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Review: VirtuaVerse

Cyberpunk 1987

War das Cyberpunk-Genre in der Popkultur längere Zeit im Winterschlaf, so feiert es zunehmend, vor allem angetrieben vom kommenden Release von Cyberpunk 2077, eine Renaissance. Eine Reihe von Titeln erscheint in den nächsten Monaten, darunter auch mehrere Adventures. Dieser Tage möchte uns VirtuaVerse auf PC, Linux und Mac in eine mehr oder weniger dystopische Zukunft führen, die auch aus den Romanen von William Gibson stammen könnte.

Bei VirtuaVerse erwartet euch ein waschechtes Point & Click-Adventure wie es etwa Anfang der 1990er Jahre auch auf dem Amiga erscheinen hätten können, inklusive charmanter 16-Bit Pixeloptik und passendem Disketten-Ladesound. So wirft euch das Spiel in eine Welt voller Technomancer, AR-Graffiti-Künstler, Hacker-Gangs, Stämmen von Crypto-Schamanen und Digital-Archäologen, die stark an die Visionen erinnert, die man in Filmen wie Bladerunner gesehen hat. Ihr übernehmt die Rolle eines typischen Hackers mit einem gewissen Hang zum Schmuggel sowie der Nerdkultur der frühen 1990er Jahre sowie dem Problem, dass seine Freundin Jay eines Morgens plötzlich verschwunden ist. Euch erwartet eine spannende und teilweise auch verzweifelte Suche mit jeder Menge unerwarteter Abzweigungen und dem einen oder anderen durchaus interessanten Umweg. Müsst ihr doch nicht nur Jay suchen, sondern zuvor auch eure kaputten AR-Headset reparieren, denn ohne dieses Gadget seht ihr in der Welt VirtuaVerse vieles erst gar nicht.

Natürlich bekommt ihr die fast schon obligatorischen Zitate und Anspielungen auf die Spiele-und Popkultur serviert. Das Spiel spart aber auch nicht mit Gesellschaftskritik, zeichnet es doch auch eine Welt der staatlichen Orwell’schen Überwachung, in die man technikverliebt durchaus blauäugig hineinsegeln kann. Doch schaffen die Entwickler dies ohne erhobenen Zeigefinger einzubauen, sondern verpacken das Spiel auch in jede Menge detailverliebten Humor, der bei der Vielzahl an Reklametafeln beginnt und auch bei der eingebauten Dating-App noch nicht endet.

Spielerisch bekommt ihr genau das Gameplay geboten, das ihr euch von dieser Art von Games erwarten könnt. Ihr besucht eine Vielzahl an Locations, führt allerlei mehr oder weniger nützliche Multiple-Choice-Gespräche und sucht vor allem jeden Winkel nach Gegenständen, ab die ihr mitnehmen könnt und die euch in weitere Folge vielleicht nützlich sein könnten. Da die Handlung und damit auch die Rätsel strikt linear ablaufen ist es damit auch wichtig, wirklich alles mit zu nehmen, wollt ihr nicht später noch einmal alles abklappern, wenn ihr euch in einer Sackgasse befindet. Und da es, wie auch damals in den „guten alten Tagen“, auch keine einblendbare Hinweise oder Hotspots gibt, läuft ihr so gut wie sicher in die eine oder andere lästige Falle. Zumal (auch das ist geradezu genretypisch) nicht jedes Rätsel logisch ist und das Gameplay-System auch einfach keine Gnade für kreative Lösungen kennt.

Bei der Grafik setzt man auf feinste 16-Bit Pixelkunst, die sowohl im eigentlichen Spiel als auch in den beeindruckenden Zwischenanimationen zu gefallen weiß. Ein Umstand, der umso mehr beeindruckt, wenn man weiß, dass VirtuaVerse von nur nur drei Entwicklern, darunter der deutsche Pixel-Artist Valenberg, und dem Publisher/Plattenlabel Blood Music erstellt wurde. Richtig begeistert hat mich der Soundtrack von VirtuaVerse, dieser passt mit seinen elektronischen Beats im besten 80er Style inklusive einer heftigen Mischung aus Synthwave- und Chiptune-Melodien einfach gut.

Fazit

Wertung - 8

8

Ich mag Point & Click-Adventures und seit ich in den 1980er Jahren Shadowrun am Papier gespielt habe, haben mich auch Cyberpunk Geschichten nicht losgelassen. VirtuaVerse erfindet das Adventure-Rad nicht neu und ist für einen modernen Vertreter des Genre auch deutlich zu linear. Das Spiel machte auf mich den Eindruck, als wäre es vor 40 Jahren erschienen und ich habe erst jetzt Zeit, es endlich zu spielen. So habe mich ich trotz einiger sehr flachen Rätsel und augenscheinlichen Designsackgassen über die Story von VirtuaVerse gefreut. Vor allem auch der Soundtrack des Spiels hat es mir auch angetan, den hab ich mir nach dem Spielen auch sofort auf Bandcamp gekauft. Wer ein richtig schön klassisches Point & Click-Adventures in der Tradition von LucasArts erleben möchte, sollte schnell die 15 Euro für VirtuaVerse in die Hand nehmen.

User Rating: 5 ( 1 votes)
Genre: Aventure
Entwickler: Theta Division Games
System: Windows, Linux, Mac (über Steam oder GOG)
Erscheint: erhältlich
Preis: ca. 15 Euro

 

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