Home / Artikel / Review: Uncharted: The Lost Legacy

Review: Uncharted: The Lost Legacy

Bei manchen Spieleschmieden stellt sich die Frage, wozu man überhaupt Tests und Rezensionen zu ihren neuesten Werken schreibt. Sind wir uns doch einmal ehrlich, lest ihr diese Zeilen, weil ihr ernsthaft glaubt, dass Naughty Dogs gewachsener Standalone-DLC Uncharted: The Lost Legacy möglicherweise seinen Preis nicht wert sein könnte? Oder wollt ihr euch einfach noch einmal hypen bevor, ihr dann sowieso in den Handel oder zum PS-Store stürmt und euch den Titel auf die Konsole zieht? Nun, für die zweite Gruppe habe ich hier ein paar Zeilen, erstere muss ich leider „enttäuschen“.

Frasier?

Das liegt in gewisser Weise daran, dass Uncharted: The Lost Legacy gleichzeitig viel und auch wenig an der bekannten Uncharted-Formel rüttelt. So schlüpft ihr erstmalig in die Haut von Chloe Frazer. Die charismatische indisch-australische Schatzsucherin kreuzt mit Uncharted-Hauptprotagonist Nathan Drake seit Uncharted 2: Among Thieves in regelmäßigen Abständen die Wege. Obwohl Chloe viele Übereinstimmungen mit Nathan und seinen Fähigkeiten hat, bringt sie mit ihrem peppigen aber auch irgendwie schwermütigen Charakter sowie ihrer lockerer sitzenden Moral frischen Wind in das bisher doch stark von einem Charakter dominierte Franchise.

Highend-Elfenbein

An Chloes Seite ist die aus Uncharted 4 bekannte Anführerin der Söldnergruppe Shoreline Nadine Ross, die von Chloe angeheuert wurde, um den Stoßzahn von Ganesh zu finden. Dieses legendäre Artefakt des hinduistischen Glaubens ist von unfassbarem Wert und soll Nadine helfen, ihren Söldnertrupp wieder aufzustellen, während Chloe mit der Suche nach dem Artefakt auch zeitgleich ihrer Vergangenheit und ihrem seit Jahren verstorbenen Vater – einem Archäologen – hinterherjagt. Natürlich wäre eine solche Schatzjäger-Geschichte nichts ohne einen skrupellosen Warlord, der ebenfalls hinter dem Objekt der Begierde her ist. Im Falle von Uncharted: The Lost Legacy ist dies Asav, dem Chloe und Nadine gleich zu Beginn des Spiels mitten aus einer vom drohenden Bürgerkrieg gezeichneten Stadt in einer überaus waghalsigen Aktion ein Medaillon stehlen, welches den Schlüssel zum Stoßzahn darstellen soll.

Der LKW markiert die Stelle

Danach entspannt sich das Spiel jedoch, gerade für Uncharted-Verhältnisse, für einige Stunden. Ähnlich dem Madagaskar-Abschnitt des Hauptspiels, brechen Chloe und Nadine nämlich mit einem Jeep in ein offenes Dschungelgebiet auf, in dem die seit Jahrhunderten ausgestorbene Zivilisation Hoysala anzutreffen war. Das Areal präsentiert sich hierbei als ein wunderschönes Paradies voller hinduistischer Tempel, in denen es natürlich wieder Schätze, Fallen und Rätsel zu entdecken gibt. Während ihr euch durch die dicht und abwechslungsreich gestaltete Landschaft mit eurem sich genau im richtigen Maße realistisch aber nicht zu realistisch verhaltenden Gefährt schlagt, macht ihr euch auf die Suche nach dem Eingang einer geheimen Stadt, in der der Stoßzahn versteckt sein soll. Natürlich sind Asavs Männer auch schon vor Ort und so lassen sich die wichtigeren Tempel ganz einfach daran erkennen, dass bereits ein Militär-LKW vor der Eingangspforte geparkt ist.

Bester… Geschichtsuntericht… ever!

Für diesen Bereich des Spiels läuft dann anschließend alles nach demselben Schema ab: Ihr findet eine Ruine, löscht in bombastischen Feuergefechten voller Akrobatik, Teamwork und Kugelhageln mit ordentlich Wumms alle Feinde aus, klettert dann ein wenig, löst ein paar simple Rätsel und lauscht währenddessen, wie Chloe und Nadine durch die wieder vorbildlich gut geschriebenen, interessanten Dialoge zum Leben erweckt werden. Zeitgleich lässt sich so einiges über den vielfältigen hinduistischen Glauben und im spezifischen über Ganesha und wie dieser seinen Stoßzahn überhaupt erst verloren hat, sowie die allgemeine Kultur des Königreichs Hoysala erfahren. Geschichte, Sagen und Schießereien geben sich so im Minutentakt die Klinke in die Hand.

Uncharted: The Lost Grund es nicht zu kaufen.

Aber natürlich wird Uncharted nicht als Geschichtsunterricht gespielt und nachdem ihr den im Verhältnis geradezu meditativen Open-World-Teil der Spiels abgeschlossen und vielleicht das ein oder andere hilfreiche Artefakt gefunden habt, geht eine mehrstündige Achterbahn an Actionsequenzen, mitreißender Handlung, Schicksalsschlägen, spannenden Rätseln und nicht zuletzt atemberaubenden Impressionen los, die euch jedes Gefühl von Zeit vergessen lassen wird. Was Naughty Dog hier an Tempelarchitektur, Leveldesign, Drama und Atmosphäre auspackt, würde für drei andere Spiele genügen und wenn ihr anschließend nach etwa zehn bis zwölf Stunden wieder in die Realität entlassen werdet, wird euch wieder eingefallen sein, warum ihr dieses Review eigentlich gar nicht lesen hättet müssen.

