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Review: The First Avenger: Civil War (Spoilerfrei)

Als Joss Whedon im Jahr 2012 erstmals die Avengers auf der großen Leinwand versammelte, schien es unmöglich, dieses Großaufgebot an Superkräften zu überbieten. Es folgte Avengers: Age of Ultron, der zwar mehr Spektakel, aber kaum Emotion bot. Kaum vorstellbar, dass ein Captain America-Film die beiden Mega-Blockbuster mit ganzen zwölf Superhelden übertrumpfen könnte, ohne dabei den Fokus auf den Titelhelden zu verlieren. Joe und Anthony Russo, die bereits bei The Return of the First Avenger Regie führten, haben die Aufgabe gemeistert.

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The First Avenger: Civil War fußt direkt auf den Ereignissen in The Return of the First Avenger und Avengers: Age of Ultron; Kenntnis dieser ist eine Voraussetzung, um den Film in allen Facetten zu verstehen. Ein missglückter Einsatz des neuen Avengers-Teams bringt das Fass zum Überlaufen. Die Gruppe um Captain America (Chris Evans) muss sich den Vereinten Nationen stellen, die nach den Zerstörungsorgien in New York, Washington, D.C. und Sokovia auf Kontrolle und Verantwortungsbereitschaft pochen. Steve Rogers ist gegen den Vorschlag, zukünftig einer Kommission zu unterstehen, Tony Stark/Iron Man unterstützt den Vorschlag. Verkomplizierend kommt die Frage hinzu, ob der sich auf der Flucht befindliche Bucky für seine Verbrechen als von Hydra kontrollierter Winter Soldier zur Verantwortung gezogen werden sollte. Die Avengers werden entzweit, was zur einer großen Auseinandersetzung führt.

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Der Kampf zwischen „Team Cap“ und „Team Iron Man“ gehört zu den besten Actionsequenzen, die jemals in einer Comicverfilmung zu sehen waren. Trotz einer ungemeinen Zahl an Charakteren erhält jeder Held seinen großen Moment. Egal ob War Machine, Vision, Black Widow, Ant-Man, Falcon, Hawkeye oder Scarlet Witch; jeder und jede hat etwas zu tun, während Cap, der Winter Soldier und Iron Man im Fokus stehen. Es handelt sich allerdings nicht um eine stumpfe Prügelei, sondern einen emotionalen Konflikt zwischen Charakteren, die man seit Jahren begleitet. Die Motivationen beider Seiten können nachvollzogen werden, was Cap und Iron Man gleichermaßen sowohl zu Pro- als auch Antagonisten macht.

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Trotz der ernsten Thematik finden die Russo-Brüder Raum für den typischen Marvel-Humor. Diese vereinzelten Momente wirken niemals aufgesetzt, sondern entstehen organisch aus den Charakteren und ihren Beziehungen zueinander. Die lustigsten Momente liefert Tom Holland als neuer Peter Parker/Spider-Man. Er spielt den bisher besten Netzschwinger mit einer Lockerheit, die einen angenehmen Kontrast zur alten Garde bildet, die sich mit ernsten Problemen befasst. Hollands stiehlt mit seiner Interpretation des Charakters trotz einer relativ kleinen Rolle beinahe den ganzen Film und hebt die Erwartungen an seinen 2017 erscheinenden Solofilm ins ungeahnte Höhen. Der zweite Neuzugang ist T’Challa/Black Panther (Chadwick Boseman), der Kronprinz des afrikanischen Königreichs Wakanda. Er steht auf keiner der beiden Seiten, sondern verfolgt eine eigene Agenda und hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Sein Film im Februar 2018 kann gar nicht schnell genug kommen.

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Doch alle großartigen Überraschungen, die aus den Comicheften ihren Weg auf die Leinwand finden, können nicht über die Probleme der Story hinwegtäuschen. Der dritte Akt ist wie in den meisten Filmen aus dem Hause Marvel schwach. Zwar wird auf eine Spezialeffekt-Schlacht verzichtet – dieses Feuerwerk wird im großen Kampf der beiden Teams abgefeuert –, das emotional angelegte Finale fällt aber flach. Verantwortlich dafür sind ein Twist, der keiner ist, und nur mit viel Gutwillen nachvollziehbare Charaktermotivationen. Zudem ist der sich durch den Film ziehende Masterplan von Zemo (Daniel Brühl), dem großen Schurken mit wenig Screentime, gespickt mit Logiklöchern und unglaubwürdigen Zufällen, die es so niemals ins Drehbuch schaffen hätten sollen.

Review Overview

Wertung - 8

8

Ein starker Start für Phase 3 des Marvel Cinematic Universe

The First Avenger: Civil War hat beinahe nichts mit der Comicvorlage zu tun. Der Film verschmilzt einige Ideen aus der Story von Mark Millar und Steve McNiven mit den Konsequenzen vorangegangener Filme und treibt gleichzeitig die übergeordnete Handlung des Marvel Cinematic Universe voran. Beinahe nebenbei werden dabei Spider-Man und Black Panther eingeführt, ohne unpassend oder abgekapselt von der Story zu wirken. Der Film verlangt zu oft, dass man über Logiklöcher hinwegsieht, kompensiert im Gegenzug allerdings mit eindrucksvollen Actionsequenzen, die das Herz jedes Fans höher schlagen lassen. Civil War ist besser als Avengers: Age of Ultron, schwächer als The Return of the First Avenger und gleichzeitig der Beweis, dass die Infinity War-Filme in den Händen der Russo-Brüder hervorragend aufgehoben sind.

User Rating: 4.13 ( 2 votes)
Zweitmeinung von Steffi
Civil War ist eines der größten und auch besten Marvel Comic-Events der 2000er Jahre und auch wenn der Film kaum etwas mit diesem zu tun hat, so enttäuscht er kein bisschen.

Nach dem großen Avengers: Age of Ultron–Reinfall war es angenehm sich in eine Story vertiefen zu können, welche nicht nur schwarz und weiß kennt, sondern von mehreren Seiten betrachtet und beurteilt werden kann.

Neben den zwei Schurken Crossbones (Brock Rumlow) und Baron Zemo (Daniel Brühl) stehen hauptsächlich die bereits aus den bereits erschienenen Marvel-Filmen bekannten Helden im Mittelpunkt, welche sich dieses Mal jedoch aufgespalten haben. Statt sich gegen den Feind zu verbünden, kämpfen sie gegeneinander. Die Kampfszenen sind gut gemacht, actionreich und werden trotz aller Dramatik auch immer wieder mit dem typischen Marvel-Humor aufgelockert.

Alles in Allem ist der Film sehr unterhaltsam und trotz seiner langen Dauer kein bisschen langweilig. Er ist absolut sehenswert, egal ob man nun die Comics kennt und sowohl für #TeamCap als auch #TeamIronMan ein Gewinn.

The First Avenger: Civil War (2016)
Regie: Joe und Anthony Russo
Drehbuch: Christopher Markus, Stephen McFeely
Mit: Chris Evans, Robert Downey Jr., Sebastian Stan, Scarlett Johansson, Chadwick Boseman, Tom Holland
Länge: 146 Minuten
Kinostart: 28.04.2016
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