrad. Manchmal kann es unklar erscheinen, aus welcher Richtung man getötet wurde, weil BJs Rüstung und Lebensenergie bei Unachtsamkeit so schnell schmelzen wie ein Schneeball im Backofen. Dabei hilft nicht, dass der Spielcharakter gerne mal an Hindernissen hängen bleibt, wenn sie zu hoch sind, um darüber hinweg zu hechten. Es ist also wichtig, Rüstung und Healthpacks zu sammeln. Anders als im Vorgänger werden diese aber automatisch aufgehoben und setzen nicht zwingend einen Tastendruck voraus.

Auf der Reise durch das gefallene Amerika besucht man deprimierend zerstörte Orte, die allesamt trotzdem faszinierend sind. Egal ob man durch die Ruinen von New York City wandert, im Ghetto von New Orleans unterwegs ist oder in New Mexico beobachtet, wie Ku-Klux-Klan-Mitglieder ohne Scham auf der Straße flanieren: The New Colossus weiß mit viel Liebe zum Detail zu beeindrucken. Das Spektakel läuft noch dazu mit einigermaßen flüssigen 60fps, was dem Tempo der Kämpfe zugute kommt. Hinzu gesellt sich ein treibender Soundtrack, der jedem hitzigen Kampf den letzten Schliff gibt.

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Die deutsche „Special Edition“

Hierzulande kommen wir in den „Genuss“ einer angepassten Version, die von sämtlichen verfassungsfeindlichen Symbolen (also Hakenkreuze und SS-Runen) gesäubert wurde. Der Gewaltgrad bleibt absolut unangetastet und so muss niemand auf literweise Blut verzichten, wenn er gegen das „Regime“ ins Feld zieht. Spielerisch macht das absolut keinen Unterschied. Allerdings steht auch ausschließlich die deutsche Tonspur zur Verfügung. Diese wartet zwar mit professionellen Sprechern und sehr kompetenten Darbietungen auf, der Mangel an Optionen ist trotzdem schade. Auch wenn es verständlich ist, immerhin enthalten die englischen Originaldialoge Nazi-Referenzen.

MachineGames gelang im Jahr 2014 mit Wolfenstein: The New Order ein ganz besonderes Kunststück. Der Shooter machte aus einer Serie, die seit ihrem Beginn eher weniger für gute (oder überhaupt vorhandene) Storys bekannt war ein rundum gelungenes Paket. Tolles Gunplay traf auf eine durchdachte Handlung, die in jeder Sekunde besten B-Movie-Charme versprühte. Die Wiederbelebung des legendären Namens Wolfenstein wird nach einem ebenfalls gelungenen Standalone-DLC nun fortgesetzt. Dabei bietet Wolfenstein 2: The New Colossus alles, was man im Vorgänger mochte, ist aber besser. Und das ganz ohne Mikrotransaktionen oder Lootboxen. So muss ein Singleplayer-Shooter 2017 aussehen! B-Movie-Plot Der Kern jedes Wolfenstein-Spiels…

Review Overview

Wertung - 9

9

So muss eine Fortsetzung aussehen

Summary : Wolfenstein 2: The New Colossus tut genau das, was eine gute Fortsetzung tun sollte. Das Spiel basiert auf dem starken Fundament des Vorgängers, ruht sich aber nicht darauf aus. Die komplett behämmerte Story funktioniert hervorragend, weil man sich für die erstklassig geschriebenen Charaktere interessiert. Umgebungen bergen alternative Pfade und erlauben verschiedene Vorangehensweisen. Die Feuergefechte fühlen sich spektakulär befriedigend an und sind an Tempo kaum zu überbieten. Nazis killen mag ein alter Hut sein. Und trotzdem fühlt es sich so gut an wie noch nie.

User Rating: Be the first one !
Genre: Shooter
Entwickler: MachineGames
Erscheint: Erhältlich
Preis: ca. 70 Euro
System: PS4, Xbox One, PC

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