Multiplayer gibt es auch noch…

Denn selbst wenn ihr Vertreter des „aber das ist zu wenig Spielzeit“-Arguments seit – ich persönlich war froh die seit Stunden entweder aus Erstaunen oder Entsetzen angehaltene Luft endlich wieder zirkulieren lassen zu können – hat Naughty Dog an euch gedacht. So erhalten alle Uncharted: The Lost Legacy-Spieler Zugang zu dem vollständigen und mittlerweile seit Monaten feingetunten Multiplayer-Modus von Uncharted 4: A Thief’s End. Zwar war dieser unweigerlich der schwächste Part von Uncharted 4, kann aber durchaus für einige Stunden begeistern und zeigt vor allem im Koop-Wellen- und dem neuen Survival-Arena-Modus, dass das Uncharted-Gameplay auch im eingespielten Team jede Menge Spaß machen kann.

Bei manchen Spieleschmieden stellt sich die Frage, wozu man überhaupt Tests und Rezensionen zu ihren neuesten Werken schreibt. Sind wir uns doch einmal ehrlich, lest ihr diese Zeilen, weil ihr ernsthaft glaubt, dass Naughty Dogs gewachsener Standalone-DLC Uncharted: The Lost Legacy möglicherweise seinen Preis nicht wert sein könnte? Oder wollt ihr euch einfach noch einmal hypen bevor, ihr dann sowieso in den Handel oder zum PS-Store stürmt und euch den Titel auf die Konsole zieht? Nun, für die zweite Gruppe habe ich hier ein paar Zeilen, erstere muss ich leider "enttäuschen". Frasier? Das liegt in gewisser Weise daran, dass Uncharted:…

Review Overview

Wertung: - 9

9

Worauf wartest du noch?

Summary : Ganz kurz habe ich an Uncharted: Lost Legacy gezweifelt. So schön und angenehm der Open-World-Bereich des Titels auch war, wirkte alles ein bisschen wie Uncharted auf Sparflamme und die teilweise doch etwas eingeschränkte Freiheit fiel mir zum ersten Mal ein wenig negativ auf. So dachte ich dass Lost Legancy möglicherweise doch nur ein sehr gutes, aber kein fantastisches Spiel sein könnte. Doch die darauffolgende etwa sieben Stunden andauernde Ohrfeige, mit der mir Uncharted: Lost Legacy seine Unbeschreiblichkeit anschließend ins Gesicht rieb, ließ mich glücklicherweise wieder zu Sinnen kommen. Ganz egal ob ihr Uncharted schon einmal gespielt habt: Kauft dieses Spiel

User Rating: 3.4 ( 3 votes)

2. Meinung: Michael Furtenbach

Uncharted: The Lost Legacy ist nicht nur ein rundherum gelungener Nachschlag für alle, die wie ich ordentlich Spaß mit Uncharted 4: A Thief’s End hatten, sondern auch ein Experiment. Wird die Welt voller Abenteuer und versunkener Schätze auch ohne den charismatischen Nathan Drake funktionieren? Ja das tut es, sogar richtig gut und Chloe Frazer schafft es sogar, Vergleiche mit Lara Croft gar nicht erst aufkommen zu lassen. Große Gameplay-Überraschungen dürft ihr euch nicht erwarten, denn Uncharted bleibt Uncharted: Explosionen, unter euch zusammenbrechende Ruinen, humorvolle und emotionale Dialogen sowie knackige Schusswechsel. Auch wenn der Umfang etwas geringer ausgefallen ist als bei den „großen“ Uncharted-Teilen: Das ist mein Sommer-Blockbuster für die PlayStation 4 und ich hätte nichts einzuwenden, wenn Naughty Dog in Zukunft noch mehr „Anthologie“-Episoden entwickeln würde.

3. Meinung: Lukas Urban

Uncharted: The Lost Legacy ist ohne Zweifel ein vollwertiges Uncharted-Spiel. Ursprünglich als eigenständig spielbarer DLC angekündigt, entpuppte es sich vielmehr als (fast) ausgewachsene Fortsetzung zu Uncharted 4 – sogar der Multiplayer-Modus ist enthalten. Klettern, Kämpfen, Rätsel lösen: Die drei Grundpfeiler der Reihe funktionieren auch hier nach dem in A Thief’s End verfeinerten Schema und erhalten durch die neuen Stars Chloe und Nadine einen erfrischenden, neuen Rahmen verpasst. Die Handlung der gut zehn bis zwölf Stunden langen Kampagne hätte aber gerne besser strukturiert sein dürfen und das verkrampfte Weglassen von Informationen, nur um später eine „schockierende“ Enthüllung präsentieren zu dürfen, hätte man sich genau wie in Uncharted 4 ebenfalls sparen können. An allen anderen Fronten liefert Naughty Dog allerdings Blockbuster-Action der Extraklasse ab: Toll geschriebene Charaktere, atemberaubend schöne Schauplätze und halsbrecherische Setpieces. So mag ich Uncharted!

Genre: Action
Entwickler: Naughty Dog
Erscheint: 23. August
Preis: ca. 40 Euro
System: PS4

Bei Amazon vorbestellen und SHOCK2 direkt unterstützen: